Kurz & aktuell
Entwicklung im Bio-Markt
30 % Bio im Jahr 2030 – aber nicht im Handel?!

Interview mit Dr. Eva Stüber, Autorin der Studie „30/30 – Bio-Revolution im Lebensmittelhandel“
Liebe Frau Dr. Stüber, in der Studie untersuchten Sie die Entwicklung des Bio-Anteils im Lebensmittelhandel – wie sieht der aktuelle Trend für 2030 aus?
In unserer Szenario-Betrachtung haben wir zwei Szenarien unterschieden: Zum einen eine tatsächliche Trendentwicklung, also eine Fortschreibung der Entwicklung seit 2010, zum anderen eine Best-Case-Variante, in welcher die Landwirtschaft einen 30-prozentigen Anteil bei den ökologisch bewirtschafteten Flächen bis 2030 erreicht hat. Um den 30-Prozent-Anteil zu erreichen, müssen jährlich 433.279 ha dazukommen – das ist 6,5mal so viel wir bisher, also mehr als sportlich. In der Trendentwicklung sind wir bei einem Bioflächen-Anteil von 14 Prozent. Fest steht: Dieses Flächenwachstum ist entscheidend. Die Anzeichen sind nämlich deutlich, dass die erzeugten Bio-Produkte im Handel auch abgesetzt werden können. Bereits 91 Prozent der Konsument:innen kaufen Bio-Produkte.
Wo besteht Potenzial, wie kann der Bio-Anteil erhöht werden?
Zuerst braucht die Landwirtschaft Absatzsicherheit, um sich für ein Investitionsrisiko zu öffnen. Dies bezieht auch eine Klarheit über die weitere politische Ausrichtung ein. Unterstützend wirkt hierbei eine zielgerichtete finanzielle Subvention. Hindernd sind dagegen Informationsdefizite – dies gilt für alle beteiligten Akteure, aber auch für die Konsument:innen. Informationen zu Hintergründen und Zusammenhängen helfen, das ökologische Bewusstsein weiterzuentwickeln. Wichtig dabei ist: 30 Prozent Ökofläche entspricht nicht 30 Prozent Bio-Anteil im Handel. So werden im Best Case 17,3 Prozent Bio-Anteil im Handel erreicht, in der Trendentwicklung sind es 8,1 Prozent.
Wie kann die Bio-Szene die Käufergruppen für sich gewinnen?
Mehr als die Hälfte zählt zu den Bio-Käufer:innen, die selektiv in einigen Produktkategorien Bio-Lebensmittel kaufen. 26 Prozent erwerben hingegen möglichst bis hin zu ausschließlich Bio-Produkte und setzt sich auch besonders bewusst mit dem Thema Ernährung auseinander. Für 21 Prozent der Befragten spielt Bio laut eigener Angabe keine Rolle, wenngleich diese auch Bio kaufen. In allen Gruppen sind Geschmack und Gesundheit die wichtigsten Treiber für den Kauf, erst dann kommt Nachhaltigkeit. So gilt es zukünftig, die verschiedenen Bio-Kund:innen in den unterschiedlichen Einkaufsstätten adäquat abzuholen – auch in den preissensibleren, die eine wichtige Rolle für den Start mit Bio-Produkten spielen. Denkbar sind beispielsweise Informationsangebote rund um das Thema Bio, neue Marketingstrategien und ein Markenwandel „von öko zu modern“.
Fragen: Katrin Bader