Wie kam es, dass die SS einen Teil ihrer Güter biodynamisch bewirtschaften ließ? Und wer vom verbotenen Biodynamischen Reichsverband wirkte daran mit? Ergänzend zur im letzten Jahr erschienenen Studie „Die biodynamische Bewegung und Demeter in der NS-Zeit“ von Ebert/Pieschel/zurNieden ist die Forscherin und Autorin Anne Sudrow hier tief in das Archivmaterial rund um den so genannten „Kräutergarten“ im KZ Dachau eingetaucht. Dort wurden nicht nur Kräuter angebaut und vermarktet, sondern auch zur Naturheilkunde und zum ökologischen Anbau der Pflanzen geforscht – involviert war auch ein Dutzend Menschen aus der Biodynamik bzw. mit Bezug zur Weleda. Das Buch dokumentiert ausführlich und differenziert die Hintergründe und Verknüpfungen, ebenfalls die Forschungsinhalte, von Vitamin-C bis zu Komposten und biodynamischen Präparaten. Auch der grausame Lageralltag wird beschrieben und zu Recht die Frage aufgeworfen, wie Menschen zugunsten ihrer selbstgewählten Aufgabe darüber hinwegsehen konnten.
Anne Sudrow: Heil Kräuter Kulturen. Die SS, die ökologische Landwirtschaft und die Naturheilkunde im KZ Dachau. Vandenhoek und Ruprecht, Göttingen 2025, 692 S, ISBN 978-3-525311691, 59,– €