Biodynamik in die Zukunft tragen

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft steht von Anfang an für eine tiefe Verbindung von Mensch, Natur und Kosmos; mehr als eine Methode, ist sie auch eine Haltung zu diesen drei Aspekten. Doch wie gelingt es uns, diese Haltung in eine Zukunft zu tragen, die von Klimakrisen, gesellschaftlichen Veränderungen und technologischen Umbrüchen geprägt ist?

Viele Höfe stehen vor einem Generationswechsel. Dabei ist der Vorgang der Hofübergabe natürlich das zentrale Thema – dieser steht und fällt aber mit dem Bewusstsein, dass es hier nicht nur um Materielles, sondern um die Weitergabe von Verantwortung, Wissen und Werten geht. Und vor allem anderen geht es um Vertrauen. Die nächste Generation will nicht nur in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten – sie will selbst gestalten. Sowohl die, die ihren Hof gerne abgeben würden als auch die, die den Hof zu übernehmen suchen, wollen also ihre Bedürfnisse beachtet sehen. Was im ersten Moment einfach klingt, kann schnell kompliziert werden, denn: Immer geht es hier um Menschen, um Individuen, mit eigenen Erfahrungen, Wünschen und Sorgen.

„Demeter in nächster Generation“ bedeutet also einerseits, junge Menschen für die biodynamische Idee zu begeistern: sei es im Rahmen der biodynamischen Ausbildung, im FÖJ auf den Höfen oder auch innerhalb der eigenen Familie. Andererseits bedeutet es auch, Räume zu schaffen, in denen neue Ideen und Perspektiven wachsen und gedeihen dürfen – ohne jedoch die Wurzeln zum Ursprung zu verlieren. Initiativen wie das Öko-Junglandwirte-Netzwerk und das dieses Jahr neu gegründete „Junges Demeter“ können helfen, diese Räume zu schaffen; Räume, die der jungen Generation helfen, ihre Stimme erklingen zu lassen, die Kommunikation zwischen Alt und Jung auf Augenhöhe zu bringen, und vor allem, sie dazu ermutigen, ihre Ideen in die landwirtschaftliche Realität umzusetzen.

Konfrontiert mit einer Welt, die immer mehr aus den Fugen zu geraten scheint, suchen junge Menschen vor allem nach Sinn und Selbstwirksamkeit. Gerade hier kann Demeter sowohl Brücken bauen als auch Orientierung geben: durch Transparenz, durch klare Werte, durch ein tiefes Verständnis von Naturzusammenhängen, eine Landwirtschaft mit Hingabe und durch eine Gemeinschaft, die Vielfalt ermöglicht und die seit ihrer Gründung vor über 100 Jahren hoffnungsvoll in die Zukunft wächst, sich aber immer ihrer Wurzeln bewusst bleibt.

Herzlichst Ihr

ADRIAN T. MEYER
Redaktion@LebendigeErde.de

Inhaltsverzeichnis

KURZ & AKTUELL

u. a. 15 Jahre Gemeinwohlökonomie – vom Impuls zur internationalen Bewegung
Interview mit Harro Colshorn, Vorstand GWÖ Bayern e.V

PORTRAIT

Der Spirit von Sekem
Economy of Love fördert Bauern
Karin Heinze

SCHWERPUNKT

Die geistige Souveränität des Landwirts
Mittler zwischen Natur und Gesellschaft
Ueli Hurter

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Die drei großen Aufgaben der Landwirtschaft
Verwandeln – Heilen – Erwachen
Tho Ha Vinh

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Bauern – enteignet von Natur und Land?
Erste Erkenntnisse der On-Farm-Versuche
Lina Schardey, Andrea Spirkaneder, Andreas Schmitt

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Bauern – enteignet von Natur und Land?
Interview mit Florian Hurtig, Autor und Obstbauer

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Goetheanismus und Landwirtschaft
Was Goethe und Steiner für die bio-dynamische Praxis bedeuten können
Hans-Christian Zehnter

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ERNÄHRUNG & LEBENSMITTEL

Nahrung aus dem Wasser
Fischerei und Aquakultur mit Zukunft?
Timo Stadtlander

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Weingut Kopp
Edle Demeter-Weine vom vielfältigen Terroir des Badener Reblandes
Susanne Aigner

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Ernährung und Hirngesundheit
Welchen Einfluss gibt es?
Petra Kühne

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FELD & STALL

Tier, was fehlt dir?
Über die Notwendigkeit einer Vertragserneuerung zwischen Mensch und Tier
Florian Leiber

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Ökozüchtung als Herzstück des konsequenten Biolandbaus – weltweit
Wie eine Indienreise die Idee zur „Organic Seed Alliance“ begründete
Anand Padmanabhan und Petra Boie

FORSCHUNG

Forschung (PDF) • Demeter-Milchqualität – was zählt?
Studienübersicht über das Qualitätspotenzial biodynamischer Milch
Daniel Kusche, Jenifer Wohlers und Uwe Geier

BIODYNAMISCH

Die Qualität der Demeter-Lebensmittel – biodynamisch
Demeter-Grundlagenforum November 2025
Fragen: Michael Olbrich-Majer

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You never farm alone
Internationale biodynamische landwirtschaftliche Tagung in Dornach

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Was ist Anthroposophie für dich?
Interview mit Christopher Brock

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AUS DER BEWEGUNG & VERBAND

Bio braucht neue Allianzen und Mut zur Radikalität
Rückblick: 8. Öko-Marketingtage
Michael Stahl

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Biodynamisch im KZ
Fragen an die Historikerin Anne Sudrow

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„Interessant ist das Dynamische im Verhältnis zum Materiellen“
Gespräch mit Johannes Fetscher

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u. a. Landwirtin des Jahres Sylke Herse

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Neue Gentechniken: Dereguliert – Letzte Chance auf Entscheidung im Parlament

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25 Jahre für den Ökolandbau

Zukunftsstiftung Landwirtschaft
Interview mit Oliver Willing, Gründungsmitglied und Geschäftsführer seit 2007

 

Herr Willing, auf welche Bilanz blickt die Zukunftsstiftung bisher zurück?

Man kann die reinen Zahlen nennen. Seit der Gründung wurden mehr als 1.500 Projekte mit über 30 Millionen Euro gefördert. Wichtig ist auch, dass wir oft den Beginn entscheidender Impulse fördern: Zum Beispiel das Gründungskonzept des heutigen BÖLW, die Zusammenfassung und Bekanntmachung des Weltagrarberichtes im deutschsprachigen Raum, die Gründung des Netzwerkes Solidarische Landwirtschaft als Dachorganisation aller SoLaWis in Deutschland u.v. mehr.

Von unschätzbarem Wert sind auch die vielen Menschen, Unternehmen und Stiftungen, die mit ihren Ideen, ihrem Vertrauen und ihrem Geld das tragende Fundament der Stiftung sind. Und natürlich immer das hervorragende Team der ZSL in Bochum und Berlin.

 

Ein Förderschwerpunkt ist die ökologische Züchtungsforschung – in Zeiten der drohen­den Deregulierung der NGT wichtiger denn je. Wie nehmen Sie die Entwicklungen wahr?

Zurzeit gibt es in Brüssel eine starke Gentechnik-Lobby. Daher stehen die Zeichen scheinbar auf „Deregulierung“, obwohl die Verbraucher weiterhin Gentechnik im Essen ablehnen. Mit unserem Berliner Büro (Save our Seeds) setzen wir uns weiterhin vehement für die Entscheidungsfreiheit von allen Landwirten und Verbrauchern ein. Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen.

 

Welchen aktuellen Herausforderungen und Chancen sieht sich die Stiftung gegenüber?

Eine wichtige Herausforderung sind sicher die neuen Möglichkeiten, die sich aus der Koppelung von KI und Gentechnik ergeben. Unserer aktuellen Studie „Wenn Chatbots neue Sorten züchten“ zeigt Hintergründe und den aktuellen Stand auf. Selbst Fachleute sind erstaunt, was da noch alles auf uns zukommt und teilweise schon angewendet wird.

Zudem machen die aktuellen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (Inflation, Kriege, Unsicherheit, etc.) das Sammeln von Spenden nicht leichter. Dennoch ist es großartig wie viele treue Unterstützer:innen wir haben. Das macht uns viel Mut.

 

Gibt es konkrete Pläne für die Zukunft?

In den nächsten Jahren werden wir uns sicher stärker mit Schulbauernhöfen und Kindergartenhöfen beschäftigen. Hier liegen große Chancen, denn Kinder sind die zukünftigen Konsument:innen. Kinder können Wertschätzung und einen inneren Bezug zu Lebensmitteln nur durch wirkliche Bauernhof-Erlebnisse entwickeln.

Andererseits zeigt sich, dass landwirtschaftliche Erfahrungen in Zeiten zunehmender Digitalisierung und Sinnesüberforderung einen in vielfacher Hinsicht heilsamen Ausgleich bieten. Hier liegen große Chancen für die Zukunft, die ergriffen werden müssen.

 

Fragen: Katrin Bader

Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft

… wurde im Jahr 2000 durch Initiative der GLS Treuhand auf dem Dottenfelderhof in Bad Vilbel gegründet – dort fand Ende Mai die Jubiläumsfeier mit 200 Gästen statt.

 

Wer mehr erfahren will:

Der druckfrische Jubiläums-Jahresbrief der ZSL kann direkt bestellt werden bei

landwirtschaft(at)gls-treuhand.de oder: Zukunftsstiftung Landwirtschaft,
Christstraße 9, 44789 Bochum https://zukunftsstiftung-landwirtschaft.de/jahresbrief25

Birkenhof: Vielfalt im Generationenübergang

Familie Jungclaussen gestaltet die Hofübergabe

von Adrian T. Meyer

Seit über 30 Jahren betreibt Familie Jungclaussen den Birkenhof in biodynamischer Wirtschaftsweise. Der Betrieb liegt im hügeligen Siegerland, ein Stück östlich von Wilnsdorf und nur knapp 20 Kilometer von Siegen entfernt. Die Höhenlage – der Betrieb liegt auf 400 m Höhe – und die Landschaft machen den großflächigen Anbau von Gemüse schwierig; der Hof ist daher seit jeher auf Grünland und Milchvieh ausgerichtet. Ein neuer Stall ist bereits im Bau.

Schon als Kind und Jugendlicher hatte Eckard Jungclaussen Kontakt zur Landwirtschaft und hat auf einem Hof in der Nachbarschaft ausgeholfen. Als er dann, während seines Zivildienstes auf dem Bauckhof, zum ersten Mal mit der biologisch-dynamischen Landwirtschaft in Kontakt kam, wurde ihm klar: „Biodynamisch ist meine Herausforderung, das will ich machen! Das fehlt im Siegerland!“ Nach der biodynamischen Ausbildung im Norden, von 1987 bis ’91, gründeten er und seine Frau Frauke, gemeinsam mit einer anderen Familie, den Verein Landwirtschaftliche Gemeinschaft Siegerland e.V. Der Plan war, einen Hof in der Nähe von Siegen zu kaufen und auf biodynamische Wirtschaftsweise umzustellen. Zuvor hatte Eckard den Hof gepachtet, wo er als Kind schon ausgeholfen hatte. Das war allerdings nicht entwicklungsfähig, weil der Besitzer keine Veränderungen wollte. Über die Landwirtschaftskammer wurde dann der Kontakt zum ehemaligen Besitzer des Birkenhofs hergestellt. Jener war verschuldet und wollte gerne den Hof als Ganzes verkaufen, anstatt die Flächen aufzuteilen. Am 4. Mai 1994 unterschrieben sie den Kaufvertrag für den Birkenhof und die Umstellung auf die biodynamische Wirtschaftsweise begann.

Eine Familien-GbR

In den vergangenen 30 Jahren sind mehrere Familien in die nach der Hofübernahme gegründete Betriebsgemeinschaft Birkenhof GbR ein- und wieder ausgestiegen. Heute betreibt nur noch die Familie Jungclaussen den Hof – eine Zwei-Generationen-GbR; Eckard und Frauke kümmern sich um das an den Hofladen angeschlossene Hofcafé und die Vermarktung, Sohn Arne leitet die Landwirtschaft und Tochter Inga hilft neben dem Studium noch im Hofcafé aus. Vor vier Jahren hat Arne seine Partnerin Johanna kennengelernt. Sie hatte ursprünglich Geografie studiert, aber dann angefangen, auf dem Hof mitzuhelfen; heute organisiert sie den Kuhstall und die -herde und hat viel Spaß daran gefunden, mit den Tieren zu arbeiten. Mit Familie, Mitarbeitenden, Auszubildenden und Praktikanten arbeiten rund 30 Personen auf dem Birkenhof.

Demeter, ja oder nein?

Arne hat seine Ausbildung 2017 bis 2019 in Limburg auf einem Bio-Ackerbaubetrieb und in Wittgenstein auf einem Bio-Milchviehbetrieb absolviert. Damals war noch nicht abzusehen, dass auf dem Birkenhof so schnell Raum für ihn wäre, da noch andere Familien vor Ort waren und sich um die landwirtschaftliche Arbeit gekümmert haben. Als diese aus der GbR ausschieden, hat Eckard ihm kurzerhand die Verantwortung dafür übergeben. Arne schätzt die Arbeit und die Entfaltungsmöglichkeiten auf dem Hof, weiß aber noch nicht, wie die Zukunft dort aussehen wird. Bei Bio will er auf jeden Fall bleiben, aber welchem Verband er sich in Zukunft zuwenden möchte, darüber ist er sich noch nicht im Klaren. Neben dem für ihn schwierigen Zugang zu den Präparaten ist der fehlende Austausch eine Herausforderung. Viele Demeter-Kollegen gibt es nicht im Umkreis und schon gar keine in seinem Alter. Auch das nur sporadische Vorhandensein von Beratung und fachlichen Informationen im Verband kritisiert er. Eckard steht zwar fest hinter der Biodynamie und dem Verband – schließlich ist er auch als Vorstand bei Demeter im Westen tätig – und würde es auch begrüßen, wenn sich der Birkenhof nicht von der Bewegung abwenden würde, aber das Ökologische ist ihm wichtiger als die Demeter-Ideale. Die Präparatearbeit durchzusetzen, wäre Arne gegenüber übergriffig; schließlich hat Eckard den gesamten landwirtschaftlichen Betriebsteil an ihn abgegeben.

Kuh-Kindergarten und Bruderhähne

Auf dem Birkenhof leben 30 rotbunte Milchkühe, plus Zuchtbulle und die gesamte Nachzucht – insgesamt rund 80 Tiere; seit kurzem ergänzen noch einige Braunvieh-Milchkühe den Bestand. Im Sommer sind sie auf der Weide; nur zum Melken geht es in den Stall. Früher gab es im Winter eine reine Heufütterung, die war aber wegen der kleinen Trocknungsanlage zu zeit- und arbeitsaufwendig; deswegen gibt es heute eine Mischung aus Mais- und Kleegrassilage. Die Kälber sind für die ersten drei Wochen bei der Mutter, danach geht es in den „Kuh-Kindergarten“, wo sie bis zum Alter von vier Monaten mit Eimern getränkt werden. Auf den Wiesen des Hofes sind auch noch Legehennen in zwei Mobilställen unterwegs. Die Junghennen der Rasse Lohmann Sandy kommen vom Hof Huster in Gütersloh und die Hähne werden im Rahmen der Initiative „Mein Bruderhahn“ vermarktet. Die zwei Zwergziegen Emma und Emily wohnen direkt gegenüber vom Hofladen und erfreuen die Besucher. Ein weiteres Highlight sind die beiden Eselinnen Kathrien und Lotti sowie die beiden Haflinger Pandora und Nero. Früher hatte der Betrieb noch eigene Bienen; sie leben immer noch auf dem Hof, aber heute kümmert sich ein externer Imker um sie, der konventionell arbeitet.

Für Grünland braucht es Milchvieh

Die Jungclaussens wollen keinen Stillstand auf dem Betrieb, sondern arbeiten aktiv in die Zukunft. Das Fundament für einen neuen Stall ist bereits fertig, der die Kapazitäten des Hofes für Milchvieh verdoppelt. Der alte Stall entspricht nicht mehr modernen Anforderungen, hier hätte sich eine Investition nicht gelohnt. Für rund 1,5 Mio. € soll der neue Stall entstehen, mit neuestem Stand der Technik. Er soll 65 Milchkühen plus Nachzucht Platz bieten – 130 bis 150 Tiere können dann insgesamt gehalten werden, das Jungvieh steht weiter im alten Stallgebäude.

Der neue Stall war laut Arne und Eckard alternativlos. Rund 100 ha Grünlandflächen erstrecken sich um den Betrieb und um diese adäquat zu bewirtschaften, braucht es das Milchvieh.

Arne ist sehr technikaffin; erst vor kurzem hat der Hof auf sein Anraten hin drei neue Maschinen besorgt. Mähdrescher, Güllefass mit Schleppschuhen und eine Press-Wickel-Kombination stehen jetzt u.a. in der Maschinenhalle. Mehr eigene Technik war notwendig; in der Umgebung gibt es nicht viele Kollegen im Ackerbau, mit denen man sich die Maschinen teilen könnte.

Die Photovoltaikanlage mit 99 kWh auf dem Dach und die neue Hackschnitzelheizung sorgen dafür, dass der Hof energetisch weitestgehend autark ist.

Breites Sortiment im Hofladen

Auf den Äckern wachsen neben Kleegras und Futtermais Getreide, Gemüse und Hackfrüchte. Getreide und Milch werden direkt auf dem Betrieb weiterverarbeitet. Das Korn wird nach Bedarf vor Ort auf einer Osttiroler Steinmühle gemahlen und in der hofeigenen Bäckerei entstehen daraus Brote und Backwaren. Das Gros der Milch bleibt auch auf dem Hof: Aus der Milch stellen die Mitarbeitenden in der Molkerei unter anderem Vollmilch, Speisequark, Frischkäse, Joghurt und Camembert her.

Die Schlachtung erfolgt extern im nur 40 Kilometer entfernten Bad Berleburg. Den Transport erledigt die Familie Jungclaussen selbst; das sorgt für weniger Stress bei den Tieren, da diese sich problemlos anfassen und am Strick führen lassen. Das Fleisch wird nur ein paar Orte weiter in der Metzgerei des Biokreis-Hofes Kapplermühle weiterverarbeitet.

Die Vermarktung läuft über den Hofladen und über Bestellkisten. Der Laden wurde im September umgebaut. Neue Wandgestaltung, neue Kühlmöbel und Regale geben dem Hofladen ein modernes Design. Die Kunden sind von der Auswahl begeistert: neben Brot und Backwaren gibt es Milchprodukte, Fleisch und Wurstwaren sowie Frischgemüse – fast alles direkt vom Hof! Das Angebot wird ergänzt durch Zukauf von Kollegen und dem Bio-Großhandel.

Was nicht vor Ort oder über Bestellkisten vermarktet wird, geht an Denns oder kleinere Biomärkte in der Region. Aktuell gehen drei Viertel der Milch in die eigene Verarbeitung und der Rest an die Upländer Molkerei. Nach dem Ausbau des Stalls und der Aufstockung der Herde auf rund 60 Milchkühe wollen sie 50/50 vermarkten: 30 Milchkühe für die Direktvermarktung auf dem Hof und 30 Milchkühe, deren Milch an die Molkerei geht. Das Molkerei-Geld ist dann vorerst für die Bank und die Abzahlung des Stall-Kredits gedacht.

Birkenzwerge und Altersgarten

Jungclaussens haben auf dem Betrieb auch die junge und alte Generation im Blick. 2019 gründeten sie den Waldorf-Waldkindergarten „Birkenzwerge“, in dem rund 20 Kinder das Geschehen auf dem Hof miterleben können und lernen, was es heißt, sich um Tiere zu kümmern und Gemüse anzubauen. Auf dem Hof gibt es auch jedes Jahr Plätze für Ausbildung (z. Zt. staatliche Ausbildung) und FÖJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr). Auf der anderen Seite der Altersspanne steht der so genannte „Alter(s)garten“. Aus dem Gedanken der Generationenfolge entstand die Idee, altersgerechten Wohn­raum zu schaffen. Dafür steht auf dem Hof ein Niedrigenergiehaus mit vier kleineren und vier größeren barrierefreien Wohnungen zur Verfügung. Menschen, die sich im Ruhestand oder auf dem Weg dahin befinden – Mindestalter 60 Jahre – haben so auf dem Birkenhof die Gelegenheit, sich nach eigenem Ermessen in sinnvolle Tätigkeiten einzubringen.

Quo vadis, Birkenhof?

Einige offene Fragen und Herausforderungen bleiben den Jungclaussens noch. Auf dem Hof stehen zwei Gewächshäuser, von ehemaligen Teilhaberfamilien aufgebaut. Zurzeit werden diese noch von der Familie nebenher mitbewirtschaftet, aber wirklich Zeit und Energie ist hierfür nicht da. Ohne einen Gärtner ist der Gemüseanbau schwierig – sowohl in den Gewächshäusern als auch auf dem Feld. Ob sie die Gärtnerei vakant lassen oder jemanden dafür einstellen, wissen sie derzeit noch nicht. Generell ist sich Arne noch nicht sicher, ob sie die Vielfalt auf dem Hof nicht zukünftig arbeitsbedingt etwas einschränken müssen – Feldarbeit, Milchvieh, Gemüsebau, Verarbeitung und Vermarktung nehmen viel Kapazität in Anspruch. Und schlussendlich bleibt noch die Verbandsfrage, die in naher Zukunft auf dem Birkenhof eine Antwort sucht. Vollkommen einig sind die beiden sich aber vor allem darin: : Der Birkenhof soll ökologisch bewirtschaftet und wirtschaftlich gesund mit gepflegtem Erscheinungsbild in die Zukunft gehen.

 

Adrian T. Meyer
Redaktion Lebendige Erde

Birkenhof, Wilnsdorf-Wilgersdorf

  • Demeter seit 1994
  • Eigentümer: Landwirtschaftliche Gemeinschaft Siegerland e.V.; Pächter und Bewirtschafter: Birkenhof eGbR
  • Ca. 400 m über NN, 920 mm NS / a, durchschn. 7,9 °C
  • LW-Nutzfläche: 135 ha; davon 100 ha Grünland, 33 ha Ackerland, 1 ha Hecken/Baumreihen/etc., ca. 2 ha Wald
  • Bodentypen: Braunerden und Parabraunerden (Schiefer­verwitterungsböden)
  • Bodenarten: sandiger Lehm (sL) und schluffiger Lehm (uL) mit Humusgehalten zwischen 4 und 8 %
  • Fruchtfolge: KG, KG, WW/Gemüse, Triticale/Erbse, Winterroggen (mit KG-Untersaat), KG, Kartoffeln, Dinkel (mit KG-Untersaat)
  • Tiere: bisher 30 Milchkühe Rotbunt Doppelnutzung und Braunvieh, 1 Zuchtbulle, ca. 50 Rinder und Kälber zur Nachzucht und Mast;
  • 2 Hühnermobile á 225 Legehennen Lohmann Sandy; 2 Pferde, 2 Esel, 4 Zwergziegen, Hunde, Bienen
  • Hofeigene Bäckerei, Milchverarbeitung
  • Vermarktung: Hofladen und Lieferservice
  • Hofcafé

Birkenhof 1, 57234 Wilnsdorf, www.birkenhof-siegerland.de/joomla/

Betrieb sucht neue Leitung

Das Kontaktforum Hofübergabe

Interview mit Anna-Maria Bissinger, Bio-Landwirtin mit Schwerpunkt Milchvieh und Mitglied im Öko-Junglandwirte-Netzwerk (ÖJN), Fragen: Adrian T. Meyer

 

Aus welchem Grund wurde das Kontaktforum Hofübergabe ins Leben gerufen und was waren deine Beweggründe, dich dort zu engagieren?

Das haben vor vielen Jahren schon die ersten vom ÖJN ins Leben gerufen und da wollten sie ein Format schaffen mit einer geringen Hemmschwelle für das Thema außerfamiliäre Hofübergabe. Das war dann immer in Fulda, wurde aber aufgrund von Personalmangel ausgesetzt. Wir haben das dann quasi wieder „aus dem Keller rausgeräumt“ und wieder aktiviert; das erste Kontaktforum im neuen Team, wo ich auch dabei war, war 2022 in Eberswalde. Ich finde wichtig, dass die Höfe einfach weitergehen müssen; wir brauchen mehr junge Menschen und mehr neue Ideen in der Landwirtschaft.

 

Arbeitet ihr mit externen Moderatoren zusammen? Wie sieht so ein Erstkontakt, eine Beratung aus?

Also es ist ja nicht in dem Sinne eine Beratung. Es ist ein Wochenende – von Freitag auf Sonntag – und da laden wir verschiedene Moderatoren ein. Unsere Hauptmoderatorinnen sind Marianne Nobelmann und Birgit Motteler, die ziehen den roten Faden durch unser Programm. Am ersten Tag geht es um Standortermittlung, am zweiten Tag widmen wir uns der Frage „Wo will ich hin?“ und am dritten Tag geht es um die nächsten Pläne der Teilnehmenden. Zusätzlich gibt es am zweiten und dritten Tag verschiedene Workshops zu Steuern, alternativen Hofübergabemodellen (z. B. Stiftungen und Vereine), Gesprächsverhalten und noch einiges mehr. Hier haben wir immer Variablen drin und laden auch externe Fach­berater:innen ein.

 

Finden die Kontakte nur auf den Treffen des Kontaktforums statt, oder begleitet ihr den Übergabeprozess noch darüber hinaus?

Die Treffen finden nur auf den Foren statt. Beim letzten Kontaktforum hatten wir dann noch ein Nachtreffen im Online-Format, wo jeder ein bisschen erzählt hat. Ob wir einen Folgetermin haben, entscheiden wir immer am Ende des Forums mit der gesamten Gruppe. Für das nächste Kontaktforum ist kein Nachtreffen geplant.

 

Ist das Forum gut besucht, bzw. wird es viel „genutzt“?

Ja, bisher waren wir immer gut besucht mit ca. 30 bis 35 Teilnehmenden. Davon sind dann etwa die Hälfte hofabgebend, die andere Hälfte hofsuchend. Da sortieren wir auch ein bisschen, dass wir ein Gleichgewicht zwischen Jungen und Älteren haben.

 

Das Motto eurer Kontaktforen lautet „Lebenswerke übergeben – Lebenswerke neu beginnen“; was sind denn die größten Herausforderungen für die Landwirte, die eben ihr Lebenswerk an nahezu Fremde übergeben wollen?

Das sind ganz verschiedene. Wir machen immer einen Workshop, wo es um Perspektivwechsel geht; also, wo die Hofsuchenden sich in die Hofabgebenden hineinversetzen und umgekehrt. Da geht es dann darum, was die größten Herausforderungen und Ängste der jeweils anderen sind. Von den Jungen wird meistens gedacht, dass es um die Weitergabe und das Erhalten von Werten geht. Aber es ist eigentlich immer von den Älteren her so, dass es ihnen wichtig ist, dass die persönliche Ebene stimmt, und der Rest ergibt sich dann. Umgekehrt ist es tatsächlich exakt das Gleiche. Also, wenn die persönliche Ebene nicht passt, dann sind gleich Hopfen und Malz verloren.

 

Braucht es manchmal mehrere „Anläufe“ für Landwirte, die ihren Betrieb abgeben wollen, bis sie die passenden Empfänger gefunden haben?

Ja, aber von beiden Seiten, also von Jung und Alt. Ganz genau kann ich das nicht sagen, da wir das nicht evaluieren. Im Kontaktforum ist eine bunte Mischung von Anfängern, die sich noch nicht wirklich Gedanken gemacht haben, und Leuten, die schon konkretere Pläne haben und schon seit ein paar Jahren suchen. Eine Familie ist seit fast sieben Jahren dabei und die suchen immer noch.

 

Was sind denn einige der erfolgreichsten Beispiele aus deiner Zeit beim Kontakt­forum?

Auf jeden Fall immer die positiven Rückmeldungen, dass das Kontaktforum – also das Konzept, so wie es ist – gut funktioniert und gut ankommt. Es wird auch sehr geschätzt, dass sowohl Hofübergebende als auch Hofsuchende da sind und man gut in Austausch kommt. Wir sind ja kein Speeddating, wo man mit der Erwartung hingehen sollte, am Ende des Wochenendes auf jeden Fall einen neuen „Partner“ gefunden zu haben. Uns geht es vor allem um die Prozessbegleitung. Die Moderatoren sind da immer eine große Hilfe, dass wir uns wieder auf unsere Ziele rückbesinnen: Wo bin ich, wo will ich hin, was muss ich noch leisten, damit ich mein Ziel erreiche?

 

Und was sind deiner Meinung nach die größten Hemmnisse oder Gründe, weshalb ein „Kontakt“ scheitert?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich leite für mich ab, dass es teilweise aus persönlichen Gründen einfach nicht passt; das wird von Jung und Alt als das Wichtigste gesehen. Allgemein ist zu sagen: je früher sich die Leute „auf den Weg machen“ – also sich schon fünf bis zehn Jahre, bevor der Hof übergeben werden soll, damit auseinandersetzen – dann klappt es meistens besser.

 

Was bräuchte es, damit ihr noch mehr Geber und Empfänger zueinander führen könntet, um diese Lebenswerke fortzuführen oder neu zu beginnen?

Erst einmal mehr Budget. Das Kontaktforum scheitert meistens an Spendengeldern; wir machen das alles ehrenamtlich. Wir zahlen Unterkunft und Verpflegung selbst aus den Beiträgen der Teilnehmer:innen. Aber wir wollen natürlich die Hemmschwelle, daran teilzunehmen, so gering wie möglich halten, deshalb wollen wir den Teilnahmebeitrag nicht so hoch ansetzen. Deswegen sind wir auf Spendengelder angewiesen und aktuell sind die Firmen nicht so in spendabler Stimmung. Außerdem brauchen wir immer engagierte Menschen, wie vom ÖJN, die sich um so etwas kümmern. Ganz besonders schwierig ist es auch oft, die älteren Leute überhaupt zu erreichen, dass sie überhaupt davon wissen. Meistens teilen wir das Ganze über Social Media und da erreicht man die Älteren oft schwierig; wir müssten eigentlich noch Anzeigen schalten in den ganz regionalen Zeitungen und das schaffen wir allein von Kosten und Aufwand her gar nicht. Allein das Bayrische Wochenblatt hat ja für jeden Landkreis und Regierungsbezirk eine extra Ausgabe. Die Leute gehen auch lieber in ein Kontaktforum ein paar Städte weiter; wenn man im eigenen Ort zu so einem Forum geht, dann könnte man ja die Nachbarn treffen.

 

Fragen: Adrian t. Meyer

Öko-Junglandwirte-Netzwerk und Kontaktforum Hofübergabe

Das Öko-Junglandwirte-Netzwerk (ÖJN) wurde 2006 von einer kleinen Gruppe von Studierenden der Fachschule für Agrarwirtschaft Kleve ins Leben gerufen. Inzwischen hat es bundesweit über 2500 Teilnehmer:innen. Das gemeinsame Anliegen: positive Veränderungen anstoßen, aktiv die Zukunft der Landwirtschaft mitgestalten und gemeinsam über Themen des Ökolandbaus kritisch diskutieren. Der Austausch untereinander und die gegenseitige Beratung stehen auch im Fokus. Neben der einmal im Jahr stattfindenden Öko-Junglandwirt:innen-Tagung wird seit 2016 jährlich ein Zukunftspreis an Junglandwirte verliehen, die besonders innovative Konzepte im Bereich Ökolandbau umsetzen. Ebenfalls 2016 gründete das Netzwerk das Kontaktforum Hofübergabe. Das Forum richtet sich an Leitende landwirtschaftlicher Erzeugerbetriebe, die ihren Hof abgeben wollen und an junge Leute, die auf der Suche nach einem Betrieb sind, den sie übernehmen können.

 

Futterlaub aus Agroforst

Erfahrungen zu Futterqualität, Konservierung, Weide

Autor: Janos Wack
Triebwerk – Regenerative Land- und Agroforstwirtschaft, 37290 Meißner
www.triebwerk-landwirtschaft.de

Die Kombination aus Gehölznutzung und landwirtschaftlicher Nutztierhaltung hat eine lange Tradition. Sie war bis ins 19. Jahrhundert auch in Deutschland verbreitet. Durch die Reorganisation der Forst- und Landwirtschaft erlebten entsprechende Gehölze allerdings einen Bedeutungsverlust. Zurzeit gibt es ein erneutes Interesse an dieser Art von Weide- und Futterbausystemen, da die Etablierung von Gehölzen auf Weide- und Ackerflächen erhebliche Vorteile bieten kann. Neben dem Schutz von Klima, Boden und Wasser können Agroforstsysteme auch die Biodiversität positiv beeinflussen. Für Weidetiere bieten Gehölze zudem nicht nur Beschäftigungsmaterial, sondern auch Schutz vor Sonne, Wind und Regen. Das reduziert den Hitzestress, welcher relevant für Tierwohl und Leistung sein kann. Die Bereitstellung von Laub als zusätzliche Futterquelle ist eine weitere Chance, da es als relativ hochwertige Futterquelle für Wiederkäuer beschrieben wird und durch sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe vor Parasiten schützen kann (z.B. Walnusslaub). Die Veränderung des Mikroklimas kann zudem umliegende Acker- und Grünlandbestände positiv beeinflussen. Erfreulicherweise wird daher die Agrarförderstruktur für Agroforstsysteme seit Anfang 2023 schrittweise optimiert.

Forschungsprojekt FuLaWi

Auf dieser Basis wird das von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) geförderte Projekt FuLaWi („Nutzungs- und Konservierungsverfahren für Futterlaub aus Agroforstsystemen zur Verbesserung der Nährstoffversorgung und Reduktion von Methanemissionen bei kleinen Wiederkäuern“) von einem multidisziplinären Konsortium aus Wissenschaft, Praxis und Beratung durchgeführt, von den vier Akteuren Universität Göttingen, Forschungsinstitut für Nutztierbiologie, Lignovis und Triebwerk. Ziel ist eine ganzjährige, artgerechte Ernährung kleiner Wiederkäuer, um die Verdaulichkeit und Mineralstoffversorgung in Zeiten des Klimawandels zu verbessern. Dafür werden Bewirtschaftungs- und Konservierungsverfahren praxisnah entwickelt, um die Laubnutzung zu Fütterungszwecken nachhaltig zu gestalten. Pappeln und Weiden stehen dabei aufgrund ihrer Wuchseigenschaften, ihres hohen Biomasseertrags und attraktivem Inhaltsstoffprofils im Fokus.

Futterqualitäten von Laub

Allerdings ist das Wissen über die Zusammensetzung verschiedener Laubarten sehr begrenzt und die vorhandenen Daten streuen sehr stark. Daher wurde die Qualität von Laub zehn häufig vorkommender Baumarten (Weide, Schwarzpappel, Balsampappel, Buche, Esche, Feldahorn, Spitzahorn, Erle, Linde und Espe) analysiert (Tabelle 1). Selbst relativ spät im Sommer geerntetes Laub (August bis September) hatte erstaunlich hohe Nährstoff­gehalte. Das Laub von Weide und Schwarzerle wies z.B. Rohproteingehalte von mehr als 19 % der Trockensubstanz auf. Das ist vergleichbar mit dem von Luzerne oder Klee. Auch die Fasergehalte vieler Laubarten waren vergleichbar mit denen kleinkörniger Leguminosen. Schwarz- und Balsampappel hatten moderate bis hohe Rohproteingehalte, Balsampappel einen geringeren Fasergehalt, was (höchstwahrscheinlich) zu einer höheren Verdaulichkeit führen könnte.

Die Blätter von Pappeln und Weiden enthalten neben viel Rohprotein auch relevante Mineralstoffmengen wie beispielsweise Calcium und Selen. Daher wurde untersucht, ob eine Ergänzungsfütterung mit Pappel- und Weidenlaub die Versorgung kleiner Wiederkäuer verbessert. Ostfriesische Milchschafe nahmen Weidenlaub sehr gut an, fraßen getrocknetes Laub von Schwarzpappel-Balsampappel-Hybriden allerdings überhaupt nicht. Schwarz- und Zitterpappel wurden nur in sehr geringen Mengen aufgenommen. Für Weiße Deutsche Edelziegen erwiesen sich Pappelblätter als eine gute Rohproteinquelle. Bei einem Blattanteil von 38 % in der Gesamtration kann jedoch insbesondere Schwarzpappel durch ihren hohen Rohproteingehalt zu einer Überversorgung führen. Je nach Mengenverfügbarkeit sollte demnach eine Rationsberechnung durchgeführt werden.

Bei laktierenden Ziegen stieg der Anteil der Laubaufnahme an der Gesamttrockenmasse von 19 % in der ersten auf 30 % in der dritten Woche nach der Geburt. Die Ergänzung mit Schwarzpappellaub ab der zweiten Laktationswoche führte zu einer signifikant höheren Calciumaufnahme im Ver­­gleich zur reinen Heufütterung.

Unterschiede bei Calcium-, Glucose- und Harnstoffkonzentrationen im Blut zeigten sich allerdings nicht. In der ersten Woche gab es Hinweise auf einen höheren Knochenabbau als Kompensation der fehlenden Calciumversorgung. Insgesamt beeinflusste die Fütterung von Schwarzpappel-Laub die Energie- und Calciumstoffwechsellage in der Frühlaktation weder positiv noch negativ.

In einem ergänzenden Fütterungsversuch wurden Coburger Fuchs Hammel drei Wochen lang mit Heu oder mit Heu und getrockneten Blättern von Schwarzpappel, Zitterpappel oder Korbweide gefüttert. Die Blätter wurden im August 2023 geerntet und mit Biogas-Abwärme getrocknet. Die Trockenmasseaufnahme der Tiere lag bei 0,97 – 1,04 kg pro Tag. Der Blattanteil betrug 39 – 40 % der Ration. Erfasst wurden Futter- und Wasseraufnahme, Kot- und Urinausscheidung sowie Methanemissionen. Mit Schwarz­-
pappel gefütterte Tiere zeigten eine 25 % höhere Selenverdaulichkeit als Tiere mit Weide-, Zitterpappelblättern oder Heu. Die Calciumverdaulichkeit der Schwarzpappelblätter war mit der von Heu vergleichbar und etwa doppelt so hoch wie bei Zitterpappel und Weide. Die Verdaulichkeit der organischen Masse war bei Zitterpappel deutlich verringert, unterschied sich jedoch zwischen Heu, Weide- und Schwarzpappel kaum. Die Rohproteinverdaulichkeit war mit Schwarzpappel höher als mit Heu, wurde jedoch durch Weiden- oder Zitterpappelblätter stark reduziert. Die Methanemissionen der Tiere konnten im Schnitt um 15 % gesenkt werden, was eine direkte Klimaschutzleistung ist.

Laubkonservierung – wie?

Das Konservieren von Laub ermöglicht eine ganzjährige Fütterung und somit auch die genannten möglichen Vorteile. Dafür wurden zehn Laubarten im Labormaßstab für 13 Wochen siliert. Getestet wurden vier verschiedene Siliervarianten:

  • Kontrolle ohne Zusatz
  • Chemisches Siliermittel (Mischung aus Natriumbenzoat und Natriumpropionat)
  • Zuckerrübenmelasse
  • Zuckerrübenmelasse plus homo-fermentative Milchsäurebakterien

Die Eignung der Laubarten für ein erfolgreiches Silieren war sehr unterschiedlich. Zusatzstoffe wie Melasse verbesserten die Gärqualität bei fast allen Laubarten durch einen reduzierten Proteinabbau und insgesamt stabilere Silagen. Bei Balsampappellaub führte allerdings keine Behandlung zu einer langfristigen Absenkung des pH-Wertes, auch wenn Zuckergehalt und scheinbare Verdaulichkeit hoch waren. Weidenlaub zeigte dagegen trotz geringerer Zuckergehalte sehr gute Ergebnisse. Mit Melasse und Milchsäurebakterien sank der pH-Wert auf etwa 4,5. Diese Werte liegen im Zielbereich von Gras- oder Maissilage. Schwarzpappellaub lag im Mittelfeld, reagierte aber positiv auf Zusatzstoffe und hatte insgesamt eine solide Silagequalität.

In einem weiteren Versuch wurden Weide, Schwarzpappel und Balsampappel mit und ohne Zweiganteil an drei unterschiedlichen Zeitpunkten (Mitte Juni, Anfang August, Anfang Oktober) geerntet und einsiliert. Die Erntezeit ist entscheidend für die Qualität der Futtermittel. Der erste Eindruck der Silagen war positiv. Eine frühe Ernte führte zu höherem Nährstoff- und Energiegehalt der Blätter. Gleichzeitig war der Anteil an Stängeln und Trieben deutlich geringer. Mit zunehmender Jahreszeit steigt zudem der Tanningehalt. Dieser schützt die Pflanzen vor Insekten, wirkt auch im Tier antiparasitär und kann allerdings auch die Nährstoffverdaulichkeit negativ beeinflussen.

Demonstrationsflächen zur Gehölzweide: erste Erfahrungen

Neben den Laborversuchen wurden auf neun sehr unterschiedlichen landwirtschaft­lichen Betrieben insgesamt auf 52 ha De­mon­strationsflächen mit durchschnittlich etwa 10 % Gehölzflächenanteil angelegt. Die Agroforstsysteme unterscheiden sich hinsichtlich Flächengröße (1 bis 17 ha mit Gehölzflächen von 0,2 bis 1 ha), Standorteigenschaften, Zertifizierung, Tierart, Herdengröße (30 bis 480), Produktionsziel und Flächenstatus (Dauergrünland und Acker). Dort wurden insgesamt etwa 19.000 Gehölze auf 51 ha etabliert, was 10 verschiedene Pappel- und 6 Weidenzüchtungen sowie 10 weitere vielversprechende Gehölzarten (900 Stück, z.B. Maulbeere, Holunder, Hasel) umfasst. Es wurden eng stehende Gehölze als Futterlaubhecke sowie Kopfbäume in weiteren Abständen gepflanzt. Die Kombination mit einer Stamm­holz­produktion sowie die Koppelnutzung von Energieholz wird dabei ebenfalls getestet. Daher entwickeln die Betriebe individuell angepasste Bewirtschaftungsverfahren.

Durch die Vielfalt der Betriebe wird ein breites Erfahrungswissen gewonnen, welches durch mehrfach durchgeführte Interviews dokumentiert und ausgewertet wird, was bisher ein sehr einheitliches Bild ergibt. Die Ziele sind eine Optimierung von Tierwohl, Futtergrundlage und Wasserhaushalt. Erste Tierbeobachtungen zeigen deutlich, dass der Schattenbereich der Gehölze in warmen Sommertagen häufig der bevorzugte Aufenthaltsort ist. Die Sträucher und Bäume werden zudem durch die Tiere gezielt beweidet, bis keine Blätter mehr erreichbar sind. Ziegen schälen die Stämme und Äste deutlich früher und intensiver als Schafe. Manche Herden bevorzugten zwar die Weidenblätter, eine einheitliche Bevorzugung wurde im Freiland bisher aber nicht festgestellt. Alle Gehölze wurden angenommen und fast alle Blätter abgefressen.

Die Technik: Etablieren von Futterlaubsystemen

Das Etablieren der Futterlaubsysteme erfolgte mit bewährtem Pflanzgut, Maschinen und Methoden. Die 90 cm langen, unbewurzelten Pflanzruten wurden mit einer Spezialmaschine ca. 60 cm tief in den vorbereiteten Boden gesetzt und leicht rückverdichtet. Auch bewurzeltes Pflanzgut konnte so gepflanzt werden. Die Pflanzung wurde auf allen Betrieben innerhalb eines Tages abgeschlossen. Kleinere Systeme mit wenigen hundert Bäumen können auch in Eigenleistung mit einem Tiefenmeißel oder Erdbohrer gepflanzt werden. Auf einigen Betrieben wurden die Neupflanzungen gegen den frühzeitigen Verbiss durch Weide- oder Wildtiere mit mobilen Elektrozäunen geschützt. Danach wurde bis in den Spätsommer hinein das Beikraut im Nahbereich der Bäume entfernt. Die Anwuchsraten lagen dank guter Pflege und einem feuchten Frühjahr in 2024 bei 90 %. Die Zuwachsraten hängen stark von Pflanzzeitpunkt, Sortenwahl und Standorteigenschaften ab. So wurden im ersten Jahr Triebhöhen von 1 bis 3 m und im zweiten Jahr Wuchshöhen von bis zu 5 m gemessen. Im zweiten Standjahr wurden die Futterhecken im Frühsommer das erste Mal direkt beweidet. Danach erfolgte ein Rückschnitt, so dass junge Triebe vital austrieben und für das Beweiden weiter zugänglich waren. Bei den Kopfbäumen erfolgte der erste Erziehungsschnitt, nachdem der Baum sicher etabliert war.

Erste Untersuchungen im Projekt weisen darauf hin, dass eine eng gepflanzte Anlage bestehend aus Pappeln 2 bis zu 5,5 t und aus Weiden etwa 1 t Blatt-Trockenmasse pro Hektar Gehölzfläche und Jahr produzieren kann. Der Blattanteil vom Erntegut liegt zwischen 25 % und 50 %. Bei den Weiden wird ersten Beobachtungen folgend zusätzlich ein höherer Anteil von Trieben und Rinden aufgenommen. Erste maschinelle Ernten erreichten eine Ernteleistung von 110 bis 650 t Blatttrockenmasse pro Stunde. Die Kosten für verschiedene Systeme können in Abhängigkeit von Pflanzdesign, Pflanzverfahren, Pflanzguteigenschaften eingesetzten Maschinen, Pflegeaufwand und Umfang der Eigenleistungen pro Hektar Gehölzfläche zwischen 7000 und 9000 € liegen. Je nach Gehölzflächenanteil können damit Agroforstsysteme auf 10 ha Gesamtfläche etabliert werden. Dabei werden unter anderem der Einsatz einer Pflanzmaschine, maschinelles und manuelles Hacken und ein mobiler Elektrozaun inkl. Aufbau berücksichtigt. Die Nutzung kann durch Beweidung oder auch Ernte erfolgen. Allerdings fehlt dafür bisher die passende Technik

Zusammenfassung

Laub als Futtermittel ist hinsichtlich der Inhaltsstoffe, Konservierungseignung, tierbezogener Effekte sowie Wuchs- und Nutzungseigenschaften differenziert zu betrachten. Je nach Tierart, Gehölzart, Sorte, Standort und Anbausystem entstehen unterschiedliche Wechselwirkungen. Daher besteht hier weiterer Forschungsbedarf, sowie die Notwendigkeit, betriebsindividuelle Anbau- und Nutzungskonzepte zu entwickeln.

Futterlaub aus Agroforstsystemen ermöglicht eine artgerechte Fütterung kleiner Wiederkäuer, verbessert die Mineralstoffversorgung und leistet umfangreichen Klimaschutz. Von Seiten der Praxis besteht an dieser Landnutzungsform Interesse und die Tiere nehmen das Laub in den meisten Fällen gut an. Für eine hohe Futterqualität ist der Erntezeitpunkt entscheidend: Je früher geerntet wird, desto höher ist der Nährstoff- und Energiegehalt und desto geringer der Anteil an Stängeln und Trieben. Allerdings kann die Futterqualität auch im Spätsommer noch sehr gut sein. Schwarzpappel liefert wertvolle Nährstoffe wie Selen, steigert die Rohproteinverwertung und wird akzeptabel gefressen, kann bei Ziegen jedoch zu einer Überversorgung mit Rohprotein führen. Bisher zeigt sich, dass Weidenblätter gern gefressen werden, was die Nährstoffverdaulichkeit aber einschränken kann. Sie eignen sich zur Silierung und bieten ein hohes Konservierungspotenzial.

 

Zur Projekt-Webseite: www.futterlaub.de

 

 

Quellen und Referenzen

  • Rahmann, G. (2005). „Gehölzfutter – eine neue Quelle für die ökologische Tierernährung.“ Landbauforschung Völkenrode Sonderheft 272.
  • Gruber Tabelle zur Fütterung der Milchkühe, Zuchtrinder, Schafe, Ziegen. 48. veränderte Auflage/Stand 2023. LfL-Information.

 

3. Internationale Biodynamische Forschungskonferenz

Biodynamik ist mehr als die Summe Ihrer Teile

Dass etwa 180 Menschen aus der ganzen Welt zum Thema biodynamische Forschung zusammenkamen, verdeutlicht allein, dass die Tagung ein großer Erfolg war. Die Beiträge waren eine gute Mischung aus klarer Wissenschaft und Erfahrungsberichten aus der Praxis. Die historische landwirtschaftliche Universität war ein stilvoller, passender Tagungsort. Dem Organisations-Team gebührt Dank und Anerkennung. Die Beiträge des Forschungsrings auf der IBDRC 2025 verdeutlichten mir auch unsere Aufgabe in der biodynamischen Erkenntnisgemeinschaft: Phänomene der biodynamischen Wirtschaftsweise – wie das Wirken der Präparate und die hohe Lebensmittelqualität – mit etablierten und zugleich ganzheit­lichen Methoden umfassend wissenschaftlich zu beschreiben.“

Dr. Uwe Geier, Forschungsring

Vom 31. August bis 4. September 2025 fand an der Royal Agricultural University in Cirencester, England, die dritte internationale Biodynamische Forschungskonferenz statt. 185 Teilnehmende aus aller Welt, 25 Workshops sowie 67 Poster- und Vortragsbeiträge machen das Interesse an der biodynamischen Forschung deutlich. Die Tagung war zugleich das physische Treffen des im Frühjahr 2023 in Dornach gegründeten International Biodynamic Research Network, dem inzwischen mehrere hundert Wissenschaftler:innen und forschende Praktiker:innen angehören.

Alles ist in Verbindung – Transdisziplinäre Ansätze

Forschung für das Biodynamische ist nichts, was mit okkulten Praktiken in dunklen Kämmerchen hinter verschlossenen Türen stattfindet. Biodynamische Forschung ist praxisorientiert – greift Fragen der (Produkt-)Qualität auf, nutzt modernste Analyseverfahren, um dem Mikrobiom auf die Spuren zu kommen, vernetzt Menschen weltweit und widmet sich assoziativen Ideen, um Wirtschaft neu zu denken. Transdisziplinarität und die Integration spiritueller Ansätze sowie das Wissen indigener Gruppen stehen im Fokus vieler Forschenden, um Phänomenen der Biodynamik auf den Grund zu gehen. Die biodynamische Bewegung verbindet Menschen über politische Grenzen hinweg – was auch bei der Tagung mit Teilnehmenden aus Europa, Asien, Afrika, Amerika und sogar Neuseeland deutlich wurde – eine Bereicherung auf fachlicher und menschlicher Ebene.

Bodengesundheit, Klimaresilienz und die Verbindung von Ökologie und Agrarkultur – zu diesen Themen gingen Prak­ti­ker­:innen, Forschende, Lehrende, Verarbei­ter:innen und (politische) Entscheidungsträger:innen in den Diskurs. So reichten die Forschungsergebnisse und Praxisberichte von der Arbeit und Anwendung der Präparate über epigenetische Einflüsse in der Pflanzenzucht, hin zu Vergleichen von Anbausystemen in Kulturen wie Wein oder Macadamianüssen oder auch assoziativen Wertschöpfungsketten. Auch Demeter Deutschland und der Forschungsring waren mit mehreren Beiträgen vertreten: Corinna Nieland zum alternativen Anerkennungsverfahren (Projekt Zerti4.0), Meike Oltmanns zur Präparateforschung, Uwe Geier zu Wirksensorik, Effekten elektromagnetischer Felder auf Pflanzen und Technikfolgenbewertung Photovoltaik, Jana Bundschuh zu bäuerlicher Bienenhaltung (Projekt BienenHaltenHof), sowie Lara Herrlich (Uni Giessen/Forschungsring) zu assoziativem Wirtschaften (Projekt BDEconomy). Darüber veranstalteten Meike Oltmanns und Christopher Brock zusammen mit Jürgen Fritz einen Workshop zu methodischen Perspektiven in der Präparateforschung.

 

Farmers are the centre of knowledge.“ Julia Wright, Biodynamische Assoziation UK

Biodynamik – Umstritten oder Selbstverständlich?

Spannend waren die Schilderungen einiger Forschenden, egal ob aus Indien oder auch Italien, dass sie ihre Arbeit zur Biodynamik oft unter einem Deckmantel der Umschreibungen durchführen, da sie sonst keine Genehmigungen oder Förderungen bekommen. Sie vermeiden also Begriffe wie „Biodynamisch, Präparate, Rudolf Steiner oder Anthroposophie“ und umschreiben ihre Vorhaben eher mit „Mikrobiom, biologische Wirtschaftsweise, Qualität, Prozesse und Kreisläufe, etc.“. Diese Diskrepanz, zwischen einerseits dem nicht-Anerkennen und Würdigen des Biodynamischen, und andererseits dem Profitieren von dessen Entwicklungen, Forschungsergebnissen und Praktiken, spricht wahrscheinlich für unsere Zeit, in der ein rein materialistischer Blick auf die Welt, die Wissenschaft und Wirtschaft vorherrscht und andere Zugänge oder Sichtweisen als Esoterik abgetan werden. Zeitgleich wird durch die Biodynamik aber auch erlebbar, dass es lohnt, über den Tellerrand zu blicken – biodynamischer Wein ist vielleicht ein guter „Einstieg“ dafür, da die unterschiedliche Wirtschaftsweise hier besonders zu spüren bzw. zu schmecken ist. Auf einer Exkursion wurde erlebbar, dass die Biodynamik und die Anthroposophie einen Weg jenseits der „Schulmedizin“ oder „klassischen Therapie“ bieten können, um Menschen individuell zu betrachten und sie in ihrer Einzigartigkeit anzunehmen und zu fördern: Ruskin Mill, ein biodynamischer Hof mit Bildungsauftrag für Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten, sei es durch eine seelische, geistige oder körperliche Beeinträchtigung, setzt durch den landwirtschaftlichen Alltag einen Rahmen, in dem die Kinder Schutz und Entwicklung erfahren können.

Zunehmend stand die Verbindung zwischen indigenem Wissen und Biodynamik im Fokus: Bei den Vorträgen und in Gesprächen war spürbar, dass es teilweise keine klare Trennung zwischen Biodynamik und dem Wissen der Vorfahren gibt – es ist für die Praktiker ein fließender Übergang, das Beste aus beiden Welten, ein Kombinieren und Anwenden im Alltag.

Deutlich wurde, dass die biodynamische Gemeinschaft nicht nur nach einer anderen Art der Land-Wirtschaft strebt, sondern auch die gängigen Wirtschaftsmodelle hinterfragt und Alternativen sucht: Was ist Erfolg wirklich wert, wie messen wir ihn? Welche Faktoren, neben monetärem Gewinn, spielen eine Rolle und wie können Betriebe ihre Ideale trotz wirtschaftlicher Zwänge realisieren?

Wie es die Sektion für Landwirtschaft in ihrem Bericht auf den Punkt bringt: Die biodynamische Forschung setzt heute wichtige Impulse für die Landwirtschaft der Zukunft.

Katrin Bader
Redaktion Lebendige Erde

 

Zum Weiterlesen & Informieren

Artikel zu den Postern und Vorträgen werden zeitnah in den „Proceedings“ veröffentlicht

Ein Special Issue in einer wissenschaft-lichen Zeitschrift ist in Vorbereitung

Infos dazu fortlaufend unter www.biodynamic-research.org

 
Ausgabenr: 2025-06
Demeter in nächster Generation