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17.10.2018 : 11:30 : +0200

Auf die Wechselwirkung kommt es an

Wie man eine Landwirtschaft nachhaltig einrichtet

 

Was haben Würmer, Insekten, Singvögel oder Wald und Sumpf mit Agrarökonomie zu tun? Nach Steiner eine Menge, sein siebter Vortrag für Landwirte ist ein ökologischer. Hier geht es um die Beziehungen und Wechselwirkung der natürlichen Einheiten – zu denen die Landwirtschaft mit ihren Organen gehört.

 

Zum einen erläutert Steiner das Kräftemedium, um das es hier geht, das dem punktuell Stofflichen und dem lokal Wachsenden wie seelisch strukturgebend Übergeordnete: die Astralität. Bäume und Sträucher „sammeln“ diese, Insekten und Vögel, aber auch der Regenwurm verteilen sie; beides zusammen strukturiert und belebt die Landschaft. Steiner regt zum Üben an, zwischen Erdpflanzengeruch und Baumgeruch zu differenzieren, so dünnere bzw. dichtere Astralität „hellriechend“ wahrzunehmen. Dabei geht es auch um Beziehungen der Tiere zu Pflanzengruppen, z.B. der Säuger zu Gebüsch oder der Vögel zu Nadelbäumen. Bemerkenswert ist da weniger eine mögliche Analogie zwischen Nadelzweigen und Federn, sondern, dass die Vögel im Winter nur in Nadelbäumen Schutz finden, rundherum ist´s ja kahl. Kurzum: In der Landwirtschaft müsse auch ein Auge darauf geworfen werden, in der richtigen Art Insekten und Vögel herumflattern zu lassen, so Steiner. Demeter-Landwirt Detlef Hack formuliert das so: „Mein Getreide soll den Gesang der Vögel und Schatten des Adlers gespürt haben.“

 

Steiner geht noch weiter in den Wechselwirkungen, rät, bei kümmernder Bodenfruchtbarkeit den Waldanteil der Landschaft auszudehnen. Wie Landschaftselemente aufeinander wirken, auch in die Landwirtschaft, deutet er an mit dem Hinweis auf Laubfutter für Säuger und auf die Aue als „Pilzreservat“. Letztlich komme es für das Kräftegleichgewicht in der Landwirtschaft, auf die „richtige Verteilung von Wald, Obstanlagen Strauchwerk und Auen“ etc. an. Heute kämpfen die Landwirte überall mit Einseitigkeiten, und die entseelte Landschaft ist mit ein Grund dafür. Als Kind habe ich noch den Unterschied zwischen Wiesenweihe und Kornweihe gelernt – heute sind diese Greifvögel mangels Lebensraum in Mitteleuropa nicht mehr präsent.

 

Bei den Wechselwirkungen kommt es - als drittem Aspekt - eben auf die intensive Interaktion Pflanze und Tier an, um Land(wirt)schaft lebendig zu halten. Im Haushalt der Natur wirken Tier und Pflanze zusammen: das Tier lebt mit Luft und Wärme, die Pflanze unmittelbar mit Erde und Wasser, heißt es im Kurs. Geht es beim Tier ums Fressen und Ausscheiden „so gibt die Pflanze und lebt vom Geben“. Tolles Tandem also, was wir für die Landwirtschaft nutzen. Und hier deutet sich an, dass es diese Wechselbeziehung zur gegenseitigen Stärkung zu intensivieren gilt, wie Steiner dann im folgenden Vortrag zu Futter und Mist ausführt.

 

Um es nochmal klarzustellen: Steiner geht es hier in keinster Weise um Naturschutz oder Artenerhalt. Er sieht diese Maßnahmen, notfalls zu Lasten von Acker oder Wiese, als notwendig für eine nachhaltige gesunde, heute würde man sagen resiliente Landwirtschaft an.

 

So haben Biodynamiker schon vor 80 Jahren zu sogenannten Allelopathien – gegenseitige Beeinflussung von Pflanzen - geforscht: Kornblume förderte z. B. den Ertrag von Weizen, Mohn eher nicht. So gehört das Anlegen von Hecken oder Obstwiesen zum festen Repertoire von Demeter- Betrieben und eine Dissertation aus der Schweiz zeigt, dass Flächen biodynamischer Betriebe sich anhand ihrer vielfältigeren Landschaftselemente von anderen Bio- oder integrierten Höfen unterscheiden. Dass sich Demeter-Höfe an Steiners siebtem Vortrag orientieren, gibt erst heute Pluspunkte beim Thema Nachhaltigkeit und Biodiversität.

 

Michael Olbrich-Majer in Info3, November 2015, www.info3.de