Agrar-Kultur: Die innere Dimension
Landwirtschaft ist viel mehr als nur Produktion von etwas, im besten Falle von Lebensmitteln. Neben dem Blick auf die gesellschaftlichen Leistungen und Pflege des Naturraums ist Landwirtschaft nicht nur eine Arbeits-, sondern meist auch eine Lebensform, unmittelbar verbunden mit dem Ort und dem sozialen Umfeld, an dem sie betrieben wird. Bauern und Bäuerinnen stehen zudem in einem Jahrtausende alten Kulturstrom, der sie bis heute aller modernen Herausforderungen zum Trotz getragen hat. In den agrarischen Entwicklungen der Moderne, getrieben von der Industriegesellschaft, wurden Ökobauern vom Umwelthistoriker Frank Uekötter zu Recht als „Hüter des Bodenwissens“ bezeichnet. Hier liegen auch die Ursprünge des Biodynamischen.
Doch scheinen diese Kraftströme zu versiegen angesichts der gesetzlichen Überregulierung und des zugleich sich verstärkenden Zugriffs kapitalstarker neuer Mitspieler aus Big Tech, IT, Neuer Gentechnik etc., die Landwirtschaft nur noch als Markt sehen und Bauern eher als Landarbeiter. Können wir uns da noch Zeit nehmen für die Beschäftigung mit spirituellen Wurzeln und biodynamischer Feingeistigkeit?
Ja, gerade aus diesen Gründen. Denn es ist hilfreich und vor allem, es stärkt Selbstvertrauen und Handlungsfähigkeit, wenn wir unseren Ort kennen, den physischen, sozialen wie den seelisch-geistigen, wissen, in welcher Tradition wir stehen und wo wir hinwollen. Für Demeter als Gemeinschaft heißt das: Wir pflegen und entwickeln die Erde, bringen vitale Lebensmittel hervor, die Körper, Seele und Geist nähren.
Blicken wir zurück, hat sich die biodynamische Gemeinschaft über Jahrzehnte als ideenreich gezeigt, als konkret innovativ, von landwirtschaftlichen Verfahren bis hin zur Forschung und Züchtung und neuen wissenschaftlichen Methoden, von der Sozialform von Betrieben bis hin zum Einbinden der Konsumenten. Das kommt nicht von ungefähr, sondern nur, wenn man sich Raum gibt, auch innere Wege zu erkunden und zu finden und das gemeinsam kultiviert. In solchem Kontext entwickelt sich Gespür für die kulturelle und spirituelle Tiefe der Aufgabe „Landwirtschaft“, entsteht der individuelle Impuls, dafür Verantwortung zu übernehmen.
Darin gründet sich dann die Souveränität als Land bewirtschaftender Mensch (was noch etwas anderes ist als Unabhängigkeit), der sich gemeinsam mit Anderen für eine lebendige Zukunft engagiert. Zwar verkneifen sich gerade viele Kunden das praktische Bekenntnis zu nachhaltigen Produkten, dennoch gilt: gerade jetzt sollten wir darüber reden, was wir tun. Weil es essenziell ist. Und wir Mitstreiter brauchen.
Herzlichst Ihr

Inhaltsverzeichnis
KURZ & AKTUELL
u. a. 15 Jahre Gemeinwohlökonomie – vom Impuls zur internationalen Bewegung
Interview mit Harro Colshorn, Vorstand GWÖ Bayern e.V
PORTRAIT
Der Spirit von Sekem
Economy of Love fördert Bauern
Karin Heinze
SCHWERPUNKT
Die geistige Souveränität des Landwirts
Mittler zwischen Natur und Gesellschaft
Ueli Hurter
Die drei großen Aufgaben der Landwirtschaft
Verwandeln – Heilen – Erwachen
Tho Ha Vinh
Bauern – enteignet von Natur und Land?
Erste Erkenntnisse der On-Farm-Versuche
Lina Schardey, Andrea Spirkaneder, Andreas Schmitt
Bauern – enteignet von Natur und Land?
Interview mit Florian Hurtig, Autor und Obstbauer
Goetheanismus und Landwirtschaft
Was Goethe und Steiner für die bio-dynamische Praxis bedeuten können
Hans-Christian Zehnter
ERNÄHRUNG & LEBENSMITTEL
Nahrung aus dem Wasser
Fischerei und Aquakultur mit Zukunft?
Timo Stadtlander
Weingut Kopp
Edle Demeter-Weine vom vielfältigen Terroir des Badener Reblandes
Susanne Aigner
Ernährung und Hirngesundheit
Welchen Einfluss gibt es?
Petra Kühne
FELD & STALL
Tier, was fehlt dir?
Über die Notwendigkeit einer Vertragserneuerung zwischen Mensch und Tier
Florian Leiber
Ökozüchtung als Herzstück des konsequenten Biolandbaus – weltweit
Wie eine Indienreise die Idee zur „Organic Seed Alliance“ begründete
Anand Padmanabhan und Petra Boie
FORSCHUNG
Forschung (PDF) • Demeter-Milchqualität – was zählt?
Studienübersicht über das Qualitätspotenzial biodynamischer Milch
Daniel Kusche, Jenifer Wohlers und Uwe Geier
BIODYNAMISCH
Die Qualität der Demeter-Lebensmittel – biodynamisch
Demeter-Grundlagenforum November 2025
Fragen: Michael Olbrich-Majer
You never farm alone
Internationale biodynamische landwirtschaftliche Tagung in Dornach
Eduardo Rincón
Was ist Anthroposophie für dich?
Interview mit Christopher Brock
AUS DER BEWEGUNG & VERBAND
Bio braucht neue Allianzen und Mut zur Radikalität
Rückblick: 8. Öko-Marketingtage
Michael Stahl
Biodynamisch im KZ
Fragen an die Historikerin Anne Sudrow
„Interessant ist das Dynamische im Verhältnis zum Materiellen“
Gespräch mit Johannes Fetscher
u. a. Landwirtin des Jahres Sylke Herse
Neue Gentechniken: Dereguliert – Letzte Chance auf Entscheidung im Parlament
INTERVIEW MIT HARRO COLSHORN, VORSTAND GWÖ BAYERN E.V

Lieber Herr Colshorn, vor 15 Jahren initiierte Christian Felber die Gemeinwohlökonomie – worum geht es dabei?
Es geht um eine Wirtschaftsordnung, in deren Mittelpunkt das Gemeinwohl steht und nicht die Mehrung des Vermögens. Neben Christian Felber waren es Unternehmer:innen, die ihr Wirtschaften danach ausrichten wollten, wie es eben diesem Ziel dient. Sie haben mit Christian Felber zusammen definiert, um welche Werte es dabei geht und wie sie ihr Handeln dementsprechend überprüfen können. Mittel hierzu ist die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz, in der aufgelistet wird, wie die Werte Menschenwürde, Soziale Verantwortung, Ökologische Nachhaltigkeit und Transparenz und Mitentscheidung im Unternehmen verwirklich werden. Verbunden war damit die Hoffnung, eine Lawine in Gang zu setzen, die dann auch Unterstützung von der Politik erreichen könnte.
Aus diesem anfänglichen kleinen Kreis von Unternehmen ist eine Bewegung entstanden, die sich über Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet hat. Christian Felber hat den theoretischen Rahmen dafür zu Papier gebracht und in Vorträgen weltweit verbreitet.
Seit 2024 ist die GWÖ unter „ECOnGOOD“ international aktiv – welche Zahlen sind hier interessant?
In 35 Ländern gibt es über 174 Regionalgruppen mit ca. 5000 Mitgliedern und mehr als 1400 bilanzierten Unternehmen verschiedenster Branchen, ganz überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Welche Rolle spielt die GWÖ für die Landwirtschaft?
Die ökologische Landwirtschaft fußt auf denselben Werten und praktiziert sie auf den Höfen und Gärtnereien. Und das schon seit Jahrzehnten, und mit Erfolg. Allerdings sind in Handel und Verarbeitung, aber auch in den vorgelagerten Bereichen – z. B. Pflanzenschutz und Züchtung /Saatgut – andere Werte vorherrschend. Damit gerät der ökologische Landbau an seine Grenzen. Eine konsequent ökologische Landwirtschaft, die nicht in einer Nische verbleiben will, ist nur möglich, wenn dieselben Werte in allen Wirtschaftsbereichen gelten. Allerdings ist die Gemeinwohl-Ökonomie hier noch nicht so weit gekommen, das muss ehrlicherweise konstatiert werden. Immerhin ist die Idee fest etabliert, die – noch relativ kleine – Bewegung ist ein fester Anker. Und die Vision: Gut leben in einer Welt, in der die Wirtschaft im Einklang mit ethischen Werten steht – gibt vielen Unternehmen und Menschen Orientierung!
Worauf können wir uns in den nächsten 15 Jahren freuen?
Darauf, mitzuwirken, dass die Gemeinwohl-Ökonomie Wirklichkeit wird! Das passiert nicht von allein, und auch nicht durch eine Organisation, sondern nur durch aktive Beteiligung vieler Menschen in allen Lebensbereichen!
Fragen: Katrin Bader
DER SPIRIT VON SEKEM
>Economy of Love fördert Bauern
von KARIN HEINZE

Die ägyptische Nachhaltigkeitsinitiative Sekem hat in fast 50 Jahren ihres Bestehens ein überaus vielfältiges Unternehmen geschaffen. Auf der Basis biodynamischer Landwirtschaft bildet Sekem die gesamte Wertschöpfung ab und integriert mit dem Konzept “Wirtschaft der Liebe“ Ökologie, Ökonomie, Kultur und Soziales als gleichberechtigte Bereiche. Gründer Ibrahim Abouleish ließ sich für sein Zukunftsmodell von Goethe, der Anthroposophie, Koran und Hadith inspirieren. Die spirituellen Wurzeln gründen tief und werden intensiv gepflegt.
„Circles“ spielen in dieser internationalen, inter-spirituellen Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Erlebbar sind sie in den kleinen und großen Runden im vielschichtigen Organismus Sekem. Die Verantwortlichen stimmen sich rund ums Jahr, morgens um 6:30, mit Steiners Wochensprüchen in den Sprachen der Anwesenden und dem Lesen unterschiedlichster Texte auf den Tag ein. Die mehr als 2000 Mitarbeitenden treffen sich täglich in jedem Bereich, ob Landwirtschaft, verarbeitende Unternehmen, Schule oder Ausbildungsstätten zum Morgenkreis. Donnerstags kommen alle im großen Ibrahim Abouleish Circle zusammen, zu Festen im Amphitheater – hier werden Gemeinschaft und der Spirit von Sekem zelebriert.
Economy of Love – Wirtschaft der Liebe

Ohne kulturellen und sozialen Impuls kann Wirtschaft nicht gedeihen, so die Überzeugung von Ibrahim Abouleish (1937-2017). Die ersten Anschaffungen in Sekem waren 1977 ein Traktor und ein Klavier. Abouleishs Vision eines ganzheitlich-nachhaltigen Zukunftsmodells, Wirtschaft der Liebe (Economy of Love) genannt, gründet auf vier gleichberechtigten Dimensionen – Ökologie, Ökonomie, Kultur und Soziales –, die ineinandergreifen, sich gegenseitig befruchten und der individuellen Entwicklung jedes einzelnen Gemeinschaftsmitglieds dienen sollen. Der Name stammt nicht von Abouleish selbst, sondern ein Mitarbeitender der ersten Stunde hat ihn geprägt.
Die Economy of Love (EoL) ist an der von Sekem initiierten Heliopolis Universität (HU) für nachhaltige Entwicklung in Kairo sogar Gegenstand der Forschung. Die junge Ägypterin Aya Mamdouh erklärt mit großer Sachkenntnis und Leidenschaft die Zusammenhänge und zeichnet dabei die vier Dimensionen der „EoL-Nachhaltigkeitsblume“ auf ein Flipchart. Die ökologische Ebene mit der biodynamischen Landwirtschaft, die Wüstenland fruchtbar macht, das Wirtschaftsleben, wo die landwirtschaftlichen Erzeugnisse veredelt und vermarktet werden. Eng verzahnt, der soziale und kulturelle Bereich, mit den Bildungseinrichtungen vom Kindergarten bis zur Universität sowie dem Core Programm für Mitarbeitende mit künstlerischen und Weiterbildungsangeboten, finanziert durch den Umsatz der Sekem-Unternehmen und Spenden. Aya ist ein beeindruckendes Beispiel für die fachkompetente Nachwuchsgeneration. Sie hat nach ihrem Studium „Organic Agriculture“ an der HU, beim ägyptischen Demeter-Verband EBDA (Egyptian Bio-Dynamic Association) die Standards für die EoL-Zertifizierung mitentwickelt. Das Logo steht neben dem Demeter-Zeichen auf Sekem-Produkten, Zertifizierung und Kontrolle liegen bei der EBDA.
Die Inspiration für die Wirtschaft der Liebe liefert Steiners „Assoziatives Wirtschaften“: Alle Beteiligten der transparenten Wertschöpfungskette, Erzeugende, Verarbeitende, Handelnde und Konsumierende erhalten, basierend auf ethischen Prinzipien und fairem Handeln, ihren gerechten Anteil. Denn „Geld soll im Umlauf bleiben und dem Wohl der Menschen dienen“, so beschreibt es der Sohn des Gründers, Helmy Abouleish (64), der schon in jungen Jahren – seit den Anfängen 1977 – die Gemeinschaft mit aufgebaut hat und die Sekem-Vision weiterträgt. Wie im islamischen Hadith, der Quelle für die praktische Umsetzung des Korans, beschrieben, soll das Einhalten der Regeln jedem ein gutes Auskommen für ein friedliches Zusammenleben sichern. Von Sekem profitieren die über 2000 Mitarbeitenden, das sind mit Familien über 23.000 Menschen, die Zusatzangebote wie Bildung, Kunst, Kultur, medizinische Versorgung genießen, die Kleinbauern auch Finanz-Hilfen und Beratung für die Umstellung.
Dank CO2-Zertifikaten können Bauern umstellen

In einem Land wie Ägypten, das zu 95 % aus Wüste besteht, ist Landwirtschaft eine große Herausforderung. Sekem zeigt, dass Biodynamik Wüste fruchtbar machen kann. Mit Aufforstung, Wasser aus Tiefbrunnen, das mittels Solarenergie aus den Tiefen des Wüstenbodens emissionsfrei gefördert wird, mit hohen Kompostgaben, konsequenter Anwendung der Präparate und enormer Durchhaltekraft haben die Sekemer über die Jahre fruchtbaren Humus aufgebaut, genug für die Selbstversorgung und um Rohstoffe für die Weiterverarbeitung zu erzeugen. Nicht zuletzt haben über 650.000 gepflanzte Bäumen und die Umstellung von 40.000 Kleinbauern dazu beigetragen, dass erhebliche Mengen an CO2 gebunden werden – aktiver Klimaschutz, der gewinnbringend eingesetzt wird.
Helmy Abouleish ist seit 1985 Geschäftsführer der Sekem Holding, er war einige Jahre Präsident von Demeter International und sitzt unter anderem im Vertrauensausschuss des internationalen Netzwerks für zukünftige Entwicklung „World Goetheanum Association“ (WGA). Gemeinsam mit dem Zukunftsrat entwickelt er die Sekem-Vision weiter und freut sich, eine sinnvolle Lösung für die Umstellung von Kleinbauern gefunden zu haben – den Verkauf von Kohlenstoff-Zertifikaten. „Unsere Maßnahmen, Aufforstung, Kompostwirtschaft und die biodynamische Wirtschaftsweise tragen zur Bindung von Kohlenstoff bei. Das können wir messen, zertifizieren und Unternehmen als Carbon Credits für den Ausgleich von Emissionen anbieten. Dadurch generieren wir ein bedeutendes Zusatzeinkommen für die Kleinbauern, das sie brauchen, um auf dem heimischen Markt mit ihren Bio-Produkten wettbewerbsfähig zu sein“, sagt Helmy. Die Erfahrungen seien bisher sehr positiv, der Anreiz für die Kleinbauern umzustellen sei groß: „2022 waren es 20.000 Kleinbauern, bis Ende 2025 wird sich die Zahl verdoppelt haben“, erklärt er. Er hält es sogar für realistisch, dass sich die Zahl der Bio-Bauern bis 2030 auf 250.000 erhöht, mit etwa einer Million Hektar Fläche und Kohlenstoff-Zertifikaten im Wert von 9,6 Millionen Euro, Geld, das zurück an die Bauern fließt. Die ambitionierte Vision, die Helmy als Ziel bis 2057 gerne erwähnt, ist, alle sieben Millionen ägyptischen Kleinbauern auf bio umzustellen und das erfolgreiche Konzept auch in anderen Ländern umzusetzen.
Mit Agroforst, Biodynamik und externer Expertise zum Erfolg

Fragt man Angela Hofmann, die seit knapp 40 Jahren die Landwirtschaft aufbaut und den Agrarbereich leitet, erklärt sie den Sekem-Ansatz so: „Unsere Basis ist der Landwirtschaftliche Kurs. Wir halten es jedoch für wichtig, diese Grundlage für unsere besonderen Gegebenheiten hier weiterzuentwickeln, uns auch mit anderen Methoden auseinanderzusetzen.“ Wie Ibrahim Abouleish es vorgelebt hat, arbeite die Gemeinschaft nach dem Friedensprinzip, suche nach dem Verbindenden, nicht nach dem Trennenden, nach Gemeinsamkeiten in verschiedenen geistigen Strömungen und nach immer neuen Quellen der Erkenntnis. „Lebenslanges Lernen in der praktischen Arbeit und in der Forschung“, sagt Hofmann. Sekem lasse sich gerne inspirieren, und was passend scheint, werde ausprobiert und so verfeinert, dass es auch an bereits umgestellte und umstellungswillige Bauern weitervermittelt werden kann.
Als Beispiel führt sie das Konzept des Schweizer Agroforst-Pioniers Roland Frutig an, der den Sekemern seine Erfahrungen in Nigeria und Indien vorstellte. „Das hat uns überzeugt, denn früher war Agroforst auch hier üblich, auf jedem Feld standen Palmen, Mangobäume usw. und darunter die Feldkulturen. Wir wollen das wieder einführen, es ist perfekt geeignet für unser Klima und die Böden hier“, erklärt sie. Die Erfahrung, welch wertvollen Beitrag Bäume leisten, macht Sekem ohnehin schon seit Jahrzehnten. „Bestimmte Baumarten, die gut mit der Hitze und Trockenheit zurechtkommen, holen das Wasser aus den tieferen Bodenschichten nach oben und machen es für die Feldkulturen verfügbar, zudem schaffen Beschattung und Verdunstung ein günstiges Mikroklima. In der Folge kommen wir mit viel weniger Bewässerung aus“, berichtet sie. Der Prozess wird wissenschaftlich von der HU begleitet. Angela ist begeistert davon, wie sich vor allem die jungen Studentinnen von der Fakultät „Organic Agriculture“ einbringen: „Die Jungen sind sehr enthusiastisch und haben gute Ideen.“ Deshalb freut sie sich im Hinblick auf die Zukunft, Verantwortung in ägyptische Hände abzugeben. So wie die Umstellungstrainings für die Kleinbauern, deren Projektleitung sich Naglaa Ahmed erarbeitet hat – sie ist auch Bindeglied zu Demeter International – oder die Weiterentwicklung im Bereich der Zertifizierung nach Economy of Love Standards oder die Carbon Credits, wo Aya aktiv ist. Seit einiger Zeit wird der Kurs „Mindful Leadership“ zur Weiterbildung angeboten und stößt auf unerwartet großes Interesse. „Viele unserer jungen Leute nehmen das Angebot an, ihr Potenzial zu entwickeln, weshalb wir sehr zuversichtlich sind, dass unser Wunsch, mehr ägyptische Führungskräfte in verantwortlichen Leitungspositionen zu etablieren, gelingt“, sagt Hofmann.
Zu erleben ist das auch in Wahat, der 600 Kilometer von Sekem entfernten Wüstenfarm am Rand einer Oase der Westsahara. Vor einigen Jahren konnte das Land mit zwei weiteren Standorten, Minja und Sinai, mit Hilfe von Krediten alternativer Banken (GLS, Triodos, Oikocredit) erworben werden. In Wahat betreuen auf den knapp 1000 Hektar junge, gut ausgebildete Agraringenieure den Anbau von Datteln, Feigenkaktus, Kamille, sind für den Kompost und den Kuhstall zuständig. Andere Fachkräfte arbeiten in der Bäckerei, im Labor, im Gästehaus, in der Schule. Die Angehörigen der Mitarbeitenden werden integriert: immer mehr Kinder aus den umliegenden Oasen kommen in den Wahat-Kindergarten und die Schule, die nach Waldorfprinzipien arbeiten. In dem kleinen Wüstenort entsteht eine Bildungs- und Kultur-Infrastruktur und eine Gemeinschaft nach dem Sekem-Modell. Auch der tägliche Morgenkreis und weitere „Circles“ gehören dazu. Hier bildet sich Eigenständigkeit, Verantwortung und Vertrauen nach der Idee der Economy of Love.
Die Sekem-Initiative gliedert sich in die Sekem Holding, einen gemeinschaftlichen Bereich und kulturell-gemeinnützige Institutionen:
Die neun Unternehmungen der Holding in den Bereichen Ökonomie
(ISIS-Organic, ATOS-Pharma, Nature Tex, Lotus und Lotus Upper Egypt) sowie Ökologie (Landentwicklung, Herdenmanagement, Pflanzenzucht, Labore) schaffen die wirtschaftliche Grundlage, auf der im Rahmen der eigenen Entwicklungsstiftung Kindergarten, Schulen, Medical Center, Arbeit mit Betreuten, die Heliopolis Universität und weitere gedeihen können. Gemeinschaftseinrichtungen sind darüber hinaus Mitarbeitervertretung, Ethikkodex, Frauenförderung und Mitgliedschaft IAP.
Zukunft entwickeln – Sekems neue Visionen
Ursprünglich für sein Heimatland Ägypten konzipiert, ist die Sekem-Idee längst zum Leuchtturm und Best Practice für nachhaltige Entwicklung in Afrika und weltweit geworden. Das EoL-Konzept, Wirtschaft neu und anders, ganzheitlich und auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden zugeschnitten zu denken, zu leben und weiterzuentwickeln, hat über die fast 50 Jahre des Bestehens eine beeindruckende Dynamik entwickelt. Die oberste Prämisse der Wirtschaft der Liebe, jedem Mitglied der Gemeinschaft die Möglichkeit zu geben, seine Persönlichkeit und seine Talente zu entwickeln und zu entfalten, wird vielfältig und kreativ umgesetzt. Doch Sekem bleibt nicht stehen. Kontinuierlich werden zukunftsweisende, innovative Ideen in den Dimensionen Ökologie, Ökonomie, Kultur und Soziales der vielschichtigen Gemeinschaft ausprobiert, werden angepasst und ermöglicht, maßgeblich unterstützt durch ein breites Netzwerk von Geschäftspartnern, Institutionen und durch die Fördervereine „SEKEM-Freunde“.
Nach dem Tod des Gründers Ibrahim Abouleish 2017, im Jahr des 40. Geburtstags Sekems, stellte sich die Aufgabe, die Gemeinschaft und die Unternehmensgruppe in die Zukunft zu führen und Ziele für die nächsten 40 Jahre zu entwerfen und den Generationswechsel vorzubereiten. Obwohl das Fundament solide und die Menschen, die es im Laufe der Jahre mit ihrer Expertise und ihrer Liebe weitergebracht haben, vielfältig und groß ist, brauchte es neue Visionen. Die Ergebnisse intensiver Arbeitskreise sind detailliert in den 16 Sekem Vision Goals (SVG) zusammengefasst, die auch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) einbeziehen. Bis 2057 sollen die Transformationsziele und der angestrebte Systemwandel Stück für Stück umgesetzt werden. „Sekem ist dann ein internationales Kompetenzzentrum für ganzheitliche nachhaltige Entwicklung, ein Modell für echte Transformation in allen Feldern der Nachhaltigkeit. Wir wollen eine Bewegung anführen, die die ganze Welt erfasst“, erklärt Helmy und strahlt dabei einen unglaublichen Optimismus aus, der viele andere – nicht nur in Sekem – mitnimmt. Er vermittelt Kraft und Hoffnung, dass die Transformation hin zur Wirtschaft der Liebe trägt, gelingt und ausstrahlt. •
Karin Heinze
Be in Organic
BiO-Reporter-International.net
SEKEM LANDWIRTSCHAFT
- Landwirtschaftliche Fläche (Sekem, Wahat, Minja, Sinai): 2.500 ha
- Farmen mit Zertifizierung der EBDA (Egyptian Bio Dynamic Association): 12.200 ha Fläche
- Niederschläge pro Jahr: 14 – 20 mm
- Tierbestand Kernfarm: 180 Rinder (Milchkühe, Masttiere, Kälber), ca. 400 Schafe, 800 Hühner, 2.000 Bienenvölker
- Arbeitskräfte in der Landwirtschaft/Garten in Sekem: 200 Festangestellte, Saisonarbeiter nach Bedarf
- Gepflanzte Bäume: 650.000
- CO2 Bilanz 2023: Speicherung ca. 21.000 t, Emissionen 4.000 t
ÖKOZÜCHTUNG ALS HERZSTÜCK DES KONSEQUENTEN BIOLANDBAUS – WELTWEIT
Wie eine Indienreise die Idee zur „Organic Seed Alliance“ begründete
Eine Reise nach Indien, die uns von den südlichen Regionen bis hoch in den Nordosten nach Assam und Dehradun im Norden führte, und Kontakte mit Vertreterinnen des Biolandbaus anderer asiatischer Länder, haben uns eindringlich vor Augen geführt, wie dringend eine starke, unabhängige ökologische Saatgutarbeit weltweit ist. Sie hat auch den Anstoß gegeben, eine neue Allianz aufzubauen, die sich dieser Herausforderung stellt.
Der Biolandbau steht weltweit an einem Scheideweg. Während die positiven Auswirkungen des Ökolandbaus – auf die bedrohte Biodiversität, die Reduktion klimaschädlicher Gase und als Beitrag zur Energiewende – immer wichtiger werden und die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln stetig wächst, sehen wir uns global mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Insbesondere die Neue Gentechnik (NGT) und ihre gentechnischen Verfahren wie das Gen-Editing versprechen vermeintlich schnelle Lösungen für komplexe landwirtschaftliche Probleme. Doch ist uns längst bewusst, dass NGT erhebliche Risiken birgt: für die biologische Vielfalt, die Gesundheit von Mensch und Umwelt und nicht zuletzt für die Saatgutsouveränität der Bäuerinnen und Bauern.
Indien: Ein Land der Kontraste
Indien ist ein Land der Kontraste, in dem sich atemberaubende Schönheit und tiefe Spiritualität mit den harten Realitäten einer sich rasant entwickelnden Gesellschaft mischen. Es ist auch ein Land, in dem die Landwirtschaft mit 16,6 % des BIP und 43,5 % der Erwerbstätigen eine immense Rolle spielt (Stand 2022/2023). Doch diese essenzielle Grundlage ist bedroht. Der Klimawandel führt zu unberechenbaren Monsunregen, Dürren und Überschwemmungen, was den Bäuerinnen und Bauern massiv zusetzt1. Der Rückgang des Grundwasserspiegels und die Degradation der Böden verschärfen die Situation zusätzlich2.
Wachstum, Herausforderungen und Potenzial
Indien nimmt in der weltweiten ökologischen Landwirtschaft eine herausragende Stellung ein, sowohl in Bezug auf die Anzahl der Erzeuger als auch auf die bewirtschaftete Fläche. Mit 2.358.267 registrierten Bio-Erzeugern (Stand 2022) beheimatet das Land etwa die Hälfte der weltweit 4,3 Millionen Bio-Bauern3. Gleichzeitig ist die indische Landwirtschaft nach wie vor stark von der Subsistenzwirtschaft geprägt. Für unzählige ländliche Haushalte bildet sie die grundlegende Basis der Ernährungssicherung. Dies schafft eine einzigartige Dynamik: Einerseits ermöglicht die traditionelle, oft pestizidfreie Landwirtschaft vieler Kleinbauern einen relativ einfachen Übergang zu zertifiziertem Ökolandbau. Andererseits stehen diese Betriebe vor erheblichen Herausforderungen bei der Vermarktung und dem Zugang zu höherwertigem Saatgut für den kommerziellen Anbau.
Inmitten dieses Spannungsfeldes aus traditionellen Praktiken, globaler Marktdominanz und den Auswirkungen des Klimawandels wird deutlich, dass der indische Ökolandbau vor großen Fragen wie Autonomie (Saatguttradition) und Resilienz steht. Die Stärkung der Ökozüchtung und der Aufbau unabhängiger Saatgutstrukturen sind daher nicht nur ein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit für eine konsequente und authentische Zukunft der indischen Landwirtschaft.
Biodynamisches Saatgut zwischen Tradition und Zukunft
Vor diesem Hintergrund sollte unsere Reise nach Indien im zeitigen Frühjahr 2024, die mit einer einfachen E-Mail-Anfrage begann, ein Signal der Solidarität und der Hoffnung sein. Anand Padmanabhan und Akshay Narendran, zwei Absolventen eines Einführungskurses in biodynamische Landwirtschaft in Indien, wurden von Seminarleiter Jake Jayakaran (Kurinji Farms) kurzerhand zu „Seed-Ambassadors“ ernannt und zu einem Praktikum nach Deutschland geschickt.
Anand und Akshay verbrachten den Sommer – mit Unterstützung von Voelkel und dem Kultursaat e.V. – auf Gut Wulfsdorf bei Hamburg. Neben praktischen Züchtungs- und Vermehrungstechniken sowie Verkostungsübungen interessierten sich die Studenten sehr für den ganzheitlichen Ansatz in der Ernährungsqualität, der in Christina Henatschs Züchtungsarbeit auf dem Betrieb eine entscheidende Rolle spielt. Anand, aufgewachsen in einer Familie angesehener Ayurveda-Ärzte, brachte ein spirituelles Verständnis von Landwirtschaft mit, dass die biodynamischen Prinzipien mit den ayurvedischen Vorstellungen von Balance und Harmonie verbindet. Ein Praktikum bei der Bingenheimer Saatgut AG rundete die Studienreise mit einer intensiven Auseinandersetzung zu Fragen von Saatgutreinigung, -sicherung und der Feststellung von Saatgutqualitäten ab. In diesem Norddeutschen Sommer 2024 entstand die Idee, eine „Seed Journey“ in Indien zu unternehmen, um die Situation vor Ort besser zu verstehen und die bereits bestehenden hoffnungsvollen Initiativen zu vernetzen und zu bestärken.
Unsere dreiwöchige Reise im Januar 2025 führte uns zunächst in den Süden Indiens. In Kodikanal diskutierten wir im Rahmen des „Biodynamic Advisory Training Program organized by Biodynamic Association of India“ mit einer Gruppe biodynamischer Berater aus verschiedenen asiatischen Ländern über das Potenzial der biodynamischen Züchtung. Die unvoreingenommene Art, mit der über Lebenskräfte und kosmische Einflüsse gesprochen wurde, war sehr beeindruckend. Gleichzeitig wurde die enorme Abhängigkeit von konventionellen Saatgutmultis von den Vertretern der verschiedenen Länder bestätigt.
Während dieses ersten Workshops entstand bereits die Idee einer länderübergreifenden Initiative in Asien, die wir im Verlauf der Reise an den verschiedenen Stationen weiter diskutieren konnten.
Ein leuchtendes Zentrum für Saatgutsouveränität
Bei der nächsten Station erlebten wir die lebendige Tradition der Saatgutbanken lokaler „Seed Saver“, wie z. B. in Wayanad, wo der Bezug zum Kulturerbe der Tausenden von Reissorten alltäglich und selbstverständlich ist. Doch für den erwerbsmäßigen ökologischen Anbau sind diese traditionellen Sorten oft nicht mehr optimal. Die sich wandelnden Bedingungen durch Klimawandel und menschliche Ernährungsbedürfnisse erfordern eine Weiterentwicklung der Sorten.
Auf unserer weiteren Reise lag unser Fokus auf Gemüsekulturen – die eine große Rolle in der vegetarischen Ernährung spielen. Wir trafen engagierte biodynamische Gärtnerinnen und Gärtner, die mit großer Hingabe erste Schritte von der Sortenerhaltung zur gezielten Züchtung unternehmen. Unser mitgebrachtes Saatgut von biodynamisch gezüchteten Sorten und der Austausch über Selektions- und Kreuzungstechniken überbrückten schnell sprachliche und kulturelle Hürden.
Wie in den Anfängen der biodynamischen Züchtungsbewegung in Deutschland wird auch hier die Züchtung oft nur noch nebenbei als „Chef-Hobby“ betrieben. Das führt dazu, dass die Züchtung nur sehr langfristig zu neuen Sorten und damit zu Erfolg und Einkommen führen wird. Aktuell arbeiten diese Initiativen noch weitgehend isoliert; eine Vernetzung für Wissensaustausch und gegenseitige Unterstützung ist praktisch kaum etabliert.
Insgesamt haben wir 7 Betriebe, 3 Trainingscenter und Initiativen besucht und viele Workshops mit spannenden Diskussionen gehalten. Auf Einladung von Binita Shah, einer Pionierin der biodynamischen Bewegung in Indien, waren wir zu Gast im SARG Centre in Dehradun4. Der eintägige Workshop mit Bäuerinnen und Bauern, Agrarbeamten und Beratern war intensiv und voller Überraschungen. So stellte sich heraus, dass ein Berater und Binita selbst Erfahrung in der Vermehrung von Möhren haben – eine große Herausforderung aufgrund des Monsunregens im ganzen Land. In Assam bei Pabhoi Seeds5 überraschte uns der erfolgreiche Anbau von Kultursaat-Sorten aus biodynamisch zertifizierter Züchtung aus Deutsch-land und der Schweiz. Pabhoi Seeds beherbergt ein Trainingszentrum für ökologischen und biodynamischen Anbau. Hier werden vom Gründer und Initiator des ersten indischen biodynamischen Saatgutunternehmens, Neelam Dutta, mit Unterstützung seines kleinen Teams laufend Kurse mit hohem Praxisanteil angeboten. In einem Workshop mit Studierenden konnten wir intensive praktische Erfahrungen in Vermehrung und Züchtung auf den Feldern von Neelam Dutta vermitteln.
Der Besuch von Kapil Shah6, einem Pionier des Ökolandbaus in Indien, auf der Pabhoi Farm führte zu einer intensiven und begeisternden Diskussion. Er bestärkte uns nachdrücklich in der Überzeugung, dass der reiche Schatz der indischen Saatguttradition die ideale Basis für die zukunftsweisende Entwicklung einer ökologischen Züchtung und Saatgutvermehrung darstellt.
Ein besonderer Abschluss der Reise war ein von der Biodynamic Association of India organisierter Workshop in Bangalore mit über 80 Teilnehmenden! Auch hier war ein – für europäische Verhältnisse – erfrischend immenses Interesse an der Wirkung biodynamischer Praktiken auf die Ernährungsqualität zu erleben.
Anand, der inzwischen seine kleine biodynamische Farm weiter vergrößert, um mindestens zwei ayurvedische Krankenhäuser mit Gemüse, Kräutern und Früchten zu versorgen, fasst zusammen: „Unsere Lernphase in Deutschland war äußerst wertvoll, und die Saatgut-Reise hat uns wichtige Impulse für den Erhalt der Saatgutsouveränität und den Aufbau einer unabhängigen Saatgutstruktur in Indien gebracht. Praktische erste Erfolge sind weitere Sortenversuche in Kerala, Karnataka und Dehradun sowie die Tatsache, dass jetzt im Sommer 2025 zwei weitere Studierende zu Christina fahren. Dies zeigt, wie lebendig diese kleine Bewegung bereits ist. Die BioFach 2026 wird dank ihrer Vernetzungsmöglichkeiten ein entscheidender Meilenstein für unsere weitere Arbeit sein“.
Das Fazit unserer Reise ist klar: Der nächste logische Schritt ist die Gründung der „Asia Organic Seed Alliance“. Ein ökologisches Saatgutnetzwerk, das Wissen und Erfahrungen austauscht, die Vernetzung fördert, Informationen bereitstellt (z. B. Anbauanleitungen für Saatgutvermehrung, Grundlagen zu Sortenversuchen, Schulungen zur Züchtung) und die rechtlichen Grundlagen für Saatgut in den jeweiligen Ländern sondiert. Dabei sollen bereits bestehende Initiativen, wie die der IFOAM Seed Platform, genutzt und unterstützt werden.
Saatgut ist die Quelle allen Lebens
Wie ein Schweizer Kollege, der die Pabhoi Farm in Assam seit 15 Jahren in der Saatgutarbeit unterstützt, treffend bemerkte: „Eine Reise nach Indien ist besonders: eine Reise in ein unglaubliches und majestätisches Land, in dem so viele verschiedene Welten nebeneinander existieren, in einer Komplexität und einem Reichtum, die ein ständiges Staunen hervorrufen. Ein anderer Planet, um doch Menschen zu begegnen, die die gleiche grundlegende Aufgabe haben, die uns seit Jahren begleitet: der Landwirtschaft zu ermöglichen, ihre wahren Wurzeln und eine ihrer wichtigsten Lebensquellen wiederzufinden.“
Dieser Gedanke spiegelt die Essenz dessen wider, was wir mit der India Asia Organic Seed Alliance anstreben: Wir wollen das Denken und Handeln von einer engen, auf kurzfristigen Gewinn ausgerichteten Sichtweise der konventionellen Saatgutindustrie hin zu einem breiteren Verständnis von Verbundenheit und gegenseitiger Abhängigkeit alles Lebendigen verlagern. Denn nur, wenn wir das Saatgut – die universelle Quelle allen Lebens – als gemeinsames Erbe begreifen und es durch konsequente Ökozüchtung so entwickeln, dass es die Grundlage für gesunde Pflanzen, Tiere und Ökosysteme bildet, können wir die großen Herausforderungen unserer Zeit bewältigen und eine authentische Zukunft für die Landwirtschaft in Indien und darüber hinaus gestalten.•
Werden Sie Teil dieser Bewegung für einen unabhängigen Ökolandbau
Um die India Asia Organic Seed Alliance erfolgreich zu gründen und ihre wichtigen Projekte zu realisieren, benötigen wir Ihre Unterstützung. Wir suchen finanzielle Ressourcen, beispielsweise für die Antragstellung bei indischen Förderern und staatlichen Programmen, aber auch weitere Saatgutspenden und ehrenamtliche Beratung für die strategische Entwicklung, Förderantragstellung und Öffentlichkeitsarbeit. Auch bei der Entwicklung einer Homepage und der Organisation einer Züchtungskonferenz mit Saatgutfestival auf der BioFach Nürnberg 2026, die wir gerne finanzieren möchten, ist jede Hilfe willkommen.
Wir laden Sie herzlich ein, Teil dieser wichtigen Bewegung zu werden und die Zukunft der ökologischen Saatgutarbeit in Asien mitzugestalten.
Wenn Sie die Gründung der India Asia Organic Seed Alliance unterstützen möchten, wenden Sie sich in Deutschland bitte an Petra Boie (petra_boie@posteo.de) und in Indien an Anand Padmanabhan (anand@purnayoo.com). Für Anfragen und Ideen aus Indonesien und anderen asiatischen Ländern steht Ihnen Alex Edleson (Constelación Seed Cooperative; Argentine Biodynamic Association; alex.lee.edleson@gmail.com) gerne zur Verfügung.
Quellen:
- https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Klim%C3%A4nderungen_und_Landwirtschaft_Indien
- https://www.giz.de/de/weltweit/122943.html
- https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/1797-organic-world-2025.pdf
- https://www.sargindia.org/our-team.htm
- https://www.pabhoigreens.com/
- https://www.gmwatch.org/en/main-menu/news-menu-title/archive/90-2016/17364-fighting-corporate-seeds-in-south-asia
TIER, WAS FEHLT DIR?

Über die Notwendigkeit einer Vertragserneuerung zwischen Mensch und Tier
Die Frage, ob und wie man Tiere halten darf, ob man sie nutzen darf, ob man sie töten darf, ob man sie essen darf, wird in den westlichen Gesellschaften gegenwärtig mit immer größerem Nachdruck gestellt und gleichzeitig von verschiedenen Seiten heftig verteidigt. Wir führen eine zunehmend scharfe gesellschaftliche Diskussion um das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren, in die sich, richtigerweise, die Themen Nachhaltigkeit, Klimaerwärmung und globale Gerechtigkeit mischen.
Es ist eine wichtige Diskussion und darüber, dass hier ethische Fragen aus der Gesellschaft, vor allem aus den jüngeren Generationen, an die Landwirtschaft gerichtet werden, können wir uns freuen. Wenn sich unsere Gesellschaft selbst fragt, ob das, was wir tun und was wir konsumieren noch gut und richtig ist, gibt es Hoffnung auf unsere Zukunft.
Was aber fehlt, ist die Frage nach der Kultur in der Verbindung zwischen Mensch und Tier, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Was auch weitgehend fehlt, ist die Frage nach den Tieren selbst: Wen, welche Wesen, halten, nutzen, schützen und diskutieren wir denn da eigentlich? Dieser Essay ist eine Suche nach der Beziehung zwischen uns und den Haustieren.
Das Zusammenkommen

Ich gehe davon aus, dass die Domestizierung der Tiere ein Entwicklungsprozess war, der von beiden Seiten ausging: Vom Menschen und von der jeweiligen Tierart, die sich im gemeinsam bewohnten Raum einander annäherten, woraus sich Lebensformen entwickelten, in denen das Wildtier zum Haustier werden konnte. Dies ist für die verschiedenen Tierarten unter unterschiedlichen Bedingungen und sicher auch mehrfach abgelaufen. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, welchen gegenseitigen Nutzen diese gemeinsamen Lebensformen für alle Beteiligten hatten, weshalb die Domestizierung auch in einer ökonomischen Sichtweise einfach zu erklären ist. Wenn man aber auf die Veränderungen schaut, welche die Haustierentstehung für die jeweiligen Tierarten mit sich brachte, wird deutlich, dass es um viel mehr geht als um „Ökonomie“. Es geht um die gemeinsame Entwicklung von etwas vollständig Neuem, nicht dagewesenen, um eine Evolution der Bildsamkeit.
Für die Säugetierarten, die sich in die Gesellschaft des Menschen eingefügt haben, ist deutlich, wie jugendlich ihre Morphologie – Gesichtsschädel, Gliedmaßen, Fellfarben – im Vergleich zu ihren wilden Artgenossen geworden ist. Ein Beispiel: In einem langjährigen Domestizierungsexperiment wurden seit 1959 in Novosibirsk wilde, zur Fellproduktion in Gefangenschaft gehaltene Silberfüchse auf Zahmheit selektiert und entwickelten innerhalb weniger Generationen die erwähnten morphologischen Merkmale der Jugendlichkeit, begleitet von entsprechenden Verhaltensweisen, die sich bis ins Hormonelle und in die entsprechende Expression von Genen widerspiegelten. Was das Experiment mit den Silberfüchsen in die Gegenwart geholt hat und uns zeigt, ist das Potential oder die Bereitschaft von Tierarten, sich schnell und vollständig auf ein Zusammenleben mit dem Menschen einzulassen, dabei in der Jugendlichkeit zu bleiben und auf die vollständige Ausprägung der adulten Merkmale zu verzichten. Diese sogenannte „Neotenie“ charakterisiert eigentlich den Entwicklungsunterschied zwischen Tier und Mensch. Sie ermöglicht Bildsamkeit, und das ist das Abenteuer, auf das sich das Tier in der Obhut des Menschen einlässt: „Zähme mich!“ sagt der Fuchs zum Kleinen Prinzen und verpflichtet ihn damit auf den gemeinsamen Bund. Meint er „Bilde mich“?
Über Jahrtausende haben Mensch und Tier eine gemeinsame Kultur gebildet, in der aus den Wildformen die verschiedensten Rassen entstanden sind, angepasst an landschaftliche Gegebenheiten und menschliche Kulturen. Ich will diese Vergangenheit keineswegs romantisieren oder verklären. Aber ich will deutlich darauf hinweisen, dass über die längste Zeit der historischen Haustierhaltung Mensch und Tier buchstäblich gemeinsame Häuser bewohnt und – in ungleichen Rollen – miteinander gearbeitet und eine Kultur gebildet haben. Was sich in dieser Zeit im Tier herausgebildet hat, welche Eigenschaften entstanden sind, die neu und nicht aus der natürlichen Evolution heraus gegeben waren, ist vor allem für Geflügel, Schweine und Wiederkäuer viel zu wenig angeschaut, beschrieben und beachtet worden. Was haben das Jahrtausende andauernde Zusammensein mit dem Menschen und die Neotenie, die Bildsamkeit, eigentlich im Tier bewirkt? Was hat sich gebildet? Ich frage damit vor allem nach den seelischen Veränderungen, die sich am meisten in den Verhaltensweisen zeigen. Die Frage bleibt offen, und ist eine unbedingt wichtige Aufgabe für biologisch-dynamische Forschung.
Die Trennung


In den vergangenen 150 Jahren wurde dann das Potential der Bildsamkeit einseitig ausgeschöpft. Durch die Errungenschaften der Vererbungsforschung und Genetik konnte die Formbarkeit der Haustiere immer stärker in die Enge der Leistungseigenschaften geführt werden, vorangetrieben durch die drei wesentlichen Schritte Zuchtwertschätzung, künstliche Besamung und Hybridzucht. Aus der Breite der Möglichkeiten wurde die totale Engführung in Produktionseigenschaften wie Milchleistung, Legeleistung und Fleischwachstum. Am Beispiel des Mastgeflügels sehen wir ein Tier, das, bevor es geschlechtsreif würde, bereits nicht mehr laufen kann, und auch nicht mehr laufen muss, weil es den ihm zugewiesenen einzigen Zweck, essbares Fleisch zu werden, bereits erreicht hat.
Nicht nur die Entwicklungsmöglichkeiten haben wir dem Haustier durch diese Engführung wieder genommen, auch das Ausleben seiner evolutionären Verhaltensweisen im Sozialen, bei der Futterwahl und in seinen Bewegungsmöglichkeiten haben wir maximal eingeschränkt. Und schließlich haben wir uns selbst von diesem Nutztier wieder zurückgezogen, indem wir die Vorgänge seiner Fütterung, Haltung, und auch die Schlachtung maximal automatisiert haben. Damit ist das Tier in der Landwirtschaft vom Wegbegleiter des Menschen zum Gegenstand, zum Objekt wirtschaftlicher Prozesse geworden.
Das sind Tatsachen. Aber haben sie irgendetwas mit dem biologisch-dynamischen Landbau zu tun? Ja. Denn erstens sind es Tatsachen unserer Zeitgenossenschaft, in der wir leben und wirken. Und zweitens reichen diese Entwicklungen auch in den biologischen und biodynamischen Landbau hinein, denn auch hier wird auf sehr viel höheren Leistungsniveaus produziert als über lange Zeiträume der Geschichte und dabei auf Genotypen gesetzt, die das können. Auch im Biolandbau wird automatisiert, auch im biodynamischen ist der Umgang mit dem Tier ein anderer geworden, die Herden wesentlich größer, das Licht für die Legehennen programmierter.
Unsere neue bewusste Haltung


Die Distanz, die wir durch die Industrialisierung und Kapitalisierung der Landwirtschaft zu den Haustieren entwickelt haben, ist ein Aspekt eines neuen Bewusstseins, mit dem wir der Welt gegenüberstehen. Wir können heute alles wissen und begreifen, und leiden gleichzeitig darunter, zu allem die seelische Nähe verloren zu haben. So stehen wir der Erde und damit auch den Tieren plötzlich wie Fremde gegenüber und müssen unser Verhältnis zu ihnen neu fassen. Wir müssen uns ihnen neu zuwenden. Dafür möchte ich zwei große Menschen des 20. Jahrhunderts zitieren, die sehr klar beschrieben haben, worum es geht, Rosa Luxemburg und Joseph Beuys.
Im Dezember 1917, mitten im ersten Weltkrieg formuliert Rosa Luxemburg aus dem Gefängnis in Breslau in einem Brief an Sonia Liebknecht ihr Mitleid mit zwei vor einen Karren gespannten Ochsen die, Kriegsbeute aus Rumänien, von zwei Soldaten heftig geschlagen werden.
„Vor einigen Tagen kam also ein Wagen mit Säcken hereingefahren, die Last war so hoch aufgetürmt, dass die Büffel nicht über die Schwelle bei der Toreinfahrt konnten. Der begleitende Soldat, ein brutaler Kerl, fing an, derart auf die Tiere mit dem dicken Ende des Peitschenstieles loszuschlagen, dass die Aufseherin ihn empört zur Rede stellte, ob er denn kein Mitleid mit den Tieren hätte! … Die Tiere zogen schließlich an und kamen über den Berg, aber eins blutete … Sonitschka, die Büffelhaut ist sprichwörtlich an Dicke und Zähigkeit, und die war zerrissen. Die Tiere standen dann beim Abladen ganz still und erschöpft, und eins, das, welches blutete, schaute dabei vor sich hin mit einem Ausdruck in dem schwarzen Gesicht und den sanften schwarzen Augen wie ein verweintes Kind. Es war direkt der Ausdruck eines Kindes, das hart bestraft worden ist und nicht weiß, wofür, weshalb, nicht weiß, wie es der Qual und der rohen Gewalt entgehen soll … ich stand davor, und das Tier blickte mich an, mir rannen die Tränen herunter – es waren seine Tränen, man kann um den liebsten Bruder nicht schmerzlicher zucken, als ich in meiner Ohnmacht um dieses stille Leid zuckte. Wie weit, wie unerreichbar, verloren die freien saftigen grünen Weiden Rumäniens!“ (Luxemburg, 1917)
Zwei Dinge teilt Rosa Luxemburg hier in wenigen Sätzen mit, die mich als Menschen des 21. Jahrhunderts berühren: Ihre Wahrnehmung und Anerkennung des Leidens einer nicht menschlichen Kreatur inmitten des unendlichen menschlichen Leides, auch ihres eigenen, das zu ihrer Zeit in Europa herrscht. Ihr tiefes Mitleid mit diesen Tieren und in diesem Mitleid die Erfahrung einer Geschwisterlichkeit, eines unmittelbaren realen Verbundenseins. In der Situation des Krieges öffnet sie ihre äußeren und inneren Augen gegenüber dem Leid der Tiere, die vor ihr stehen, und leidet mit ihnen. Es ist das konkrete Mitleid mit dem, was wir sehen, was wir miterleben können. Die Szene hat damit fast etwas Tröstliches, denn sie lässt reale Geschwisterlichkeit im Mitleid zu.
Auf das Mitleid mit den Naturreichen hat auch Joseph Beuys in einem Gespräch 1984 eindringlich hingewiesen und es geradezu zur Aufgabe des bewussten modernen Menschen erklärt: „wenn der Wind durch die Kronen geht, dann geht zu gleicher Zeit durch die Kronen, was die leidenden Menschen an Substanz auf die Erde gebracht haben. Das heisst, die Bäume nehmen das längst wahr. Und sie sind auch schon im Zustand des Leidens. Sie sind entrechtet. … Tiere, Bäume, alles ist entrechtet. Ich möchte diese Bäume und diese Tiere rechtsfähig machen. Das ist selbstverständlich eine Pflicht des Menschen. Wenn er seine Aufgaben hier auf der Welt im Sinne des wirklichen Christentums, der wirklich christlichen Substanz, also des Sakramentes, das durch die Baumwipfel weht, wahrnimmt, dann muss er sich entsprechend verhalten.“ (Mennekes, 1989)
Das Leiden und das Tun nennt Joseph Beuys als zwei Aspekte eines modernen Christentums, und diese sehe ich als zwei Wege, auf denen wir uns den Tieren in der Landwirtschaft neu und bewusst zuwenden müssen: Erstens uns den Tieren, die in der Massentierhaltung größte menschliche Verachtung erfahren, mit Mitleid innerlich zuzuwenden. Das ist eine meditative Übung. Zweitens, natürlich, im konkreten eigenen landwirtschaftlichen Gestalten, den Haustieren das Bestmögliche zu geben. Dazu gehört aber die Frage, mit der wir uns an die Tiere wenden können: Was fehlt Euch? Was braucht Ihr von uns? Das ist eine spirituelle Frage, die wir stellen müssen, wenn wir den Faden nicht verlieren wollen in unserem Verhältnis zur Welt. Ich bin recht sicher, ein Teil der Antwort lautet: Wir brauchen Eure Präsenz.
Und schließlich ist es glaube ich an der Zeit, einen neuen Vertrag mit den Tieren über unser Zusammenschaffen zu schließen. Diesen können nur wir formulieren, aber er hängt an der ernsthaft gestellten Frage und unserer Bemühung, die Antwort bei den Tieren, mit denen wir umgehen, mitfühlen und über die wir nachdenken, zu finden.
Solange wir auf der Suche sind nach diesem Vertrag mit den Tieren, könnten wir einen solchen nach außen bereits schaffen, in Richtung der Gesellschaft, der Kund:innen, der Öffentlichkeit. Wir könnten uns der kapitalistischen Verdinglichung der Tiere mit einer klaren Haltung entgegenstellen und diese auch benennen. Dafür schlage ich ein paar Formulierungen vor, die man so oder ganz anders als eine Selbstverpflichtung für den eigenen Betrieb sichtbar machen könnte. Es wäre meiner Überzeugung nach ein wirksamer Schritt.•
Referenzen
- S. Budiansky, 1992. The covenant of the wild. Yale University Press.
- L.A. Dugatkin, 2018. The silver fox experiment. Evolution: Education and Outreach 11, 16.
- V. Lund et al., 2004. The ethical contract. J. Agricult. Environ. Ethics 17: 23–49, 2004.
- R. Luxemburg, 1917. Brief aus dem Gefängnis. Breslau, Dezember 1917.
- F. Mennekes, 1989. Beuys zu Christus. Verlag Katholisches Bibelwerk.
- J. Verhulst, 1999. Der Erstgeborene. Verlag Freies Geistesleben.
Ein „Vertragsentwurf“

- Landwirtschaft ist ein durch den Menschen (um-)gestalteter Organismus, der auf der Symbiose aller Reiche beruht, wie die Natur selbst. Die Landwirtschaft ist dabei primär geleitet vom Interesse des Menschen, aber nicht allein im ökonomischen Sinn.
- Wir erkennen die Haustiere als empfindende Lebewesen an, welche ihrem Wesen entsprechende emotionale Intentionen haben.
- Wir gehen auf unserem Betrieb mit diesen Lebewesen eine Zusammenarbeit ein, die gelenkt ist vom Menschen, aber im Sinne einer Symbiose allen Beteiligten zum Vorteil gereichen muss.
- Landwirtschaft schränkt fast unausweichlich die Möglichkeiten der Tiere ein, ihren eigenen wesensgemäßen Intentionen zu folgen. Wir sind uns dieses Problems bewusst und arbeiten aktiv an der Frage, durch was den Tieren dieser Verlust ersetzt werden kann und muss, und wodurch die Grenzen dieser Einschränkungen festzulegen sind.
- Aus der mitfühlenden und emphatischen Gestaltung ihres Lebens, erwerben wir die Verantwortung über den Tod der Tiere, und nur aus dieser Verantwortung heraus ist Schlachtung gerechtfertigt und entsprechend zu gestalten.
- Rein ökonomische Herausforderungen dürfen nicht durch Maßnahmen zur Leistungssteigerung der Tiere adressiert werden.
- Das Tier ist unser Mitlebewesen und kein Betriebsmittel.
Forschung
CERES AWARD – MIT BIO-BLAUBEEREN ZUR LANDWIRTIN DES JAHRES

Der Ceres Award gilt als besonders hohe Auszeichnung in der deutschen Landwirtschaft und wird ausgerichtet vom Landwirtschaftsmedium agrarheute, das zum dlv Deutscher Landwirtschaftsverlag gehört.
Mit Bio-Blaubeeren zum Erfolg: Sylke Herse vom Bickbeernhof in Brokeloh bei Landesbergen, Niedersachsen ist Gesamtsiegerin beim diesjährigen Ceres Award und darf sich ab sofort „Landwirtin des Jahres“ nennen. Die Leiterin des Bioland- und Demeter-zertifizierten Betriebs setzte sich gegen die Konkurrenz aus insgesamt 21 Finalistinnen durch. Herse, die auch in der Kategorie „Unternehmerin des Jahres“ beim Ceres Award den Sieg holte, baut auf ihrem Betriebsgelände 22,5 Hektar Bio-Blaubeeren an. Aus den geernteten Beeren werden in der hofeigenen Verarbeitung unter anderem „Bio-Blaumelade“, Blaubeer-Wein oder ein Blaubeer-Salatdressing hergestellt. Auch die Speisekarte der zum Betrieb gehörigen Gastronomie ist von den blauen Beeren geprägt: Neben Blaubeer-Waffeln, -Pfannkuchen und -Eis können Mutige auch Blaubeermettwurstbrote verköstigen.
„Es ist inspirierend zu sehen, wie Sylke Herse mit einer einzigen Frucht biologische und regionale Kreisläufe in ihrer ganzen Vielfalt lebt. Der Bickbeernhof zeigt eindrucksvoll, wie Regionalität, Handwerk und unternehmerischer Geist zusammenwirken können. Sylke Herse hat aus ihrem Hof weit mehr als einen landwirtschaftlichen Betrieb gemacht: einen lebendigen Begegnungsort, der Menschen zusammenbringt und Regionalität erlebbar macht.“ Ute Rönnebeck, Demeter-Bundesvorständin




