Kurz & aktuell
Wie halten wir Bio gentechnikfrei?

Fragen an Gebhard Rossmanith, u. a. Projekt „Bio-Branche ohne NGT“
Herr Rossmanith, die drohende Deregulierung der neuen Gentechnik (NGT) schwebt über der gesamten Bio-Branche. Wie ist der aktuelle Stand der Verhandlungen?
Die Verhandlungen sind in der Endphase, dem Trilog, angelangt. Hier sollen Kompromisse zwischen den Vorschlägen der Kommission, des Rates und des EU- Parlaments erarbeitet werden. Die End-Abstimmungen werden bis Ende des Jahres erwartet.
Kann der Trilog jetzt noch beeinflusst werden, oder ist es dafür zu spät?
Noch ist es nicht zu spät. Denn die abschließenden Entscheidungen in Rat und Parlament sind keine ausgemachte Sache. Die Bundesregierung bei ihrer Position der Enthaltung zu stabilisieren, sowie EU- Parlamentarier:innen zu einer Ablehnung oder zumindest zur Beibehaltung des deutlich besseren Vorschlags des Parlaments zu bewegen, ist noch immer möglich. Dazu gibt es geeignete Unterschriften-Aktionen verschiedener Organisationen (Anm. d. Red.: bspw. weact.campact.de/petitions/neue- gentechnik-wahlfreiheit-sichern-risiken-vermeiden)
Welche Folgen hätte die Deregulierung?
Es steht zu erwarten, dass das von der Kommission vorgesehene Verbot von NGT (Neue genomische Techniken) im Ökolandbau Bestand haben wird. Damit wäre zumindest gesichert, dass in Zukunft kein Saatgut aus NGT eingesetzt werden darf, somit diese potentielle Eingangspforte von NGT in Ökoprodukte verschlossen bleibt. Dies gilt es allerdings zu verteidigen und auf alle Produkte abzusichern. Bleibt noch die Problematik der Kontamination durch fehlende Koexistenzregeln, Transparenz und Rückverfolgbarkeit. Dies erfordert die Erarbeitung umfangreicher Sicherungsmaßnahmen. Wesentlich ist, dass bei der Abwehr von NGT alle Glieder der Wertschöpfung zusammenstehen, und dass das Problem nicht bei den Ökobetrieben abgeladen wird. Ohne Solidarität aus Handel, Verarbeitung und Verbrauch wird es nicht gehen.
Wie könnten sich die Bio-Akteure dann noch gegen NGT schützen? Bzw. was hat es mit dem Projekt „Biobranche ohne NGT“ auf sich?
Dieses Projekt hat über die gesamte Wertschöpfung mehrere Aufgaben: das Bewusstmachen der Problematik, das
Verhindern von Kontaminationen, die Verringerung der Abhängigkeit von konventionellen Saatgut-Quellen, die Kommunikation an die Endkund:innen zur Sicherung des Vertrauens und die Unterstützung durch bewusste Kaufentscheidung. Das Projekt „Biobranche ohne NGT“ befindet sich zum Redaktionsschluss noch im Aufbau, Interessierte können sich für Infos gern per Mail an Demeter wenden:politik@demeter.de
Fragen: Katrin Bader
Auf dem Laufenden bleiben:www.demeter.de/gentechnik