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25.8.2016 : 11:48 : +0200
Buchbesprechungen

Biodynamisch Gärtnern

Es sieht ein bisschen aus wie ein Kräuterkochbuch mit vielen Bildern. Doch erklärt wird die Zubereitung der biodynamischen Präparate, vom Jauchen, Asche und Kompost, deren Wirkung und Einsatz im Verlauf des biodynamischen Gartenjahrs beschrieben wird. Nach dem Mond­kalender geht es dann durch das Gartenjahr mit kurzen Anbauanleitungen der Wurzel-, Blüten-, Blätter- und Fruchtpflanzen und dazu, wie sich die Wirkung der Mondtrigone auf unterschiedliche Weise nutzen lässt. Ein wunderschönes (Rezepte-) Buch – zum sofort Ausprobieren im Garten, praktisch und reich bebildert.

 

Monty Waldin, Biodynamisch Gärtnern

Dorling Kindersley Verlag GmbH, München, S. 254, € 20,60, ISBN: 9-783831-029907

Praktikerleitfaden Homöopathie und Klauenpflege

Praktiker-Leitfaden Homöopathie für gesunde Klauen

Ziel des Leitfadens: ein frühzeitiges Erkennen erster Symptome einer Klauenerkrankung und anderer Ursachen für Lahmheiten. Die Krankheitszeichen und Entwicklung werden aus Landwirtesicht dargestellt. Der Praktiker kann so gut differenzieren. Anschauliche Fotos und Tipps verdeutlichen prophylaktische Maßnahmen wie Pflegeschnitt, Therapievorschläge sowie anzuwendende Arzneimittel. Der Einsatz von Antibiotika sollte mithilfe dieser Maß­nahmen vermeidbar sein. Vorbeugende homöopathische Therapien werden ebenfalls aufgezeigt. Für Praktiker geschrieben.

 

Sybille Maurer, Praktiker-Leitfaden Klauen­erkrankungen und Lahmheit, Klassische Homöopathie,

Sybille Mauer UG Eichenhof Verlag, 92 S., 32,00 €, ISBN: 978-3-946517-01-6

Die Geschichte von Sekem, neu aufgelegt

Was geht, wenn man sich traut, in die Wüste zu gehen, anthroposophisch inspiriert, biodynamisch im Handwerk und interkulturell mit dem Islam im Gespräch, dafür ist Sekem, das Lebenswerk von Ibrahim Abouleish international ein lebendiges Modell. Das vorliegende Buch, eine gründliche überarbeitete und erheblich ergänzte Version des Erstlings „Die Sekem-Vision“ von 2004 ist eine Art Werkbiografie, zeigt die Anfänge wie das Potenzial, das Sekem als Vorbild nachhaltiger Entwicklung hat. In vier umfassenden Kapiteln stellt er, beginnend mit seinen Lebenstationen, dar, wie sich Sekem von der Farm zu einem vielfältigen sozialen Organismus entwickelte, der verschiedene Unternehmen und soziale wie kulturelle Aktivitäten vereint. Neue Formen der Zusammenarbeit, der notwenige Paradigmenwechsels in der Denkweise hinsichtlich der Natur, aber auch die Widrigkeiten des ägyptischen Alltags beim Verwirklichen einer Idee kommen zur Sprache, ebenso wie Sekems internationale Netzwerkarbeit. Das Buch schließt mit einem Ausblick auf die mögliche ökologische Zukunft Ägyptens.

 

Ibrahim Abouleish, Die SEKEM – Symphonie

Info3 Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG, 186 S. 19,80 Euro ISBN 978-3-95779-027-9

Demeter – ein Phänomen…

… findet der Journalist Matthias Mochner und ging dem nach. Herausgekommen ist ein ansprechend bebildertes Buch, das eine Übersicht und Einführung zur Demeter-Landwirtschaft leistet. Dabei geht es durchaus zur Sache, ob Wesen der Kuh, Präparate oder biodynamisch-anthroposophische Grundlagen, verständlich geschrieben und mit Zitaten aus der biodynamischen Literatur und Praxis hinterlegt. Ein Kapitel zur Ernährung erläutert die möglichen Vorteile so erzeugter Lebensmittel. Weiter geht es mit einem Blick auf die Forschung, dem knappen Platz entsprechend eine Auswahl, so dass Unbewiesenes wie, dass Präparate gegen Radioaktivitätsfolgen helfen oder Umstrittenes, wie Aussaat nach sogenannten Trigonen etwas überbetont ist. Dafür entschädigen die Anhänge zu bildschaffenden Methoden und zu Pionieren der Biodynamischen Wirtschaftsweise. Insgesamt ein gut zu lesender Einstieg in Hintergründe und Fakten.

 

Matthias Mochner: Das Demeter Phänomen. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft – ein Weg aus der Sackgasse der Agrochemie.

Elster Verlagsbuchhandlung, Zürich 2015,184 S., gebunden, 29,00 Euro, ISBN 978-3-906065-267

Zucht mit Kuhfamilien

Biobetriebe brauchen Tiere, die zu ihrem Standort und ihrer Futtergrundlage passen. Und Demeter-Betriebe solche mit Hörnern. Eigene Zucht liegt also nahe, doch wie? Die Methode, mit Kuhfamilien als Grundlage der Selektion und Anpaarung zu arbeiten, betrieblich wie im Verbund, hat sich hier als erfolgreich erwiesen. Wie das geht, welche Varianten es gibt und worauf es ankommt, beschreibt dieses Merkblatt für Praktiker.

 

Kuhfamilienzucht. Eine Methode für die biologische Milchviehzucht.

FiBL-Merkblatt Nr.1686, 20 S. A4, 7,00 Euro, ISBN 978-3-03736-2687-7

Bezug auch über die Verbände Demeter, Bioland Naturland, BioSuisse

Steiners Landwirtekurs als Audio-CD

Den Landwirtschaftlichen Kurs in der Schlepperkabine hören – das war mal fällig. Steiners Anregungen zur Landwirtschaft, gesprochen von der Schauspielerin Pia Maria Sturm, kann man sich so ohne große Hürde nähern, Vortrag für Vortrag. Gegebenenfalls zurückspulen, wenn man nicht mehr folgen konnte. Das wird beim Nebenbei-Hören wohl häufiger passieren. Denn sowohl die Inhalte der Vorträge, als auch die Lesung fordern doch, dass man gedanklich dabei ist. Aber die ersten Begriffe hat man dann schon mal vernommen und kann sich vornehmen – nochmal „absatzweise“ reinzuhören, oder nachzulesen. Verdaut werden muss das Gehörte wie das Gelesene. Der Vorteil des Zuhörens ist, dass man Passagen entdeckt, die man sonst gerne überlesen hat, und neue Fragen, Blickwinkel mitnimmt.

 

Rudolf Steiner: Geisteswissen­schaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft.

Landwirtschaftlicher Kurs. Rudolf Steiner Verlag Basel, Hörbuch Edition

Hrsg: W.E.G. Stiftung & Co KG Fulda, CD im MP3-Format mit Booklet, 337 Minuten, ISBN 978-3-7274-4262-9, 17,80 Euro

Handbuch biodynamisch

Endlich. Was Sie schon immer über biodynamische Präparate, Kompoststarter, Saatbäder und Tees im Anbau wissen wollten – der französische Berater Pierre Masson hat dies aus seiner langjährigen Erfahrung und im Austausch mit vielen Betrieben in einen Buch zusammengestellt, das jetzt – verspätet – auch auf Deutsch erschienen ist. Dessen besondere Qualität ist, dass es keine Einführung ist, sondern ein Rezeptbuch einer Vielfalt von biodynamischen Anwendungen, die Masson in den Jahrzenten seines Schaffens gesammelt hat. Ob besondere Herstellung des biodynamischen Fladenpräparates mit Brennnessel, Anwendungen wie Baumanstriche oder Wurzelbäder, oder die zahlreichen Hausmittelchen der Landwirte und Gärtner wie Pflanzenauszüge, Öle, oder spezielle Aschen: Herstellung und Anwendung werden konkret beschrieben. Abschließend geht das Buch auf Betriebszweige wie Tierhaltung und Grünland, Obst- bzw. Gemüsebau und Weinbau ein und erläutert hier eher grundsätzliche biodynamische Aspekte, sowie Arbeitspläne, Düngung etc. Ein biodynamisches Handbuch für die Praxis.

 

Pierre Masson. Landwirtschaft, Garten- und Weinbau biodynamisch

AT Verlag Aarau und München 2013, 224 S., 34,90 Euro, ISBN 978-3-03800-712-8

Die Welt der Tiere

Passend zur Landwirtschaftlichen Tagung mit dem Thema Mensch und Tierwürde erschien diese Auswahl von Texten Steiners vom Verhältnis des Menschen zur Welt der Tiere – nicht nur der Nutztiere. Gemeinsame Evolution, gegenseitiges Sich-Bedingen, ist der eine durchgängige Aspekt, die tiefere Wesenserkenntnis sowohl typischer Tiergruppen als auch der Funktionen und Einbettung in eine spirituell verstandene Ökologie der zweite. Steiner erweist sich hier als aufmerksamer Beobachter – damals war das Pferd das gängige Verkehrsmittel – wie auch als fachkundiger Deuter historischer Symbolik, und das mit guter Kenntnis der gerade aufkommenden Evolutionslehre, in seine Anthroposophie integriert. Wofür einzelne Tiere stehen, ihr Weg in der Erdenentwicklung, aber auch ihre seelischen und geistigen Eigenschaften – Stichwort Gruppenseele – all das erschließt sich hier über den Landwirtschaftlichen Kurs hinaus. Die zurückhaltend gesetzten Kommentare schaffen, wo nötig, Verbindung und Erläuterung.

 

Rudolf Steiner: Die Welt der Tiere.

Ausgewählte Texte herausgegeben und kommentiert von Hans-Christian Zehnter,

Rudolf Steiner Verlag, CH-Dornach 2015, TB 288 S., 19,90 €, ISBN 978-3-7274-5369-4

Beiträge zum Landwirtschaftlichen Kurs

Steiners Kurs für Landwirte ist nicht gerade einfach zu erschließen. Umso hilfreicher ist dann Sekundärliteratur zur Unterstützung. Rudolf Isler hat in der biodynamischen Ausbildung der Schweiz zu diesem Thema unterrichtet, woraus dieses Büchlein entstand. Sein besonderer Ansatz ist, dass er nicht die einzelnen Vorträge durchgeht, sondern anhand der übergeordneten Gedanken die Querbezüge im Kurs aufspürt und darstellt: So Wird z.B. geklärt, was Steiner unter Substanzen, unter Ätherischem und Astralen versteht, was Kiesel, Kalk und Humus im Boden tun oder wie wir uns das Tier zwischen dessen typischer Zweigliederung und Gruppenseele vorstellen können. Und natürlich geht es um die Begriffe Organismus und Individualität. Eine gute Ergänzung und auch als Einstieg vor der Lektüre des Kurses hilfreich.

 

Rudolf Isler: Beiträge zum landwirtschaftlichen Kurs;

Hrsg: Ulrike Remer, Initia Medien und Verlag UG Uelzen, 2014, 82 S. 9,50 €, ISBN 978-3-9816901-0-1,

Bezug: Bäuerliche Gesellschaft e.V. Triangel 6, 21385 Amelinghausen

Mineralstoffe und Spurenelemente in der Ernährung

Mineralstoffe und Spurenelemente sind notwendige Bestandteile unserer Nahrung. Aber welche Aufgabe haben sie, wo kommen sie vor? Sie verbinden uns mit der Erde und den anderen Lebewesen, regulieren in unserem Stoffwechsel den Flüssigkeitshaushalt, helfen Lichtenergie aus der Nahrung zu speichern oder unterstützen das Denken.Nur selten schmeckt oder sieht man sie, die benötigten Mengen sind gering, aber ihr Fehlen kann große Auswirkungen haben. Nach einer Einführung in die Welt der Minerale folgt ein Kapitel über die Regulation im Säure-Basen-Haushalt. Den Hauptteil machen die einzelnen Mineralstoffe und Spurenelemente aus, ihr Vorkommen in Erde, Pflanze, Tier und Mensch und den Lebensmitteln. Mit welcher Nahrung ist man gut versorgt mit diesen Mikronährstoffen? Dem Buch liegt ein ganzheitlicher Ansatz auf der Basis der anthroposophischen Ernährung zugrunde.

 

Petra Kühne: Anthroposophische Ernährung II: Mineralstoffe und Spurenelemente;

Arbeitskreis für Ernährungsforschung, Bad Vilbel 2014, 126 S, ISBN 978-3-922290-07-0, 15,80 Euro

Solidarische Landwirtschaft organisieren

Wie findet eine Wirtschaftsgemeinschaft eines Hofes die passende Rechtsform? Braucht es denn eine? Den Weg zur Antwort auf diese Fragen skizziert dieses Büchlein, übersichtlich und mit vielen Beispielen. Vierzehn Modelle gemeinschaftsgetragener Landwirtschaft werden beschrieben und im grafischen Schema dargestellt, Historie und Aspekte der jeweiligen Modelle diskutiert. Gerahmt wird dieser Teil durch einleitend Prinzipielles rund um Rechtsformen und abschließend eher trockenen, aber wichtigen Informationen zu Rechtsformen, Steuerrecht und Gemeinnützigkeit. Denn Solidarische Landwirtschaft bewegt sich in einer Zwischenzone zwischen Unternehmen und gemeinnützigem Anspruch.

 

Veikko Heinz: Solidarische Landwirtschaft. Betriebsgründung, Rechtsformen und Organisationsstrukturen.

Morano Verlag Berlin 2014, 112 S., 10 Euro,

Bezug: Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, Stefanie Wild, Kattendorferhof, Dorfstr. 1a, 24568 Kattendorf,

www.solidarische-landwirtschaft.org/de/mediathek/literatur/

Vom Landwirt zum Evolutionshelfer

Warum arbeiten biodynamische Bauern so, und nicht völlig anders? Und wohin entwickeln sich Biodynamik und Ökolandbau künftig? Wie sieht eine Landwirtschaft aus, die sich aktiv in den Evolutionsprozess des Planeten Erde stellt? Nikolai Fuchs, ehemaliger Leiter der Landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum in Dornach, versucht in seinem neuen Buch Antworten darauf. Rudolf Steiners Anregung, das Ökosystem Landwirtschaft als Art Individualität nach dem Bilde des Menschen zu verstehen, verbindet er mit modernen wissenschaftlichen und philosophischen Sichtweisen von Erde und Kosmos und kommt zum Fazit: im aktuellen Zeitalter des Anthropozän ist der Mensch aufgefordert, seine Verantwortung zu ergreifen. Das kann mit einer Landwirtschaft gelingen, die sich über Vielfalt hinaus hin zu Komplexität entwickelt. Hierin spielen Boden und Kompost eine zentrale, aber nicht die einzige Rolle. Diese evolutiv begriffene Landwirtschaft weist zukünftige Entwicklungswege für Natur und Mensch zu mehr Freiheit – eine Einladung zum Weiterdenken und Handeln.

 

Nikolai Fuchs: Evolutive Agrarkultur. Landwirtschaft nach dem Bildeprinzip des Menschen. Eine Skizze.

Verlag Lebendige Erde Darmstadt 2014, Paperback, 98 S, ISBN 978-3-941-232-12-9, 16,00 Euro

 

Bodenfruchtbarkeit und Vieharme Landwirtschaft

Auch Demeter-Betriebe machen sich Gedanken über Mindestviehbesatz und die Frage, wie viel tierischer Dünger es denn mindestens braucht, um fruchtbare Böden zu haben. Die Antwort ist ziemlich eindeutig: Die vom Forschungsring 2013 vorgelegte Literaturstudie belegt in einer Auswertung von Langzeitversuchen, dass alle das Gleiche sagen: Ohne Vieh geht´s nicht, und am besten mehr als eine Großvieheinheit Rinder – je nach Boden.

 

Meike Oltmanns: Vieharme Landwirtschaft. Brauchen wir Tiere für eine nachhaltige Bodenfruchtbarkeit?

Forschungsring-Materialien Nr. 27, 18 S., A4, 5 Euro,

Bezug. Forschungsring, Brandschneise 5, 64295 Darmstadt,

als Download auf www.forschungsring.de/publikationsmittel0/materialien

 

Was die Bildekräftewahrnehmung nach Dorian Schmidt dazu sagt, ist ebenfalls vom Forschungsring in einer Arbeit von Dr. Jennifer Wohlers dokumentiert, wobei es hier eher um Tiere und die Belebtheit eines Hofes geht.

 

Vieharme Landwirtschaft: Zur Wirkung des Tierbesatzes auf den Hoforganismus und die Qualität von Lebensmitteln (Vorstudie).

Forschungsring-Materialien Nr.28, 54 S., 7,50 Euro, Bezug wie oben

 

Biodynamisch: Agrikultur für die Zukunft

1924 hielt Rudolf Steiner seinen «Landwirtschaftlichen Kurs» und rief damit einen neuen Impuls für die Landwirtschaft ins Leben: ganzheitlich-modern mit den Lebensprozessen der Natur arbeitetend. Heute ist daraus eine weltweite Bewegung entstanden, die sich in diesem Buch mit kurzen Beiträgen vorstellt: Historie, Prinzipien und Praxisberichte: von Kompost bis Ernährung, von Züchtung bis Bienenhaltung wird ein Einblick in die Vielfalt der Arbeitsfelder gegeben, die mit biodynamischem Ansatz an der Kultivierung von Erde und Natur arbeiten. Dass der Mensch davon nicht ausgenommen ist, zeigen die Kapitel Sozialgestaltung bzw. Forschung, wo neue Ideen, aber auch Versuchsresultate die Kraft, die im Biodynamischen steckt, dokumentieren. Mit Beispielen biodynamischer Praxis aus aller Welt schließt dieses Buch zur Vorstellung und Übersicht einer lebendigen und inspirierenden Bewegung.

 

Agrikultur für die Zukunft: Biodynamische Landwirtschaft heute. 90 Jahre Landwirtschaftlicher Kurs

Koberwitz; Ueli Hurter (Hg.), Verlag am Goetheanum Dornach, Schweiz, 288 S, 28,00 Euro, ISBN 978-3-7235-1508-2

auch in englischer Sprach erhältlich: „ Agriculture for the future“

Was wirkt auf das Pflanzenwachstum – biodynamisch betrachtet?

Die Ideen der Biologisch-Dynamischen Landwirtschaft haben ihre Wurzel im anthroposophischen Bild des Menschen. In neunzig Jahren Praxis und Forschung haben sich Elemente davon bestätigt – doch blieben naturwissenschaftlich Wirkungszusammenhänge z. B. der biodynamischen Präparate mit dem Pflanzenwachstum, ungeklärt. Für diese fehlende Verbindung von biodynamischem und pflanzenbauwissenschaftlichem Modell hat der Autor, Dr. Jürgen Fritz, einen Forschungsansatz entwickelt und durchgeführt: Grundlegende Be­griffe und Vorstellungen des Bio­dynamischen werden mittels Exaktversuchen überprüft: Vermitteln biodynamische Präparate über das hormonelle System der Pflanze Umkreiskräfte? Wirkt der Mond auf das Pflanzenwachstum? Die durchdachten und faszinierenden Experimente in diesem Buch klären systematisch Bausteine des biodynamischen Pflanzenbaus. Dr. Jürgen Fritz forscht und lehrt an der Universität Kassel-Witzenhausen und betreibt ein Labor zu Qualitätsuntersuchungen am Versuchsgut des Instituts für Organischen Landbau der Uni Bonn.

 

Jürgen Fritz: Biologisch-dynamische Pflanzenbaugrundlagen. Methodik und Untersuchungen zur Leitidee des Organismus,

Verlag Lebendige Erde Darmstadt 2013, 120 S., ISBN 978-3-941232-10-5, 20,– Euro

Schmeckt die Möhre?

Die gelben Rüben sind so etwas wie das pflanzliche Identitätsprodukt der biodynamischen Landwirte; nicht nur, weil sie die Farben der Marke Demeter widerspiegeln. Die Möhre ist das zweitliebste Gemüse der Deutschen, sie verzehren davon ca. 8 kg im Jahr pro Kopf, ca. jede vierte in Bioqualität. Die Demeter-Safter vermarkten prominent Säfte aus ihr und die biodynamischen Züchter bearbeiten sie erfolgreich – auch im Hinblick auf Geschmack. Ob sie dann auch besser schmecken – das hat eine Arbeit mit 20 Sorten untersucht, deren Ergebnisse in der vorliegenden Forschungsring-Schrift vorgestellt werden. Dabei kamen sowohl konventionelle Hybridsorten, klassische samenfeste wie auch biologisch-dynamisch gezüchtete zur Erprobung, und zwar frisch wie auch verarbeitet. Geschmacklich geprüft wurden sie nach anerkannten Verfahren durch Tester im ttz Bremerhaven. Dabei wurden Effekte der Züchtungsmethode deutlich, mit Vorteilen bei Geschmack und Geruch für die biodynamisch gezüchteten Sorten, unabhängig von der Zubereitung.

 

Uwe Geier und Kollegen: Untersuchungen zum Geschmack von Möhrensorten aus biologisch-dynamischer Züchtung.

Forschungsring Materialien Nr. 26, Darmstadt 2012, A4, 44 S., 20 €

Bezug über Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise

Brandschneise 5 64295 Darmstadt 06155 84 21 0, www.forschungsring.de

Brot-Backbuch von Ada Pokorny

Den Klassiker zum Backen mit sieben Getreidearten neu aufgelegt hat der Arbeitskreis für Ernährungsforschung, mit Unterstützung des Demeter-Herstellers Spielberger. Als dieses Buch vor 40 Jahren erschien, wollte die Verfasserin Rezepte für gut verträgliche Brote erstellen, die auch einem ungeübten Haushaltsbäcker gelingen. In einem Backlabor des Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise hat sie vieles ausprobiert und u.a. das Backferment entwickelt. Angesichts zunehmender Allergien und Unverträglichkeiten besitzt dieses Buch eine – von der Autorin damals nicht geahnte – Aktualität. Denn das Buch enthält zahlreiche schmackhafte Rezepte, die auch mit Getreidesorten ohne Gluten gelingen und informiert zudem über die verschiedenen Triebmittel, von Hefe bis Honig-Salz-Brot.

 

Ada Pokorny: Backen von Brot und Gebäck, aus allen 7 Getreidearten mit dem Spezial-Backferment

7. Überarbeitete Auflage 2013, AK für Ernährungsforschung Bad Vilbel 2013, 172 S., 14,80 €

Bezug über den Buchhandel oder unter www.ak-ernaehrung.de/content/buecher

Soziale Landwirtschaft

Für betreute Menschen ist die Arbeit auf einem Bauernhof oder in einer Gärtnerei oft heilsam, sie gewinnen Boden unter ihren Füßen. Aber auch umgekehrt kann Landwirtschaft mit sozialen, pädagogischen oder therapeutischen Elementen positiv auf die Landschaft wirken. Die meisten Einrichtungen, die Landwirtschaft mit irgendeiner Form von Sozialarbeit verbinden, wirtschaften ökologisch. Und die Verbindung von Green Care mit Social Care ist europaweit verbreitet – ein Modell multifunktionaler Landwirtschaft, das inzwischen auch beforscht wird. Das vorliegende Buch bietet hier erstmals eine Bestandsaufnahme und lässt an einer Reihe von Beispielen die verschiedenen Aspekte und Potenziale sozialer Landwirtschaft aufleuchten. Ein Teil zu Gründungen, Fördermöglichkeiten und beruflichen Qualifikationen zeigt Wege dahin auf. Historische und aktuelle Berichte zur Verbindung von Land- und Sozialarbeit münden im Witzenhausener Positionspapier zum Mehrwert sozialer Landwirtschaft – wichtig, wo sich doch heute alles um Erträge und Erlöse dreht. Ein Lesebuch für soziale und grüne Berufe zu einer weiteren Dimension der Arbeit am Land.

 

Boden unter den Füßen. Grüne Sozialarbeit – soziale Landwirtschaft – Social Farming.

Hrsg. Alfons Limbrunner, Thomas van Elsen, Beltz Juventa Weinheim und Basel 2013

180 S., 24,95 Euro, ISBN 978-3-7799-2879-9

Bio – das Problem Konventionalisierung

Bio als Massenware, das ist eine Erfolgsgeschichte mit blinden Flecken und dunklen Seiten. Vor allem, wenn man sich auf die Werbung verlässt. Der Autor, Agrarbiologie und kurzzeitig im Qualitätsmanagement der Bioschiene eines österreichischen Discounters, macht mit diesem Buch einen „Reality-Check“. Er vertieft seine Insiderkenntnis durch Besuche in Schlachthöfen, Großbäckereien, Marketingabteilungen und bei Biobauern und beschreibt die zunehmende Differenz zwischen Idee des Ökolandbaus und der Praxis von Supermärkten und Discounter. Schöne neue Bio-Welt ? Von wegen. Für ihn rutscht der Bioanbau auf der Marktseite immer mehr in die falschen Hände – Verbraucherenttäuschung und Skandale vorprogrammiert. So war er unlängst Gast in einer Talkrunde zum Betrug bei der Biohühnermassenhaltung. Seine Lösung für Konsumenten: Den Bio-Nischenmarkt jenseits der Lebensmittelketten aufsuchen und regionale Versorgungsnetzwerke aufbauen, die den Bauern das Überleben ermöglichen und den Berufsstand auf­werten, statt ihn zum Handlanger der Lebensmittelindustrie zu machen. Dann könnten auch die Öko-Bauern ihre Werte einfacher realisieren.

 

Clemens G. Arvay: Der Grosse Bio-Schmäh. Wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen.

Carl Ueberreuter Wien 2012, 208 S., 19,95 €, ISBN 978-3-80007528-7

Edwin Schellers Pflanzenernährung

Der Agrarwissenschaftler Edwin Scheller hat die Landwirtschaft um zwei Erkenntnisse bereichert: Die löslichen Nährstoffvorräte sind immer nur eine tagesaktuelle Momentaufnahme. Und: Pflanzen können sich über das Zusammenwirken mit dem Bodenleben Nährstoffe zum Teil selbst erschließen. Damit hat er vor allem der Düngungsfrage im System des Ökologischen Landbaus ein erklärendes Fundament gegeben, das er in zahlreichen Vorträgen und Seminaren im In- und Ausland vor Praktikern darstellte. Leider starb er 2006 – Forschungen zur Humusqualität oder zu Phosphor blieben so unvollendet – ebenso wie das Manuskript des vorliegenden Buches, an dem er bis zum Ende schrieb. Der IBEN e.V. und der Verlag Lebendige Erde im Demeter e.V. haben nun dieses unfangreiche Fragment aufgelegt und um einige Fachartikel zu weiteren Themen, an denen Scheller forschte, wie Biogas oder Aminosäuren im Humus ergänzt. Damit stehen seine Erkenntnisse gebündelt der Fachwelt zur Verfügung, auch wenn das Lehrbuch für den Praktiker der Boden und die Pflanze bleibt. Im Inhalt geht es zunächst um die historischen Anfänge und Begriffe der Pflanzenernährung, um sodann die Düngungsbegriffe im konventionellen bzw. ökologischen Landbau vorzustellen. Dem kritisch zu betrachtenden Zusammenhang zwischen Ertrag und Düngermenge – Scheller forschte hier zu Kali – ist ein ausführliches Kapitel gewidmet. In weiteren Kapiteln geht es um die Grundlagen der Bodenfruchtbarkeit und die Nährstoffe und Pflanzen, eben auch die aktive Nährstoffmobilisierung, belegt durch eine Reihe Untersuchungen und das Fragment endet mit Hinweise zu den einzelnen Nährstoffen. Dass, wie er schloss, der Stickstoff für die Pflanzen aus dem Bodenleben kommt, konnte erst kürzlich von anderen Forschern bestätigt werden.

 

Edwin Scheller: Grundzüge einer Pflanzenernährung des Ökologischen Landbaus. Ein Fragment.

Verlag Lebendige Erde, Darmstadt 2013, ca. 160 S., 25 Euro, ISBN 978-3-941232-09-9

Milch – vom Mythos zur Massenware

Eine fällige Kulturgeschichte der Milch präsentiert uns die Autorin und spart dabei weder die Nomaden, deren Ernährung zu 75 Prozent aus Milch besteht, aus, noch die Reduktion der Milch zum Preiskampfmittel der Discounter. Wir lesen über die Erfindung des Butterbrotes, über Milch und Frau, aber auch, wie die Milch in die Tüte kam und in Verruf, weil vom angeblichen Klimakiller Kuh erzeugt. Warum Milch wertvoll sein könnte, wie sie, einst nur Göttern vorbehalten, nach und nach industrialisiert und entwertet wurde, und ob Rohmilch und handwerkliche Käsekunst eine Renaissance erfahren, all das und mehr in diesem nicht nur für Landwirte interessanten Buch.

 

Andrea Fink-Keßler: Milch. Vom Mythos zur Massenware.

oekom Verlag München 2013, 286 S. geb., 19,95 Euro, ISBN 978-3-865813114

Rudolf Steiner

Eine 18teilige Ausstellung brachte im Jahr von Steiners 150stem Geburtstag dem interessierten Publikum das Wesentliche zu Leben und Wirksamkeit des Gründers der Anthroposophie und Initiators der Biologisch-dynamischen Landwirtschaft nahe: Lebensstationen, Grundlagen der von ihm entwickelten Anthroposophie und die praktische Anwendung seiner Anregungen in Pädagogik, Landwirtschaft, Medizin, Kunst und weiteren Bereichen. Daraus ist jetzt ein Buch geworden, das knapp geschrieben und reich bebildert in Alltag und Hintergründe anthroposophischer Initiative einführt – gut zum Weitergeben als Einstieg.

 

Elisabeth Beringer: Rudolf Steiner. Leben, Gedankenwelt, Impulse

Futurum Verlag Basel und Info3 Verlag Frankfurt 2012, 112 S., ISBN 978-3-924391-62-1, 14,80 Euro.

Die Quellen der Landwirtschaft

Eine ganze Ausgabe widmet die Wochenschrift der diesjährigen Landwirtschaftlichen Tagung am Goetheanum. Jährlich treffen sich hier mehr als 600 Menschen aus aller Welt, um Aspekte biodynamischer Agrarkultur zu vertiefen. Zum Wesentlichen finden, als Mensch und als biodynamischer Landwirt, darum ging es bei der Tagung in Vorträgen und Arbeitsforen. Beiträge der Referenten und die Berichte ausgewählter Teilnehmer aus ihren Bezügen, „Erlebnisskizzen“ sind hier, in diesem Heft dokumentiert, für die die nicht dabei waren oder die, die nachlesen wollen.

 

Das Goetheanum, Wochenschrift für Anthroposophie, Nr. 17 vom 28.4.2012, 32 Seiten, 3,50 €

bei der Redaktion: info(at)dasgoetheanum.ch oder als Download: www.sektion-landwirtschaft.org/4992.html

Stadtgärtnern

Dem Trend zur Natur für Städter folgen jetzt nach den Initiativen die Praxisbücher. Dort was ändern, wo man es kann, ist die Devise. Eine Mischung aus Reportage, Plädoyer und kurzen Praxisanleitungen legt der Journalist und Hausgärtner Martin Rasper vor, reich bebildert und mit vielen Beispielen von Dachgärten bis Community Supported Agriculture. Gut lesbar führt er ein in eine Welt der grünen städtischen Gegenkultur, die sich als künftige versteht und Landlust in grauer Städte Mauern als hip erlebt. Autonom und bunt, lebendig und nahrhaft, was da in Metropolen keimt, inspiriert auch Planer zu Phantasien, Städte für die Agrikultur umzunutzen, was der Autor ebenfalls schildert. Natürlich gibt es eine Liste der urbanen Gartenprojekte. Und die Botschaft: „Das Stadtmöbel der Zukunft ist das Hochbeet.“

 

Martin Rasper: Von Gärtnern in der Stadt. Die neue Landlust zwischen Beton und Asphalt.

oekom Verlag München 2012, 208 S., ISBN 978-3-865811837, 19,95 Euro

Anthroposophische Perspektiven

Anregungen und Gedanken aus verschiedenen, durch Rudolf Steiners Anthroposophie geprägten Praxisfeldern bieten die Autoren dieses Sammelbandes. Vom zentralen Begriff der Freiheit über Wissenschaft und Kunst, Wirtschaft und Religion bis zu Landwirtschaft, Pädagogik und Medizin wird an Beispielen Typisches dargestellt oder anhand von Kernbegriffen ein Überblick gegeben wie bei den Beiträgen zu Eurythmie oder auf einer Beihefter-Reihe im Alnatura-Magazin basierend, hat man so eine aktuelle Einführung in das Lebensfeld der Anthroposophie in der Hand, und in einzelnen Texten zugleich Grundinfos zum Wesent­lichen, wie z.B. auf den von Manon Haccius geschriebenen Seiten über Biologisch-Dynamische Landwirtschaft.

 

Anthroposophische Perspektiven: Hrsg. Manon Haccius, Götz Rehn

DuMont Buchverlag Köln/ Alnatura Bickenbach, 2012, 160 S., ISBN 978-3-8321-9445-1, 24,95 Euro

Kühe verstehen

Hier spricht ein Demeter-Bauer aus Erfahrung und liebevoller Beobachtung vom „Wappentier“ der Biologisch-Dynamischen Landwirtschaft. Und, natürlich der Schweiz, da wo Martin Ott wohnt, das Hofgut Rheinau leitet und lange Jahre Nationalrat war. Ott nimmt uns Leser mit auf kurze Spaziergänge in die Welt des Landwirts und seiner Beziehung zur Kuh, betrachtet Klauen, Augen oder die Verdauung. Wir lernen über Herdenhierarchie und lesen vom feinfühligen Annähern des Stieres und erfahren, warum erst die Kuh den Menschen die Seßhaftigkeit ermöglichte. So zwischen aufmerksamer Verhaltensbeobachtung und agrarkulturell-biodynamischer Reflektion seinen Zuhörern einen Zugang zum Rind, zu dessen Wesen bahnend, vermittelt Ott auch eine Menge Wissen. Das Buch lebt auch von seinen hervorragenden großformatigen Fotos, die, meist Im Detail Ein­blick gebend, Nähe herstellen und zur respektvollen Stimmung die Verbindung schlagen, mit der sich der Autor den Äußerlichkeiten, dem sozialen Leben der Tiere oder – am Ende – drei Kuhpersönlichkeiten zuwendet. Ott´s Kuhleben – eine gelungene Hinführung zum Rind, nicht nur für Landwirte oder Schweizer.

 

Martin Ott: Kühe verstehen. Eine neue Partnerschaft beginnt.

Faro im Fona Verlag, CH-5600 Lenzburg 2011, 174 S., viele Farbfotos, 31,90 Euro

Homöopathie und Mastitis

Einen Leitfaden für Praktiker hat die ehemalige Demeter-Bäuerin Sybille Maurer erarbeitet. Basierend auf einer Praktikererhebung im Rahmen einer Arbeit am ehemaligen Fachgebiet biodynamische Landwirtschaft der Uni Kassel-Witzenhausen wird in dieser Veröffentlichung anschaulich aufbereitet gezeigt, was dazu gehört, um z.B. Antibiotika zu vermeiden. Vorbeugung, Früherkennung und Maßnahmen bei einzelnen Vorkommnissen wie Hornstöße oder Geburt leiten das Büchlein ein, um dann differenziert auf die verschiedenen Arten der Mastitis einzugehen. Diese werden charakterisiert, um anschließend homöopathische Behandlungsstrategien und Mittel darzustellen. Fallberichte und Praxisbeispiele runden den Leitfaden ab, ebenso wie Tipps zum Mischen und Verabreichen. Dabei orientiert sich die Autorin an der klassischen Homöopathie Hahnemanns.

 

Sybille Maurer: Praktiker-Leitfaden Mastitis. Klassische Homöopathie. 48 S. A4,

Eichenhof Verlag Bischhausen 2011, Bezug über die Verfasserin für 18,– Euro zzgl. Versand

Bezugsadresse: Klassische Homöopathie, Sybille Maurer – Praxis für Bestandbetreuung,

Drosselweg 5, 37130 Bischhausen www.sybillemaurer.de

Mit Ökolandbau die Welt retten?

Zumindest das Hungerproblem lösen, den Weg dorthin schreibt pointiert und hochkompetent Felix Prinz zu Löwenstein. Der Autor ist Öko-Landwirt und vertritt seit Jahren die Biobranche als Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Mit seinem Buch greift er in die seit Jahren schwelende Debatte um den richtigen Weg zur Ernährung der Welt ein und wendet sich sowohl an Städter wie an Landmenschen. Zunächst liefert er eine Analyse der aktuell nicht gelingenden Ernährungssicherung, um dann die Kontroverse zwischen Industrielandwirtschaft und Ökolandbau zu betrachten, immer anschaulich mit vielen Beispielen, Fakten und Erlebnissen angereichert. Denn Löwenstein kennt sowohl die Verhältnisse der Landwirtschaft, hier wie im armen Haiti, als auch die Bedingungen des politischen Geschäfts. In den folgenden Kapiteln wird es auch für Fachleute spannend, weil Löwenstein dank seiner Erfahrung konkret wird: Ökologische Intensivierung heißt sein Vorschlag, der auf eine weltweit andere Landwirtschaft setzt und völlig andere Prioritäten für die Landwirtschaft, die ja der konkreten Ernährung und nicht anonymen Märkten dienen soll, setzt. Und auch der Ökolandbau müsse sich dringend weiter entwickeln, Allianzen mit Forschern auch außerhalb der Szene suchen – der Autor schlägt ein Max-Planck-Institut für ökosystemare Agrarforschung vor. Mehr kommt im abschließenden Kapitel – Hinweise für Verbraucher und Politiker. Denn Letztere treten in Deutschland bewusst auf die Bremse, während sogar FAO und EU längst versuchen, umzusteuern. Ein gut lesbares Manifest für Laien wie für Fachleute.

 

Löwenstein, Felix zu: Food Crash. Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr.

Pattloch Verlag München 2011, 320 S., ISBN 978-3-629-02300-1, 19,99 €

Ernährungssouveränität und Agrarpolitik

Zur Geschichte und zum Stand der EU-Agrarpolitik äußert sich dieses Buch und leistet eine Einbindung in den jeweils aktuellen gesellschaftlichen Kontext sowie den Rahmen des Welthandels. Dabei geht es auch auf die Preisexplosionen an den Agrarmärkten in den letzten Jahren ein. Es werden das Verhältnis der Gesellschaft zur Landwirtschaft und die aktuellen Herausforderungen thematisiert, die vielen gescheiterten Maßnahmen der EU betrachtet und zum Schluss geschildert, was aus Sicht der Autoren notwendig ist: nämlich eine völlig andere Agrarpolitik, ausgerichtet am Konzept der Ernährungssouveränität. Kompetent und kurz, dennoch eine gute Übersicht und Ausrüstung für die aktuelle Diskussion um die Fortführung der EU-Agrarpolitik.

 

Choplin G./ Strickner A. / Trouvé. A. (Hrsg.):

Ernährungssouveränität: Für eine andere Agrar- und Lebensmittelpolitik in Europa

Mandelbaum Verlag, Wien 2011, 128 S., ISBN 978-3-85476-346-8, 9,90 Euro

Wissenschaft zum Öko-Landbau

Alle zwei Jahre gibt es ein „Update“ des Kenntnisstandes zum Ökolandbau: Bei der diesjährigen Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau trafen sich in Gießen mehr als 400 Forscher sowie 80 Berater und Praktiker um über aktuelle Ergebnisse und Fragestellungen zu informieren. Kompakt gebündelt liegen die ca. 200 Beitrage auch als Tagungsbände vor. Dabei wird die ganze Breite der Öko-Landwirtschaft abgebildet, von den Produktionsrichtungen bis hin zu Klima- oder Umweltaspekten und Fragen, die Gesellschaft und Märkte betreffen. Neben manchem Beitrag, der nur kleine Ausschnitte präsentiert, finden sich zahlreiche, die Anregungen für die Praxis enthalten. Schließlich ist die immer noch ein wichtiger Teil der Weiterentwicklung des Ökolandbaus, wie sich auch in den Praxisworkshops (als 70 seitige Broschüre zur Vorabinformation dokumentiert unter: www.wissenschaftstagung.de) zeigte.

 

Es geht ums Ganze: Forschung im Dialog von Wissenschaft und Praxis.

Beiträge zu 11. Wissenschaftstagung Ökol. Landbau. Justus-Liebig-Universität Gießen, 18.–18. März 2011,

Hrsg: G. Leithold, K. Becker u.a., Bd .1 und 2, Verlag Dr. Köster Berlin 2011, 732 S., ISBN 978-3-89574-777-9, 38,00 Euro

Die Wahrheit ist auf dem Feld

(Heinz Grotzke) Mit diesem Buch präsentiert die Geschichtswissenschaft eine sorgfältig erarbeitete Wissensgeschichte der deutschen Landwirtschaft im 20. Jahrhundert, eine objektive und detaillierte historische Beschreibung der Landwirtschaft der letzten hundert Jahre. Ich habe es gekauft, weil es auch die biologisch-dynamische Landwirtschaft erwähnt. Es informiert über die Entwicklung vom Bauerntum zur Agrarwissenschaft.

 

Innerhalb der letzten hundert Jahre wandelte sich der Bauernhof von einem selbständigen Organismus zu einem Unternehmen, das von der Düngerindustrie, der chemischen Industrie sowie der Maschinenindustrie abhängig geworden ist und inzwischen auch von der Saatgutindustrie. Die wissensgeschichtliche Herangehensweise fragt, inwieweit der einzelne Bauer in seinem Wissen mit dieser Entwicklung Schritt halten konnte. Schon beim ersten Ansturm auf das Bauerntum nach dem Ersten Weltkrieg schickte die Düngerindustrie Berater zum Bauern, um Anwendung und Mengen der neuen Düngemittel zu empfehlen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Berater der chemischen Industrie das gleiche System der Vermarktung, und auch die Hersteller von Traktoren und landwirtschaftlichen Maschinen schlossen sich an. Das Wissen des Bauern wurde so von den Industrieberatern erweitert, wenngleich der Ausführung der Empfehlungen weder immer Erfolg beschert war, noch waren sie wissenschaftlich hinreichend untermauert. Regelmäßig gab es Warnungen vor allem seitens der Wissenschaft, aber sogar von der Industrie selbst. So publizierte 1937 die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Stickstoff-Industrie für das landwirtschaftliche Beratungswesen: „Der Boden ist nicht Ausbeuteobjekt eines einzelnen, sondern er muss so bewirtschaftet werden, dass seine Fruchtbarkeit auch für die nachfolgenden Geschlechter erhalten bleibt, ja sogar nach Möglichkeit noch gesteigert wird.“

 

In der landwirtschaftlichen Praxis versuchte man, sich an den fortlaufenden Wandel anzupassen. Die sinkende Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten glich einer Revolution, die notwendigerweise einen Umstieg in die Technik zur Folge hatte. Bald folgte die Trennung von Ackerbau und Viehzucht, und diese zusammen mit Spezialisierung und Rationalisierung führte dazu, dass der Bauer im Denken mehr oder weniger geistig verarmte, und das eigene Wissen vernachlässigte. Die Basis des nachhaltigen Ackerbaus, der fruchtbare Boden, blieb bis zum heutigen Tage ein Mysterium für Wissenschaft und Bauerntum. Ein Kapitel des Buches, betitelt mit „Die Chemisierung der Landwirtschaft. Von der produktiven Überlegenheit des Unwissens.“ deutet den Weg der Landwirtschaft an, der zunehmend Verstimmung in der Öffentlichkeit hervorrief, aber auch die Landwirte ihren Wurzeln entfremdete.

Mit der Einführung von DDT nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine neue Epoche des chemischen Pflanzenschutzes, die allerdings wegen der dauerhaften Folgeschäden bald zu Ende ging. Auch die Aktivität des Bodenlebens wurde dadurch reduziert und ein Abbau von Humus verursacht. In den USA war die Biologin Rachel Carson die erste Person, die in Ihrem Buch Silent Spring vor den Gefahren von DDT warnte.

Die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise wird in dem Buch auf neun Seiten objektiv beschrieben, mehrmals im weiteren Text erwähnt und von allen ökologischen Alternativen deutlich hervorgehoben. In der Zusammenfassung seiner Studie kommt der Autor zu dem Schluss: „Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wirkten die Landwirte nicht wie Sieger der Geschichte, sondern eher wie Überlebende, die sich verunsichert fragten, ob sie sich über ihre Persistenz überhaupt freuen sollten.“

Die mit 1939 Quellennachweisen belegten Aussagen zeigen die ungeheure Arbeit des Autors Frank Uekötter, Historiker und Direktor des Rachel Carson Centers. Mit dem vorliegenden Band beginnt dieses internationale Kolleg für Geisteswissenschaftliche Forschung der Ludwig-Maximilians-Universität und des Deutschen Museums in München seine Schriftenreihe „Umwelt und Gesellschaft.“ Es ist benannt nach der amerikanischen Biologin und Autorin, die mit ihrem Buch Silent Spring den Protest gegen DDT auslöste.

 

Eine persönliche Bemerkung zum Abschluss. Anfang der 1950er Jahre wurde im Staat New York auf Long Island DDT mit Hubschraubern zur Schädlingsbekämpfung verspritzt. Zwei Lehrerinnen der dortigen Waldorfschule klagten vor Gericht, um die Aktion zu stoppen. Die Verhandlungen zogen sich über Monate hin und fanden starke öffentliche Unterstützung. Marjorie Spock, eine der Lehrerinnen und Schwester des berühmten Kinderarztes Benjamin Spock, der als Zeuge in den Verhandlungen auftrat, wie auch Rachel Carson, waren jedoch nicht in der Lage, den Prozess zu gewinnen. Wenige Jahre danach wurde DDT in den USA verboten, weil sich die Behauptungen der Kläger als richtig erwiesen. Erst wenige Jahre zuvor, 1948, hatte Paul Müller, ein Forscher beim Chemiekonzern Geigy, für die Entwicklung von DDT den Nobelpreis für Physiologie und Medizin erhalten. Dieser Irrweg der Wissenschaft blieb in den folgenden Jahrzehnten nicht der einzige.

 

Frank Uekötter: Die Wahrheit ist auf dem Feld, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2010 524 Seiten, 49,90 Euro

Kurz erklärt: Biologisch-dynamisch

Dieses Büchlein hat gefehlt: auf 40 kleinen Seiten erläutert Nikolai Fuchs die wesentlichen Aspekte Biologisch-Dynamischer Landwirtschaft für interessierte Laien. Keine Darstellung von Richtlinien etc., sondern das, worum es dabei eigentlich geht. Geschichte, Idee, Maßnahmen und positive Begleiterscheinungen dieser Landwirtschaftsrichtung werden anschaulich und kurz dargestellt, häufig gestellte Fragen werden am Schluss beantwortet. Ein Büchlein nicht nur für den Hofladen.

 

Nikolai Fuchs: Was ist biologisch-dynamische Landwirtschaft?

Verlag am Goetheanum, CH-Dornach 2010, 56 S., 5,– €, ISBN 978-3-7235-1399-6

Soja, Soja und die Folgen

Harsche Kritik an der immer weiter zunehmenden Verwendung der Sojabohne und der daraus gewonnenen Erzeugnisse formuliert dieses Büchlein. Ob in Ernährung – Stichworte sind hier Allergien und hormonelle Wirkungen – der Tierfütterung (Import bzw. Körner statt Gras) oder im (konventionellen) Anbau, der einem ökologischen Overkill gleicht (Rodung plus Roundup plus Gentechnik etc.): dem Autoren ist´s zuviel des angeblich Guten und er enttarnt den Mythos der Soja als ostasiatischer Traditionsspeise gleich mit. Zu kurz kommen allerdings die Aspekte Öko-Anbau und weltweit steigender Eiweißbedarf, welche die Folgerung des Autors, Soja nicht anzubauen oder zu konsumieren, konterkarieren. Wenn Soja, dann öko und möglichst regional, das wäre schlüssiger.

 

Norbert Suchanek: Der Soja-Wahn. Wie eine Bohne ins Zwielicht gerät.

Oekom Verlag München 2010, 110 S., 8,95 €, ISBN 978-3-865812162

Christliche Impulse in der Landwirtschaft

Beeindruckend gut besucht war sie, die internationale Landwirtschaftliche Tagung in Dornach, der Treffpunkt von Biodynamikern aus aller Welt. Ob und in wieweit es auch am diesjährigen Thema lag, kann man im frisch erschienenen Tagungsband nachlesen. Dieser dokumentiert alle Vorträge, teils in Englisch, denn auch Gäste aus Indien oder aus Vietnam und Ägypten stammend, stellten ihre Erlebnisse mit der Biologisch-Dynamischen Landwirtschaft im Lichte ihrer religiösen und weltanschaulichen Zugänge dar: Christliches weit gefasst, anthroposophisch eben. Denn die universelle Verantwortung jedes einzelnen für Mensch(heit) und Erde braucht individuelle Entwicklung und Motive, worauf der Untertitel der Tagung hinwies. Also, kein Religionsbuch, sondern Moti-vationsberichte voller Tatkraft, Ermutigung durch gute Beispiel und historische wie auch kirchliche Vergewisserung dessen, wozu die Bauern und Bäuerinnen eigentlich berufen sind.

 

Christliche Impulse in der Landwirtschaft. Individuelle Entwicklungsmotive für Mensch und Erde.

Dokumentarband zur Landwirtschaftlichen Tagung 2010 am Goetheanum,

Hrsg: Stefan Mahlich Sektion f. Landwirtschaft der freien Hochschule am Goetheanum, CH-Dornach 2010, 232 S., 17,– €.

Bezug: Sektion f. Landwirtschaft, Hügelstraße 59, CH-4143 Dornach, Fax: 0043 62 106 42 12, www.sektion-landwirtschaft.org

Die Zukunft des Öko-Landbaus liegt in der Wissenschaft

So könnte man das Fazit von Arnim Bechmann pointieren, der die Mühe auf sich genommen hat, Wege zum Ökolandbau der 3. Generation zu erkunden. Das tat er mit der ihm eigenen Gründlichkeit, sehr breit angelegt und gerne im Fließdiagramm illustriert. Das Ergebnis dieses mehrjährigen Prozesses mit Experteninterviews und einer umfassenden Bestandsaufnahme ist eine fast 500 Seiten umfassende Dokumentation des Nachdenkens über die Zukunft des Ökologischen Landbaus. Vor mehr als 20 Jahren forderte er mit einem Buch zur „Landbauwende“ auf. Die sieht er ins Stocken geraten, wenn der Ökolandbau nicht seine wissenschaftliche Basis verständlicher klärt – und damit meint er auch die biodynamische Richtung. So skizziert er Möglichkeiten der Theoriebildung am Zaun zur Grenzwissenschaft, die er als Überlebensnotwendigkeit für den Ökolandbau begreift und legt eine Menge Spuren, um dessen Wissenssystem und Identität weiterzuentwickeln.

 

Arnim Bechmann: Ökologischer Landbau – aus der Nische in die Zukunft.

Identitätsbildung und Zukunft durch leitbildbewusste Verwissenschaftlichung,

Verlag Edition Zukunft, Barsinghausen 2009, 470 S., 32,50 €, ISBN 978-3-8979922-76

Bedrohte Saat

So wie Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, kommt Saatgut auch nicht einfach aus dem Sack. Und es ist, zwar unsichtbar, genauso wichtig für unseren Alltag: keine Brötchen, keine Milch aus Viehfutter, ohne dafür Saatgut zu nutzen. Vor dem Hintergrund der offensiven Verbreitung der AgroGentechnik diskutieren verschiedene Autoren, u.a. Manfred Klett, Nikolai Fuchs, Petra Kühne, die Bedeutung dieses bedrohten Kulturgutes in verschiedenen Facetten: Geschichte der Agrarkultur und deren Umformung zum Agrobusiness, Fakten zu den Versprechungen der Konzerne, Probleme im Saatgutrecht, der Unterschied zwischen Innovation und Fortschritt und gesellschaftliche Konsequenzen des saatgutbezogenen Kontrollanspruchs der Konzerne kommen zur Sprache, und natürlich: ein biodynamischer Züchter – Bertold Heyden. Dabei bietet der Lesestoff eine Reihe neuer Einsichten über die gentechnikkritischen Standards hinaus.

 

Bedrohte Saat. Saatgutpflege und der Kampf gegen die Macht der Agrokonzerne, hrsg. von Manfred Christ,

Pforte Verlag Dornach 2010, 326 S., ISBN 978-85636-197-6, 14,00 €

Anthroposophische Unternehmen

Sie sind meist „Oldies” und doch topaktuell: anthroposophisch inspirierte Unternehmungen wie Wala, Voelkel, Stockmar oder die GLS-Bank. Denn ökologische und ethische Verantwortung der Unternehmen werden heute vom Konsumenten mehr und mehr eingefordert – diese Firmen leben es schon immer, haben es in ihrem Gründungsgedanken verankert und sind damit erfolgreich. In zwölf Firmenportraits wird ein Einblick gegeben, wie und wo Weleda, HessNatur oder Alnatura anders „ticken” als noch vor kurzem der Zeitgeist, angefangen von den Unternehmenszielen bis hin zur Mitarbeiterbildung. Ein aktueller Spiegel des anthroposophischen Wirtschaftslebens.

 

Kapital = Geist. Pioniere der Nachhaltigkeit: Anthroposophie in Unternehmen.

Hrsg: Jens Heisterkamp, Info3 Verlag Frankfurt 2009, 172 S., 24 Euro, ISBN 978-3-924391-42-3

Das geheime Bewusstsein der Pflanzen

Können Pflanzen kommunizieren? Hat Gemüse ein Lieblingslicht? Empfindet ein Baum Schmerz? Kann eine Tabakpflanze ihre Strategie gegen Schädlinge variieren? Dass das Wesen Pflanze viel „beweglicher” ist, als wir aus unseren Alltagsbeobachtungen im Vorübergehen wahrnehmen, erläutert dieses Buch anhand zahlreicher Beispiele aus der Wissenschaft. Der Autor öffnet trotz reißerischer Überschriften den Blick auf einen Bereich des Lebendigen, der intensiver miteinander verknüpft ist, als wir es denken - die Welt der Pflanzen, ihrer Aktionen und Reaktionen. So kann z.B. Meersenf konkurrierende Pflanzen durch sein Wurzelwerk behindern, tut dies aber nicht bei Artgenossen. Man erfährt viele interessante Eigenschaften der Pflanzen, kann sich ein neues Bild machen. Doch entgeht der Autor wie einst Tompkins und Bird (The Secret Life of Plants) nicht der Versuchung, auch ungeprüfte Ergebnisse darzustellen, was dann doch hier und da Fragen zur Recherchetiefe hinterlässt. Was nicht für die ebenfalls im Buch erwähnte biodynamische Forschung zum Thema Mond zutrifft.

 

Joseph Scheppach: Das geheime Bewusstsein der Pflanzen. Botschaften aus einer unbekannten Welt.

Verlag Droemer, München 2009, 288 S., ISBN 978-3-426-27476-7, 19,95 Euro

Tagungsband zum Landwirtschaftlichen Kurs

Die internationale biodynamische landwirtschaftliche Tagung ist ein Ereignis für jeden, der teilnimmt. Wer nicht dabei war oder Beiträge nachlesen will, dem kann mit dem regelmäßig erscheinenden Tagungsband geholfen werden. Darin sind alle Hauptvorträge, diesmal rund um den Ausgangspunkt der biologisch-dynamischen Landwirtschaft – Steiners Kurs – dokumentiert, von historischem bis zu Praktikererfahrungen mit einzelnen Vorträgen aus dem Kurs, die französischen Beiträge auch übersetzt. Und einige Berichte aus den Arbeitsgruppen.

 

Der Landwirtschaftliche Kurs. Wie lebe ich mit dieser Inspirationsquelle?

13 Vorträge und 5 Berichte aus Fach- und Arbeitsgruppen 273 Seiten; € 17,-,

zu bestellen bei: Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum, Hügelweg 59 CH-4143 Dornach, 0041-61-701-42 12, Fax -42 15

Spirituelle Ökologie

Deep Ecoloy, Verantwortung für das Leben aus spiritueller Einsicht, war eine buddhistisch inspirierte Bewegung vor mehr als einem Jahrzehnt. Das ist an den Anthroposophen vorbeigegangen, obwohl sie da sehr viel zu bieten haben. Nun endlich gibt es Auszüge aus Steiners Anregungen zu diesem Thema als Textband, die zeigen, wie weit und wie konkret Steiner die Verbundenheit des Menschen mit der Welt dachte und empfand. Es finden sich kommentierte Textzitate zum ganzheitlichen Sehen, dem Wesen Erde, zu Wasser, Pflanzen, Insekten, Tieren und natürlich auch zu Kultur und Agrikultur, und das Ganze ist weniger eine Praxisanleitung als eine Hinführung dazu, Natur und Mensch anders zu denken.

 

Sprituelle Ökologie. Ausgewählte Texte Rudolf Steiners, herausgegeben von Matthew Barton

Rudolf Steiner Verlag Dornach 2009, 269 S., 19,00 Euro, ISBN 978-3-727453809

Öko-Landbau macht Landschaft

Kann man Öko-Landbau in der Landschaft sehen? Hinterlassen unterschiedliche Anbaumethoden typische Spuren, die für ein geschultes Auge sichtbar sind? Bei Biodiversität punktet der Öko-Landbau, aber auch beim Landschaftsbild? Die Autorin vergleicht in ihrer gründlichen Doktorarbeit mehrere hundert Betriebe der drei Wirtschaftsweisen integrierte Produktion, biologisch-organisch und biologisch-dynamisch und kommt zu dem Schluss: es gibt typische, im Landschaftsbild wirksame Unterschiede. Und zwar dem Gradienten integriert - organisch - dynamisch folgend: Demeter-Betriebe tun deutlich am meisten für die Landschaft, haben mehr Grünland und ökologische Ausgleichsfläche, mehr Hecken und Streuobst und legen Wert auf die Integration von Landschaftselementen.

 

Regula Steiner: Spuren des Biolandbaus. Wie verschiedene Anbaumethoden in der Landschaft sichtbar werden.

oekom-Verlag München 2009, 142 S. ISBN 978-3-86581-107-3, 39,90 Euro

Die Gesten der Pflanzen

Strecken, Stauchen, Spiralen und andere Muster bildend - das Pflanzenwachstum ist ein offen liegendes Geheimnis. Dietrich Bauer, biodynamischer Gärtner, Gemüsezüchter und erfahrener Lehrer an der Landbauschule Dottenfelderhof, nimmt die Leser mit hinaus in die Natur, zeigt, wie man hinschauen kann, um Naturerkenntnis an Wachstum und Gestalt der Pflanze zu erleben, in Tradition goetheanistischer Botanik. Was heißt es, wenn eine Pflanze hüllende Knospen bildet, was, wenn sie so gestaucht wächst wie die Eiche? Wo greift Beseeltes in die Blütenbildung ein? Mit den feinen Pflanzenzeichnungen von Barbara Hanneder, die seine Beobachtungen illustrieren, ist ein Nachempfinden der formenden Kräfte und Gesten möglich, die in den dargestellten Blütenpflanze und Bäumen wirken. Die Betrachtung reicht von Grundkräften über Schmetterlings- oder Korbblütler bis zum Wachstum von Bäumen bzw. deren Gruppierung. Nur ein neues Verständnis der Natur und die Freude daran kann unser Handeln ändern.

 

Grundgesten im Pflanzenreich, Beobachtungen an Blüten und Bäumen, von Dietrich Bauer, mit Zeichnungen von Barbara Hanneder

Verlag Lebendige Erde, Darmstadt 2008, 122 S., 24,- Euro, ISBN: 978-3-941232-01-3

Bio Kapital

Dieses Buch erscheint zum passendsten Zeitpunkt. Die Finanzkrise macht klar, dass der Fehler auch im System liegt: Wirtschaft ist kein Perpetuum mobile mit immer neuen Zertifikaten, sondern findet ein einem endlichen Rahmen statt, in der Bio- und Geosphäre unserer Erde. Und, es gibt weit Wichtigeres als Ökonomie, die heute unser aller Bewusstsein dominiert. Mit seiner glänzenden Analyse enttarnt der Autor - bekannt durch sein brilliantes Buch zu einer neuen Biologie "Alles fühlt“ - unser Bild vom Fortschritt als einseitig materialistisch, lebensfeindlich, ressourcenfressend und von Gier getrieben: Nicht nachhaltig, nicht zukunftsfähig - so das Fazit. Er entwickelt Grundzüge einer ökologischen Ökonomie in Anlehnung an das Lebendige und nennt das humanistisches Wirtschaften. Plädoyer für ein Umprogrammieren des Kapitalismus, anregend und ermutigend visionär.

 

Andreas Weber: Biokapital: Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit,

Berlin-Verlag 2008, 240 S., ISBN 978-3-8270-0792-6, 19,90 Euro

Spiritualität und Landwirtschaft

Was hat Spiritualität mit Erkenntnissicherheit und Freiheit zu tun? Und was bewirkt die geistige Souveränität des Landwirts? Diese Fragen sowie Themen rund um die Kerngedanken und Übungen der Anthroposophie standen im Mittelpunkt der diesjährigen Internationalen Landwirtschaftlichen Tagung in Dornach. Der Zusammenhang zur praktischen Landwirtschaft - wo tauchen spirituelle Fragen auf, fand ebenso statt wie die kritische Betrachtung: welche Kriterien helfen mir, herauszufinden, wo oder wie Spiritualität zeitgemäß ist? Die Tagung lebt von Gesprächsgruppen - auch diese sind z. T. dokumentiert. Wer nicht dabei sein konnte: hier entdeckt man beim Lesen Anregungen, um Biologisch-dynamisches und Anthroposophisches lebendig zu verbinden.

 

Spiritualität und Landwirtschaft: Wie finde ich eine zeitgemäße Beziehung zur Erde?

Vorträge, Berichte aus Arbeitsgruppen und Foren; ca. 208 S., 17 €

Bezug: Sektion Landwirtschaft am Goetheanum. Hügelstr. 59, CH-4143 Dornach

Alles fühlt - Biologie neu betrachtet

Ein wunderbares Buch! Und eines das fällig war. Es räumt auf mit den Klischees von Leben als Verdrängungskampf biochemischer Maschinenwesen und legt sich quer zum (noch) wissenschaftlichen Mainstream. Leben kommt nicht aus dem Labor und kann auch nicht im Labor verstanden werden - das ist die Botschaft, die der Autor, selbst Biologe und Wissenschaftsjournalist, einfühlsam und nachvollziehbar verkündet, auf neuestem Forschungsstand belegt. Mit poetischer und präziser Sprache zugleich nimmt er uns mit auf die Reise in eine neue Sicht der Welt des Lebendigen. Auch wenn es dem Eingeweihten nicht ganz neu sein dürfte, neu ist auf jeden Fall, dass die Wissenschaft inzwischen soweit ist, ihr Paradigma zu überdenken, alles Leben müsse auf Physik und Chemie zurückgeführt werden. Und sehr ansprechend, wie gesagt die Erzählweise - Fakten unterhaltsam mit Erlebtem verwoben, schon allein deswegen lesenswert. Zitate gefällig?: "Leben ist keine Kaskade von Reaktionen, sondern ihr Gegenteil: Autonomie." Oder "Mit dem Schwinden der Natur droht uns damit eine ganz besondere Gefahr: der Verlust der Liebe." Warum? Selbst lesen!

 

Andreas Weber: Alles fühlt. Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaft,

Berlin Verlag, Berlin 2007, 350 S. , 9,20 €, ISBN: 978-3-8333-0423-1

Lieber konventionell

Irgendwann musste es ja kommen, dass jemand der Biowelt den Spiegel vorhalten möchte. Die beiden Autoren Maxeiner und Miersch (u. a. Lexikon der Öko-Irrtümer) kaufen selbst ab und an Bio und wollen vorgeblich dem Ökolandbau nichts Böses, nur Spreu vom Weizen trennen: heraus kommt ein Plädoyer für Gentechnik. Aber von vorne: Anregend und gut geschrieben pflegen die Autoren ihren „Widerspruchsgeist” gegen alles was auf Sockeln steht, jetzt wohl auch der Ökolandbau. Sie wollen daher nicht abwägen und ein Gesamturteil ermöglichen, sondern sticheln im Schatten der Biowelle. Bei der Frage nach der Effizienz des Ökolandbaus – je Hektar top, je Kilo weniger – mag man noch aufhorchen, aber meist ist die Recherche nicht erschöpfend und auch die Kritik bleibt vordergründig.

Vor allem zwei habituelle Reflexe schränken die Sichtweise der selbsternannten „Aufklärer” ein: Nicht gut finden dürfen, was gedanklich den Mainstream verlässt und der Grundirrtum, Ökolandbau sei die Landwirtschaft der Väter und Großväter von vor 50 Jahren. Tenor ist denn auch, dass der Fortschritt nur aus dem Labor kommt. Das erklärt, warum kapitelweise fachfremde Professoren als „Fachleute” interviewt werden – während Dr. Urs Niggli, Leiter des FIbL, der weltweit größten Forschungsanstalt zum Ökolandbau, nur mit einem Halbsatz zitiert wird. Der dynamisch, organisch und konventionell vergleichende Langzeitversuch, immerhin in Science publiziert, kommt gar nicht vor.

Aber das ist wohl der Arbeitstil: Resistent gegen aktuelleres Wissen und Studien mit anderen Ergebnissen, sind dem Autorenduo einschlägige Universitäten nicht gut genug, sie suchen sich ihre Experten lieber selbst und zitieren, was sie gebrauchen können. So also funktioniert „Schöner Denken”, wie ein weiteres Buch der beiden heißt. Generell wird mit zweierlei Maß gemessen: romantische Werbung als Vorwurf an den Ökolandbau, die Zerrbilder der Werbung für Industrienahrung kennen die beiden wohl nicht. Auch die Kupferanwendung wird den Ökobauern vorgehalten, obwohl sie nur Kartoffeln und Sonderkulturen betrifft, und das auch nur mit reduzierten Aufwandmengen: Kein Wort z. B. zu Nebenwirkungen von Pestiziden oder zum flächendeckenden Einsatz von Roundup, das jeder nutzt, der Agrogentech anwendet. Und wie war das mit dem Bienensterben durch ein Beizmittel, gerade eben im Mai? Und das steigert sich: Mist wird – aus Unkenntnis? – zur Fäkalie deklariert, Ewald Köhnemann mit falschem Namen zum Anthroposophen gemacht. Weitere falsche Bezüge und Behauptungen, wie z. B. die Verrechnung der Nitratbelastung auf den Ertrag, oder angeblich mehr Nitratversickerung unter Ökoflächen, lassen einen als Fachmann endgültig den Kopf schütteln. Und natürlich: mit Ökolandbau verhungert die Welt. Schön, dass aktuell der Weltlandwirtschaftsbericht der UN mit solcher Denke aufräumt. Übrigens: Steiner wird in die braune Ecke gestellt, garniert mit verleumderischen Behauptungen zum biodynamischen Gärtner Lippert, der im KZ Dachau arbeitete.

Ökolandbau ist sicher nicht heile Welt, und manche Kritik muss Ansporn zur Verbesserung sein. Aber aus fachlich-wissenschaftlicher Sicht ist das ein ärgerliches Buch. Lerneffekt: man kennt dann die Meinung des männlichen Mainstream, „der Schulmedizin”. Bei einem Punkt allerdings haben die Autoren Recht: die mediengetriebene Angst vor Rückständen und Schadstoffen und die Katastrophenstimmung bei Ernährungsthemen in Deutschland ist reichlich überzogen. Und bestimmt nicht unser Motiv, biologisch-dynamisch zu arbeiten. Diesen Ansatz gab es nämlich schon lange vor der Agrochemie.

(mom)

 

Biokost & Ökokult. Welches Essen ist wirklich gut für uns und unsere Umwelt.

Von Dirk Maxeiner und Michael Miersch.

Piper Verlag München 2008, 238 S., 14,00 Euro, ISBN: 978-3-492-05100-2

Goetheanistische Vegetationskunde

Der Autor liest die Natur mit einer ungewöhnlichen Wissenschaftsbrille: Als Forscher zur Vegetationskunde u.a. an der Uni Witten-Herdecke und im Institut für Biologisch-Dynamische Forschung sucht er den ästhetischen Zugang zu der Pflanzensoziologie als Ausdruck der Ganzheit. Dieser nähert er sich auch mit Begriffen wie Dreigliederung, den vier Elementen, Charakter. Es geht um die Gestalt von Pflanzengesellschaften jenseits von Artenzählen, um die Bewegung und Entwicklung des Standortwesens. Im Erläutern der Prinzipien werden beispielhaft u.a. Wälder, Heiden, Gewässer und Kulturlandschaften charakterisiert, Gestaltelemente, Wechselwirkungen und Zeitverläufe dargestellt. Ein Lehrbuch zu einer ganzheitlichen, goetheanistischen Vegetationskunde und das nicht nur für Fachleute: Das Buch lädt mit seinen zahlreichen schönen Aquarellen und Zeichnungen und mit Übungen zum Eintauchen ein, um dann mit neuem Blick draußen hinzuschauen. Vegetationskunde als Bildungsgut – darauf kam es dem Autor an.

 

Hans-Christoph Vahle: Die Pflanzendecke unserer Landschaft. Eine Vegetationskunde,

Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2007, Großformat, 384 S., reichlich Fotos und Abbildungen, 44,– €, ISBN 978-3-7725-1145-5

Biologisch-dynamische Vertiefung

Warum werden die Hörner für Hornkiesel über Sommer vergraben? Fängt man mit der biologisch-dynamischen Landwirtschaft an, gibt es genug Neues zu tun. Solche Fragen bleiben erstmal liegen: Im vorliegenden Buch finden sich die Ergebnisse eines permanenten Gesprächs zu solchen Themen, das eine Gruppe erfahrener Praktiker fast zehn Jahre gepflegt hat, ergänzt um Fachbeiträge. So geht es um Betriebsindividualität, Düngung, Präparate, Tierhaltung, das Wesen der Pflanzen, Obstbau und Landschaft, auch um Elementarwesen. Bekanntes wird zusammengetragen, Forschung fließt ein und persönliche Erfahrungen und Betrachtungen. Viele biodynamische Begriffe, die sonst meist Vorstellung bleiben, oder im Alltag abgehakt sind, werden hier lebendig oder zumindest vertieft. Bewusst keine Praxisanleitung, wie man was am besten macht, sondern Antworten darauf, warum wir es im biologisch-dynamischen so oder so machen, und worauf man achten sollte.

 

Hurter, Markus (Hrsg.): Zur Vertiefung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Gedanken, Erfahrungen, Forschungsergebnisse, Verlag am Goetheanum, Dornach 2007, 378 S., ISBN: 978-3-7235-1305-7, 24 €

Faserpflanzen aus Ökologischem Anbau

Ob Flachs-, Hanf- oder Brennessel-Fasern, Natur-Kleidung aus Ökologischem Anbau ist im Kommen. Neu erschienen ist ein Band zur Fachtagung "Faserpflanzen“, die am 19. Juni 2007 in Kassel gehalten wurde. In ihm sind alle auf der Tagung gehaltenen Vorträge zum Thema Ökologischer Faseranbau enthalten. Themen sind außer dem Anbau der Faserpflanzen die Markt- und Preisentwicklung, Einsatz von Naturfasern in der Automobilindustrie, diverse Öko-Textil-Label und technische Verfahren des Faseraufschlusses. Neben Anbauversuchen mit Faserpflanzen wird die Firma Hess Natur-Textilien GmbH vorgestellt.

 

Grundmann, Eckart (Hrsg.): Faserpflanzen aus Ökologischem Anbau. Schriftenreihe IBDF Band 20.

Verlag Lebendige Erde, Darmstadt, A4, 68 S., ISBN: 978-3-921536-68-1. 20,– €

Essen: Gut, Sauber & Fair

Essen ist ein landwirtschaftlicher Akt, schreibt der Slow Food Gründer Carlo Petrini und fordert für die Herstellung von Lebensmitteln ein angemessenes gastronomisches Bewusstsein. Damit meint er nicht nur kulinarisches Handwerk, sondern bezieht Landwirtschaft und Ökologie eng mit ein, nicht Feinschmeckertum, sondern Nachhaltigkeit ist sein Anliegen. Ihm geht es um „wert-volle“ Produktionswelten, um Qualität als Maßstab und um Wege dahin: Dazu gehören sowohl Netzwerke, aber auch Forschung oder Veränderungen im Handel. Anhand zahlreicher Begegnungen und Erlebnisse reflektiert er im vorliegenden Buch Ansätze dazu.

 

Carlo Petrini: Gut, Sauber & Fair, Grundlagen einer neuen Gastronomie

Tre Torri Verlag GmbH, Wiesbaden 2007, 304 S., ISBN: 978-3-937963-55-6, 19,90 €

Ein Leben – biologisch-dynamisch

Karl Treß ist ein erfahrener Landwirt und ein erfahrener Redner, wenn es darum geht, die biologisch-dynamische Landwirtschaft treffend darzustellen. Nun hat er ein Buch verfasst, einen Bericht seines Lebens, von der Biologisch-Dynamischen Landwirtschaft geprägt – in Zeiten als man damit als Außenseiter Neuland betreten musste; heute heißen solche Leute Pioniere. Seine pragmatisch- ökonomische Art kommt auch dem Buch zugute. Seine Lebensgeschichte, kurz geschildert und verwoben mit den Schritten und Erfahrungen als biodynamischer Landwirt, wirkt trotz der einfach und knapp gehaltenen Sprache lebendig, weist Anekdotisches aus dem Alltag eines Landwirtes vor einigen Jahrzehnten aus und führt anfänglich, aber gekonnt in die Kerngedanken der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise ein.

 

Karl Treß: Mein Leben mit der biologisch-dynamischen Landwirtschaft

Wiedemann Verlag Münsingen 2007, ISBN: 978-3-9810687-5-7, 84 S., 12 €

Stierhaltung für die Zucht im Biobetrieb

Die Fortpflanzung mit Hilfe eines Stieres entspricht am besten den natur- und artgemäßen Bedürfnissen der Rinder und den Anforderungen der Bio-Richtlinien. Trotzdem überwiegt heute auch auf Biobetrieben die künstliche Besamung. Ein neuer Leitfaden soll dazu beitragen, dass den Grundsätzen des biologischen Landbaus entsprechend wieder vermehrt Zuchtstiere gehalten werden. Das von Demeter Bayern und FiBL gemeinsam erstellte Merkblatt zeigt die Vor- und Nachteile der Stierhaltung auf, beschreibt die gängigen Haltungsverfahren für Natursprung-Stiere und gibt Empfehlungen zur Optimierung von Haltung, Zucht und Management.

 

Stierhaltung für die Zucht im Biobetrieb; Leitfaden zur Optimierung von Haltung, Zucht und Management.

von Christoph Metz, Anet Spengler Neff, Martin Haugstätter.

FiBL Demeter Bayern, Merkblatt, 2007, 12 S., Bestellnr. 1468

ISBN 978-3-03736-007-1, 5,– €.

Bestelladresse in D: Demeter Bayern, Hohenbercha 23, 85402 Kranzberg, Tel. 08166-6204, Fax:-6274

eMail: info(at)demeter-bayern.de

Anthroposophische Tiermedizin

Die Mensch-Tier-Beziehung ist heute problematisch geworden. Einerseits vegetieren Schweine ohne Tageslicht in Mastställen, andererseits werden Hunden, Katzen und anderen Haustieren unangemessene Zuneigung aufgezwungen. In beiden Fällen können bei den Tieren Krankheiten ausgelöst werden, die seelische Ursachen haben. Darüber hinaus entscheiden Fütterung, Haltung, Zucht und Betreuung darüber, ob das Tier krank oder gesund ist. Ihre Erkrankungen hat folglich der betreuende Mensch mit zu verantworten.

 

Der schweizerische Tierarzt Jörg Spranger beschreibt in seinem Buch ausführlich den Zusammenhang zwischen erkrankten Haustieren und dem Einfluss des Menschen. Das Tier wird in seiner ganzheitlichen Sicht dargestellt: Krankheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Gesundheit. Einführend geht der Autor auf die Grundlagen der anthroposophischen Medizin ein. Im Teil 2 (Tierwesenskunde) stellt er die Tierarten Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Hund und Katze mit ihren anatomischen Besonderheiten im Einzelnen dar. In Teil 3 werden abschließend arttypische Krankheiten geschildert und verschiedene alternative Therapieansätze erläutert. Jede Krankheit wird dabei unter dem Licht der jeweiligen Tierart entsprechenden Begleitumständen betrachtet. Ein Buch, das nicht nur Tierärzte, sondern auch die Halter von Haus- und Nutztieren zum Nachdenken anregen sollte.

 

Jörg Spranger (Hrsg.): Lehrbuch der anthroposophischen Tiermedizin.

Sonntag-Verlag Stuttgart, 2007. 227 S.

ISBN: 978-3-8304-9142-2, 59,95 €

Blühende Landschaften

Was können wir für die Bienen und andere blütenbesuchende Insekten tun, ob als Landwirt oder als Gärtner oder in der Gemeinde, für diese Frage bietet die unfangreiche Broschüre vielfältige Lösungen. Ob Blühstreifen, Untersaat oder Flä­chen­stillegung, Tipps zum Mähzeitpunkt oder Listen von Pflanzen, die Nektar und Pollen spenden und gepflanzt bzw. gesät werden sollten, die Anregungen sind zahlreich, praktisch, helfen Insekten, Futter zufinden und verschönern die Landschaft. Bestellen und machen!

 

Wege zu einer blühenden Land­schaft, Lebensgrundlage für Pflanze, Tier und Mensch,

Netzwerk Blühende Landschaften 2006, 60 S., 8 €,

Bezug bei www.bluehende-landschaft.de, Netzwerk Blühende Land­schaft bei Mellifera e.V.

Fi­schermühle 7, 72348 Rosenfeld (da gibt es auch mehr).

Gute Argumente für Ökolandbau und Biolebensmittel

Gute und auf den Punkt gebrachte Argumente für Bio-Produkte und den Bio-Landbau kann man im Wettstreit der Meinungen immer gebrauchen. „90 Argumente für den Biolandbau” hat jetzt das Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) veröffentlicht. Erhältlich sind eine 16-seitige Vollversion und ein zweiseitiger Flyer mit 37 Argumenten in Kurzform.

FibL, Ackerstr., CH- 5070 Frick bzw. 1440-Argumente.PDF

Qualität und Sicherheit von Bioprodukten

Zu „Qualität und Sicherheit von Bioprodukten" gibt es seit Frühjahr ein 24seitiges FibL- Dossier: www.fibl.org/shop für 6 €.

Ist Bio wirklich besser?

In Österreich gibt es das 20-seitige Heft „Ist Bio wirklich besser?” als Argumentationshilfe bei Bio- Austria. Es kann auch aus dem Internet herunter geladen werden.

Bio-Austria: Theresianumstr. 11/1, 1040 Wien, ++43 (0)1 403 70 50. www.bio-austria.at/.../ist_bio_wirklich_besser

25 Antworten zum Stand des Wissens

Der BÖLW hat gerade „25 Antworten zum Stand des Wissens rund um Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel” in einer 64 seitigen Broschüre zusammengefasst, die es ebenfalls als Download gibt.

Zur Online-Broschüre oder die Broschüre als PDF

Neue Landwirt­schafts­kultur? - Tagungsband

Im Februar hörten und diskutierten mehr als 500 biologisch-dynamischen Landwirte und Gäste Anregungen, wie es mit der Öko- und Biodynamischem Landbau weiter gehen kann. Identität und Offenheit war der Titel der Tagung und folgerichtig waren Gäste und Initiativen aus Ökolandbau, aus dem Ökolandbau nahen Bewegungen, der Politik und Demeter-Praktiker aus anderen Kontinenten geladen, ihren Blickwinkel einzubringen. Die breite Vielfalt von Slowfood bis Permakultur und Biodynamikern aus Brasilien oder Indien und die klaren Appelle, "Bündnisse schlies­sen" spiegeln sich im Tagungsband so gut es geht wieder - man muss eine solche Tagung eigentlich erlebt haben. Im Band finden sich die meisten Vorträge und zahlreich auch die Berichte aus den Foren und Arbeitsgruppen. Das ermöglicht einen Einblick, wie und wo Biologisch-dynamische Landbaukultur gelebt wird.

 

Identität und Offenheit, auf der Suche nach einer neuen Land­wirt­schaftskultur
Hrsg: Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, Sektion für Landwirtschaft
Tagungsband zur Landwirtschaftlichen Tagung vom 1. bis 4.2. 2006, 184 Seiten €17,-
Bezug: Sektion für Landwirtschaft, Goetheanum, Hügelstr. 59, CH-4143 Dornach

Die Hofkäserei

Das Buch füllte eine Lücke, denn außer einem kleinen Buch für die ersten Anfänge gab es nichts für Betriebe, die ihre Milch veredeln wollen. Die Autoren, der eine vom Verband für handwerkliche Milchverarbeitung im Ökolandbau, der andere leitender Molkereitechniker an der Lehrmolkerei der Uni Hohenheim, wissen, behandeln alle Fragen, die rund um das professionelle Käsemachen anfallen. Planung der Räume, Eingliederung in den Betrieb, Betrachtungen zur Wirtschaftlichkeit werden ebenso ausführlich und verständlich dargestellt wie Herstellung, Reifung und Qualitätssicherung . Darüberhinaus sind viele Praxiserfahrungenm käsender Ökobetriebe in das Buch eingeflossen, ein umfangreicher Rezeptteil gibt Anregungen, zahlreiche Ablaufpläne eine sichere Einführung in die Praxis. Zum Einstieg und zum Nachlesen, nach den Seminaren.

 

Marc-Albrecht-Seidel/Luc Mertz: Die Hofkäserei, Planung, Einrichtung, Grundrezepte

  Ulmer, Stutt­gart

  2006

  226 Seiten

  ISBN 3-8001-4209-5

Landschaft gestalten

Wer die Natur im Betrieb unter dem Landschaftsaspekt gestalten will , bekommt hier eine praktische Hilfestellung. Von der Zustandsbeschreibung bis zum Soll erleichtern Arbeitsbögen das Vorgehen, das man auch mit Freunden des Hofes gemeinsam ins Auge fassen kann. Denn wie eine Landschaft gestaltet ist und wer mit anpackt, ist nicht Sache der Landwirte allein. Gezielt ist dieses Buch daher auf ein Erarbeiten mit Naturschützern, Kunden und anderen zusammen angelegt: denn Verbindung zur Landschaft hat jeder. Wahrnehmen und Erleben, Ideen sammeln und Maßnahmen festlegen sowie umsetzen sind die Schritte , um Eigenart und Identität des Ortes zu entfalten.

 

Landschaft im Dialog gestalten. Ein Handbuch zur gemeinsamen Entwicklung von Hof und Landschaft, von Andreas Wolfart und Torsten Renz, ca. 60. S., Verlag Lebendige Erde, Darmstadt 2006, 22 €

Wie gut sind Bioprodukte?

Lebensmittel im Vergleich betrachtet das neue FiBL-Dossier und wertet dazu die wissenschafliche Literatur aus. Facetten des Qualitätsbegriffs, wertgebende und wertmindernde Inhaltsstoffe sowie Fragen zu "Bio und Gesundheit", Genuss- bzw. (technischer) Eignungswert werden beantwortet. Verarbeitung, Prozessqualität bzw. Umweltwirkungen und Kontrolle werden ebenfalls erläutert. Eine gute Zusammenschau, die den klaren Vorsprung von Biolebensmitteln vor konventionellen in den meisten Aspekten anschaulich dokumentiert.

 

FiBL-Dossier Qualität und Sicherheit von Bioprodukten: Lebensmittel im Vergleich

  Hrsg: FiBL, CH-Frick, 2006

  24 Seiten

  € 6,-

  ISBN 3-9906081-83-4 oder

  www.shop.fibl.org, Bestellnr. 1405

Biodynamic Wines

Das erste und einzige Buch, das einen Überblick gibt, wie und vor allem wo biologisch-dynamisch Reben angebaut und Wein gemacht wird. Der Autor, als Fachmann bereits ausgewiesen durch einen Führer zu organischen Weingütern, hat selbst auf einigen Betrieben mitgearbeitet und sehr viele besucht, weiß, wovon er schreibt. Nach einer nicht knappen Einführung werden die biodynamischen Winzer nach Anbaugebieten vorgestellt: der Schwerpunkt, wen wundert's, liegt auf Frankreich, aber auch Australien und der erste Weingarten in England sind dabei. Die Beschreibungen sind länger als in üblichen Weinführern, Betriebsleiter und Philosophie werden kurz vorgestellt und natürlich die Weine. Eine Gesamtbewertung ergänzt den Nutzen als Führer. Nicht ganz vollständig, wie der Blick auf die Deutschlandliste z. B. zeigt, aber dennoch eine ausführliche Reise in die biodynamische Winzerszene, leider nur auf englisch.

 

Monty Waldin: Biodynamic Wines

Mitchell Beazley

Classic Wine Library

London 2004

515 Seiten

ISBN 1-84000-964-0

ca. €40,90

Vegetarische Ernährung und Anthroposophie

Eine kleine Literaturstudie zum Verhältnis dieser beiden Gesichtspunkte der Lebensgestaltung hat Dr. Petra Kühne verfasst. Ausgehend von den Unterschieden pflanzlicher und tierischer Nahrung werden Gründe und Formen des Vegetarismus aufgezeigt und seine Möglichkeiten für den spirituell Übenden diskutiert. Bezugsrahmen dazu sind die verschiedensten Ausführungen Rudolf Steiners und das, was sich daraus alsAnthroposophischeErnährungslehre entwickelt hat.

 

Petra Kühne: Vegetarische Ernährung und Anthroposophie

Arbeitskreis für Ernährungsforschung

2005

Niddastr.14

61118 Bad Vilbel

€5,- plus Versand