Editorial
Risiken streuen und Biodiversität fördern

Vielfalt vom Feld kann Vieles bedeuten – einerseits eine Vielzahl an Kulturen, andererseits eine bunte Flora und Fauna und letztlich auch eine breit aufgestellte Vermarktung. Denn was bringt das beste Produkt, wenn es nicht zum Kunden gelangt? Eine weite Fruchtfolge mit abwechslungsreichem Bestand, intensive und extensive Bodenbearbeitung, Anbau von Marktfrüchten oder Saatgutvermehrung, Direktvermarktung oder fixe Lieferverträge mit einem Verarbeiter – es gibt viele Optionen, Diversität in den Betrieb zu bringen.
Am Beispiel des Gemenges werden die Vorteile der Vielfalt deutlich: Wo die Einzelkultur vielleicht wenig Ertrag bringt, oder gar komplett ausfällt, stehen andere gut da und kompensieren den Ausfall. Ein Aspekt, der in Anbetracht zunehmender Wetterextreme immer wichtiger wird. Auch der Schädlings- oder Unkrautdruck kann durch abwechslungsreiche Fruchtfolgen minimiert werden. Eine besondere Stellung haben Sonderkulturen wie Speiseleguminosen oder Ölsaaten. Durch den Klimawandel sieht man sie immer häufiger auf den heimischen Feldern – halten sie doch Dürreperioden und steigende Temperaturen oft besser aus als Weizen oder Zuckerrüben. Eine kurze Standzeit, wie bei Buchweizen oder Hirse, ermöglicht sogar eine zweite Kultur nach einer Zwischenfrucht.
Bevor man Experimente auf dem Feld wagt, sollte auch die Abnahme mitgedacht werden: Wo kann ich meine Ernte aufbereiten oder verarbeiten lassen, welche Mengen kann der Markt aufnehmen, oder lieber doch direkt ab Hof verkaufen? So können regionales Hanföl oder Kichererbsen auch ein Alleinstellungsmerkmal für den Betrieb sein und Kunden anlocken.
Wie so oft heißt es also auch bei Linse und Co: Ausprobieren und Anpassen. Die Sortenempfehlungen und Anbauhinweise geben eine Orientierung, doch letztlich muss die Kultur zum Betrieb passen - zum individuellen Standort, den Bodenbedingungen und den Landwirt:innen. So findet man vielleicht eine Nische, wie den Anbau von glutenfreiem Hafer, die zu einem passt.
Und nicht nur Flora und Fauna, sondern auch die Konsumenten profitieren direkt von der Vielfalt – wenn auf dem Teller öfter mal ein Gericht aus heimischer Hirse oder Buchweizen landet, freut sich unser Darmmikrobiom über Ballaststoffe und unser CO2 Abdruck minimiert sich durch den Verzehr regionaler Lebensmittel.
Vielfalt vom Feld bedeutet auch, Verantwortung für unsere Kulturlandschaft zu übernehmen, diese aktiv und bewusst zu gestalten – seit jeher ein Anliegen unserer biodynamischen Gemeinschaft, indem wir standortangepasste, individuelle Lösungen finden, und im Wandel eine Chance für Entwicklung sehen.
Herzlichst Ihre
