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16.8.2018 : 4:23 : +0200

Monsanto trickst wie immer

Moderate Töne vor EU-Ministerentscheid und Freihandelsgesprächen

 

Monsanto gibt auf, zumindest in Europa? Ich war gleich skeptisch, als meine Frau mir diese Meldung freudig zurief. Vorangegangen war ein weltweiter Protesttag gegen Monsanto, in 250 Städten. Der US-Konzern ist nämlich nicht zimperlich, wenn es darum geht, sein einfaches Geschäftsmodell – Unkrautvernichter plus gentechnisch dagegen gewappnete Nutzpflanze im Kombipack – unter die Völker zu bringen. Er spannt die US Regierung ein, infiltriert Zulassungsbehörden und schickt Spitzel auf Felder, um Bauern zu verklagen, bei denen sich ausgekreuzte Monsanto-Gene finden lassen. Wenige Produkte, tiefe Marktdurchdringung weltweit, nur die Europäer gaben sich bockig. So sind bisher erst zwei gentechnisch veränderte Pflanzen in der EU zum Anbau zugelassen: der Mais MON 810 von Monsanto und die BASF-Kartoffel Amflora. In Deutschland ist der Anbau des GVO-Mais verboten, auf EU- Ebene wartet der Konzern auf eine Verlängerung der 2008 ausgelaufenen Zulassung.

 

Für die USA, Heimat von Monsanto, eine Zumutung; solche Verbote gelten als nicht-tarifäre Handelshemmnisse, laut WTO nicht zulässig. Deswegen kann die EU auch weder den Import von GVO-Futter noch von GVO-Baumwolle verbieten. Ganz sicher wird die USA die schleppende Zulassungspraxis auch bei den aktuellen Verhandlungen zur gemeinsamen Freihandelszone TTIP kritisieren. Aktuell liegen allein elf Zulassungsanträge von Monsanto vor, keiner wurde zurückgezogen, und der Konzern forciert die Zulassung von SmartStax-Mais, der gentechnisch sechs Insektengifte produziert. Eigentlich müsste das Geschäftsmodell auf den Prüfstand: neueste Stichproben des BUND zeigen, dass die Bevölkerung Europas mit Glyphosat, dem Totalherbizid von Monsanto und Kollegen, belastet ist.

 

Weltweit sind inzwischen 1,2 Prozent der Ackerfläche mit GVO bestellt, vor allem Soja und Baumwolle, vor allem in den USA, Brasilien und Argentinien. Regierungen der ehemaligen Industriestaaten setzen auf die patentierte Verwertung der Natur und finanzieren die Entwicklungskosten, hierzulande mit ca. 400 Mio. Euro jährlich, zwanzigmal so viel wie für Forschung für den Ökolandbau. Dass Behörden im Rahmen der GVO-Zulassung ausschließlich mit Befürwortern besetzt sind, war bis zu den ersten Publikationen zum Gentechfilz auch in der EU so. Über den Erfolg der Agrogentechnik kann man nach wie vor streiten: Je nach Meldung bringen sich indische Bauern wegen der gestiegenen Kosten um oder verdienen endlich genug, um sich Essen leisten zu können. Sicher ist nur: Der Einsatz von GVO hat nichts mit Bekämpfung des Welthungers zu tun, denn es geht fast ausschließlich um Pflanzen für Exportmärkte.

 

Die Ökobranche kämpft derweil immer noch Abwehrgefechte: Für den Schutz vor GVO in Saatgut und Futter kommt sie selbst auf, muss den Gesetzgeber regelmäßig auf Probleme aufmerksam machen und hat trotz erster Erfolge große Mühe, eine eigene Züchtung nachhaltig zu finanzieren. Gerade erst merkt sie, wie schwierig es ist, den GVO-Ausschluss durchzuhalten: Zunehmend mehr Gemüsesorten werden mit der sogenannten CMS-Hybridisierung gezüchtet: Die hat Demeter aber schon vor Jahren als Gentechnik identifiziert, weil sie mit Zellfusion arbeitet, der Gesetzesgeber war da unscharf. Nun fordert der Biohandel eine Kennzeichnungspflicht des Züchtungsganges, um eine Panne wie im März zu vermeiden. Da war so gezüchteter Chicoree in den Handel gekommen. Die Ökozüchtung unterstützt: www.saatgutfonds.de

 

Michael Olbrich-Majer in Info3, Juli 2013, www.info3.de