Feld & Stall

Qualität von Druschfrüchten sichern

Tipps vom Feld bis zur Lagerung

von Erhard Gapp

Jeder Landwirt, jede Landwirtin kennt das: zur Erntezeit kommt Hektik auf. Kurze Wetter-Zeitfenster erfordern hohe Schlagkraft, um die Ernte halbwegs gut ins Lager zu bringen. Dann sollte vom Feld bis ins Lager alles gut vorbereitet sein.

Risikofaktoren bei der Druschfruchtlagerung sind die biotische Aktivität der Körner, Kornfeuchte und -Temperatur, Feld- und Lagerpilze, Lagerschädlinge und Kontamination. Wenn nach all dem Anbau-Aufwand die Ware ab Ernte durch zu spät bemerkten Besatz mit Mutterkorn, Fusarien oder Steinbrand, durch Schimmel, Rückstände oder Schädlinge den Marktwert verliert, ist der wirtschaftliche Schaden oft hoch. Weitgehend vermeiden lässt sich das durch hohe Aufmerksamkeit, gute Organisation sowie sorgfältige Feld- und Lagerhygiene.

Frühzeitig das Getreidelager vorbereiten

Gute Lagerräume sind trocken, sauber, schädlingsfrei und gut belüftet. Eine Ergänzung zum Flach- oder Silolager kann die luftdichte Folienschlauchlagerung darstellen. Die Großkistenlagerung eignet sich besonders für Saatguterzeuger und für Leguminosen an. Lagern Sie die Waren hygienisch einwandfrei und vermeiden Sie mikrobiologische, chemische und physikalische Kontaminationen. Dicht schließende Tore, Netze und Fliegengitter verhindern das Eindringen von Nagern, Katzen, Vögeln und Insekten. Lampen sollten aus bruchsicherem Glas gefertigt oder mit einem Schutzgitter versehen sein. Inspizieren Sie das Lager auf das Vorkommen von Nagern, auf Käfer und Motten-Nester, auch hinter Kabelverkleidungen. Falls nötig Köderfallen gegen Ratten und Mäuse aufstellen.

Lager sorgfältig reinigen

Pilze und Staubpartikel bilden die Futtergrundlage für Milben und Staubläuse, Getreidereste ernähren Kornkäfer und Co. Entfernen Sie Getreidereste und Staub, auch aus der Fördertechnik, mittels Druckluft, Besen und Industriestaubsauger. Decken Sie die Annahme-Gosse ab. Alte Bigbags ausputzen oder entfernen. Optimal ist es, wenn das Lager vor der Ernte einige Wochen leer steht. Um Mineralölrückstände (MOSH/MOAH) zu vermeiden, verwenden Sie ausschließlich lebensmitteltaugliche Öle und Schmierstoffe (H1-Schmierstoffe) bei Fahrzeugen, Anhängern, Maschinen und Fördertechnik. Lagern Sie das Getreide nie in einer Maschinenhalle.

Nützlinge vorbeugend einsetzen

Im gereinigten Lager können ab 15 °C vorbeugend Nützlinge wie z.B. Lager-Erzwespen, Ameisenwespchen oder Trichogramma-Schlupfwespen mehrfach ausgesetzt werden. Diese parasitieren Larven und Gelege der Lagerschädlinge, auch in kaum zugänglichen Ritzen und Verstecken. Gegen adulte Lagerschädlinge können Sie Silico-Sec, eine Kieselgur aus fossilen Kieselalgen, oder Pyrethrum-Produkte einsetzen. Silico-Sec trocknet die Schadinsekten aus. Achtung: nicht parallel zum Nützlingseinsatz anwenden. Zudem verändert Silico-Sec die Beschaffenheit und Fließfähigkeit des Getreides – den Einsatz also vorab mit den Abnehmern klären. Naturpyrethrum-Produkte, zum Beispiel Insektenil-Plant-Ex, Insektenil-Naturpyrethrum oder Pyrifog erfassen adulte Käfer, Motten und Schaben. Pygrain New ist zur Kornkäferbekämpfung direkt im Getreide anwendbar.

Die Zulässigkeit von Lagerschutzmitteln nach EU- Öko-Verordnung und Verbandsrichtlinien können Sie über www.betriebsmittelliste.de feststellen – oder Sie rufen einfach bei der Beratung an.

Nachweis von Kornkäfern im Lagergetreide

Wellpappentest: für ein bis zwei Wochen Wellpappe-Stücke auf die obere Getreideschicht legen. Darunter sammeln sich einige der winzigen, lichtscheuen Kornkäfer.

Heizungstest: bei Kälte sind die Käfer träge und kaum zu finden. Eine Getreide-Probe (ca. 1 kg) im verschlossenen Behälter in einen warmen Raum bzw. auf einen Heizkörper stellen. Vorhandene Käfer krabbeln dann heraus.

Käferfallen: Die Oberfläche der Getreideschüttung harken und glattziehen. Ein Gefäß bündig mit der Oberfläche ins Getreide drücken. Käfer fallen dann in das Gefäß. Siebdeckel- oder Stechfallen können tiefer im Getreide platziert werden. Bei Siebkästen liegt die Nachweisgrenze bei 1.000 Käfern je Tonne Getreide. Durch regelmäßige Kontrolle der Fallen erhält man ein gutes Bild des Befalls.

Qualitätserhaltung von der Saat bis zur Ernte

Die Qualitätssicherung der Druschfrüchte beginnt schon vor der Aussaat. Stellschrauben sind die Fruchtfolgegestaltung, Bodenpflege, gute Feldhygiene, saubere Stoppelbearbeitung, Sortenwahl, gesundes Saatgut, exakte Saat und zielgerichtete Bestandesführung.

  • Mehrfache Hornkiesel-Anwendung mit Zusatz von Baldrianpräparat (0,02  %) kann die Lagerfähigkeit verbessern und Getreide durch Bildung von Ethylformiat gegen Kornkäfer stärken.
  • Feldränder vor der Gräserblüte mähen oder mulchen, um Mutterkorninfektionen vorzubeugen.
  • Feld-Bestandskontrollen vor der Ernte: (Teil-)Flächen mit Mutterkorn, Steinbrand, Fusarien oder starker Verunkrautung zuletzt ernten und separat lagern – oder mulchen bzw. umbrechen.
  • Transportfahrzeuge gut reinigen. Sicherstellen, dass genügend Ernte-, Transport- und Arbeitskapazitäten für eine schlagkräftige Ernte vorhanden sind.

In der Ernte

  • Feuchtemessung der Druschfrüchte im Feld mit Schnelltester. Bis ca. 18-19  % reicht eine gut gesteuerte Belüftungstrocknung und Kühlung. Ist das Ernte­gut feuchter, muss thermisch getrocknet werden. Bei Trocknung in Fremdbetrieben müssen Öko-Betriebe ihrer Öko-Kontrollstelle einen Subunternehmervertrag vorlegen.
  • Für kleine Partien eignet sich eine mobile Wagentrocknung.
  • Bei Lohndrusch: Verschleppung von Risi­komaterial oder Unkrautsamen vermeiden, Mähdrescher bei geöffneten Klappen leerlaufen lassen oder Spülcharge nach 20 m im Feld abtanken.
  • Die Vorreinigung des Getreides mittels Siebreiniger (Aspirateur) plus Zyklon verbessert den Wirkungsgrad der nachfolgenden Trocknung und Belüftung.
  • Schüttkegel bei der Einlagerung vermeiden, da hier Schwitzwasser entsteht.
  • Nach dem Einlagern sofort mit kühler und trockener Nachtluft belüften. Die Umgebungsluft muss dabei 5 - 7 °C kühler und trockener sein als die Luft im Getreidestapel. Ggf. (überbetrieblich) ein Kompressor-Kühlgerät einsetzen.
  • Innerhalb von 14 Tagen auf 15 -18 °C herunterkühlen um Kondenswasser durch Kornatmung, Schimmelbildung und Schädlingsvermehrung zu vermeiden. Die kritische Grenze für die Schädlingsvermehrung liegt bei 13 °C. Milben sind noch um 10 °C aktiv.
  • Die Getreidefeuchte und -temperatur mittels Stechthermometer und -Hygrometer anfangs täglich, bis Ende Oktober mindestens alle 14 Tage überprüfen.

Autor: Erhard Gapp, Demeter-Berater für Ackerbau, Betriebsentwicklung,
erhard.gapp(at)demeter-beratung.de

 

 

Im Lager: vorreinigen, trocknen, belüften, kühlen. Wichtig ist, Temperatur und Feuchte zu überwachen.“
E. Gapp

Quellen und weiterführende Links

  • Praxis- und Beratungserfahrungen: www.dlg.org/mediacenter/dlg-merkblaetter/dlg-merkblatt-425-getreide-sicher-lagern-reinigen-trocknen-und-kuehlen
  • Heinz Gengenbach, LLH Hessen: Druschfrüchte sicher lagern, 2018
  • Marktgesellschaft der Naturland-Bauern AG: Öko-Druschfrüchte richtig lagern und transportieren, 2021

Getreide-Feuchte und Auswirkungen

Feuchtegehalt > 16 %: keine wirtschaftliche und sichere Getreidelagerung möglich
Feuchtegehalt 14,5 – 16 %: Vermehrung von Lagerpilzen, Milben, Staubläusen, Bildung von OTA und allgemeine Qualitätsrisiken
Feuchtegehalt < 14,5 %: stabile Lagerung, Kornkäfer und Motten können noch schädigen

Empfohlene Lagerbedingungen

  • Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste max. 14 % Feuchte
  • Hafer max. 12 % Feuchte
  • Nach Einlagerung kühlen 15 bis max. 18 °C, innerhalb von 14 Tagen
  • Lager-Zieltemperatur im Spätherbst/ Winter 10 – 12 °C