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31.10.2014 : 9:17 : +0100
Präparate

Präparatearbeit im Winter

Hochwinter, Zeit der Ruhe! Zeit der Ruhe? Die Hörner, gefüllt mit Kuhdung, liegen in der Erde, ebenso die (festen) Kompostpräparate und sammeln die Kräfte des Winterhalbjahres. Also: Keine Ruhe! Was nämlich jetzt nicht gesammelt, gleichsam von der Erde eingeatmet wird, kann über den Sommer auch nicht in Form von „Erträgen“ ausgeatmet werden.

 

Es ist die Zeit schierer Astralität: Die Luft ist rein und klar, auch das Wasser ist in seine geometrische Struktur geworfen. Tritt hinaus in den Februar-Vollmond und du weißt, was Astralität heißt! Seit ich dies beobachte, kenne ich kein Jahr, in dem sich der Februar-Vollmond1 nicht blicken ließ. Und seit ich am Taubertal lebe, gab es immer Februar-Vollmondschnee. Diesen schmelze ich für das Kieselpräparat.

 

Begonnen hat die Winterarbeit schon um den 20. November. Da gibt es ein paar milde, trockene Tage, an denen die Äcker befahrbar sind: Die letzten Herbsttage! Hier sprühen wir den Tee vom Ackerschachtelhalm, etwa 12 g auf den Hektar. Das getrocknete Kraut wird mindestens eine halbe Stunde mild gekocht und dann entsprechend verdünnt. Das Gleiche tun wir kurz vor Heiligabend (23.12.), an Maria Himmelfahrt (15.2.), um Ostern und schließlich im Vorsommer (Ende Mai/Juni). Neben den Erfahrungen, die Christoph Willer2 beschrieben hat, fahre ich Versuche im Getreide des Demeter-Hofs Krautfürnix von Uwe Wüst (Königheim-Brehmen) sowie im Weingut Duijn in Bühl – neben dem in meinem eigenen „Beobachtungsweinberg”.

 

Der Ackerschachtelhalm ist das „vergessene Präparat”, das oft nicht einmal Erwähnung findet, geschweige denn zur Anwendung kommt. Obwohl ihm Steiner im Landwirtschaftlichen Kurs Raum gewährt bei der Frage, wie die wässrige Mondenkraft zu regulieren ist.3 Deren Übermaß führt zu den bekannten Pilzerkrankungen. Und den „Pilz” hat der Schachtelhalm überwunden: Als „Pilz” wächst er im Frühjahr aus dem Boden, verstreut seine Sporen, um im Sommer als grüne Pflanze von großer Widerstandskraft zu überdauern. Aber welch eine Pflanze! Man scheuert Silber mit ihrem „Laub”, schleift und poliert Holz. Man muss zum Verständnis nicht der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise verpflichtet sein. Im ganzen Ökolandbau werden Schachtelhalmbereitungen verwendet. Aber auch im konventionellen Bereich sind sie als nicht zulassungspflichtige „Pflanzenhilfsmittel“ im Einsatz. Uns allerdings interessieren besonders die nicht-substanziellen Aspekte des Krautes wie bei den anderen Präparaten auch, die sich beim Schachtelhalm im pflanzlichen Kieselprozess realisieren, im Gegensatz zum Hornkieselpräparat, das den mineralischen Kieselprozess vermittelt.

 

Nach unserer Beobachtung wirkt es auf das Getreide stauchend. Im Weinberg staunten wir über sichtbare Verpilzung der Untersaat, bei recht gesundem Laub der Reben. Wir wollen nicht bekämpfen, sondern dem Pilz zeigen, wo er bleiben darf, um seine Arbeit zu tun. Die Mostausbeute ist gehaltvoll, aber eher gering, aus kleinen Beeren mit fester Haut. Doch für belastbare Aussagen scheint es uns noch zu früh. Statt des Tees wird auch die Jauche empfohlen. Nur, wie mache ich im Winter Jauche?

 

Die Astralität des Winters spürt auch der Mensch. Es ist die Zeit der Besinnlichkeit. Den Höhepunkt bilden die Raunächte zwischen Weihnachten und Neujahr bzw. Epiphanis (Dreikönige), in denen schon unsere Altvorderen glaubten, der „Anderswelt” besonders nahe zu sein und dass die Grenzen der Wirklichkeiten zu verschwimmen scheinen. Am Dreikönigstag bringen wir ein Präparat nach Hugo Erbe aus. Es wird in der Nacht von Silvester auf Neujahr aus Weihrauch, Myrrhe und Gold gerieben, am Dreikönigstag um die Mittagszeit dynamisiert und anschließend bei einem geselligen Rundgang ausgebracht. Dabei schließen wir um den Hof, die Gemeinde, die bewirtschafteten Flächen einen Kreis, der die Widerkräfte läutern soll. Es ist ein verantwortungsvolles Unterfangen, denn wir können im einzelnen nicht unbedingt bestimmen, was positives und was negatives Wirken ist. Aber alleine schon der Spaziergang an einem Tag, der heute kaum jemanden weg vom Fernseher lockt, ist die Sache wert. Man fühlt die Veränderung in der Landschaft, ein erstes sich Recken oder Gähnen am Ende des Winterschlafes. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein großes Mitteilungsbedürfnis haben und sich bald in sehr intimen Gesprächen wiederfinden. Und es wird immer wieder von ganz eigenartigen Begegnungen oder Erscheinungen berichtet. Das Präparat ist in guter Qualität nicht ganz einfach herzustellen und kann beim Autor in den benötigten Mengen bezogen werden. Dazu gibt es auch die notwendigen Informationen, um einen Gang selbst zu gestalten.

 

Im Winter sollte übrigens das Präparatelager öfter kontrolliert werden, vor allem in Frostperioden. Denn im Lager eingefrorene Präparate sind meist verdorben.

 

Gegen Ende Februar kann es schon richtig warme Tage geben. Die ersten Sommerungen werden gesät und es kann nochmals Hornmist ausgebracht werden.

Dirk Appel

Kehrlich 14, D-97900 Külsheim, dukunstmichmal(at)aol.com

  • in 2010 am 28. Februar; eine spannende Konstellation!
  • siehe auch „Lebendige Erde“ 6/2005
  • R. Steiner; LK, Sechster Vortrag, GA 327