Portrait

Heumilchbauern im grünen Bereich

Familie Blank erzeugt Milch ohne Silage und mit wenig Kraftfutter

von Michael Olbrich-Majer

 

Ob Kühe eigentlich die Aussicht genießen? Im neuen Stall von Familie Blank jedenfalls können sie das, der Blick reicht an schönen Tagen bis zur Kette der Nordalpen. Mit hohem Dach und Holzständerbauweise ist das im letzten Jahr fertiggestellte Gebäude licht gebaut – und statt Wänden gibt es an den zwei Längsseiten Jalousien, die den Blick nach draußen freigeben, oder eben Schutz vor zu viel Kälte bieten. Fast wie im Freien. Die Qualität als Arbeitsplatz wissen die drei Blanks, Hubert und Daniela sowie Sohn Sebastian zu schätzen. Zudem erzeugen sie Heumilch, der Hof ist nicht in Silage­duft getränkt, sondern es riecht nur wenig, nach Heu und Mist. Und: die Kühe melken sich selbst, mit dem neuen Stall haben Blanks ein Automatisches Melksystem angeschafft.

Umgestellt auf den konsequentesten Weg

Hubert Blank übernahm den Betrieb 1989 als einziger Sohn von seinem Vater, Milcherzeugung konven­tio­nell, mit Brown Swiss-Tieren in Herdbuchzucht. Die Hofstelle gibt es seit ca. vierhundert Jahren, seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Familienbesitz. 2006 haben Blanks umgestellt auf Demeter, in dem Jahr stieg auch der Junior Sebastian in den Betrieb ein, seine drei Schwestern waren nicht interessiert. Freunde der Blanks arbeiteten bereits biodynamisch und Hubert Blank war das „Kunstdüngersäen“ leid, die Tiere waren­ oft krank, litten u. a. an Acetose „und kranke Kühe machten uns als Bauern unglücklich.“ So suchte er nach einem anderen Weg der Landwirtschaft, hinter dem er stehen konnte. Demeter war da die konse­quenteste Antwort und die künftigen Kollegen waren nicht unterschwellig auf Konkurrenz aus, so wie er das kannte, sondern die kamen und halfen, eine Gemeinschaft. Das mit den Präparaten und dem anthroposophischen Hintergrund, das kommt dann schon. Und Hörner, die sollten die Kühe der Blanks wieder haben dürfen: Nie wieder enthornen müssen.

 

Die Umstellung eines Grünlandbetriebes von konventionell auf biodynamisch ging glatt – schwieriger war es jedoch mit den Hörnern. Im alten Stall war es dafür zu eng. Ungefähr wenn mehr als die Hälfte der Herde wieder Hörner hat, gibt es mehr riskante Situationen­. Wichtig ist die Ruhe, die die Betriebs­leiter ausstrahlen, da sind sich Vater und Sohn einig und immer genug Futter. Satte und angstfreie Kühe haben weniger Rangkämpfe, zeitweise Fixierung im Fressfanggitter hilft da auch. Im neuen Stall ist das viel besser, er ist für 100 bzw. 83 Tiere ausgelegt, aufgeteilt­ in die Hauptgruppe der 68 melkenden Kühe­, die Trocken­steherbucht mit 12 bis 14 Tieren, die Abkalbebucht und den Platz für vier Gekalbte bzw. Ammen. Mit Letzteren wollen die Blanks einen Versuch­ mit muttergebundener Kälberaufzucht wagen­. Mit dem Melkroboter in Ergänzung sollte das gut gehen.

 

Die Biodynamischen Kompostpräparate bringt Hubert­ Blank mit der Gießkanne im Stall aus, so ist die Gülle versorgt, die auf die gemähten Flächen ausgebracht wird. Der Mist wird aufgesetzt, präpariert und kommt im Herbst auf die Weiden. Mit dem Hornkiesel­ sind sich die Blanks nicht sicher beim richtigen­ Zeitpunkt – übers hohe, reifende Gras fahren wollen sie dann doch nicht und die Spritze ist eher für Hornmist geeignet.

Heumilch als Konzept

Als sich vor zwei, drei Jahren ein gutes Dutzend Demeter-Bauern von der Molkerei Leupolz lossagte und auf die eigenständige Vermarktung von Heumilch setzte, war Familie Blank gleich mit dabei. Die Gruppe aus inzwischen zweiundzwanzig Demeter-Bauern vermarktet ihre Milch selbst an verschiedene Molkereien, koordiniert von Rolf Holzapfel (s. a. Interview S. 19). Teils wird sie als Heumilch angeboten, teils wird daraus Käse. Der Absatz des Vereins Demeter-Milchbauern Süd hat sich gut entwickelt, auch wenn die Mitglieder anfangs nicht wussten, wo in der nächsten Woche die Milch hingehen wird. Blanks jedenfalls sind sehr zufrieden damit, diesen Schritt gegangen zu sein. „Du hast ein Produkt, das zu dir gehört, und du lieferst nicht einfach ab, sondern hast Kunden, entscheidest mit, wenn du Milch verkaufst.“ Sichtlich stolz sind sie auf die verschiedenen wohlschmeckenden Käse, die der Milchwagenfahrer in ihren Diensten mitbringt. „Wir sind auch strenger“, stellt Hubert Blank hinsichtlich der Milchqualität fest. Abzüge gibt es bereits ab einer Zellzahl von 220.000 statt ab mehr als 400.000 bzw. ab einer Keimzahl von 30.000 statt wie üblich 100.000. Der Milchpreis schwankt nur gering.

 

Schon Hubert Blanks Vater arbeitete ohne Silage. So war für die Heumilcherzeugung keine betriebliche Umorientierung erforderlich. Die Technik war vorhanden, auch eine Satztrocknung für den ersten stängeligeren Schnitt. Der erfolgt, wenn das Gras auf die Blüte zugeht, ein höherer Faseranteil ist erwünscht, um damit den Ausgleich zum Weide- und Schnittfutter zu geben. Spätere Schnitte, feiner und mit weniger Masse, können auch mit Dachwärme überm alten Stall getrocknet werden. Zusätzlich lassen die Blanks einen Teil des Aufwuchses zu Grascobs verarbeiten, meist vom rasch wachsenden ersten.

 

Ungefähr 25 Hektar dienen als Weide, davon sieben Hektar direkt an der Hofstelle, die, wie in der Region üblich, allein liegt. Auf zehn Hektar Wiesen eines Demeter-Gemüsebetriebs in der Nähe steht ein Teil des Jungviehs, ungedeckte und tragende Rinder. Gemüsebauer Erhard Pfluger vom Hofgut Mosisgreut freut sich über den Dung aus der Futter-Mist-Kooperation. Die Wiesen der Blanks werden zum Teil für Heu, zum Teil für frisch geschnittenes Futter, das ab nachmittags im Stall vorgelegt wird, genutzt. Morgens gibt es immer Heu, soviel die Tiere fressen. Knapp vier Hektar Ackerland liefern frisches Kleegras und alle paar Jahre Gerste und Stroh. Das muss der Grünlandbetrieb zum Einstreuen zukaufen, ebenso wie die Demeter-Kraftfuttermischung von Meika, 600 Kilo pro Kuh/Jahr, ca. 90 g je Liter Milch bzw. 1 bis 2 kg je Tier und Tag. Abgekalbt wird übers ganze Jahr, das vermeidet im Vergleich zum saisonalen Abkalben den Stress beim Füttern für Vieh und Bauern, spart Stallplatz und die Milchmenge schwankt nicht so stark übers Jahr, was auch besser zum Melken mit dem AMS passt. Die Flächenausstattung des Betriebs ist knapp. Es gibt kaum Flächen zu pachten und durch die benachbarte Biogasanlage nur zu stattlichen Preisen.

Brown Swiss züchten

Seit den 1960er Jahren züchten Blanks als Herdbuchbetrieb Braunvieh, genauer gesagt Brown Swiss, das aus den USA kommend in dieser Zeit in das heimische Braunvieh eingekreuzt wurde. Die Tiere sind größer und schlanker, geben aber mehr Milch. Ungefähr 50 Tiere sind in der Nachzucht. Noch arbeitet die Landwirtsfamilie mit künstlicher Besamung, aber ein Stier wird bereits aufgezogen und soll ergänzend dazu tätig sein, erstmal beim Jungvieh. Gezüchtet wird über zehn Kuhfamilien. Dabei achten Blanks auf Persistenz der Leistung, ein gutes Fundament, Langlebigkeit. Aktuell liegt der Herdenschnitt bei sechs Jahren, bedingt durch aktuell viele Jungkühe wegen der Aufstockung, Blanks wollen aber höher kommen. Ein ungutes Gefühl haben Blanks beim Verkauf der Kälber, die meisten gehen konventionell zu schlechten Preisen weg und werden oft im Nachhinein enthornt. „Eigentlich müssten sich ein paar Demeter-Bauern zusammentun, um das zu lösen.“

Automatisch melken lassen

Mit dem automatischen Melksystem, meist Melkroboter genannt, sind die Blanks zufrieden. In Bio-Kreisen wird es kritisch gesehen, weil es Kraftfutter braucht, um die Kühe anzulocken, und weil sie meist die Hofweiden nicht mehr recht ausnutzen, die Gefahr besteht, dass sie um den Stall herumstehen. Auch die Tierbe­obachtung kann leiden, wenn man nicht mehr jeden Tag jede Kuh anfasst. „Man muss da eine bessere Diszi­plin haben, um bewusst alle wahrzunehmen“, ist Hubert Blanks Erfahrung. Mal eben durch den Stall laufen reicht nicht. Natürlich haben die 80 Kühe alle Namen, die kennt auch der Roboter einschließlich deren­ Wieder­kauaktivität. Und die drei Blanks haben feste Stallzeiten, morgens meist zu dritt Kälber tränken, einstreuen­, Futter vorlegen, Tiere treiben, Tiere beobachten, abends möglichst zu zweit. Futter, also Heu oder frisch geschnitten, gibt es ganztags, dazu die Weide­, wenn nicht gerade Winter ist.

 

Zum Melken werden die Tiere mit Grascobs und Kraftfutter gelockt, manche probieren es auch, ohne schon wieder reif fürs Melken zu sein. Dann verweigert der Automat sich. Im Schnitt hat jedes Tier 2,5 Melkvorgänge täglich. Einzelne Tiere mit hoher Leistung erhalten bis zu 4 kg Kraftfutter, am Ende der Laktation gibt es nur Grascobs. Insgesamt schätzen die Blanks, dass es mit dem Melkroboter insgesamt ruhig im Stall zugeht, weil die Tiere jederzeit fressen oder zum Melken können, ohne Gedrängel im Warteraum. Auch für die Landwirte selbst ist der Tag stressfreier: vor allem, dass abends keine feste Melkzeit mehr drängt, weiß Hubert Blank zu schätzen. Der Preis ist Flexibilität – auch während unseres Gesprächs meldet sich der Melkroboter per Handy beim Bauern: Kälbermilch voll. Anfangs war aber auch Lernen gefragt: für das AMS – das muss nämlich erstmal alle Kühe und Zitzen kennenlernen und speichern. Und für die Landwirte, die sich fragten: Was machen wir jetzt – außer Daten checken? Am schnellsten lernten es die Kühe. Insgesamt funktioniert das Melken mit AMS gut, wenn man wie Blanks genug stallnahe Weide hat, mittags mit dem vollen Futterwagen zum Stallgang animiert und auch schonmal Kühe vom fernen Ende der Hofweide beitreibt.

 

Seit Sommer versucht der Betrieb das Trockenstellen ohne Antibiotika (s. a. S. 38 in dieser Ausgabe), in Zusammenarbeit mit einer Homöopathin. So vorbehandelt mittels eines Sprays aufs Flotzmaul werden die Kühe von jetzt auf gleich nicht mehr gemolken. Stehen sie trocken, müssen täglich die Euter kontrolliert werden – nach dem Kalben dann heißt es Zellzahlen beobachten, vor allem bei den bekannt kritischen Tieren. Hier unterstützt der Roboter durch besseres Abhängen des Melkzeugs, so Sebastian Blank: „Blindmelken kommt nicht mehr vor.“ Schon zuvor lagen die Tierarztkosten bei niedrigen 35 Euro pro Tier.

 

Als es um den Kauf des AMS ging, achteten die Landwirte auf ein robustes und kompaktes Gerät, das sauber arbeitet, und darauf, dass der Service in der Nähe ist. Denn das Gerät braucht mehr Wartung als ein üblicher Melkstand. Sensoren sind empfindlich und es gibt mehr Verschleiß, weil es ja nur ein Melkzeug gibt. Von den Anschaffungskosten her ist wenig Unterschied zwischen Melkstand und AMS, man spart sogar Raum, aber ein Servicevertrag muss sein, der schlägt nochmal mit knapp 2500 Euro im Jahr zu Buche, plus Ersatzteile im gleichen Umfang. Ab 500.000 Litern lohne sich die Anschaffung auch betriebswirtschaftlich.

Ziel: den Betrieb optimieren

Wie es weiter geht? Seit 2012 wird der Betrieb als Vater­‑Sohn GbR bewirtschaftet. Sebastian Blank und seine Freundin Anja sind noch nicht in der Familiengründungsphase, die Eltern, 53 und 52 Jahre, werden noch eine Weile im Betrieb sein. Aktuell arbeitet der Junior daher, sofern es möglich ist, im Zuerwerb, schließlich ist er nicht nur Landwirtschaftsmeister, sondern auch gelernter Metallbauer. Größer werden des Betriebs steht jedenfalls nicht auf dem Plan: der Stall ist neu gebaut, die Konkurrenz um Pachtflächen hoch, und er soll als Familienbetrieb bewirtschaftbar bleiben. Also eher optimieren. Ein bisschen Acker­fläche für Getreide und Stroh dürfte schon dazukommen. Bei der Heu­belüftung wollen Blanks weg vom Öl und prüfen, ob Holzhackschnitzel in Kombination mit der Heizung der beiden Häuser die Lösung sind. Mutter­gebundene Kälberaufzucht, das braucht sicher noch eine Zeit des Ausprobierens. Und mit eigenem Bullen züchten, da muss als erstes eine Bucht her. Über Winter wird aber erstmal der alte Stall, in dem jetzt das Jungvieh ist, um einen Auslauf erweitert. Damit die Kleinen auch nach draußen blicken.

Betriebsspiegel

  • Natürlicher Grünlandstandort im Landkreis Ravensburg, auf 670 – 700 m über NN, Endmoränenböden, meist sandiger Lehm

  • 1150 mm Niederschlag, bzw. ca. 7,5 Grad Celsius im Jahresdurchschnitt

  • 70 ha, davon 3,65 Acker (Kleegras plus 10 ha Sommerweide in Futter-Mist-Kooperation

  • 80 Milchkühe (Swiss Brown, Zuchtbetrieb) und Nachzucht (50)

  • Milchleistung ca. 6800 kg, 4 % Fett, 3,5 % Eiweiß

  • Vermarktung über Demeter-Michbauern Süd, Schlachtvieh über Bio –Erzeugergemeinschaft

  • Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar und Sohn, ca. 2,3 AK

  • Familie Blank, Veesers 1, 88364 Wolfegg