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BIOFRAUEN*NETZWERK
VERNETZEN – STÄRKEN – HANDELN

Interview mit Stephanie Strotdrees, Bioland-Bäuerin und Mit-Initiatorin des Netzwerks
Lieber Herr Colshorn, vor 15 Jahren initiierte Christian Felber die Gemeinwohlökonomie – worum geht es dabei?
Es geht um eine Wirtschaftsordnung, in deren Mittelpunkt das Gemeinwohl steht und nicht die Mehrung des Vermögens. Neben Christian Felber waren es Unternehmer:innen, die ihr Wirtschaften danach ausrichten wollten, wie es eben diesem Ziel dient. Sie haben mit Christian Felber zusammen definiert, um welche Werte es dabei geht und wie sie ihr Handeln dementsprechend überprüfen können. Mittel hierzu ist die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz, in der aufgelistet wird, wie die Werte Menschenwürde, Soziale Verantwortung, Ökologische Nachhaltigkeit und Transparenz und Mitentscheidung im Unternehmen verwirklich werden. Verbunden war damit die Hoffnung, eine Lawine in Gang zu setzen, die dann auch Unterstützung von der Politik erreichen könnte. Aus diesem anfänglichen kleinen Kreis von Unternehmen ist eine Bewegung entstanden, die sich über Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet hat. Christian Felber hat den theoretischen Rahmen dafür zu Papier gebracht und in Vorträgen weltweit verbreitet.
Seit 2024 ist die GWÖ unter „ECOnGOOD“ international aktiv – welche Zahlen sind hier interessant?
In 35 Ländern gibt es über 174 Regionalgruppen mit ca. 5000 Mitgliedern und mehr als 1400 bilanzierten Unternehmen verschiedenster Branchen, ganz überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Welche Rolle spielt die GWÖ für die Landwirtschaft?
Die ökologische Landwirtschaft fußt auf denselben Werten und praktiziert sie auf den Höfen und Gärtnereien. Und das schon seit Jahrzehnten, und mit Erfolg. Allerdings sind in Handel und Verarbeitung, aber auch in den vorgelagerten Bereichen – z. B. Pflanzenschutz und Züchtung /Saatgut – andere Werte vorherrschend. Damit gerät der ökologische Landbau an seine Grenzen. Eine konsequent ökologische Landwirtschaft, die nicht in einer Nische verbleiben will, ist nur möglich, wenn dieselben Werte in allen Wirtschaftsbereichen gelten. Allerdings ist die Gemeinwohl-Ökonomie hier noch nicht so weit gekommen, das muss ehrlicherweise konstatiert werden. Immerhin ist die Idee fest etabliert, die – noch relativ kleine – Bewegung ist ein fester Anker. Und die Vision: Gut leben in einer Welt, in der die Wirtschaft im Einklang mit ethischen Werten steht – gibt vielen Unternehmen und Menschen Orientierung!
Worauf können wir uns in den nächsten 15 Jahren freuen?
Darauf, mitzuwirken, dass die Gemeinwohl-Ökonomie Wirklichkeit wird! Das passiert nicht von allein, und auch nicht durch eine Organisation, sondern nur durch aktive Beteiligung vieler Menschen in allen Lebensbereichen!
Fragen: Katrin Bader
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