Editorial
Selbst entscheiden und initiativ werden

Landwirtschaft ist viel mehr als nur Produktion von etwas, im besten Falle von Lebensmitteln. Neben dem Blick auf die gesellschaftlichen Leistungen und Pflege des Naturraums ist Landwirtschaft nicht nur eine Arbeits-, sondern meist auch eine Lebensform, unmittelbar verbunden mit dem Ort und dem sozialen Umfeld, an dem sie betrieben wird. Bauern und Bäuerinnen stehen zudem in einem Jahrtausende alten Kulturstrom, der sie bis heute aller modernen Herausforderungen zum Trotz getragen hat. In den agrarischen Entwicklungen der Moderne, getrieben von der Industriegesellschaft, wurden Ökobauern vom Umwelthistoriker Frank Uekötter zu Recht als „Hüter des Bodenwissens“ bezeichnet. Hier liegen auch die Ursprünge des Biodynamischen.
Doch scheinen diese Kraftströme zu versiegen angesichts der gesetzlichen Überregulierung und des zugleich sich verstärkenden Zugriffs kapitalstarker neuer Mitspieler aus Big Tech, IT, Neuer Gentechnik etc., die Landwirtschaft nur noch als Markt sehen und Bauern eher als Landarbeiter. Können wir uns da noch Zeit nehmen für die Beschäftigung mit spirituellen Wurzeln und biodynamischer Feingeistigkeit?
Ja, gerade aus diesen Gründen. Denn es ist hilfreich und vor allem, es stärkt Selbstvertrauen und Handlungsfähigkeit, wenn wir unseren Ort kennen, den physischen, sozialen wie den seelisch-geistigen, wissen, in welcher Tradition wir stehen und wo wir hinwollen. Für Demeter als Gemeinschaft heißt das: Wir pflegen und entwickeln die Erde, bringen vitale Lebensmittel hervor, die Körper, Seele und Geist nähren.
Blicken wir zurück, hat sich die biodynamische Gemeinschaft über Jahrzehnte als ideenreich gezeigt, als konkret innovativ, von landwirtschaftlichen Verfahren bis hin zur Forschung und Züchtung und neuen wissenschaftlichen Methoden, von der Sozialform von Betrieben bis hin zum Einbinden der Konsumenten. Das kommt nicht von ungefähr, sondern nur, wenn man sich Raum gibt, auch innere Wege zu erkunden und zu finden und das gemeinsam kultiviert. In solchem Kontext entwickelt sich Gespür für die kulturelle und spirituelle Tiefe der Aufgabe „Landwirtschaft“, entsteht der individuelle Impuls, dafür Verantwortung zu übernehmen.
Darin gründet sich dann die Souveränität als Land bewirtschaftender Mensch (was noch etwas anderes ist als Unabhängigkeit), der sich gemeinsam mit Anderen für eine lebendige Zukunft engagiert. Zwar verkneifen sich gerade viele Kunden das praktische Bekenntnis zu nachhaltigen Produkten, dennoch gilt: gerade jetzt sollten wir darüber reden, was wir tun. Weil es essenziell ist. Und wir Mitstreiter brauchen.
Herzlichst Ihr
