26.7.2017 : 0:36 : +0200
Demeter

Demeter-Arbeit ist bildungsintensiv

Interview mit Simone Helmle, Leiterin der Demeter Akademie

 

Zur Biofach trat Demeter mit einem Seminarprogramm in die Öffentlichkeit – Demeter Akademie. Warum braucht der Verband eine eigene Fortbildungsadresse?

Mit der Demeter Akademie unterstreicht der Verband den hohen Stellenwert der Bildung. Biodynamische Landwirtschaft ist komplex und wissensintensiv, sie fordert uns mit allen Sinnen und Fähigkeiten heraus. Wissen ist das Kernthema, natürlich auch der Akademie. Da geht es um Entstehung und Weitergabe, um Austausch und Weiterentwicklung, individuell wie als biodynamische Bewegung. Die Demeter Akademie konzentriert sich auf berufsbegleitende Unterstützung für Menschen die schon lange dabei sind, und für Menschen, die sich das Biodynamische neu erschließen, weil sie z. B. ihren Betrieb umstellen. Anfänge einer Akademie gab es bereits in den Vorjahren.

 

An wen wendet sich das Seminarangebot?

An alle, die sich für biodynamische Landwirtschaft interessieren oder einen Bezug zu Demeter oder zur Anthroposophie haben, das heißt konkret landwirtschaftliche Praktiker, Führungskräfte und Mitarbeiter, Demeter-Verarbeiter, -Händler und Demeter-Aktiv-Partner, sowie deren Mitarbeiter. Natürlich auch Multiplikatoren für die biodynamische Agrar- und Ernährungskultur sowie Fördermitglieder und Verbraucher. Es wird Veranstaltungen geben, die ein Thema für eine Zielgruppe vertiefen und solche, in denen gerade die Durchmischung der Teilnehmenden sehr fruchtbar ist, weil wir so aus vielfältigen Perspektiven lernen.

 

Was ist ihr pädagogisches Konzept?

Wissen und Erfahrung von Teilnehmern sind echte Ressourcen. Wenn Menschen aus der biodynamischen Praxis, aus der Verarbeitung, aus dem Handel, von den Schulen oder auch interessierte Verbraucher Themen miteinander erarbeiten, ist das oft sehr lebendig und tiefgehend. Eine gemeinsame und entwicklungsorientierte Fragestellung bringt dann die Menschen zusammen. Spannend ist es, von den Sichtweisen und Erfahrungen der anderen zu lernen, sich beim Lernen infrage stellen zu lassen und sich auf dialogische Arbeitsweisen einzulassen, in denen sich Momente öffnen, in denen wir wirklich etwas erkennen. In der Auseinandersetzung mit Erfahrung und Wissen, mit Wahrnehmung, Empfinden und Visionen auf der persönlichen Ebene kann ich zukunftszugewandte Handlungsimpulse entwickeln.

 

Welche Art Kurse kommen, was ist in Planung?

Das Angebot speist sich aus drei Bereichen: Der erste ist Management, bzw. das Freisetzen von Entfaltungspotenzialen in biodynamischen Unternehmen. Hier geht es um Reflektion und Weiterentwicklung von Wissen und Erfahrung aus aktuellen Arbeitskontexten. Das bedeutet ein Schulungsangebot z. B. zu Gesprächskompetenzen, zu Planen und Entscheiden, teamorientiertem Management, wertschätzender Führung, Teamfähigkeit und Diversität, sowie Umgang mit Spannungen und Konflikten. Der Bereich umfasst auch die methodische Ausbildung, wie z. B. im Moderationsseminar am 20. bis 22. Mai. Moderation als Technik fördert Teilhabe und Transparenz bei Entscheidungen in Gruppen; beides hat bei Demeter einen hohen Stellenwert.

Im zweiten Bereich dreht es sich um biodynamische Qualität – von innen und nach außen wirken. Im Mittelpunkt stehen hier Fähigkeiten, u. a. biodynamische Inhalte an neu hinzukommende Betriebe und deren Mitarbeiter, sowie an Multiplikatoren weiterzugeben. Wahrnehmungsschulung und wertfreies Beobachten können hier zu Elementen der Betriebsentwicklung werden.

Und im dritten Bereich, Innovation – Wissen erweitern, steht die Weiterentwicklung der Biodynamischen Agrar- und Ernährungskultur im Vordergrund: bei Tierhaltung, Züchtung, Pflanzenbau, aber auch Finanzierungsmodellen und gemeinschaftsgetragener Landwirtschaft. Viel Entwicklung findet auf den Höfen statt. Gerade hier ist Zusammenarbeit von Betrieben mit Forschenden eine wichtige Quelle für Wissen: es weiter zu geben, kritische Fragen zu bearbeiten, sich mitzuteilen und Wissen zugänglich zu machen. Auch zu Betriebsentwicklungsgesprächen, Hofübergabe und Hofgründung, also zu sozialen Themen, wollen wir ein Angebot schaffen.

 

Geeignete Inhalte, Methoden und Formen, seit November alles gleichzeitig zu entwickeln ist sicher eine Herausforderung. Was bringen Sie mit dafür?

Inhalte und Methoden sind eigentlich da, wir haben bei Demeter tolles Wissen und tolle Menschen. Die Kunst liegt darin, das praktisch in den Akademiebetrieb zu bekommen und dafür passende Formate zu entwickeln. Was bringe ich dazu mit? Nach dem Gartenbaustudium in Weihenstephan war ich siebzehn Jahre als Wissenschaftlerin in Weihenstephan, in Hohenheim und in Gießen, habe da promoviert, habilitiert und gelehrt. Das war in den Fächern Agrar-, Umwelt- und ländliche Soziologie, Kommunikation und Beratung, in Organisationsentwicklung und Erwachsenenbildung. Mein Trainingsrepertoire zur Gesprächsführung, Teamentwicklung, Führung und zum Umgang mit Konflikten kommt der Akademie zu Gute.

 

Fragen: M. Olbrich-Majer