Portrait

EMPORT NAHRUNG FÜRS LEBEN

Kaffee, Gewürze und Rohwaren

„Nahrung steht auch für das, was Herz und Geist stärkt: Wahres, Sinn, Schönheit, Bewusstsein“

Der Import von Bio- und Demeter-Produkten ist mehr als ein reines Handelsgeschäft, zumindest für Peter Winkler, Uschi Schnell und Moritz Lorenz, den Geschäftsleitenden von Emport Nahrung fürs Leben. Import verpflichtet und besonders die Rohstoffe aus subtropischen Gebieten der Erde führen einem deutlich vor Augen, wie sich der Klimawandel auswirkt, welche sozialen Ungleichgewichte herrschen und wie Monopole und Preisdruck den Wettbewerb bestimmen.

Aus privatem Interesse wird Geschäftsidee

Peter Winkler ist Indien bereits in den 1980er Jahren verfallen – viele mehrmonatige Aufenthalte boten ihm die Möglichkeit, Land und Leute kennenzulernen. Als er 2004 in der Region Coorg im Südwesten Indiens erstmals Kaffeepflanzen in ihrem natürlichen Habitat, einem schattigen Mischwald, zu Gesicht bekommt, wächst in ihm der Wunsch, diesen Rohstoff nach Deutschland zu holen, selbst zu verarbeiten und zu verkaufen. Seine Vision, Gewürze und Kaffee zu importieren, nur von ausgewählten Erzeugern, die er persönlich kennt, nimmt Form an: Im Jahr 2004 erreichte der erste Überseecontainer mit fünf Tonnen Rohkaffee Hamburg. Der Start von Emport. Um den Rohkaffee zu veredeln, lernte Peter das Rösterhandwerk in Neapel und autodidaktisch in Deutschland – anfangs in einer Doppelgarage. Uschi Schnell, die 2006 in das Leben von Peter trat, wurde auch bald zum kreativen und kulinarischen Kopf von Emport. Ihre Erfahrung in der gehobenen Gastronomie und Edelkonditorei sollte spätere Vorhaben und Tätigkeiten prägen und beeinflussen. Als ayurvedische Ernährungsberaterin lagen ihr die indischen Gewürze sehr am Herzen – und glücklicherweise hatte Peter ja Kontakte zu den indischen Kaffeebauern, auf deren Feldern auch Nelkenbäume, Pfeffer oder Muskat wachsen. Über persönliche Kontakte wurden weitere Gewürzerzeuger gefunden, die auch bereit waren, biologisch oder sogar biodynamisch zu wirtschaften. „In der indischen Kultur haben die Menschen einen ganz anderen Zugang zu „spirituellen“ Ansätzen, zu Kräften und Wirkweisen – dass Präparate genutzt werden oder auf den Mondzyklus geachtet wird, ist völlig normal“ so berichtet Peter. Im Jahr 2007 war es dann so weit: Caffè Casolo wurde als Marke eingetragen und auf dem Haldern Pop Festival 2008 erstmals ausgeschenkt. Mittlerweile sind zwei Kaffee- und zwei Espressolinien im Programm, einmal in Bio- und in Demeter-Qualität.

2011 zog Emport auf den Unteren Dützhof bei Bonn, wo die Kaffeerösterei mit Bar, eine Gewürzmanufaktur, Kochkurse und Wochenendschulungen sowie viermal pro Woche ein Ayurveda Buffet für 60 bis 70 Personen ihren Platz fanden. Doch dann kam 2021 die Flutkatastrophe, die nicht nur das Ahrtal traf. Emport musste eine neue Bleibe suchen und fand sie am heutigen Standort, etwa 20 km vom Dützhof entfernt, in Erftstadt. Hier sind nun Lager, Rösterei, Verarbeitung und Abpackung, ein kleiner Laden und das Büro unter einem Dach vereint.

Arabica und Canephora – Spezialitäten aus Indien

Kaffee spielt eine zentrale Rolle bei Emport. Aus dem Import von einem Container im Jahr 2004 sind mittlerweile zwischen drei bis fünf Container à 20 Tonnen pro Jahr geworden Noch vor 20 Jahren war indischer Kaffee kaum bekannt, mittlerweile ist Emport als Rohkaffeehändler etabliert und besonders die Canephora Bohnen, im Handel als Robusta bekannt, erfahren immer größere Beliebtheit in der Spezialitätenszene: kräftig mit dem Geschmack dunkler Schokolade und wenig Säure. Dabei birgt das Importgeschäft ein nicht geringes Risiko: steigende Transportkosten; klimawandelbedingte Ernteausfälle oder Qualitätseinbußen; Schiffe, die eine Kanaldurchfahrt versperren und somit die Lieferzeit verzögern – all diese Unwägbarkeiten müssen, so gut es geht, einkalkuliert und ausgehalten werden, kein Vorhaben für schwache Nerven. Auch die internationalen Kaffeebörsen wirken sich auf den Preis aus: Die New Yorker Börse bestimmt den Arabica-Preis, in London wird der Robusta-Preis festgelegt. Wenn man dann die Lager-, Lohn-, Verbrauchs- und Verarbeitungskosten hinzurechnet, weiß man, weshalb die Preise für Kaffee in den letzten Jahren angestiegen sind und für Bio-Kaffee durchschnittlich bei 20 bis 30 € je Kilo liegen. Dennoch ist Bio- oder Fairtrade Kaffee für viele Konsumenten der Einstieg in einen bewussteren Konsum. Doch die Produktion nach Bio- oder Demeter-Richtlinien ist natürlich risikoreicher, daher ist eine gute Beziehungspflege zu den Produzent:innen im Herkunftsland wichtig: „Wenn die Bauern ihre Rohstoffe auch ohne aufwändige Bio- oder gar Demeter-Zertifizierung verkauft bekommen, vielleicht nach China oder die USA, warum sollten sie dann die strengen Richtlinien einhalten und Mehraufwand betreiben? Das muss man ihnen erklären, bzw. ihnen als verlässlicher Partner gegenüberstehen, Kontinuität bieten und Ansprechpartner bei Problemen sein.“ erklärt Peter die zunehmend herausfordernde Situation.

Mittelpunkt der Kaffeeröstung bei Emport ist der 1959 hergestellte Probat Röster. Der funktioniert rein mechanisch, was durchaus eine Herausforderung für die röstende Person ist, da individuell auf Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit reagiert werden muss. Etwa 18 kg Rohkaffeebohnen passen in eine Ladung der Rösttrommel, die dann bei 185 bis 195 Grad Celsius geröstet werden. Die Bohnen verlassen die Trommel mit etwa 200 Grad, um dann auf einem Sieb auszukühlen. Die fertig gerösteten Bohnen sind in luftdicht verschlossenen Fässern zwischengelagert, bis sie – als Bohne oder frisch gemahlen – in 500g, 1 kg oder 3 kg Packungen zum Verkauf bereitstehen. Bislang rösten nur Peter und Moritz, doch um das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen, möchten sie eine weitere Person als Röster gewinnen, da die Aufgabenbereiche von Peter und Moritz oftmals ihre gesamte Zeit und Aufmerksamkeit aufbrauchen. Die Protokollierung von Temperaturverläufen ist dabei ein Baustein. „So stellen wir sicher, dass eine gleichbleibende Qualität erzielt wird, auch wenn wir mal ausfallen.“ fasst Peter diesen Schritt zusammen. Emport führt außerdem randomisierte Qualitätskontrollen bei seinen Lieferanten in Indien durch – die Proben werden im Labor u.a. auch auf Glyphosatrückstände analysiert, da der Einsatz dieses Mittels in Indien leider sehr verbreitet ist, und durch Abdrift oder falsche Handhabung auch Demeter-Flächen kontaminiert sein könnten.

Gewürze und Ayurveda als Einheit

Der Import von Gewürzen und Tee begann Mitte der 2010er Jahre aus Eigenbedarf heraus und bildet mittlerweile ein festes Standbein des Unternehmens – so beliefert Emport Verarbeiter aus dem Tee-, Gewürz- und Getränkesektor im deutschsprachigen Raum. Unter ihrer eigenen Marke „TRUEDY“ bringen sie Gewürze, Tees und Feinkost auf den Markt, neben griechischem Olivenöl und selbst gekochtem Chutney sind auch rund 25 Einzelgewürze, ganz oder gemahlen, und Gewürzmischungen im Sortiment – letztere wurden allesamt von Uschi kreiert, vom Ayurveda inspiriert. Die Mischungen kommen ohne den Zusatz von Salz, Zucker oder Füllstoffen aus. Auch hier zeigt sich, dass Qualität eine große Rolle spielt: Alle Gewürze kommen, wie der Rohkaffee, ganz im Lager in Erftstadt an und werden erst nach Bedarf frisch vermahlen, anschließend gemischt und direkt in unlackierte Weißblechdosen verpackt. Sie bieten im Vergleich zu Plastik- oder Papierverpackungen den besten Schutz vor Licht, Luft und Feuchtigkeit und sind vollständig recyclefähig, ein weiterer Nachhaltigkeitsaspekt. Aber auch wer Gewürze lieber ganz verwendet oder selbst mahlen möchte, z.B. Bockshornkleesamen, Curryblätter, langen Pfeffer oder Zimtstücke, findet diese im Emportsortiment.

Für Uschi spielen die Rohstoffe eine herausragende Rolle: „natürlich in jeder Form einer ganzheitlichen Sicht, nicht nur im Ayurveda. Der anthroposophische Ansatz ist der gleiche. Denn es geht um Wissen, Weisheit und den Umgang von und mit Mensch, Natur und Kosmos. Die (Natur-) Rohstoffe sind die Wurzel der kompletten, globalen Nahrungsthematik.“ so bringt sie ihren Standpunkt zum Ausdruck und ergänzt: „Rohstoffe und Verarbeitung von Nahrung sind maßgeblich beteiligt am Wohlbefinden und der Gesundheit der Menschen. Es geht um das Stoffliche und um das Geistige in der ursprünglichen Nahrung und was davon übrigbleibt. Darin liegt meine Motivation: Verantwortung für das, was wir den Menschen anbieten möchten – im Einklang mit dem Wissen, was Menschen weglassen und was sie zu sich nehmen sollten. Also, was schadet und was hilft. Es ist ganz einfach: Der Mensch besteht aus 100 % Natur. Und alles, was er über irgendeine seiner Öffnungen aufnimmt (inklusive Augen und Ohren), was nicht 100 % natürlich ist, schadet ihm. Das Gleichgewicht des menschlichen Dreiklangs von Körper, Geist und Seele wird eigentlich ständig attackiert.“

Eine weitere Spezialität ist das selbst hergestellte Ghee – geklärte Butter, die traditionell im Ayurveda zum Kochen, Backen oder auch zur Körperpflege genutzt wird. Für die Produktion von Ghee ist Bio-Süßrahmbutter der Ausgangsstoff, sie wird dann bei kleiner Hitze in einem Kupfertopf, ohne Deckel, auf einem Gasherd geköchelt – so verdampft das Wasser und die geklärte Butter bleibt übrig.

Zukunft im Jetzt gestalten

Emport ist Importeur, Gewürz- sowie Rohkaffeehändler, Röster als auch Verarbeiter und Verkäufer – und, über all dem: Verlässlicher Partner für seine Produzenten. Die tiefsitzende Überzeugung, dass Gutes zu tun, besser ist, als nur darüber zu sprechen, auch wenn es manchmal ein „Kampf gegen Windmühlen“ zu sein scheint, brachte das Team bisher gut über alle Hindernisse, die sich auftaten. „Bis 2050 werden wir weltweit die Hälfte der Kaffee-Anbauflächen verlieren – außerdem wächst der Eigenbedarf in den Herkunftsländern, dann noch Bio- oder gar Demeter-Qualität zu bekommen, wird eine Herausforderung, daher ist es umso wichtiger, Beziehungen zu pflegen, um die Rohstoffe und den Absatz zu sichern“ beschreibt Peter eine der Herausforderungen, die auf sie zukommen wird. Ein gegenseitiges Wahrnehmen, in Beziehung treten, und darüber global-regionale, direkte Kontakte aufbauen, möglichst nah am Produzenten und Konsumenten dran sein, darin liegt für Emport der Schlüssel zur Nachhaltigkeit, zur Zukunft – des Unternehmens, aber auch der biologisch und biodynamischen Wirtschaftsweise. Diese Werterhaltungskette in die Zukunft zu tragen, ist täglicher Ansporn und Vision von Emport, oder um es mit ihren eigenen Worten zu formulieren: „Aufbauende Landwirtschaft, Vielfalt statt Artensterben, Humusaufbau statt Raubbau – das sind die Grundlagen für echte Nahrung. Für Zukunft. Für Leben. Wir wünschen uns mehr Bewusstsein dafür, woher unser Essen wirklich kommt – nicht nur kulinarisch oder botanisch, sondern aus welchen Händen.“

„Für Emport wünsche ich mir, dass wir allesamt aufmerksam, hinterfragend, doch auch zuversichtlich und mutig bleiben in diesem Zeitenwandel. Bei schwierigen Entscheidungen öfter mal im Geiste die Ebene wechseln, Beobachter sein – nicht nur für die Ereignisse, auch für sich selbst. Da ist man schnell wieder in der Verbindung mit den wahren Lebenswerten und der Sinnhaftigkeit.“  Uschi Schnel, Gesellschafterin von Emport

EMPORT NAHRUNG FÜRS LEBEN

  • 2005 gegründet
  • 10 Mitarbeitende, inkl. 3 Gesellschafter Peter Winkler, Uschi Schnell, Moritz Lorenz
  • Bio- & Demeter-Qualitäten: Rohkaffee, Röstkaffee, Gewürze, Tee, Feinkost
  • 11 Lieferanten aus Indien, 8 aus Afrika, Iran, Nepal
  • Lieferant für Tee- & Gewürzhersteller, Vertrieb regional im örtlichen LEH, Bio-Fachhandel, sowie Onlineshop
  • Eigenmarken: Caffè Casolo, TRUEDY
  • Vertriebsweg für Demeter-Espresso Ritmo & -Kaffee Vita: über Demeter-Höfe und biodynamische Gemeinschaft

www.emport.com