Sie sind hier: Startseite / Biologisch-Dynamisch / Nachgeha(r)kt ... / 11-3: Der Landwirt ist Lebenswirt
22.5.2018 : 6:02 : +0200

Der Landwirt ist Lebenswirt

Biodynamisch ist der Weg dazu

 

In Österreich hat man es begriffen. Das Landwirtschaftsministerium heißt dort seit einigen Jahren Lebens-Ministerium! Denn genau darum geht es bei der Landwirtschaft und Gärtnern: nicht um Technik, sondern um den Umgang mit belebter Natur, nicht um Nahrung und Rohstoffe, sondern um Lebensmittel, Gaben aus bzw. von Lebewesen, belebte Landschaft. Wer das nicht begreift, riskiert eben Dioxin im Futter: Fett ist doch gleich Fett, oder? Kommt es bei der reduzierten materialistischen Betrachtung allein auf die analytische Gleichwertigkeit des Nährwerts an, geht es mit dem Blick auf lebendige Zusammenhänge um wesentlich mehr: mindestens um Biologie: das ist bereits eine grundsätzlich andere und größere Dimension als Chemie und Physik. Zum Beispiel unterscheiden uns vom Affen nur 1,3 % unserer Gene. Zum Beispiel kommunizieren Schmetterlinge bis zu zehn Kilometer über geringste Mengen von Duftstoffen. Ein kleiner Unterschied macht also biologisch sehr viel aus. Auch im Rahmen der Evolution entscheiden oft kleinste Abweichungen die Zukunft. Die selten linearen Gesetzmäßigkeiten der Biologie gelten natürlich in der Landwirtschaft, die mit diesen in Feld und Stall ökonomisch umgehen muss und deshalb Zusammenhänge gerne vereinfacht. Jeder Landwirt hat ja nur ca. 30 bis 40 Versuche im Leben, außerdem müssen Entscheidungen witterungsbedingt oft in kürzester Zeit getroffen werden, da nutzt man dankbar Dünge- oder Spritzpläne, Gentechsaatgut etc… Das hat letztlich zum Entstehen eines agroindustriellen Komplexes geführt.

 

Man kann es auch anders machen, sich auf seine Fähigkeiten als Landwirt besinnen, und versuchen, den größeren Kontext der Lebensvorgänge zu verstehen. Das Biologisch-Dynamische mit seiner Quelle Anthroposophie kann dazu eine konkrete Hilfe sein, Begriffe und Anleitungen geben, damit man sich wahrnehmend und denkend in ein erweitertes Verständnis der Prozesse des Werdens und Vergehens in den Naturreichen einübt, um vielleicht im entscheidenden Moment die richtige Intuition zu haben. Vor dem Hintergrund des Entscheidungsdrucks, den viele Bauern an Vorleister wie Düngerfabriken oder Saatgutkonzerne delegieren, aber auch im Bewusstsein, dass wir mit Lebendigem arbeiten, ist eine andere Sicht notwendig, um erfüllt und erfolgreich Land-Wirt zu sein.

 

Dann erkennen wir, dass wir als Bauern und Gärtner Wesen begegnen, die ihre eigenen Verhaltensweisen und Reaktionszeiten haben, mal mehr mal weniger an Rhythmen der Umgebung, vor allem die von Sonne, Erde und Mond gebunden. Wir lernen die dem Lebendigen eigenen Bedürfnisse bzw. Prozesse zu deren Verwirklichung kennen, anthroposophisch durch die Planeten repräsentiert. Wir verstehen, dass, wenn etwas im Lebendigen bewirkt werden soll, immer auch die Ebene des Lebendigen und nicht nur die der Materie angesprochen werden muss. Wie – das kann man lernen. Neulich hat sich ein Journalist darüber lustig gemacht, als Demeter-Bäurin Sonja Moor berichtete, wie ihre Schafe auf ihre Stimmung reagieren. Aber genau das ist es! Das Tier, eine Herde, das Seelenelement der Landwirtschaft – reagiert auf unser Inneres. Pflanze und Boden brauchen es ein bisschen handfester, zum Beispiel mittels der Biodynamischen Präparate, auch eine nicht allein stoffliche Ansprache. Im Lebendigen kommt es auf Kommunikation an, nicht umsonst fordert Steiner in seinem Kurs von den Landwirten, ein persönliches Verhältnis zu dem, was sie tun, zu entwickeln. Damit das funktioniert, arbeiten wir daran, die stofflichen Grundlagen, die Medien wie den Boden lebendiger zu machen.

 

Michael Olbrich-Majer in Info3, März 2011, www.info3.de