Biodynamisch

Wir kümmern uns um den Nachwuchs!

Aus der biodynamischen Ausbildung

von Luise Holzapfel

Wir leben in einer Zeit großer Umbrüche. Die Krisen überlagern sich: Klimawandel, Höfesterben, demografischer Wandel. Die Landwirtschaft steht unter Druck – aber sie ist auch ein Schlüssel zur Zukunft. Gerade jetzt braucht es eine Bildung, die junge Menschen stärkt, ermutigt und mit Sinn verbindet. Die biodynamische Ausbildung ist so ein Ort. Hier verbinden sich Praxis und Ideale, Bodenständigkeit und Zukunftsfragen. Junge Menschen, die sich für diesen Weg entscheiden, bringen nicht nur ihre Hände, sondern auch ihre Herzen mit. Sie wollen nicht nur lernen – sie wollen gestalten.

Bildung als Gemeinschaftswerk

Lehrlinge, Ausbilder:innen, Seminar­lei­ter­:innen und viele Ehrenamtliche bilden gemeinsam das lebendige Gefüge der dreijährigen Biodynamischen Ausbildungen. Getragen wird sie von vier regionalen Ausbildungsinitiativen – im Norden, Westen, Süden und Osten Deutschlands. Jede Region hat ihre eigenen Schwerpunkte, doch alle sind im Netzwerk biodynamische Bildung verbunden und tauschen sich regelmäßig aus.

Inhaltlich schöpfen wir aus einem breiten Netzwerk von Fachleuten: Immer wieder holen wir gezielt Expert:innen aus der Region in unsere Seminare – von Bodenkunde über Wetterkunde bis hin zu Arbeitssicherheit, Kommunikation oder Agrarpolitik. So entstehen praxisnahe, vielseitige Lerneinheiten, die den Horizont erweitern und gleichzeitig tief verankert sind im Alltag der Höfe.

Die Ausbildung dauert drei Jahre, sie ist stark praxisorientiert und bietet gleichzeitig Raum für vertiefende Seminare und persönliche Entwicklung. Seit 2020 ist sie nach DIN EN ISO / IEC 17065 zertifiziert (ein anerkannter Standard für Qualitätssicherung). Seit 2025 ist die Zertifizierung Standard in allen Regionen. Sie unterstreicht unseren Anspruch, als lernende Organisation zu wirken: mit klaren Standards, einer Kultur der Selbstreflexion und einer unabhängigen Qualitätsprüfung, die unsere Entwicklung begleitet – nicht verwaltet.

Wir entwickeln unsere Ausbildung kontinuierlich weiter. Wir arbeiten nach klaren Standards kompetenzbasierten Lernens und strukturieren die Inhalte so, dass sie sowohl fachlich fundiert als auch praxisnah sind – immer mit dem Blick darauf, was junge Menschen heute wirklich brauchen, um wirksam zu werden.

In den Arbeitsgruppen, ob regional oder überregional, wird regelmäßig an Entwicklungsfragen gearbeitet: Welche Themen sind heute relevant? Wie bringen wir sie so ein, dass sie junge Menschen erreichen? Gleichzeitig fördern wir die Qualität der praktischen Ausbildung auf den Höfen. In Fortbildungen und Austauschtreffen fragen wir: Wie lernen junge Menschen eigentlich? Wie kann ich als Ausbilder:in begleiten?

All diese Fragen und Themen treiben uns an, weil sie zeigen, dass Qualität nicht in Formularen steckt, sondern im gemeinsamen Nachdenken und Lernen. Die biodynamische Ausbildung ist kein abgeschlossenes Konzept, sondern ein lebendiger Organismus.

Was die Ausbildung besonders macht, ist die Haltung: Wir suchen den Austausch auf Augenhöhe – auch wenn nicht immer alles gleich verteilt ist. Die Struktur der Ausbildung geben wir als Initiativen vor, doch junge Menschen sind nicht bloß Empfänger. Sie beteiligen sich aktiv, bringen Themen ein und gestalten mit. Sie kommen mit Fragen, mit anderen Blickwinkeln, mit einem wachen Gespür für das, was heute gebraucht wird. Und sie bringen auch Themen mit, die zeigen, wo für sie die Reise hingeht: solidarische Landwirtschaft, Hofkollektive, Verantwortung teilen, statt alleine zu ackern. Sie fragen: Wie kann ich auf einem Hof leben, ohne mich kaputt zu arbeiten? Wie geht Landwirtschaft, die verbindet – statt ausgrenzt? Diese Impulse sind stark – und sie verändern auch unsere Ausbildung.

Dass das alles funktioniert, ist nicht selbstverständlich. Die biodynamische Ausbildung lebt vom Engagement vieler: Aus-zubildende, Ausbilder:innen, Prüfer:innen, Referent:innen und Unterstützer:innen leisten oft den Großteil der Arbeit – aus Überzeugung. Mit wenig Mitteln entsteht hier viel: ca. 200 Lehrlinge pro Jahr absolvieren die Ausbildung.

Wir gestalten Ausbildung nicht nebenbei, sondern bewusst: mit Fachlichkeit, Hal­tung und Blick nach vorn. Diese Arbeit braucht Resonanz, Rückhalt und Sichtbarkeit.

Mach mit!

Wer einen Hof hat, kann sich auf verschiedene Weise in die Ausbildung einbringen – zum Beispiel durch Praktika oder als anerkannter Ausbildungsbetrieb. Wer Praxiserfahrung und Fachwissen mitbringt, kann prüfen oder unterrichten – denn unsere Ausbildung lebt stark vom Erfahrungswissen der Praktiker:innen. Wer Lust auf Begegnung hat, kann Lehrlinge zum Gespräch einladen. Es gibt viele Wege, sich einzubringen – und jeder Kontakt mit jungen Menschen bringt auch frischen Wind ins eigene Denken.

In den kommenden Ausgaben von Lebendige Erde wollen wir euch regelmäßig Einblicke geben: aus Seminaren, von Höfen, aus der Mitte der Ausbildung.

Drei Lehrlinge – drei Perspektiven

Was bewegt junge Menschen die biodynamische Ausbildung zu machen? In kurzen Interviews erzählen drei Lehrlinge, welche Erfahrungen sie geprägt haben und warum sie sich für diesen Weg entschieden haben.

https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=lkU36tM1sOA

Die biodynamische Ausbildung im Westen – Jetzt bewerben!

Wir bilden Nachwuchs für zukunftsfähige Höfe aus – Menschen mit Wissen, handwerklichem Können und Visionen. Die dreijährige Ausbildung verbindet fundiertes landwirtschaftliches Handwerk mit biodynamischen und geisteswissenschaftlichen Inhalten. Drei Jahre lang lernen die Lehrlinge in einer festen Gruppe – mit 80 % Praxis und 20 % Seminar, begleitet von einer Seminarleitung. Unsere Ausbildung ist durch SocialCert anerkannt – ein verlässliches Siegel für Qualität der beruflichen Bildung. Ein starkes Netzwerk aus Ausbilder:innen, Dozent:innen und vielen Engagierten begleitet die Ausbildung – auf den Höfen und darüber hinaus.

Jetzt bewerben! Ausbildungsstart: 1. März, Bewerbungsschluss: 15. Oktober

www.biodynamische-ausbildung.de/region-westen

Autorin:Luise Holzapfel
Ausbildungskoordinatorin, Demeter im Westen
luise.holzapfel(at)demeter-im-westen.de