Editorial

Das Risiko gerecht verteilen

In diesem Jahr können sich Landwirte und Gärtner über Wassermangel eher selten beklagen. Und so zeigen sich die zwei Gesichter des Klimawandels, parallel zum permanenten Temperaturanstieg: mehr und längere Trockenperioden, heftigere Regengüsse bzw. lange Regenperioden im Winter. Die Unkalkulierbarkeit und damit das Risiko steigt.

Friedhart Bühler, den wir auf seinem Betrieb, den er gemeinsam mit seinem Sohn Hauke bewirtschaftet, porträtieren, hat festgestellt, dass geschwächte Pflanzen auch für Krankheiten anfälliger sind. Und sie schwächeln meist dort, wo der Boden nicht in Ordnung ist. Die Pflege eines gesunden lebendigen Bodens ist also nicht nur wichtig, um den Oberflächenabfluss zu mindern oder die Wasserhaltfähigkeit zu erhöhen, sondern auch, um seine Resilienz zu erhöhen. Auf der Grundlage eines vielfältigen Mikrobioms wie in biodynamischen Böden dürfte sie höher sein.

Und natürlich stellen sich Landwirte mit vielfältigen Maßnahmen auf die Klimaveränderungen ein, legen Bewässerungsteiche an, säen andere Kulturen, diversifizieren den Betrieb, streuen Mulch oder intensivieren das System Immergrün – mal reicht es, mal nicht. Erst wenige trauen sich an einen grundsätzlichen Wandel in den Verfahren wie Streifenkultur oder Agroforst.

All das nutzt dennoch wenig gegen schlimme Unwetter, wie es die 20 km vom Bühlerhof entfernte Demeter-Gärtnerei Waldenmaier getroffen hat: Betrieb weggeschwemmt! In Zeiten, die für die Landwirtschaft auch agrarpolitisch unsicher sind, sind solche Ereignisse oft der letzte Schubs, aufzuhören. Denn der Markt toleriert keine Schwankungen oder Ausfälle und honoriert kaum den Mehraufwand, den Landwirte erbringen, sei es für Tierwohl, Nachhaltigkeit oder Gemeinwohlnutzen: Immerhin mehr als 1400 € je Hektar hat eine erste Erhebung mit dem Regionalwert-Leistungsrechner bei 160 Betrieben, im Schwerpunkt Bio-Betriebe, ermittelt. Zum Ausgleich des Mehraufwandes ist nach wie vor die Politik gefragt, denn sie verteilt einen Großteil der betrieblichen Einkommen (40- 80 Prozent, je nach Betriebsform und Größe), und das nach Kriterien, die seit Jahrzehnten deutlich entfernt von Nachhaltigkeit, Klimaresilienz oder Tierwohl sind.

Aber auch die Partner der Landwirte in Verarbeitung und Handel sind gefordert, wie z.B. die Diskussion um einen endlich kostendeckenden Milchpreis bei den Bio-Verbänden zeigt. Der sollte eigentlich zu realisieren sein, zumal die Verbraucherpreise für Milchprodukte zuletzt deutlich gestiegen sind. Denn, bleiben die Landwirte allein auf den Risiken sitzen, wird die Entwicklung der Biobranche und die Transformation der Landwirtschaft stocken.

 

Herzlichst Ihr