Feld & Stall (1)
WEIDE – KOSTENGÜNSTIG UND KLIMAFREUNDLICH
START IN DIE SAISON

Grünfutter gilt als wichtigste einheimische Eiweißquelle, vorausgesetzt, die Nutzung der Weide erfolgt frühzeitig. Mit zunehmender Vegetationsdauer schwinden Eiweißgehalt und Verdaulichkeit des Weideaufwuchses. Außerdem ist Weidegras das konkurrenzlos günstigste Futtermittel für Wiederkäuer und stellt gerade in Zeiten hohen Preisdrucks eine Möglichkeit dar, die Futterkosten zu senken. Der rechtzeitige Weideaustrieb im Frühjahr ist entscheidend für eine erfolgreiche Weidehaltung. Die Ernte des Aufwuchses durch weidende Milchkühe erledigt sich ohne Schleppereinsatz und Dieselverbrauch; die hohe Verdaulichkeit von jungem Weidegras ermöglicht vor allem im Frühjahr eine deutliche Kraftfutterreduktion und senkt die Produktionskosten.
„Kühe ernten die junge Weide mit hoher Futterqualität klimafreundlich ohne Dieselverbrauch.“
Weidehaltung mindert Ammoniakverluste

Die erfolgreiche Weide beginnt mit dem Spitzen der Gräser. Sobald im Frühjahr die ersten grünen Blattspitzen zu erkennen sind, sollten die Tiere bereits großflächig die Vorweide durchführen. Der frühe und stetige Verbiss und Viehtritt fördert wertvolle ausläuferbildende Grünlandpflanzen wie die Wiesenrispe, Deutsches Weidelgras und Weißklee. Diese Arten bestocken sich dann sehr gut und führen zu einer dichten und ertragsfähigen Grasnarbe.
Viele unerwünschte Kräuter werden durch eine frühe Beweidung zurückgedrängt. So reagieren zum Beispiel Wiesenkerbel, Wiesenbärenklau und Gemeine Rispe sehr empfindlich auf den Tritt der Rinder und werden durch konsequente Beweidung im Frühjahr zurückgedrängt. Andere unerwünschte Grünlandpflanzen wie Scharfer Hahnenfuß und Ampfer werden bei zeitiger Vorweide von den Weidetieren noch nicht selektiert, sondern im Rosettenstadium gefressen und somit durch konsequente Frühjahrsweide bekämpft.
Vorteil für die Kuh
Der frühe Weideaustrieb hat aber nicht nur Vorteile für den Grünlandbestand, sondern auch für die Kuh. Wird eine Weide früh, bei noch niedriger Aufwuchshöhe (< 5 cm) bestoßen, kommt es automatisch zu einer sanften Futterumstellung, da Weidewachstum und Weidefutteraufnahme im Laufe des Frühjahrs langsam ansteigen. Die Kühe weiden den jungen energie- und proteinreichen Frühjahrsaufwuchs mit einem einzigen Biss und es fallen kaum Weideverluste an. Der Pansen und die darin lebenden Mikroorganismen haben genug Zeit, sich kontinuierlich auf den Futterwechsel einzustellen. Zu Beginn sollten die Tiere nur ein bis zwei Stunden pro Tag Zugang zu einer großen Weidefläche (2-3 Kühe/ha) haben. Dies trägt erstens zu einer schonenden Rationsumstellung bei und beugt zweitens Trittschäden auf den im Frühjahr oft noch feuchten Flächen vor.
Junge Weide garantiert Futterqualität und hohe Futteraufnahmen

Durch eine sehr konsequente Weideflächenzuteilung mit durchschnittlichen Wuchshöhen von fünd bis sechs Zentimetern können Weidefutterverluste sehr geringgehalten werden. Bei der Kurzrasenweide handelt es sich um stets junge, qualitativ hochwertige, energiereiche und hochverdauliche Aufwüchse. Es zeigen sich somit positive Effekte der kurzen Weidenarbe auf Futterqualität und Milchleistung durch die Verbesserung der Energiekonzentration im Aufwuchs. Ergebnisse der Weideversuche im Ökobetrieb Haus Riswick belegen: Durchschnittliche Weidefutterqualitäten von über 6,5 MJ NEL während der Weidesaison, bei der Frühjahrsweide sogar über 7 MJ NEL/ kg TM Weidefutter sind erreichbar! Daraus ergeben sich tägliche tierindividuelle Milchleistungen von 23 - 25 kg ECM aus Weidegras während der gesamten Weideperiode und sogar nahezu 28 kg ECM aus der Frühjahrsweide.
Weide und Zufütterung sinnvoll kombinieren
Bei wärmerer Witterung im April (Frühlingsweide) verläuft das Graswachstum explosionsartig und die Futterqualität des Frühjahrsaufwuchses ist nahezu unübertrefflich. Unter optimalen Wachstumsbedingungen kann in diesem Zeitraum je nach Standort und Höhenlage mit 50 bis 95 kg Weidetrockenmassezuwachs je ha und Tag kalkuliert werden. Im Laufe der Vegetation nimmt der Ertrag, nicht aber die Futterqualität bei jungem Aufwuchs, kontinuierlich ab. Die Qualität des Weidefutters sinkt erheblich mit zunehmendem Alter. Es gilt also, Futterangebot und Beweidung/Weideaufnahme in Einklang zu bringen. Je nach Weidefutterangebot müssen Weideanteil bzw. Tierbesatzdichte zu- oder abnehmen.
Die Futteraufnahme auf der Weide hängt von den Faktoren Weidequalität, Weidereste, Weidezeiten sowie Zufütterung im Stall ab. Die im Stall angebotene Ration muss bezüglich der Qualität und Menge der Weidefutteraufnahme angepasst werden. Im Frühjahr (Frühlingsweide) werden Weideanteil bzw. Besatzdichte entsprechend hoch gewählt mit einer Zufütterung im Stall auf niedrigerem Niveau. Lässt das Graswachstum in trockenen Sommermonaten (Sommerweide) oder im Herbst deutlich nach, muss im Stall entsprechend angepasst werden.
Weidestart sichert eine effiziente Weidegrasnutzung

Je nach Düngungsintensität und Bewirtschaftungsform kann der junge Frühjahrsaufwuchs hohe Rohproteinwerte aufweisen. Unter ökologischen Wirtschaftsbedingungen werden die Proteingehalte im Frühjahr zunächst verhaltener ausfallen, da der organisch gebundene Stickstoff im Boden erst mit ansteigenden Bodentemperaturen den Pflanzen zur Verfügung steht. Der Weideaufwuchs im Frühjahr enthält häufig hohe Zuckergehalte: So sorgen hohe Tagestemperaturen für eine hohe Fruktose-Produktion; während der Bodenfrost-Nächte bleibt allerdings eine Verstoffwechselung des Zuckers aus, wobei sich dieser dann in der Pflanze anreichert. Werden die Kühe erst spät in schossende Weidegrasbestände getrieben (> 8 cm, Portionsweide), besteht die Gefahr, dass die Weidetiere zu viel Weideaufwuchs in kurzer Zeit fressen. Dies führt dann zu einer hohen, stoßweisen Anflutung von großen Zuckermengen im Pansen mit der pH-Wert-Absenkung im Pansen als Folge. Durch anschließendes Wiederkauen wird der Futterbrei alkalisch eingespeichelt, abgeschluckt und der ph-Wert im Pansen steigt wieder an. Mehrere solcher Zyklen während des Tages führen letztlich zu Durchfällen. Kühe und Rinder, die auf einer Kurzrasenweide weiden, zeigen diese Symptome nicht, da die Futteraufnahmemenge je Biss wesentlich geringer ist und sich die Gesamtdauer der Futteraufnahme über einen deutlich längeren Zeitraum erstreckt. Die Pansen-pH-Wert Schwankungen sind somit deutlich geringer ausgeprägt.
Die teilweise sehr hohen Zuckerwerte im jungen, energiereichen, hochverdaulichen Frühjahrsaufwuchs bedürfen je nach Tierleistung ggf. einer Anpassung der Kraftfutterergänzung, sofern diese überhaupt als notwendig erachtet wird. Eine Kraftfutter-Zufütterung bei jungem, hochverdaulichem Weidegras sollte auf max. drei bis vier kg je Kuh und Tag bei Hochleistungskühen begrenzt werden. Ansonsten lässt die Verdrängung von Weidegras keine weitere Steigerung der Gesamtenergieaufnahme zu. Wichtig ist vor allem, dass Komponenten mit einer geringen Pansenabbaurate zum Einsatz kommen. Hier kommt an erster Stelle der Körnermais mit seiner pansenstabilen Stärke in Betracht.
Fazit

Milchviehbetriebe, die über stallnahe, arrondierte Grünlandflächen verfügen, sollten ihr Weidemanagement im Vorfeld überdenken und gezielt planen. Ziel ist es, möglichst über den gesamten Vegetationsverlauf immer jungen, energiereichen, hochverdaulichen Weideaufwuchs in Milchleistung umzusetzen und kostenintensive Weideverluste zu vermeiden. Besondere Bedeutung kommt dabei den verschiedenen Weidephasen, ihrer intensiven Nutzung und der Flächenbedarfs- bzw. Besatzdichtekalkulation bei den verschiedenen Weidesystemen zu. Zur regelmäßigen Kontrolle empfiehlt sich die konsequente Wuchshöhenmessung, denn eine maximale Weidefutterausnutzung bzw. Milchleistung aus Weide ist die Basis für eine wirtschaftliche Milchproduktion. Bei intensiver Weidenutzung ist zusätzlich besonderes Augenmerk auf ein zielführendes Nutzungsregime zu legen. Ein Wechsel von Schnitt- und Weideflächen sowie die Vermeidung der Herbstgülledüngung auf zuvor beweideten Flächen senkt die Gefahr unerwünschter Stickstoffverluste.•
Nährstoffmonitoring im Fokus
Hinsichtlich der Grundnährstoffversorgung (P2O5-, K2O-, Mg-Gehalt) sind bei ausgedehnter Weideführung keine Mangelsituationen zu erkennen. Dies ist auch unter den Bedingungen der intensiven Weidewirtschaft mit minimaler Zufütterung im Stall nicht zu erwarten, da die von den Tieren aufgenommenen Nährstoffe weitestgehend auf die Flächen zurückgebracht werden. Der tatsächliche Nettoentzug über die Milch wird bislang von der natürlichen Variation im Boden überlagert.
Anders sieht es aus bei den N-min-Gehalten im Boden. Zwar liegen diese im Mittel der Weideversuche im Ökobetrieb Haus Riswick mit 48 kg N-min-Stickstoff in der Tiefe von 0 – 90 cm Tiefe in einem noch tolerablen Bereich. Dennoch ist nicht zu verkennen, dass die N-min-Gehalte im Boden in Jahren der Mähweidenutzung mit gewissen Schnittanteilen (Weide + Schnitt) mit 30 – 35 kg N-min-N/ha erheblich niedriger lagen als bei ausschließlicher Beweidung. Anders als bei den Grundnährstoffen ist ein gewisser N-Input in die Weidefläche durch die Stickstofffixierleistung des Weißklees zusätzlich vorhanden. Nicht zuletzt aus diesem Grunde ist es sinnvoll, mit den Schnittflächen über die gesamte Weidefläche zu rotieren, um die N-Bilanz der Fläche im Gleichgewicht zu halten.
Den N-min-Gehalten im Herbst sollte besondere Beachtung zukommen. Beweidung in Jahren mit starkem Herbstwachstum führt dazu, dass der Aufwuchs noch relativ spät im Herbst mit höherer Besatzdichte abgeweidet werden muss. Dies hat dann zur Folge, dass auch noch relativ spät im Jahr eine stärkere Stickstoffrücklieferung durch Kot und Harn auf die Fläche gelangt. Die Wirkung der Herbstbeweidung ist ähnlich einzuschätzen wie eine Güllegabe, die bei Vegetationsende auf gemähte Grünlandflächen als vorgezogene Güllegabe appliziert wird, d. h. es ist in jedem Fall zu vermeiden, dass Flächen, die im Herbst beweidet wurden, anschließend auch noch eine Gülledüngung erfahren.