Kurz & aktuell

Ursula Hudson-Preis für Initiative „Supp_optimal – Essen für Alle“

Interview mit Johannes Nöldeke, Projektleiter bei Supp_optimal

Lieber Johannes, ihr wurdet im April auf der Slow Food Messe mit dem Hauptpreis des Ursula Hudson Preis ausgezeichnet – er würdigt vorbildliche Initiativen in den Bereichen Ernährung, Ernährungspolitik und -Bildung. Bitte beschreib uns doch kurz, wer ihr seid und was ihr macht.

Das Projekt „Supp_optimal – Essen für Alle“ der Bürgerstiftung Stuttgart ist 2020 in der Corona-Krise entstanden, um Menschen in prekären Lebenslagen mit Essen zu versorgen und Begegnungen zu schaffen. Damals wie heute geben wir mit vielen Ehren­amtlichen das Essen im öffentlichen Raum aus. Seit Projektstart haben wir an unseren sieben Standorten in Stuttgart über 120.000 warme Mahlzeiten verteilt. Das Essen gibt es immer kosten- und bedingungslos. Unsere gemeinnützige Arbeit finanziert sich über Spenden. Seit Projektbeginn unterstützt uns v.a. die Porsche AG finanziell und mit Mitarbeitenden, die anpacken.

Mittlerweile kochen wir unser Essen selbst – und zwar aus geretteten Lebensmitteln. Wir kochen primär für unsere Essensausgaben, machen aber auch Caterings, Retter Lunches und Rescue Dinners. Zudem machen wir in Kooperation mit Harrys Bude ein Bildungsprojekt für Kinder und Jugendliche. Im letzten Jahr haben wir in einem Pop-Up-Konzept ohne eigene Küche aus 4,5 Tonnen geretteten Lebensmitteln, mit einer Retterquote von 97 % und mit 500 Engagierten 11.000 Portionen gekocht und ausgegeben. Das soll erst der Anfang sein: Bald eröffnen wir in Stuttgart das erste Food Rescue Lokal, in dem wir dann in unserer eigenen Küche noch viel mehr Lebensmittel retten, verarbeiten und ausgeben können.

Was bedeutet Lebensmittelgerechtigkeit für euch?

Die soziale Frage der Ernährungswende wird zu oft vernachlässigt. Bei unseren Essensausgaben sehen wir täglich, wie viele Menschen auch bei uns von (Ernährungs)Armut betroffen sind. Gleichzeitig wissen wir, wie viele Lebensmittel in der Tonne laden. Das ist klimaschädlich, teuer und ungerecht. Wir holen die Lebensmittel dort ab, wo sie zu viel scheinen, verarbeiten sie zu „gutem Essen für Alle“ und bringen sie dorthin, wo sie zu wenig sind. Mit unserem sozial-ökologischen Engagement schlagen wir also die Brücke zwischen Lebensmittelverschwendung auf der einen Seite und Ernährungsarmut auf der anderen Seite. Dabei ist offensichtlich, dass wir allein mit unserem Projekt die Welt nicht retten können. Wir können aber im Kleinen, vor Ort wirken  – und andere auch über Stuttgart hinaus zum Mitmachen anstiften.

Spielen Bio-Lebensmittel eine Rolle bei eurer Arbeit?

Zusammen mit dem Team von Harrys Bude retten wir Lebensmittel vom Wochenmarkt, vom Großmarkt und von Erzeugern aus der Region. Die meisten geretteten Lebensmittel sind regional und saisonal. Ob bio oder konventionell, ist bei uns eher zweitrangig. Vorrang hat, unsere Gäste mit vollwertigen und leckeren Mahlzeiten satt zu machen. Dabei verarbeiten wir das, was wir retten können. Da ist jedes Mal wieder Spontanität und Kreativität gefragt. Standardrezepte gibt es nicht. Hier kaufen vor allem jüngere Menschen mit schmaleren Portemonnaies ein. Auch hier dürfte es noch Wachstumspotenzial geben. 2024 zeigt ein gestiegenes Gesundheits- und Umweltbewusstsein, denn wie sonst lässt sich erklären, dass mehr Menschen mehr Bio kaufen – trotz Inflation und Wirtschaftsflaute?

Spielen Bio-Lebensmittel eine Rolle bei eurer Arbeit?

Zusammen mit dem Team von Harrys Bude retten wir Lebensmittel vom Wochenmarkt, vom Großmarkt und von Erzeugern aus der Region. Die meisten geretteten Lebensmittel sind regional und saisonal. Ob bio oder konventionell, ist bei uns eher zweitrangig. Vorrang hat, unsere Gäste mit vollwertigen und leckeren Mahlzeiten satt zu machen. Dabei verarbeiten wir das, was wir retten können. Da ist jedes Mal wieder Spontanität und Kreativität gefragt. Standardrezepte gibt es nicht. Hier kaufen vor allem jüngere Menschen mit schmaleren Portemonnaies ein. Auch hier dürfte es noch Wachstumspotenzial geben. 2024 zeigt ein gestiegenes Gesundheits- und Umweltbewusstsein, denn wie sonst lässt sich erklären, dass mehr Menschen mehr Bio kaufen – trotz Inflation und Wirtschaftsflaute?

Wie können entlang der Wertschöpfungskette Lebensmittel gerettet werden?

Hinter jedem geretteten Lebensmittel steckt eine eigene Geschichte. Ob Schönheitsfehler, Fehler in der Produktion, verändertes Verpackungsdesign oder überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum. Dennoch alles wertvolle Ressourcen. Wir kommen vorbei und retten die Lebensmittel, bevor sie in der Tonne landen. Doch in Produktion, Verarbeitung und Handel entsteht etwa (nur) ein Viertel der Lebensmittelverschwendung.

Die meiste Verschwendung – etwa 60 % – geht auf das Konto der Privathaushalte. Deshalb ist es uns auch so wichtig, so viele Menschen wie möglich zu erreichen – z.B. in Corporate Volunteering Events: Hier machen wir Nachhaltigkeit erlebbar und ermutigen dazu, wieder kreativer, sorgsamer und im Urvertrauen auf die eigenen Sinne mit Lebensmitteln umzugehen. Aus Respekt für Mensch und Umwelt.

 

Fragen: Katrin Bader

Mehr zur Initiative Supp_optimal aus Stuttgart
https://www.buergerstiftung-stuttgart.de/supp-optimal

Weitere Nominierte für den Ursula Hudson Preis 2025
Christine Bajohr, AERA Land gGmbH; Inga Günther, Ökologische Tierzucht gGmbH,
Augsburg; Dr. Anja Oetmann-Mennen in Vertretung der Regionalwert AG Münsterland