Biodynamisch

3. Internationale Biodynamische Forschungskonferenz

Biodynamik ist mehr als die Summe Ihrer Teile

Dass etwa 180 Menschen aus der ganzen Welt zum Thema biodynamische Forschung zusammenkamen, verdeutlicht allein, dass die Tagung ein großer Erfolg war. Die Beiträge waren eine gute Mischung aus klarer Wissenschaft und Erfahrungsberichten aus der Praxis. Die historische landwirtschaftliche Universität war ein stilvoller, passender Tagungsort. Dem Organisations-Team gebührt Dank und Anerkennung. Die Beiträge des Forschungsrings auf der IBDRC 2025 verdeutlichten mir auch unsere Aufgabe in der biodynamischen Erkenntnisgemeinschaft: Phänomene der biodynamischen Wirtschaftsweise – wie das Wirken der Präparate und die hohe Lebensmittelqualität – mit etablierten und zugleich ganzheit­lichen Methoden umfassend wissenschaftlich zu beschreiben.“

Dr. Uwe Geier, Forschungsring

Vom 31. August bis 4. September 2025 fand an der Royal Agricultural University in Cirencester, England, die dritte internationale Biodynamische Forschungskonferenz statt. 185 Teilnehmende aus aller Welt, 25 Workshops sowie 67 Poster- und Vortragsbeiträge machen das Interesse an der biodynamischen Forschung deutlich. Die Tagung war zugleich das physische Treffen des im Frühjahr 2023 in Dornach gegründeten International Biodynamic Research Network, dem inzwischen mehrere hundert Wissenschaftler:innen und forschende Praktiker:innen angehören.

Alles ist in Verbindung – Transdisziplinäre Ansätze

Forschung für das Biodynamische ist nichts, was mit okkulten Praktiken in dunklen Kämmerchen hinter verschlossenen Türen stattfindet. Biodynamische Forschung ist praxisorientiert – greift Fragen der (Produkt-)Qualität auf, nutzt modernste Analyseverfahren, um dem Mikrobiom auf die Spuren zu kommen, vernetzt Menschen weltweit und widmet sich assoziativen Ideen, um Wirtschaft neu zu denken. Transdisziplinarität und die Integration spiritueller Ansätze sowie das Wissen indigener Gruppen stehen im Fokus vieler Forschenden, um Phänomenen der Biodynamik auf den Grund zu gehen. Die biodynamische Bewegung verbindet Menschen über politische Grenzen hinweg – was auch bei der Tagung mit Teilnehmenden aus Europa, Asien, Afrika, Amerika und sogar Neuseeland deutlich wurde – eine Bereicherung auf fachlicher und menschlicher Ebene.

Bodengesundheit, Klimaresilienz und die Verbindung von Ökologie und Agrarkultur – zu diesen Themen gingen Prak­ti­ker­:innen, Forschende, Lehrende, Verarbei­ter:innen und (politische) Entscheidungsträger:innen in den Diskurs. So reichten die Forschungsergebnisse und Praxisberichte von der Arbeit und Anwendung der Präparate über epigenetische Einflüsse in der Pflanzenzucht, hin zu Vergleichen von Anbausystemen in Kulturen wie Wein oder Macadamianüssen oder auch assoziativen Wertschöpfungsketten. Auch Demeter Deutschland und der Forschungsring waren mit mehreren Beiträgen vertreten: Corinna Nieland zum alternativen Anerkennungsverfahren (Projekt Zerti4.0), Meike Oltmanns zur Präparateforschung, Uwe Geier zu Wirksensorik, Effekten elektromagnetischer Felder auf Pflanzen und Technikfolgenbewertung Photovoltaik, Jana Bundschuh zu bäuerlicher Bienenhaltung (Projekt BienenHaltenHof), sowie Lara Herrlich (Uni Giessen/Forschungsring) zu assoziativem Wirtschaften (Projekt BDEconomy). Darüber veranstalteten Meike Oltmanns und Christopher Brock zusammen mit Jürgen Fritz einen Workshop zu methodischen Perspektiven in der Präparateforschung.

 

Farmers are the centre of knowledge.“ Julia Wright, Biodynamische Assoziation UK

Biodynamik – Umstritten oder Selbstverständlich?

Spannend waren die Schilderungen einiger Forschenden, egal ob aus Indien oder auch Italien, dass sie ihre Arbeit zur Biodynamik oft unter einem Deckmantel der Umschreibungen durchführen, da sie sonst keine Genehmigungen oder Förderungen bekommen. Sie vermeiden also Begriffe wie „Biodynamisch, Präparate, Rudolf Steiner oder Anthroposophie“ und umschreiben ihre Vorhaben eher mit „Mikrobiom, biologische Wirtschaftsweise, Qualität, Prozesse und Kreisläufe, etc.“. Diese Diskrepanz, zwischen einerseits dem nicht-Anerkennen und Würdigen des Biodynamischen, und andererseits dem Profitieren von dessen Entwicklungen, Forschungsergebnissen und Praktiken, spricht wahrscheinlich für unsere Zeit, in der ein rein materialistischer Blick auf die Welt, die Wissenschaft und Wirtschaft vorherrscht und andere Zugänge oder Sichtweisen als Esoterik abgetan werden. Zeitgleich wird durch die Biodynamik aber auch erlebbar, dass es lohnt, über den Tellerrand zu blicken – biodynamischer Wein ist vielleicht ein guter „Einstieg“ dafür, da die unterschiedliche Wirtschaftsweise hier besonders zu spüren bzw. zu schmecken ist. Auf einer Exkursion wurde erlebbar, dass die Biodynamik und die Anthroposophie einen Weg jenseits der „Schulmedizin“ oder „klassischen Therapie“ bieten können, um Menschen individuell zu betrachten und sie in ihrer Einzigartigkeit anzunehmen und zu fördern: Ruskin Mill, ein biodynamischer Hof mit Bildungsauftrag für Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten, sei es durch eine seelische, geistige oder körperliche Beeinträchtigung, setzt durch den landwirtschaftlichen Alltag einen Rahmen, in dem die Kinder Schutz und Entwicklung erfahren können.

Zunehmend stand die Verbindung zwischen indigenem Wissen und Biodynamik im Fokus: Bei den Vorträgen und in Gesprächen war spürbar, dass es teilweise keine klare Trennung zwischen Biodynamik und dem Wissen der Vorfahren gibt – es ist für die Praktiker ein fließender Übergang, das Beste aus beiden Welten, ein Kombinieren und Anwenden im Alltag.

Deutlich wurde, dass die biodynamische Gemeinschaft nicht nur nach einer anderen Art der Land-Wirtschaft strebt, sondern auch die gängigen Wirtschaftsmodelle hinterfragt und Alternativen sucht: Was ist Erfolg wirklich wert, wie messen wir ihn? Welche Faktoren, neben monetärem Gewinn, spielen eine Rolle und wie können Betriebe ihre Ideale trotz wirtschaftlicher Zwänge realisieren?

Wie es die Sektion für Landwirtschaft in ihrem Bericht auf den Punkt bringt: Die biodynamische Forschung setzt heute wichtige Impulse für die Landwirtschaft der Zukunft.

Katrin Bader
Redaktion Lebendige Erde

 

Zum Weiterlesen & Informieren

Artikel zu den Postern und Vorträgen werden zeitnah in den „Proceedings“ veröffentlicht

Ein Special Issue in einer wissenschaft-lichen Zeitschrift ist in Vorbereitung

Infos dazu fortlaufend unter www.biodynamic-research.org