Sie sind hier: Startseite / Buchbesprechungen
7.9.2010 : 8:14 : +0200
Buchbesprechungen

Die Zukunft des Öko-Landbaus liegt in der Wissenschaft

So könnte man das Fazit von Arnim Bechmann pointieren, der die Mühe auf sich genommen hat, Wege zum Ökolandbau der 3. Generation zu erkunden. Das tat er mit der ihm eigenen Gründlichkeit, sehr breit angelegt und gerne im Fließdiagramm illustriert. Das Ergebnis dieses mehrjährigen Prozesses mit Experteninterviews und einer umfassenden Bestandsaufnahme ist eine fast 500 Seiten umfassende Dokumentation des Nachdenkens über die Zukunft des Ökologischen Landbaus. Vor mehr als 20 Jahren forderte er mit einem Buch zur „Landbauwende“ auf. Die sieht er ins Stocken geraten, wenn der Ökolandbau nicht seine wissenschaftliche Basis verständlicher klärt – und damit meint er auch die biodynamische Richtung. So skizziert er Möglichkeiten der Theoriebildung am Zaun zur Grenzwissenschaft, die er als Überlebensnotwendigkeit für den Ökolandbau begreift und legt eine Menge Spuren, um dessen Wissenssystem und Identität weiterzuentwickeln.

 

Arnim Bechmann: Ökologischer Landbau – aus der Nische in die Zukunft.

Identitätsbildung und Zukunft durch leitbildbewusste Verwissenschaftlichung,

Verlag Edition Zukunft, Barsinghausen 2009, 470 S., 32,50 €, ISBN 978-3-8979922-76

Bedrohte Saat

So wie Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, kommt Saatgut auch nicht einfach aus dem Sack. Und es ist, zwar unsichtbar, genauso wichtig für unseren Alltag: keine Brötchen, keine Milch aus Viehfutter, ohne dafür Saatgut zu nutzen. Vor dem Hintergrund der offensiven Verbreitung der AgroGentechnik diskutieren verschiedene Autoren, u.a. Manfred Klett, Nikolai Fuchs, Petra Kühne, die Bedeutung dieses bedrohten Kulturgutes in verschiedenen Facetten: Geschichte der Agrarkultur und deren Umformung zum Agrobusiness, Fakten zu den Versprechungen der Konzerne, Probleme im Saatgutrecht, der Unterschied zwischen Innovation und Fortschritt und gesellschaftliche Konsequenzen des saatgutbezogenen Kontrollanspruchs der Konzerne kommen zur Sprache, und natürlich: ein biodynamischer Züchter – Bertold Heyden. Dabei bietet der Lesestoff eine Reihe neuer Einsichten über die gentechnikkritischen Standards hinaus.

 

Bedrohte Saat. Saatgutpflege und der Kampf gegen die Macht der Agrokonzerne, hrsg. von Manfred Christ,

Pforte Verlag Dornach 2010, 326 S., ISBN 978-85636-197-6, 14,00 €

Anthroposophische Unternehmen

Sie sind meist „Oldies” und doch topaktuell: anthroposophisch inspirierte Unternehmungen wie Wala, Voelkel, Stockmar oder die GLS-Bank. Denn ökologische und ethische Verantwortung der Unternehmen werden heute vom Konsumenten mehr und mehr eingefordert – diese Firmen leben es schon immer, haben es in ihrem Gründungsgedanken verankert und sind damit erfolgreich. In zwölf Firmenportraits wird ein Einblick gegeben, wie und wo Weleda, HessNatur oder Alnatura anders „ticken” als noch vor kurzem der Zeitgeist, angefangen von den Unternehmenszielen bis hin zur Mitarbeiterbildung. Ein aktueller Spiegel des anthroposophischen Wirtschaftslebens.

 

Kapital = Geist. Pioniere der Nachhaltigkeit: Anthroposophie in Unternehmen.

Hrsg: Jens Heisterkamp, Info3 Verlag Frankfurt 2009, 172 S., 24 Euro, ISBN 978-3-924391-42-3

Das geheime Bewusstsein der Pflanzen

Können Pflanzen kommunizieren? Hat Gemüse ein Lieblingslicht? Empfindet ein Baum Schmerz? Kann eine Tabakpflanze ihre Strategie gegen Schädlinge variieren? Dass das Wesen Pflanze viel „beweglicher” ist, als wir aus unseren Alltagsbeobachtungen im Vorübergehen wahrnehmen, erläutert dieses Buch anhand zahlreicher Beispiele aus der Wissenschaft. Der Autor öffnet trotz reißerischer Überschriften den Blick auf einen Bereich des Lebendigen, der intensiver miteinander verknüpft ist, als wir es denken - die Welt der Pflanzen, ihrer Aktionen und Reaktionen. So kann z.B. Meersenf konkurrierende Pflanzen durch sein Wurzelwerk behindern, tut dies aber nicht bei Artgenossen. Man erfährt viele interessante Eigenschaften der Pflanzen, kann sich ein neues Bild machen. Doch entgeht der Autor wie einst Tompkins und Bird (The Secret Life of Plants) nicht der Versuchung, auch ungeprüfte Ergebnisse darzustellen, was dann doch hier und da Fragen zur Recherchetiefe hinterlässt. Was nicht für die ebenfalls im Buch erwähnte biodynamische Forschung zum Thema Mond zutrifft.

 

Joseph Scheppach: Das geheime Bewusstsein der Pflanzen. Botschaften aus einer unbekannten Welt.

Verlag Droemer, München 2009, 288 S., ISBN 978-3-426-27476-7, 19,95 Euro

Tagungsband zum Landwirtschaftlichen Kurs

Die internationale biodynamische landwirtschaftliche Tagung ist ein Ereignis für jeden, der teilnimmt. Wer nicht dabei war oder Beiträge nachlesen will, dem kann mit dem regelmäßig erscheinenden Tagungsband geholfen werden. Darin sind alle Hauptvorträge, diesmal rund um den Ausgangspunkt der biologisch-dynamischen Landwirtschaft – Steiners Kurs – dokumentiert, von historischem bis zu Praktikererfahrungen mit einzelnen Vorträgen aus dem Kurs, die französischen Beiträge auch übersetzt. Und einige Berichte aus den Arbeitsgruppen.

 

Der Landwirtschaftliche Kurs. Wie lebe ich mit dieser Inspirationsquelle?

13 Vorträge und 5 Berichte aus Fach- und Arbeitsgruppen 273 Seiten; € 17,-,

zu bestellen bei: Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum, Hügelweg 59 CH-4143 Dornach, 0041-61-701-42 12, Fax -42 15

Spirituelle Ökologie

Deep Ecoloy, Verantwortung für das Leben aus spiritueller Einsicht, war eine buddhistisch inspirierte Bewegung vor mehr als einem Jahrzehnt. Das ist an den Anthroposophen vorbeigegangen, obwohl sie da sehr viel zu bieten haben. Nun endlich gibt es Auszüge aus Steiners Anregungen zu diesem Thema als Textband, die zeigen, wie weit und wie konkret Steiner die Verbundenheit des Menschen mit der Welt dachte und empfand. Es finden sich kommentierte Textzitate zum ganzheitlichen Sehen, dem Wesen Erde, zu Wasser, Pflanzen, Insekten, Tieren und natürlich auch zu Kultur und Agrikultur, und das Ganze ist weniger eine Praxisanleitung als eine Hinführung dazu, Natur und Mensch anders zu denken.

 

Sprituelle Ökologie. Ausgewählte Texte Rudolf Steiners, herausgegeben von Matthew Barton

Rudolf Steiner Verlag Dornach 2009, 269 S., 19,00 Euro, ISBN 978-3-727453809

Öko-Landbau macht Landschaft

Kann man Öko-Landbau in der Landschaft sehen? Hinterlassen unterschiedliche Anbaumethoden typische Spuren, die für ein geschultes Auge sichtbar sind? Bei Biodiversität punktet der Öko-Landbau, aber auch beim Landschaftsbild? Die Autorin vergleicht in ihrer gründlichen Doktorarbeit mehrere hundert Betriebe der drei Wirtschaftsweisen integrierte Produktion, biologisch-organisch und biologisch-dynamisch und kommt zu dem Schluss: es gibt typische, im Landschaftsbild wirksame Unterschiede. Und zwar dem Gradienten integriert - organisch - dynamisch folgend: Demeter-Betriebe tun deutlich am meisten für die Landschaft, haben mehr Grünland und ökologische Ausgleichsfläche, mehr Hecken und Streuobst und legen Wert auf die Integration von Landschaftselementen.

 

Regula Steiner: Spuren des Biolandbaus. Wie verschiedene Anbaumethoden in der Landschaft sichtbar werden.

oekom-Verlag München 2009, 142 S. ISBN 978-3-86581-107-3, 39,90 Euro

Die Gesten der Pflanzen

Strecken, Stauchen, Spiralen und andere Muster bildend - das Pflanzenwachstum ist ein offen liegendes Geheimnis. Dietrich Bauer, biodynamischer Gärtner, Gemüsezüchter und erfahrener Lehrer an der Landbauschule Dottenfelderhof, nimmt die Leser mit hinaus in die Natur, zeigt, wie man hinschauen kann, um Naturerkenntnis an Wachstum und Gestalt der Pflanze zu erleben, in Tradition goetheanistischer Botanik. Was heißt es, wenn eine Pflanze hüllende Knospen bildet, was, wenn sie so gestaucht wächst wie die Eiche? Wo greift Beseeltes in die Blütenbildung ein? Mit den feinen Pflanzenzeichnungen von Barbara Hanneder, die seine Beobachtungen illustrieren, ist ein Nachempfinden der formenden Kräfte und Gesten möglich, die in den dargestellten Blütenpflanze und Bäumen wirken. Die Betrachtung reicht von Grundkräften über Schmetterlings- oder Korbblütler bis zum Wachstum von Bäumen bzw. deren Gruppierung. Nur ein neues Verständnis der Natur und die Freude daran kann unser Handeln ändern.

 

Grundgesten im Pflanzenreich, Beobachtungen an Blüten und Bäumen, von Dietrich Bauer, mit Zeichnungen von Barbara Hanneder

Verlag Lebendige Erde, Darmstadt 2008, 122 S., 24,- Euro, ISBN: 978-3-941232-01-3

Bio Kapital

Dieses Buch erscheint zum passendsten Zeitpunkt. Die Finanzkrise macht klar, dass der Fehler auch im System liegt: Wirtschaft ist kein Perpetuum mobile mit immer neuen Zertifikaten, sondern findet ein einem endlichen Rahmen statt, in der Bio- und Geosphäre unserer Erde. Und, es gibt weit Wichtigeres als Ökonomie, die heute unser aller Bewusstsein dominiert. Mit seiner glänzenden Analyse enttarnt der Autor - bekannt durch sein brilliantes Buch zu einer neuen Biologie "Alles fühlt“ - unser Bild vom Fortschritt als einseitig materialistisch, lebensfeindlich, ressourcenfressend und von Gier getrieben: Nicht nachhaltig, nicht zukunftsfähig - so das Fazit. Er entwickelt Grundzüge einer ökologischen Ökonomie in Anlehnung an das Lebendige und nennt das humanistisches Wirtschaften. Plädoyer für ein Umprogrammieren des Kapitalismus, anregend und ermutigend visionär.

 

Andreas Weber: Biokapital: Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit,

Berlin-Verlag 2008, 240 S., ISBN 978-3-8270-0792-6, 19,90 Euro

Spiritualität und Landwirtschaft

Was hat Spiritualität mit Erkenntnissicherheit und Freiheit zu tun? Und was bewirkt die geistige Souveränität des Landwirts? Diese Fragen sowie Themen rund um die Kerngedanken und Übungen der Anthroposophie standen im Mittelpunkt der diesjährigen Internationalen Landwirtschaftlichen Tagung in Dornach. Der Zusammenhang zur praktischen Landwirtschaft - wo tauchen spirituelle Fragen auf, fand ebenso statt wie die kritische Betrachtung: welche Kriterien helfen mir, herauszufinden, wo oder wie Spiritualität zeitgemäß ist? Die Tagung lebt von Gesprächsgruppen - auch diese sind z. T. dokumentiert. Wer nicht dabei sein konnte: hier entdeckt man beim Lesen Anregungen, um Biologisch-dynamisches und Anthroposophisches lebendig zu verbinden.

 

Spiritualität und Landwirtschaft: Wie finde ich eine zeitgemäße Beziehung zur Erde?

Vorträge, Berichte aus Arbeitsgruppen und Foren; ca. 208 S., 17 €

Bezug: Sektion Landwirtschaft am Goetheanum. Hügelstr. 59, CH-4143 Dornach

Alles fühlt - Biologie neu betrachtet

Ein wunderbares Buch! Und eines das fällig war. Es räumt auf mit den Klischees von Leben als Verdrängungskampf biochemischer Maschinenwesen und legt sich quer zum (noch) wissenschaftlichen Mainstream. Leben kommt nicht aus dem Labor und kann auch nicht im Labor verstanden werden - das ist die Botschaft, die der Autor, selbst Biologe und Wissenschaftsjournalist, einfühlsam und nachvollziehbar verkündet, auf neuestem Forschungsstand belegt. Mit poetischer und präziser Sprache zugleich nimmt er uns mit auf die Reise in eine neue Sicht der Welt des Lebendigen. Auch wenn es dem Eingeweihten nicht ganz neu sein dürfte, neu ist auf jeden Fall, dass die Wissenschaft inzwischen soweit ist, ihr Paradigma zu überdenken, alles Leben müsse auf Physik und Chemie zurückgeführt werden. Und sehr ansprechend, wie gesagt die Erzählweise - Fakten unterhaltsam mit Erlebtem verwoben, schon allein deswegen lesenswert. Zitate gefällig?: "Leben ist keine Kaskade von Reaktionen, sondern ihr Gegenteil: Autonomie." Oder "Mit dem Schwinden der Natur droht uns damit eine ganz besondere Gefahr: der Verlust der Liebe." Warum? Selbst lesen!

 

Andreas Weber: Alles fühlt. Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaft,

Berlin Verlag, Berlin 2007, 350 S. , 9,20 €, ISBN: 978-3-8333-0423-1

Lieber konventionell

Irgendwann musste es ja kommen, dass jemand der Biowelt den Spiegel vorhalten möchte. Die beiden Autoren Maxeiner und Miersch (u. a. Lexikon der Öko-Irrtümer) kaufen selbst ab und an Bio und wollen vorgeblich dem Ökolandbau nichts Böses, nur Spreu vom Weizen trennen: heraus kommt ein Plädoyer für Gentechnik. Aber von vorne: Anregend und gut geschrieben pflegen die Autoren ihren „Widerspruchsgeist” gegen alles was auf Sockeln steht, jetzt wohl auch der Ökolandbau. Sie wollen daher nicht abwägen und ein Gesamturteil ermöglichen, sondern sticheln im Schatten der Biowelle. Bei der Frage nach der Effizienz des Ökolandbaus – je Hektar top, je Kilo weniger – mag man noch aufhorchen, aber meist ist die Recherche nicht erschöpfend und auch die Kritik bleibt vordergründig.

Vor allem zwei habituelle Reflexe schränken die Sichtweise der selbsternannten „Aufklärer” ein: Nicht gut finden dürfen, was gedanklich den Mainstream verlässt und der Grundirrtum, Ökolandbau sei die Landwirtschaft der Väter und Großväter von vor 50 Jahren. Tenor ist denn auch, dass der Fortschritt nur aus dem Labor kommt. Das erklärt, warum kapitelweise fachfremde Professoren als „Fachleute” interviewt werden – während Dr. Urs Niggli, Leiter des FIbL, der weltweit größten Forschungsanstalt zum Ökolandbau, nur mit einem Halbsatz zitiert wird. Der dynamisch, organisch und konventionell vergleichende Langzeitversuch, immerhin in Science publiziert, kommt gar nicht vor.

Aber das ist wohl der Arbeitstil: Resistent gegen aktuelleres Wissen und Studien mit anderen Ergebnissen, sind dem Autorenduo einschlägige Universitäten nicht gut genug, sie suchen sich ihre Experten lieber selbst und zitieren, was sie gebrauchen können. So also funktioniert „Schöner Denken”, wie ein weiteres Buch der beiden heißt. Generell wird mit zweierlei Maß gemessen: romantische Werbung als Vorwurf an den Ökolandbau, die Zerrbilder der Werbung für Industrienahrung kennen die beiden wohl nicht. Auch die Kupferanwendung wird den Ökobauern vorgehalten, obwohl sie nur Kartoffeln und Sonderkulturen betrifft, und das auch nur mit reduzierten Aufwandmengen: Kein Wort z. B. zu Nebenwirkungen von Pestiziden oder zum flächendeckenden Einsatz von Roundup, das jeder nutzt, der Agrogentech anwendet. Und wie war das mit dem Bienensterben durch ein Beizmittel, gerade eben im Mai? Und das steigert sich: Mist wird – aus Unkenntnis? – zur Fäkalie deklariert, Ewald Köhnemann mit falschem Namen zum Anthroposophen gemacht. Weitere falsche Bezüge und Behauptungen, wie z. B. die Verrechnung der Nitratbelastung auf den Ertrag, oder angeblich mehr Nitratversickerung unter Ökoflächen, lassen einen als Fachmann endgültig den Kopf schütteln. Und natürlich: mit Ökolandbau verhungert die Welt. Schön, dass aktuell der Weltlandwirtschaftsbericht der UN mit solcher Denke aufräumt. Übrigens: Steiner wird in die braune Ecke gestellt, garniert mit verleumderischen Behauptungen zum biodynamischen Gärtner Lippert, der im KZ Dachau arbeitete.

Ökolandbau ist sicher nicht heile Welt, und manche Kritik muss Ansporn zur Verbesserung sein. Aber aus fachlich-wissenschaftlicher Sicht ist das ein ärgerliches Buch. Lerneffekt: man kennt dann die Meinung des männlichen Mainstream, „der Schulmedizin”. Bei einem Punkt allerdings haben die Autoren Recht: die mediengetriebene Angst vor Rückständen und Schadstoffen und die Katastrophenstimmung bei Ernährungsthemen in Deutschland ist reichlich überzogen. Und bestimmt nicht unser Motiv, biologisch-dynamisch zu arbeiten. Diesen Ansatz gab es nämlich schon lange vor der Agrochemie.

(mom)

 

Biokost & Ökokult. Welches Essen ist wirklich gut für uns und unsere Umwelt.

Von Dirk Maxeiner und Michael Miersch.

Piper Verlag München 2008, 238 S., 14,00 Euro, ISBN: 978-3-492-05100-2

Goetheanistische Vegetationskunde

Der Autor liest die Natur mit einer ungewöhnlichen Wissenschaftsbrille: Als Forscher zur Vegetationskunde u.a. an der Uni Witten-Herdecke und im Institut für Biologisch-Dynamische Forschung sucht er den ästhetischen Zugang zu der Pflanzensoziologie als Ausdruck der Ganzheit. Dieser nähert er sich auch mit Begriffen wie Dreigliederung, den vier Elementen, Charakter. Es geht um die Gestalt von Pflanzengesellschaften jenseits von Artenzählen, um die Bewegung und Entwicklung des Standortwesens. Im Erläutern der Prinzipien werden beispielhaft u.a. Wälder, Heiden, Gewässer und Kulturlandschaften charakterisiert, Gestaltelemente, Wechselwirkungen und Zeitverläufe dargestellt. Ein Lehrbuch zu einer ganzheitlichen, goetheanistischen Vegetationskunde und das nicht nur für Fachleute: Das Buch lädt mit seinen zahlreichen schönen Aquarellen und Zeichnungen und mit Übungen zum Eintauchen ein, um dann mit neuem Blick draußen hinzuschauen. Vegetationskunde als Bildungsgut – darauf kam es dem Autor an.

 

Hans-Christoph Vahle: Die Pflanzendecke unserer Landschaft. Eine Vegetationskunde,

Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2007, Großformat, 384 S., reichlich Fotos und Abbildungen, 44,– €, ISBN 978-3-7725-1145-5

Biologisch-dynamische Vertiefung

Warum werden die Hörner für Hornkiesel über Sommer vergraben? Fängt man mit der biologisch-dynamischen Landwirtschaft an, gibt es genug Neues zu tun. Solche Fragen bleiben erstmal liegen: Im vorliegenden Buch finden sich die Ergebnisse eines permanenten Gesprächs zu solchen Themen, das eine Gruppe erfahrener Praktiker fast zehn Jahre gepflegt hat, ergänzt um Fachbeiträge. So geht es um Betriebsindividualität, Düngung, Präparate, Tierhaltung, das Wesen der Pflanzen, Obstbau und Landschaft, auch um Elementarwesen. Bekanntes wird zusammengetragen, Forschung fließt ein und persönliche Erfahrungen und Betrachtungen. Viele biodynamische Begriffe, die sonst meist Vorstellung bleiben, oder im Alltag abgehakt sind, werden hier lebendig oder zumindest vertieft. Bewusst keine Praxisanleitung, wie man was am besten macht, sondern Antworten darauf, warum wir es im biologisch-dynamischen so oder so machen, und worauf man achten sollte.

 

Hurter, Markus (Hrsg.): Zur Vertiefung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Gedanken, Erfahrungen, Forschungsergebnisse, Verlag am Goetheanum, Dornach 2007, 378 S., ISBN: 978-3-7235-1305-7, 24 €

Faserpflanzen aus Ökologischem Anbau

Ob Flachs-, Hanf- oder Brennessel-Fasern, Natur-Kleidung aus Ökologischem Anbau ist im Kommen. Neu erschienen ist ein Band zur Fachtagung "Faserpflanzen“, die am 19. Juni 2007 in Kassel gehalten wurde. In ihm sind alle auf der Tagung gehaltenen Vorträge zum Thema Ökologischer Faseranbau enthalten. Themen sind außer dem Anbau der Faserpflanzen die Markt- und Preisentwicklung, Einsatz von Naturfasern in der Automobilindustrie, diverse Öko-Textil-Label und technische Verfahren des Faseraufschlusses. Neben Anbauversuchen mit Faserpflanzen wird die Firma Hess Natur-Textilien GmbH vorgestellt.

 

Grundmann, Eckart (Hrsg.): Faserpflanzen aus Ökologischem Anbau. Schriftenreihe IBDF Band 20.

Verlag Lebendige Erde, Darmstadt, A4, 68 S., ISBN: 978-3-921536-68-1. 20,– €

Essen: Gut, Sauber & Fair

Essen ist ein landwirtschaftlicher Akt, schreibt der Slow Food Gründer Carlo Petrini und fordert für die Herstellung von Lebensmitteln ein angemessenes gastronomisches Bewusstsein. Damit meint er nicht nur kulinarisches Handwerk, sondern bezieht Landwirtschaft und Ökologie eng mit ein, nicht Feinschmeckertum, sondern Nachhaltigkeit ist sein Anliegen. Ihm geht es um „wert-volle“ Produktionswelten, um Qualität als Maßstab und um Wege dahin: Dazu gehören sowohl Netzwerke, aber auch Forschung oder Veränderungen im Handel. Anhand zahlreicher Begegnungen und Erlebnisse reflektiert er im vorliegenden Buch Ansätze dazu.

 

Carlo Petrini: Gut, Sauber & Fair, Grundlagen einer neuen Gastronomie

Tre Torri Verlag GmbH, Wiesbaden 2007, 304 S., ISBN: 978-3-937963-55-6, 19,90 €

Ein Leben – biologisch-dynamisch

Karl Treß ist ein erfahrener Landwirt und ein erfahrener Redner, wenn es darum geht, die biologisch-dynamische Landwirtschaft treffend darzustellen. Nun hat er ein Buch verfasst, einen Bericht seines Lebens, von der Biologisch-Dynamischen Landwirtschaft geprägt – in Zeiten als man damit als Außenseiter Neuland betreten musste; heute heißen solche Leute Pioniere. Seine pragmatisch- ökonomische Art kommt auch dem Buch zugute. Seine Lebensgeschichte, kurz geschildert und verwoben mit den Schritten und Erfahrungen als biodynamischer Landwirt, wirkt trotz der einfach und knapp gehaltenen Sprache lebendig, weist Anekdotisches aus dem Alltag eines Landwirtes vor einigen Jahrzehnten aus und führt anfänglich, aber gekonnt in die Kerngedanken der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise ein.

 

Karl Treß: Mein Leben mit der biologisch-dynamischen Landwirtschaft

Wiedemann Verlag Münsingen 2007, ISBN: 978-3-9810687-5-7, 84 S., 12 €

Stierhaltung für die Zucht im Biobetrieb

Die Fortpflanzung mit Hilfe eines Stieres entspricht am besten den natur- und artgemäßen Bedürfnissen der Rinder und den Anforderungen der Bio-Richtlinien. Trotzdem überwiegt heute auch auf Biobetrieben die künstliche Besamung. Ein neuer Leitfaden soll dazu beitragen, dass den Grundsätzen des biologischen Landbaus entsprechend wieder vermehrt Zuchtstiere gehalten werden. Das von Demeter Bayern und FiBL gemeinsam erstellte Merkblatt zeigt die Vor- und Nachteile der Stierhaltung auf, beschreibt die gängigen Haltungsverfahren für Natursprung-Stiere und gibt Empfehlungen zur Optimierung von Haltung, Zucht und Management.

 

Stierhaltung für die Zucht im Biobetrieb; Leitfaden zur Optimierung von Haltung, Zucht und Management.

von Christoph Metz, Anet Spengler Neff, Martin Haugstätter.

FiBL Demeter Bayern, Merkblatt, 2007, 12 S., Bestellnr. 1468

ISBN 978-3-03736-007-1, 5,– €.

Bestelladresse in D: Demeter Bayern, Hohenbercha 23, 85402 Kranzberg, Tel. 08166-6204, Fax:-6274

eMail: info(at)demeter-bayern.de

Anthroposophische Tiermedizin

Die Mensch-Tier-Beziehung ist heute problematisch geworden. Einerseits vegetieren Schweine ohne Tageslicht in Mastställen, andererseits werden Hunden, Katzen und anderen Haustieren unangemessene Zuneigung aufgezwungen. In beiden Fällen können bei den Tieren Krankheiten ausgelöst werden, die seelische Ursachen haben. Darüber hinaus entscheiden Fütterung, Haltung, Zucht und Betreuung darüber, ob das Tier krank oder gesund ist. Ihre Erkrankungen hat folglich der betreuende Mensch mit zu verantworten.

 

Der schweizerische Tierarzt Jörg Spranger beschreibt in seinem Buch ausführlich den Zusammenhang zwischen erkrankten Haustieren und dem Einfluss des Menschen. Das Tier wird in seiner ganzheitlichen Sicht dargestellt: Krankheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Gesundheit. Einführend geht der Autor auf die Grundlagen der anthroposophischen Medizin ein. Im Teil 2 (Tierwesenskunde) stellt er die Tierarten Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Schwein, Hund und Katze mit ihren anatomischen Besonderheiten im Einzelnen dar. In Teil 3 werden abschließend arttypische Krankheiten geschildert und verschiedene alternative Therapieansätze erläutert. Jede Krankheit wird dabei unter dem Licht der jeweiligen Tierart entsprechenden Begleitumständen betrachtet. Ein Buch, das nicht nur Tierärzte, sondern auch die Halter von Haus- und Nutztieren zum Nachdenken anregen sollte.

 

Jörg Spranger (Hrsg.): Lehrbuch der anthroposophischen Tiermedizin.

Sonntag-Verlag Stuttgart, 2007. 227 S.

ISBN: 978-3-8304-9142-2, 59,95 €

Blühende Landschaften

Was können wir für die Bienen und andere blütenbesuchende Insekten tun, ob als Landwirt oder als Gärtner oder in der Gemeinde, für diese Frage bietet die unfangreiche Broschüre vielfältige Lösungen. Ob Blühstreifen, Untersaat oder Flä­chen­stillegung, Tipps zum Mähzeitpunkt oder Listen von Pflanzen, die Nektar und Pollen spenden und gepflanzt bzw. gesät werden sollten, die Anregungen sind zahlreich, praktisch, helfen Insekten, Futter zufinden und verschönern die Landschaft. Bestellen und machen!

 

Wege zu einer blühenden Land­schaft, Lebensgrundlage für Pflanze, Tier und Mensch,

Netzwerk Blühende Landschaften 2006, 60 S., 8 €,

Bezug bei www.bluehende-landschaft.de, Netzwerk Blühende Land­schaft bei Mellifera e.V.

Fi­schermühle 7, 72348 Rosenfeld (da gibt es auch mehr).

Gute Argumente für Ökolandbau und Biolebensmittel

Gute und auf den Punkt gebrachte Argumente für Bio-Produkte und den Bio-Landbau kann man im Wettstreit der Meinungen immer gebrauchen. „90 Argumente für den Biolandbau” hat jetzt das Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) veröffentlicht. Erhältlich sind eine 16-seitige Vollversion und ein zweiseitiger Flyer mit 37 Argumenten in Kurzform.

FibL, Ackerstr., CH- 5070 Frick bzw. 1440-Argumente.PDF

Qualität und Sicherheit von Bioprodukten

Zu „Qualität und Sicherheit von Bioprodukten" gibt es seit Frühjahr ein 24seitiges FibL- Dossier: www.fibl.org/shop für 6 €.

Ist Bio wirklich besser?

In Österreich gibt es das 20-seitige Heft „Ist Bio wirklich besser?” als Argumentationshilfe bei Bio- Austria. Es kann auch aus dem Internet herunter geladen werden.

Bio-Austria: Theresianumstr. 11/1, 1040 Wien, ++43 (0)1 403 70 50. www.bio-austria.at/.../ist_bio_wirklich_besser

25 Antworten zum Stand des Wissens

Der BÖLW hat gerade „25 Antworten zum Stand des Wissens rund um Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel” in einer 64 seitigen Broschüre zusammengefasst, die es ebenfalls als Download gibt.

Zur Online-Broschüre oder die Broschüre als PDF

Neue Landwirt­schafts­kultur? - Tagungsband

Im Februar hörten und diskutierten mehr als 500 biologisch-dynamischen Landwirte und Gäste Anregungen, wie es mit der Öko- und Biodynamischem Landbau weiter gehen kann. Identität und Offenheit war der Titel der Tagung und folgerichtig waren Gäste und Initiativen aus Ökolandbau, aus dem Ökolandbau nahen Bewegungen, der Politik und Demeter-Praktiker aus anderen Kontinenten geladen, ihren Blickwinkel einzubringen. Die breite Vielfalt von Slowfood bis Permakultur und Biodynamikern aus Brasilien oder Indien und die klaren Appelle, "Bündnisse schlies­sen" spiegeln sich im Tagungsband so gut es geht wieder - man muss eine solche Tagung eigentlich erlebt haben. Im Band finden sich die meisten Vorträge und zahlreich auch die Berichte aus den Foren und Arbeitsgruppen. Das ermöglicht einen Einblick, wie und wo Biologisch-dynamische Landbaukultur gelebt wird.

 

Identität und Offenheit, auf der Suche nach einer neuen Land­wirt­schaftskultur
Hrsg: Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, Sektion für Landwirtschaft
Tagungsband zur Landwirtschaftlichen Tagung vom 1. bis 4.2. 2006, 184 Seiten €17,-
Bezug: Sektion für Landwirtschaft, Goetheanum, Hügelstr. 59, CH-4143 Dornach

Die Hofkäserei

Das Buch füllte eine Lücke, denn außer einem kleinen Buch für die ersten Anfänge gab es nichts für Betriebe, die ihre Milch veredeln wollen. Die Autoren, der eine vom Verband für handwerkliche Milchverarbeitung im Ökolandbau, der andere leitender Molkereitechniker an der Lehrmolkerei der Uni Hohenheim, wissen, behandeln alle Fragen, die rund um das professionelle Käsemachen anfallen. Planung der Räume, Eingliederung in den Betrieb, Betrachtungen zur Wirtschaftlichkeit werden ebenso ausführlich und verständlich dargestellt wie Herstellung, Reifung und Qualitätssicherung . Darüberhinaus sind viele Praxiserfahrungenm käsender Ökobetriebe in das Buch eingeflossen, ein umfangreicher Rezeptteil gibt Anregungen, zahlreiche Ablaufpläne eine sichere Einführung in die Praxis. Zum Einstieg und zum Nachlesen, nach den Seminaren.

 

Marc-Albrecht-Seidel/Luc Mertz: Die Hofkäserei, Planung, Einrichtung, Grundrezepte

  Ulmer, Stutt­gart

  2006

  226 Seiten

  ISBN 3-8001-4209-5

Landschaft gestalten

Wer die Natur im Betrieb unter dem Landschaftsaspekt gestalten will , bekommt hier eine praktische Hilfestellung. Von der Zustandsbeschreibung bis zum Soll erleichtern Arbeitsbögen das Vorgehen, das man auch mit Freunden des Hofes gemeinsam ins Auge fassen kann. Denn wie eine Landschaft gestaltet ist und wer mit anpackt, ist nicht Sache der Landwirte allein. Gezielt ist dieses Buch daher auf ein Erarbeiten mit Naturschützern, Kunden und anderen zusammen angelegt: denn Verbindung zur Landschaft hat jeder. Wahrnehmen und Erleben, Ideen sammeln und Maßnahmen festlegen sowie umsetzen sind die Schritte , um Eigenart und Identität des Ortes zu entfalten.

 

Landschaft im Dialog gestalten. Ein Handbuch zur gemeinsamen Entwicklung von Hof und Landschaft, von Andreas Wolfart und Torsten Renz, ca. 60. S., Verlag Lebendige Erde, Darmstadt 2006, 22 €

Wie gut sind Bioprodukte?

Lebensmittel im Vergleich betrachtet das neue FiBL-Dossier und wertet dazu die wissenschafliche Literatur aus. Facetten des Qualitätsbegriffs, wertgebende und wertmindernde Inhaltsstoffe sowie Fragen zu "Bio und Gesundheit", Genuss- bzw. (technischer) Eignungswert werden beantwortet. Verarbeitung, Prozessqualität bzw. Umweltwirkungen und Kontrolle werden ebenfalls erläutert. Eine gute Zusammenschau, die den klaren Vorsprung von Biolebensmitteln vor konventionellen in den meisten Aspekten anschaulich dokumentiert.

 

FiBL-Dossier Qualität und Sicherheit von Bioprodukten: Lebensmittel im Vergleich

  Hrsg: FiBL, CH-Frick, 2006

  24 Seiten

  € 6,-

  ISBN 3-9906081-83-4 oder

  www.shop.fibl.org, Bestellnr. 1405

Biodynamic Wines

Das erste und einzige Buch, das einen Überblick gibt, wie und vor allem wo biologisch-dynamisch Reben angebaut und Wein gemacht wird. Der Autor, als Fachmann bereits ausgewiesen durch einen Führer zu organischen Weingütern, hat selbst auf einigen Betrieben mitgearbeitet und sehr viele besucht, weiß, wovon er schreibt. Nach einer nicht knappen Einführung werden die biodynamischen Winzer nach Anbaugebieten vorgestellt: der Schwerpunkt, wen wundert's, liegt auf Frankreich, aber auch Australien und der erste Weingarten in England sind dabei. Die Beschreibungen sind länger als in üblichen Weinführern, Betriebsleiter und Philosophie werden kurz vorgestellt und natürlich die Weine. Eine Gesamtbewertung ergänzt den Nutzen als Führer. Nicht ganz vollständig, wie der Blick auf die Deutschlandliste z. B. zeigt, aber dennoch eine ausführliche Reise in die biodynamische Winzerszene, leider nur auf englisch.

 

Monty Waldin: Biodynamic Wines

Mitchell Beazley

Classic Wine Library

London 2004

515 Seiten

ISBN 1-84000-964-0

ca. €40,90

Vegetarische Ernährung und Anthroposophie

Eine kleine Literaturstudie zum Verhältnis dieser beiden Gesichtspunkte der Lebensgestaltung hat Dr. Petra Kühne verfasst. Ausgehend von den Unterschieden pflanzlicher und tierischer Nahrung werden Gründe und Formen des Vegetarismus aufgezeigt und seine Möglichkeiten für den spirituell Übenden diskutiert. Bezugsrahmen dazu sind die verschiedensten Ausführungen Rudolf Steiners und das, was sich daraus alsAnthroposophischeErnährungslehre entwickelt hat.

 

Petra Kühne: Vegetarische Ernährung und Anthroposophie

Arbeitskreis für Ernährungsforschung

2005

Niddastr.14

61118 Bad Vilbel

€5,- plus Versand