Editorial
Rohstoffe aus fernen Ländern – begehrt und knapp

Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze und Rohrzucker – die Hauptdarsteller in dieser Ausgabe begleiten uns wie selbstverständlich durch den Alltag, obwohl keiner von ihnen in unseren mitteleuropäischen Breiten gedeiht. Zwangsläufig ist der Konsum dieser alltäglichen Genussgüter abhängig von der Produktion in Herkunftsländern wie Brasilien, Indien, Sri Lanka, der Dominikanischen Republik oder Paraguay. Dass der Klimawandel diese subtropischen Länder besonders hart trifft, dürfte mittlerweile bekannt sein: Dürre, unübliche Niederschlagsmuster und Hitzewellen stellen die Bäuerinnen vor größte Herausforderungen. Die Folgen bekommen auch wir in Europa zu spüren, wenn wir an die Rekordpreise von Kaffee und Kakao denken. Oder, um ein eher lokales Beispiel in Erinnerung zu rufen: Anhaltende Dürre und starke Hitze führten zu besonders schlechten Olivenernten der Saison 2022/23 sowie der in 2023/24 – Produktengpässe und Preissteigerungen waren die Folge.
Wenn es um Rohstoffe und Produkte aus fernen Ländern geht, spielt Transparenz und soziale Verantwortung eine zunehmend wichtige Rolle – immer mehr Konsumentinnen möchten wissen, ob Schokolade oder Kaffee „fair“ sind. Einschlägige Siegel und Standards wie FairTrade oder We Care können dabei Orientierung geben. Demeter-Verarbeiter stellen oftmals durch langjährige Kooperationen mit ihren Partnern in den Herkunftsländern einerseits sicher, dass die biodynamische Qualität der Rohstoffe garantiert ist, andererseits, dass soziale Aspekte wie Arbeitsschutz, faire Bezahlung, medizinische Leistungen oder Weiterbildungen für die Arbeiter und ihre Familien realisiert werden.
Eine Herausforderung für viele Bäuerinnen in Südamerika, Indien oder Afrika ist es, die biodynamischen Präparate herzustellen: Schimmelbildung durch hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen oder auch die Abgeschiedenheit vieler Farmen und die Beschaffung der Präparatepflanzen und -Hüllen sind Hürden, die genannt werden. Dabei kann die Bildung von Kooperativen hilfreich sein: Wissen vermitteln, Anschaffungen bündeln und auch für den Export ergeben sich durch größere Margen Vorteile bei Preisverhandlungen.
Wetterextreme, zunehmend schwierige politische Situationen, steigende Produktions- und Transportkosten wirken sich auf den globalen Handel aus. Was dabei gern vergessen wird, ist der steigende Eigenbedarf in den Herkunftsländern: In Äthiopien, dem Hauptanbauland von Kaffee in Afrika, wird die Hälfte der erzeugten Menge selbst konsumiert. Indien kann seinen Bedarf an Kakao nur durch Importe decken. Umso wichtiger ist es, direkte Beziehungen zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Importeuren bzw. Händlern aufrecht zu erhalten, um auch perspektivisch Demeter-Produkte aus aller Welt hier in Mitteleuropa genießen zu können.
Herzlichst Ihre
