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24.11.2017 : 17:35 : +0100
Schwerpunkt

Maßnahmen im biologisch-dynamischen Obstbau

am Beispiel des Demeterhof Bentele am Bodensee

Johannes und Peter Bentele bewirtschaften einen Demeter-Obsthof in Tettnang

 

Auf dem Demeterhof Bentele wird nunmehr seit dreiunddreißig Jahren biologisch-dynamischer Obstbau betrieben. In dieser Zeitspanne hat sich der Obstbau aufgrund der Anforderungen der Arbeitsbewältigung und der Wünsche des Marktes in vielen Bereichen verändert. Eine ganze Reihe von Kulturmaßnahmen mussten den gestiegenen Qualitätsansprüchen angepasst werden. Und nicht zuletzt spürt eine so sensible Kultur wie der Obstanbau die Klimaveränderungen sehr deutlich.

Kulturen

Vor drei Jahrzehnten hatten wir neben der Hauptkultur Apfel noch in geringem Umfang Pflanzungen von Sauerkirschen und Süßkirschen. Inzwischen konzentrieren wir uns betrieblich auf den Apfelanbau. Die Sortenauswahl und die Wahl der Unterlagen (Wurzeln) haben sich von Grund auf verändert. Während bei der Umstellung vor drei Jahrzehnten noch die Mehrzahl der Bäume auf mittelstark bis starkwachsenden Unterlagen kultiviert wurde, wachsen heute alle Bäume auf der schwachwachsenden Unterlage M9 und vereinzelt auf FL56. Die Vorteile der schwachen Unterlagen sind die große Blüh- und Ertragsbereitschaft und die begrenzte Wuchshöhe von 3,5 m. Dies ist besonders bei der intensiven Handarbeit an den Bäumen sehr wichtig. Eine wesentliche Erleichterung in der Pilzvorbeuge hat der Anbau von mehr als der halben Fläche mit schorfresistenten Sorten gebracht.

Schnitt und Düngung

Beim Winterschnitt konzentrieren wir uns auf das Herausschneiden oder Sägen von ganz wenigen starken Ästen pro Baum. Das Auslichten geschieht dann im Sommer durch Ausreißen im Juni/Juli und Sommersschnitt im August. Sämtliche Schnittarbeiten ab 2 m Höhe werden mit einer selbst fahrenden und sich selbst steuernden elektrischen Hebebühne erledigt.

 

Im jährlichen Wechsel wird auf der Hälfte der Anlagen präparierter Kompost ausgebracht. Dies machen wir mit dem Seitenstreuer je nach Befahrbarkeit der Böden zum Ausgang des Winters. Nur der Baumstreifen wird gedüngt. Der Kompost setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Kuhmist aus dem Tiefstreustall des Demeter-Nachbarbetriebes;
  • Pferdemist von den eigenen Pferden und von kleineren Pferdehaltern der Umgebung, der abgeholt wird;
  • Ernteabfälle des ebenfalls auf dem Betrieb angebauten Hopfens (bei der Hopfenernte werden die ganzen Pflanzen im Feld abgeschnitten, zum Hof transportiert, dort die Früchte abgeerntet und der Rest kleingehäckselt);
  • Grüngutkompost aus der kommunalen Park- und Gartenabfallsammlung.

Der Mist und andere Materialien werden mit dem Radlader aufgesetzt, anschließend mit dem Kompostwender gemischt und mehrmals gewendet. Zweimal im Jahr wird mit den Kompostpräparaten präpariert. Bevorzugt im Winter ist der Kompost mit Kompostvlies abgedeckt.

Pflege der Bestände in der Wachstumszeit

Vor kalten Nächten ab dem Stadium „rote Knospe“ spritzen wir eine Mischung aus Zuckerrübenmelasse und dem biodynamischen Baldrianpräparat. Damit soll die Salzkonzentration erhöht und mit der Wärmehülle des Baldrians die Blüte geschützt werden.

 

Kurz vor der Apfelblüte findet die erste Bodenbearbeitung statt. Diese wird mit zwei Scheiben durchgeführt, wobei der Boden leicht an die Bäume angehäufelt wird. Neben dem Bedecken des Bewuchses werden auch die nicht verrotteten Blätter aus dem letzten Jahr zugedeckt. Damit können von diesen Blättern keine Schorf­infektionen mehr ausgehen. Nach der Blüte werden die Baumzeilen ca. drei bis vier Mal mit einem Kreiselgerät offen gehalten und zur Ernte hin das Gras im Streifen nur abgeschlegelt. In den Fahrgassen lassen wir von Mai bis Ende Juni einen ein Meter breiten Streifen stehen, damit Gräser und Kräuter mit ihren Blüten den Insekten als Nahrung dienen.

 

Auf einem Betrieb im Voralpengebiet mit 1150 mm Niederschlag wird der Arbeitsablauf während der Vegetation oft von der Schorfbekämpfung diktiert. Im Frühjahr vor der Blüte ist Kupferhydroxid das Mittel der Wahl. Ab Blütebeginn erfolgt die Schorfbekämpfung mit Netzschwefel. Dies behalten wir auch im Sommer bis Ende August so bei. Die Aufwandmenge richtet sich nach der Temperatur, von 4 kg bis 2 kg pro Hektar. Bei langen Regenperioden wird entweder in die auflaufende Infektion mit Schwefelkalk gespritzt oder nach dem Regen mit Backpulver die Infektion abgestoppt. Eine Hornmistspritzung vor oder kurz nach der Blüte ist für die Anregung des Bodens in der Phase der größten Nährstoffaufnahme durch die Bäume wichtig. Das biodynamische Fladenpräparat wird mit ausgebracht, um auch die Flächen zu erreichen, auf denen keine Kompostdüngung erfolgte.

 

Für einen guten Blattstand halten wir die Zumischung von Blattdüngern bei den Schorfspritzungen für bedeutsam. Ab Blütebeginn werden Braunalgen zugemischt und nach der Blüte bis Ende Juni in zehntägigem Abstand Brennessel­auszug gespritzt. Dazu werden die Brennnesseln geschnitten und in 1000 l Behältern drei bis zehn Tage in Wasser angesetzt. Diese Brennnesselbrühe wird nach dem Absieben bei den normalen Spritzungen im Obstbau mit 50 l pro ha zugesetzt.

Schnittarbeiten werden auf dem Obsthof Bentele mit der selbststeuernden Hebebühne erledigt.

Präparateanwendung in der Reifezeit und nach Ernte

Anfang Juni, wenn die Äpfel haselnussgroß sind, erfolgt die erste Hornkieselspritzung am Morgen. Überhaupt haben die Kieselspritzungen die letzten Jahre einen höheren Stellenwert erhalten, weil wir nach und nach alle Apfelanlagen mit Hagelnetzen überdacht haben. Dies ist dem schleichenden Klimawandel geschuldet. So hat in den letzten Jahrzehnten die Hagelhäufigkeit enorm zugenommen. Und mit der Schädigung der Ozonschicht ist in vielen Jahren der Sonnenbrand bei den exponiert hängenden Äpfeln ein Problem. Die Hagelnetze verhindern auch Sonnenbrandschäden in den Anlagen. Andererseits wird durch die Netze auch die kosmische Strahlung reduziert. Mit dem Hornkieselpräparat haben wir ein Werkzeug im biologisch-dynamischen Obstbau, um dies teilweise wieder auszugleichen. Ab Mitte Juli werden vier bis fünf Hornkieselspritzungen durchgeführt. Diese fördern sehr schön die Ausreifung der Früchte und haben vor allem einen starken Einfluss auf die Ausfärbung der Äpfel. Dadurch können wir die Früchte zum gleichen Zeitpunkt ernten, zu dem wir sie auch ohne leichte Beschattung durch die Netze ernten würden.

 

Equisetum, das biodynamische Schachtelhalmpräparat wird ab Anfang August mit ausgebracht. Es soll die Kieselprozesse ordnen und damit die Pflanzen bzw. Früchte stärken. Die Äpfel sollen damit am Baum gegen die Pilze gestärkt werden, die ansonsten im Obstlager die Früchte faulen lassen. Nach der Ernte werden die Stämme der Bäume mit einer selbst gebauten Spritze mit Weißkalk getüncht. Diese sehr zeitaufwändige Maßnahme wirkt gegen Kragenfäule- und Krebsinfektionen am Stamm und macht die Rinde für die Feldhasen unattraktiv. Nebenbei wird dadurch auch ein Aufplatzen der Stämme bei starker Sonneneinstrahlung verhindert – bei einer Lage 15 km vor den Alpen gehören geschlossene Schneedecken zum Winter. Um Pilzansiedlungen auf der Baumkrone einzudämmen, wird nach dem Blattfall eine Kalkspritzung in allen Anlagen ausgebracht.

 

Insgesamt sind es auch im biodynamischen Obstbau viele Durchgänge für Pflege und Pflanzenschutz, die aber mit einer guten Qualität belohnt werden.

Betriebsspiegel: Demeterhof Bentele

  • Östliches Bodenseehinterland mit hohen Niederschlägen: ca. 1150 mm/ Jahr
  • 460 m NN, Tallage mit hohem Spätfrostrisiko
  • 18 ha Äpfel, intensiver Tafelobstanbau, 9 ha Hopfenanbau, 1,5 ha Wald
  • 3 ha Grünland mit Pensionsrindern und Pferden, Kooperation mit Bio-Imker
  • Apfelsorten: Topaz, Jonagold, Pinova, Boskoop, Santana, Natyra, Elstar, Idared
  • Vermarktung: Naturkostgroßhandel, LEH, ÖKOBO, Hofläden, Gärtnereien, Ab-Hof-Verkauf ca. 1% (für den direkten Kontakt zu den Verbrauchern)
  • Eigene Lagerung, Sortierung, Versand
  • Fotovoltaikstrom zur Lagerkühlung, Holzhackschnitzelheizung
  • Arbeitskräfte, neben Betriebsleitern 4 feste Mitarbeiter zu 0,6 AK, 5 Teilzeitkräfte und 5 Saisonarbeitskräfte
  • Demeterhof Bentele GbR, Peter, Monika u. Johannes Bentele, Wellmutsweiler 2, 88069 Tettnang
    Tel.: 07528-2380, Fax: 1592