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16.8.2018 : 4:22 : +0200

Der Run auf Land

Biobauern in Bedrängnis - Bürgerbeteiligung als Weg?

 

Wer mit wachen Augen durch unser schönes Land fährt, wird festgestellt haben: auch eine Landpartie ist weniger attraktiv als früher - Mais, wohin das Auge blickt in manchen Regionen, oder Wiesen, die nie blühen. Die Landwirtschaft erfährt zurzeit einen Intensivierungsschub, nicht nur mit immer größeren Ställen. Vor allem der Energiepflanzenanbau, sei es für Brennstoff oder Biogas, verändert unsere Landschaften massiv – mehr als 20 Prozent der hiesigen Anbaufläche werden bereits dafür genutzt. Alles prima, dient ja der Energiewende? Stimmt nur ansatzweise. Denn die Gesamtenergiebilanz für Öl und Sprit ist negativ, bei Biogas mit extra dafür gepäppelten Pflanzen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Aber gefördert wird doppelt, über das Energieeinspeisegesetz wie über die Agrarprämien. Bauern, die nur Lebensmittel anbauen, werden so benachteiligt. Die doppelt geförderten können mehr Pacht zahlen. Bundesweit sind die Pachtpreis in den letzten zwei drei Jahren deutlich gestiegen, in manchen Regionen - denen mit viel Biogas - rasant.

Das betrifft auch Ökobauern: Egal, wen man fragt, alle befürchten, Flächen zu verlieren, wenn Pachtverträge auslaufen oder nicht mehr an Flächen zu kommen, falls sie wachsen wollen. Wenn das nicht schon eingetreten ist. An Kauf ist da gar nicht zu denken, mit im Schnitt über 20.000 Euro den Hektar sind die Preise mehr als doppelt so hoch, wie man über lange Jahre herauswirtschaften kann. Besonders schlecht für Hofnachfolger, die ja auf zwanzig Jahre eine wirtschaftliche Perspektive brauchen.

 

Doch nicht nur in Deutschland und der EU läuft der Anspruch auf Land aus dem Ruder: mit unserer hiesigen Lebensweise beanspruchen wir Unionseuropäer auf anderen Kontinenten Millionen Hektar Land: vor allem für Biosprit und Futtermittel. Letztere könnte man eigentlich hier anbauen, doch importieren ist billiger. Auch weil hierzulande Klee, Bohnen und Erbsen jahrzehntelang vernachlässigt wurden.

 

Was tun als Konsument? Erster Schritt: Biolebensmittel – Verbandsware - kaufen. Hier ist das Futter fast zu 100 Prozent heimisch erzeugt. Zweiter Schritt: sich informieren bei den Bio-Betrieben der Region, vielleicht brauchen die ja Unterstützung beim Thema Land, ob Pacht , Kauf oder Investition in bessere Nutzung. Der Demeter-Verband hat im letzten Herbst bereits mit einer Veranstaltung in Berlin darauf alternative Finanzierungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht: „Wem gehört die Landwirtschaft war der Titel“ und das Fazit: Beteiligung von Bürgern, in welcher Form auch immer. Landwirtschaftsbetriebe für Bürgerengagement zu gestalten, da wird verschiedenstes praktiziert, vom Genussschein bis zur Aktie, vom Mitmachen in einer Wirtschaftsgemeinschaft eines Solidarhofes bis hin zur Holding, zur Stiftung, oder zum Verein, die Flächen für ökologische Bewirtschaftung sichern. Slow Food in München hat mit seiner „Genussgemeinschaft Städter und Bauern“ bereits drei Höfe darin unterstützt, Käserei, Stall oder die Anschaffung einer Herde zu stemmen. Das Modell Solidarhof - Kunden finanzieren monatlich eine Ernte vor – praktizieren deutschlandweit inzwischen fast dreißig Betriebe. Eine Investitionsgesellschaft über den Einzellbetrieb hinaus ist die Regionalwert AG; das Freiburger Modell des Demeter Gärtners Christian Hiß hat inzwischen einen Ableger bei München, in Hamburg gibt es eine Initiative. Und auch ethische Banken wie die GLS unterstützen Bio-Höfe nicht nur mit Krediten, sondern reagieren auf die Bodenfrage: Mit einem Bodenfonds hat sie vor einigen Jahren in der Uckermark Land für Ökolandbau gesichert, eine Bio-Bodengesellschaft führt das Sammeln von Kapital für Ökoflächen weiter. Denn eine Landbewirtschaftung, die auf Gemeingüter wie sauberes Wasser, Biodiversität, Tierwohl achtet, gerät immer mehr unter ökonomischen Druck wenn wir sie nicht unterstützen. Dennoch ist auch die Politik gefordert, falsche Weichenstellungen rasch zu korrigieren. Das aktuelle Personal in Berlin allerdings hat daran wenig Interesse.

 

Michael Olbrich-Majer in Info3, Mai 2013, www.info3.de