Editorial
Wie weiter mit der Landwirtschaft?

Ist Bio nun angesagt? Auf dem Heimweg radle ich durch das Plakatierduell zu Bio-Lebensmitteln zwischen links Aldi – Deutschlands selbsternanntem „Biohändler Nr. 1“, mit Naturland-Lieferanten und etwas weiter rechts, Kaufland – dem Händler, bei dem du „richtig“ bist, übrigens Demeter-Mitglied. Die Erkenntnis ist nicht neu: Zuwächse beim Bio-Umsatz realisieren die Discounter und die Supermärkte. Hilft das den Bio-Bauern? Das ist einen kritischen Blick wert – diskutieren doch Bio-Milchbauern quer durch die Ökoverbände über einen Milchorientierungspreis. Und inzwischen nicht nur bei der Milch. Es kommt nicht genug an bei den Landwirten, um nachhaltig dauerfähig Lebensmittel und mehr zu erzeugen. Ist Bio im LEH also nur Margengarant? Die Frage stellt sich auch mit Blick auf die wahrgenommene Verdrängung der Herstellermarken durch Eigenmarken des Handels generell. Auch der Naturkostfachhandel wächst eher bei hybriden Filialisten als bei kleinen Einzelunternehmern.
In der Politik läuft es gerade nicht für Bio-Themen: Die sogenannte „neue“ Gentechnik wird kommen, wohl eher undeklariert und evtl. auch für Öko-Lebensmittel zulässig. Der neue EU-Agrarkommissar hat mit Bio nichts am Hut, ökologische Transformation wird sicher kein Thema mehr sein. Auch hierzulande ist die agrarpolitische Richtung widersprüchlich – auch im Koalitionsvertrag. Und neben Politik und Kostenklemme bedrücken die Landwirte ja auch noch Klimawandel, Blauzunge, ASP, Zikaden, Fachkräftemangel …
Ob da Studiengänge wie „Digital Farming“ oder die Diskussion um „mineralisch-ökologische“ Anbausysteme, – also konventionell ohne Pestizide – Auswege bieten? Bzw. gentechnisch-ökologisch? Oder gar das System der „Controlled environment agriculture“ – Pflanzen, Tiere, Fische aus der Fabrik?
Kurzum: Die Landwirtschaft, aber auch die Gesellschaft befinden sich in einer Multikrise, und zugleich ändern sich die Regeln: Gefragt ist ein Unternehmertum im besten Sinne, das nicht nur Effizienz und Erlös anstrebt, sondern auch neue Kooperationen und Allianzen, neue Betriebsmodelle und den Mut darüber zu reden, was Landwirte leisten. Entscheidungen stehen an, lean and small oder vielfältig komplex verschiedene Betriebszweige und ggf. neue Erwerbskombinationen verbinden? Einen Königsweg gibt es nicht – umso wichtiger ist das konkrete Umfeld. Beim Kunden dürften Gesundheit, Geschmack und Klimaschutz ziehen. Kooperationen horizontal wie vertikal, also auf den Produktionsstufen wie in der Wertschöpfungskette, wären zu prüfen. Das Thema der Tagung in Dornach 2026 heißt passenderweise: „You never farm alone.“ Und für Demeter hierzulande vielleicht Fokus auf Regionalentwicklung, vielleicht Flagship Stores (online?) oder Genossenschaft ergänzend zum Verband?
Weltweit übrigens boomen biodynamische Initiativen, auch unabhängig von Märkten. Biodynamisch ist also durchaus ein zukunftsfähiges Konzept, auch wenn es hierzulande gerade etwas stockt. Wie sagte es Demeter-Landwirt Gerhard Moser auf der Demeter-Delegiertenversammlung im April: „Wir sind die Fachleute für Lebendigkeit.“
Herzlichst Ihr
