Editorial

Biodynamik in die Zukunft tragen

Die biologisch-dynamische Landwirtschaft steht von Anfang an für eine tiefe Verbindung von Mensch, Natur und Kosmos; mehr als eine Methode, ist sie auch eine Haltung zu diesen drei Aspekten. Doch wie gelingt es uns, diese Haltung in eine Zukunft zu tragen, die von Klimakrisen, gesellschaftlichen Veränderungen und technologischen Umbrüchen geprägt ist?

Viele Höfe stehen vor einem Generationswechsel. Dabei ist der Vorgang der Hofübergabe natürlich das zentrale Thema – dieser steht und fällt aber mit dem Bewusstsein, dass es hier nicht nur um Materielles, sondern um die Weitergabe von Verantwortung, Wissen und Werten geht. Und vor allem anderen geht es um Vertrauen. Die nächste Generation will nicht nur in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten – sie will selbst gestalten. Sowohl die, die ihren Hof gerne abgeben würden als auch die, die den Hof zu übernehmen suchen, wollen also ihre Bedürfnisse beachtet sehen. Was im ersten Moment einfach klingt, kann schnell kompliziert werden, denn: Immer geht es hier um Menschen, um Individuen, mit eigenen Erfahrungen, Wünschen und Sorgen.

„Demeter in nächster Generation“ bedeutet also einerseits, junge Menschen für die biodynamische Idee zu begeistern: sei es im Rahmen der biodynamischen Ausbildung, im FÖJ auf den Höfen oder auch innerhalb der eigenen Familie. Andererseits bedeutet es auch, Räume zu schaffen, in denen neue Ideen und Perspektiven wachsen und gedeihen dürfen – ohne jedoch die Wurzeln zum Ursprung zu verlieren. Initiativen wie das Öko-Junglandwirte-Netzwerk und das dieses Jahr neu gegründete „Junges Demeter“ können helfen, diese Räume zu schaffen; Räume, die der jungen Generation helfen, ihre Stimme erklingen zu lassen, die Kommunikation zwischen Alt und Jung auf Augenhöhe zu bringen, und vor allem, sie dazu ermutigen, ihre Ideen in die landwirtschaftliche Realität umzusetzen.

Konfrontiert mit einer Welt, die immer mehr aus den Fugen zu geraten scheint, suchen junge Menschen vor allem nach Sinn und Selbstwirksamkeit. Gerade hier kann Demeter sowohl Brücken bauen als auch Orientierung geben: durch Transparenz, durch klare Werte, durch ein tiefes Verständnis von Naturzusammenhängen, eine Landwirtschaft mit Hingabe und durch eine Gemeinschaft, die Vielfalt ermöglicht und die seit ihrer Gründung vor über 100 Jahren hoffnungsvoll in die Zukunft wächst, sich aber immer ihrer Wurzeln bewusst bleibt.

 

Herzlichst Ihr

ADRIAN T. MEYER
Redaktion@LebendigeErde.de