Der Agrarwissenschaftler Edwin Scheller hat die Landwirtschaft um zwei Erkenntnisse bereichert: Die löslichen Nährstoffvorräte sind immer nur eine tagesaktuelle Momentaufnahme. Und: Pflanzen können sich über das Zusammenwirken mit dem Bodenleben Nährstoffe zum Teil selbst erschließen. Damit hat er vor allem der Düngungsfrage im System des Ökologischen Landbaus ein erklärendes Fundament gegeben, das er in zahlreichen Vorträgen und Seminaren im In- und Ausland vor Praktikern darstellte. Leider starb er 2006 – Forschungen zur Humusqualität oder zu Phosphor blieben so unvollendet – ebenso wie das Manuskript des vorliegenden Buches, an dem er bis zum Ende schrieb. Der IBEN e.V. und der Verlag Lebendige Erde im Demeter e.V. haben nun dieses unfangreiche Fragment aufgelegt und um einige Fachartikel zu weiteren Themen, an denen Scheller forschte, wie Biogas oder Aminosäuren im Humus ergänzt. Damit stehen seine Erkenntnisse gebündelt der Fachwelt zur Verfügung, auch wenn das Lehrbuch für den Praktiker der Boden und die Pflanze bleibt. Im Inhalt geht es zunächst um die historischen Anfänge und Begriffe der Pflanzenernährung, um sodann die Düngungsbegriffe im konventionellen bzw. ökologischen Landbau vorzustellen. Dem kritisch zu betrachtenden Zusammenhang zwischen Ertrag und Düngermenge – Scheller forschte hier zu Kali – ist ein ausführliches Kapitel gewidmet. In weiteren Kapiteln geht es um die Grundlagen der Bodenfruchtbarkeit und die Nährstoffe und Pflanzen, eben auch die aktive Nährstoffmobilisierung, belegt durch eine Reihe Untersuchungen und das Fragment endet mit Hinweise zu den einzelnen Nährstoffen. Dass, wie er schloss, der Stickstoff für die Pflanzen aus dem Bodenleben kommt, konnte erst kürzlich von anderen Forschern bestätigt werden.
Edwin Scheller: Grundzüge einer Pflanzenernährung des Ökologischen Landbaus. Ein Fragment.
Verlag Lebendige Erde, Darmstadt 2013, ca. 160 S., 25 Euro, ISBN 978-3-941232-09-9
