Demeter-Verband

Anthroposophie im öffentlichen Raum

Das Steiner-Festjahr 2025

Als ein großes Fest hat die Anthroposophische Gesellschaft Deutschlands mit über 80 Partnern, darunter der Demeter-Verband und der Forschungsring, Ende März auf dem Schlossplatz Stuttgart das Lebenswerk Steiners und die 100-jährige Entwicklung der anthroposophischen Bewegung gefeiert. Die Hauptorganisatoren Matthias Niedermann und Sebastian Knust schildern im Interview mit Olivia Girard ihre Erfahrungen.

Olivia Girard (OG): Wie schaut Ihr auf das Steiner-Jubiläum auf dem Stuttgarter Schlossplatz?

Matthias Niedermann (MN):Wir haben im Stuttgarter Zentrum eine ganze Zeltstadt aufgebaut. Dort gab es vielfältige praktische, künstlerische und inhaltliche An­­ge­bote. Anthroposophische Ideen und Praxis waren konkret und menschlich erlebbar. Die Stimmung maßgeblich geprägt haben die vielen Menschen, die aus den über 100-jährigen Wurzeln der Anthroposophie ein freies, lebendiges und undogmatisches Verhältnis zu ihr entwickelt haben.

Sebastian Knust (SK):Auf der Kulturbühne nutzten Waldorfschülerinnen und -schüler die Gelegenheit, ihrer künstlerischen Ader zu folgen, professionelle Eurythmistinnen und Eurythmisten zeigten, wie Eurythmie auch ein breites Publikum interessieren kann, und die Hauptpodien thematisierten wichtige Zeitfragen. Die Location war ein Glücksgriff: Während der drei Tage haben zwischen 60.000 und 80.000 Personen die Veranstaltung wahrgenommen, davon haben ca. 10.000 Personen sich für konkrete Angebote interessiert und teilgenommen.

MN:Dass sich die Anthroposophie so in die Öffentlichkeit stellt, hat es meines Wissens seit den 1920ern nicht mehr gegeben. Das war aus meiner Sicht einmalig!

SK:Es ist erstaunlich, dass die Veranstaltung so friedlich verlief – das hat uns sogar unser erfahrener Sicherheitsdienst zurückgemeldet.

OG: Was ist Euer persönliches Highlight von den Tagen?

SK:Es herrschte eine Atmosphäre der Freude, der Leichtigkeit und gleichzeitig war die Veranstaltung nicht zu übersehen, wir waren wahrnehmbar. Schon vom Hauptbahnhof aus waren die ersten Zeltdächer zu sehen. Man konnte durch eine richtige „Anthroposophie-Meile“ flanieren.

MN:Wir hatten im Vorfeld drei größere Sorgen: schlechtes Wetter, mögliche Anfeindungen und Desinteresse. Das Wetter hat mitgemacht. Erst als das letzte Wort auf der Kulturbühne fiel, begann es zu nieseln. Anfeindungen oder hässliche Kritik gab es nicht. Im Gegenteil: der Realitätscheck auf der Straße zeigte, dass das Interesse an der Anthroposophie – zumindest in Stuttgart – immens ist. Das hat mich verblüfft. Die teilweise heftige Berichterstattung in regionalen und nationalen Medien spiegelt nicht die Meinung der allgemeinen Bevölkerung wieder. Von Desinteresse konnte keine Rede sein.

OG: Welche Resonanz ging von dem Steiner-Jubiläum aus?

MN:Uns wurde von vielen Gesprächen berichtet, z. B. mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund, mit Passanten oder Teilnehmenden, die richtig beglückt waren, ihre Fragen, Kritik und Anliegen loszuwerden. Meistens entstanden daraus tiefsinnige Gespräche und schöne Begeg­nungen. Manche befürchteten eine „Verflachung“ der Anthroposophie, andere ein „unprofessionelles Auftreten“. Vor Ort entstand dann aber eine große Freude. Ich habe den Eindruck, diese Veranstaltung hat folgende Erfahrung ermöglicht: Es macht Sinn, sich mit der entsprechenden Vorbereitung mit anthroposophischen Anliegen und Angeboten in die Öffentlichkeit zu stellen.

SK:Und ohne die Agenturen .Factum und Burke sowie Freunde, die ihre Professionalität in der Kommunikation, der Designgestaltung und der Eventplanung eingebracht haben, wäre vieles nicht so gut gelungen.


Mehr Infos und Eindrücke unter: www.2025-steiner-stuttgart.de

 

Forschungsring und Demeter-BAWÜ mit dabei

Sowohl der Forschungsring als auch Demeter-Baden-Württemberg zeigten sich auf der anthroposophischen Flaniermeile und bewerten die Veranstaltung als sehr gelungen und wohlorganisiert. In fünf Demeter-Zelten wurden mit 15 Mitgliedern aus Erzeugung, Verarbeitung und dem Handel sowie Partnern aus der Ausbildung biodynamische bzw. Demeter-Projekte, Produkte und Dienstleistungen präsentiert. Mitmach-Aktionen, wie das Umtopfen von Jungpflanzen oder die Herstellung von Butter führten die Teilnehmenden an das Entstehen nachhaltiger Produkte aus biodynamischer Qualität heran, kulinarische Demeter-Genüsse luden zu weiteren Gesprächen ein. Die Themen Nachhaltigkeit und die Rolle des Tieres im Betriebsorganismus setzten die biodynamischen Forscher, gefolgt von Lebensmittelqualität und Präparatearbeit und einem Workshop zu Ernährungsfragen.