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16.8.2018 : 4:24 : +0200

Unser Boden, Haut des Planeten

Mehr Schutz und Pflege tut not!

 

Ein warmer Hauch von Waldboden in der winterlichen Stadt, der Duft lebendiger, humoser Erde: Im Prinzip weiß jeder, wie guter Boden sich anfühlt und riecht. Doch wo findet man den? Wie ist es um unsere Böden bestellt?

Ob Berg oder Wiesengrund, Wald, Weide oder Acker, Nord- oder Südhang, Sand oder Ton – Böden sind die Grundlage von Vielfalt. Den Böden allerdings geht es schlecht. Weltweit. Darauf will der Tag des Bodens am 5. Dezember aufmerksam machen. Denn Flächen für das Erzeugen von Nahrung gibt es nicht im Übermaß: Nur gut ein Drittel der Erdoberfläche ist landwirtschaftlich nutzbar, doch ist davon ein Sechstel krank. Und Jahr für Jahr gehen 0,3 bis 0,5 % verloren – unwiederbringlich. Böden bilden sich langsam, einen Millimeter jährlich, 30 cm aber braucht der Ackerbauer, mindestens. Noch heikler ist das mit ihrer Fruchtbarkeit: Über Generationen hinweg war daher die Bodenfruchtbarkeit das Kapital, das der Bauer seinem Sohn hinterließ, und es ist eine Kunst, diese aufzubauen und zu erhalten.

 

Die Ursachen kranker Böden sind menschengemacht und lassen sich mit den Begriffen Übernutzung und Fehlnutzung fassen: die konkreten Folgen sind Erosion durch Wind und Wasser, Ersterben der Fruchtbarkeit, Auslaugung, Fortschreiten der Wüsten. Auch Vergiftung durch Auswüchse der Industriegesellschaft gehört dazu, was zugleich deutlich macht, dass Böden nicht nur die Grundlage unserer Nahrung sind, sondern auch unseres Trinkwassers. Pflanzen Wurzelraum gebend, tragen sie auch zum lokalen wie weltweiten Klima bei. Und obwohl wir in Deutschland dreimal soviel Wald, der ja Wasser zurück hält, haben wie vor 200 Jahren, sind Überschwemmungen häufiger, was unter anderem mit unserer Bauwut zusammenhängt: Jeden Tag wird eine Fläche von 200 Fussballplätzen betoniert, am liebsten da, wo es flach ist und der Boden fruchtbar. Doch ist diese Versiegelung nicht die einzige Ursache, auch hierzulande sind die Böden krank, ohne Chemie kraftlos. Verdichtet durch zu schwere Maschinen, die Regenwürmer durch Agrochemikalien vertrieben und tendenziell eher klumpig als feinkrümelig – Regenwasser fließt da immer häufiger oberflächlich ab, statt zu versickern.

 

Den landwirtschaftlichen Böden könnte es besser gehen mit ökologischer Bewirtschaftung, doch in diesen Genuss kommen nur knapp 6% der deutschen Böden. Besonders durch biologisch-dynamische Maßnahmen werden sie lebendig, bergen mehr Regenwürmer und aktivere Bodenmikroben und sind, wie Langzeitversuche zeigen, am humusreichsten, haben die stabilsten Bodenkrümel und sind so besser vor Verdichtung und Erosion geschützt. Da wo Milch und Honig fließen, da strebten früher die Menschen hin, die Wertschätzung von Kuh, Regenwurm und Biene macht unsere Landschaft und Böden fruchtbar. Auch das Klima hängt mit den Böden zusammen: Humusaufbau kann der Luft CO2 entziehen. Ein bisschen geht das auch mit Ökolandbau, doch ist dessen Klimavorteil vor allem die Energieersparnis, die durch den Verzicht auf synthetische Stickstoffdünger entsteht und durch das eigene Futter: Denn Importfutter, oft auf gerodetem Regenwald angebaut, trägt durch die Bodenzerstörung kräftig zur CO2 Freisetzung bei. Von positivem Klimaeffekt wäre das Wiedervernässen von Moorböden. Doch bergen die in anderen Regionen Klimarisiken: Steigt die Erdtemperatur, werden bislang gefrorene Sumpfböden klimaschädliches Methan freisetzen.

 

Böden erzählen sogar Geschichten: Archäologen wissen davon zu berichten, aber auch Naturkundler, es gibt tatsächlich Bodendenkmale! Und was Böden in Sprache und Malerei (Pigmente!) angeregt haben, lässt sich hier nur andeuten. Böden verdienen mehr Engagement, sind sie doch die Grundlage für Ernährungssicherheit und Entwicklung. Dazu muss man mehr über sie und die Bedingungen ihrer Fruchtbarkeit wissen – eine Zukunftsaufgabe.

 

Michael Olbrich-Majer in Info3,Dezember 2008