Demeter-Verband

HEALING HIMALAYAS

BIODYNAMISCHE KONFERENZ ASIEN

 

Die 3. Asian Bio-Dynamic Conference fand Anfang November 2025 in Pokhara, Nepal, statt, mit 180 Teilnehmer:innen aus Nepal, Indien, Malaysia, Bhutan, Indonesien, China, Taiwan, Japan, Vietnam, Thailand, den Philippinen, Australien, Chile und Europa.  Biodynamische Einführungsworkshops, Präparatekurse sowie ein Ausbildungskurs für 40 Trainer aus ganz Südostasien rahmten das Programm.

Zahlreiche Touristen pilgern jährlich nach Nepal, um sich inmitten der atemberaubenden landschaftlichen Schönheit, der Freundlichkeit der Menschen und der vibrierenden tiefen Spiritualität zu „gesunden“. Warum also „Den Himalaya heilen“ als Tagungsthema?  Der Himalaya ist Ursprung von zehn großen Strömen und damit Lebensquelle für 1,5 Milliarden Menschen von Afghanistan bis Vietnam Hier liegen abgesehen von Nord- und Südpol die größten Süßwasserressourcen der Welt - auch bezüglich Kälte und Klima so etwas wie der dritte Pol der Erde. Dabei ist die Region sehr unterschiedlich – geografisch subtropisches, noch flaches Land, fruchtbare terrassierten Vorberge, Hochgebirge und Gebirgswüste umfasssend, politisch zerrissen zwischen den Großmächten China und Indien, dazu gibt es viele Ethnien. Der Klimawandel macht die Region verletzlich gegenüber Naturkatastrophen: Überflutungen,  Erdrutsche  und vor allem die Ausbrüche von Gletscherseen bedrohen Dörfer, Infrastruktur und auch die Biodiversität. In den letzten zehn Jahren sind 70 % der Biodiversität in den Bergen verschwunden.

Die Konferenz fand vor der Kulisse der majestätischen Berge der Annapurna Range statt. Alle Teilnehmer:innen waren zusammen in einem Hotel und so entstand eine fast familiäre und sehr wache Atmosphäre. Zum Auftakt spielte eine nepalesische Folkloregruppe und viele Teilnehmer begannen sofort, begeistert zu tanzen. Diese Begeisterung und Offenheit wurde zum Signum der Konferenz.  „Die Würde der Bauern zurückgewinnen“ wurde ein zweites. Und so berichteten Verantwortliche aus Sikkim, dem ersten (Bundes-) Staat mit 100 % ökologischer Landwirtschaft, Bhutan, und aus der Provinz Mustang über die Bedingungen ihrer Landwirtschaft und ihre Herausforderungen. Ram Krishna Shrestra vom nepalesischen Agrarministerium ergänzte diese Berichte durch einen Gesamtblick auf die Landwirtschaft in Nepal. Am zweiten Tag nahm Binita Sha aus Nordindien die gesamte Himalayaregion in den Blick, die dramatischen klimatischen und sozialen Veränderungen und ihre Wirkung auf die Landwirtschaft: Sturzfluten und Wassermangel, Bodendegradation, kleiner werdende Betriebe, abnehmende Vielfalt im Anbau, Landflucht der Jungen aus Mangel an (Vermarktungs-) Perspektiven und fehlender Infrastruktur.

Mit Gou Jun Pei aus der Taklamakan Wüste im Norden Chinas und C. K. Ganguly vom Timbaktu Collektive in Indien stellten zwei Hoffnungsträger ihre Projekte vor. Beide haben mit ihren Partner:innen ohne landwirtschaftliche Vorkenntnisse aus verödetem Land fruchtbare  Flächen entstehen lassen: 347 Dörfer mit 47.302 Familien leben heute von der Landwirtschaft in Timbaktu, Zen und Joy Juhube haben mit mittlerweile tausende Hektar Wüste durch den Anbau von Dattelbäumen regeneriert.

Fachliche und künstlerische Workshops, Exkursionen zu Kaffeefarmen, Eco-Villages, landwirtschaftlichen Jugendprojekten und Kooperativen wechselten sich mit Podiumsdiskussionen mit Repräsentanten aus Himalaya-Regionen wie Uttarakhand, Manang, Chum Valley, Sikkim, China und Bhutan ab. Bleiben die Fragen: Wie können wir künftige Generationen dazu inspirieren, in die Landwirtschaft einzusteigen und:  Wie können wir unsere Landschaften regenerieren und heilen? Weitere Kooperationsprogramme zu Kompost- und CPP-Herstellung, Pflanzkalender, für Frühlings- und Herbstfeste, botanische Forschung für den Anbau von Präparatepflanzen, biodynamischer Zusammenarbeit in Nepal und Konferenzen sind geplant.

Kultur als Teil des landwirtschaftlichen Lebens war in der Konferenz stets präsent: mit den hinreißenden jungen Landwirt:innen des Thalir Cultural Teams aus Südindien, mit  lokalen  Musik-  und Tanzgruppen aus Nepal, künstlerischen Übungen und einem wunderbaren letzten Abend mit Darbietungen aus vielen verschiedenen Ländern. Die letzten Beiträge der Tagung waren jungen Teilnehmern vorbehalten, die berichteten, wie viel Inspiration und Mut ihnen die Konferenz mitgegeben hat.

Narayan Wagle, berühmter nepalesischer Journalist, Autor und Mitinitiator der Konferenz, fasste am Ende zusammen: „Der Himalaya – Wiege der Weisheit, Quelle des Lebens – steht nun vor großen Herausforderungen: Klimakrise, rück­sichtslose Entwicklung, und dem Verlust lebendiger Traditionen. Aber wir sind nicht machtlos. Durch ökologischen und biodynamischen Landbau können wir das Land heilen, unsere Dörfer wiederbeleben und die Würde und Freude der Bauern wiederherstellen.“ •