Schwerpunkt

Linsenanbau auf der Schwäbischen Alb

Erfahrungen vom Kalmenhof

von Friedhelm Mickley-Gansloser, Landwirt auf dem Kalmenhof, www.kalmenhof-demeter.de

Einem Schwaben braucht man Linsen nicht erst schmackhaft zu machen. Viele Menschen sind froh, diese in Demeter-Qualität aus der Region beziehen zu können. Seit Juli 2009 sind wir anerkannter Demeter-Betrieb und unser Hof liegt mitten im Anbaugebiet der Bioland Erzeugergemeinschaft Albleisa. Zudem befasste sich unser Sohn Matthias mit der Direktvermarktung von Mehl und Körnerfrüchten. Daraus resultierte der Entschluss, neben Weizen und Dinkel aus biodynamischer Züchtung auch Einkorn, Du-Puy Linsen und Buchweizen für die Direktvermarktung anzubauen.

Wetterabhängiges Ertragsniveau

Im Frühjahr 2012 säten wir erstmals Linsen aus. Der Bestand war groß und dicht und wir konnten die erste Ernte mit lediglich 13% Wassergehalt einbringen. Die Vermarktung erfolgte zunächst über die Albleisa. Die Erträge liegen bei durchschnittlich 600 kg bis 700 kg gereinigte Ware pro Hektar. Im Jahr 2014 waren es nur 400 kg gereinigte Ware pro Hektar mit einem Feuchtigkeitsgehalt von 26 %, was auf eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit und ungewöhnlich viel Regen in der Erntezeit zurückzuführen ist. Das bislang schlechteste Linsenanbaujahr war 2017: Zum einen dezimierte ein sehr heftiger Spätfrost Ende April die 14 Tage zuvor gesäten und deshalb bereits keimenden Linsen, die eigentlich als frostunempfindlich gelten, was zu einem schwachen Bestand führte. Zum anderen versetzte schwül-feuchte Witterung die Linsen kurz vor der Ernte in Keimstimmung. Dadurch zerfielen viele der angekeimten Linsen nach der Trocknung beim Reinigen und letztlich blieben nur knapp 100 kg Verkaufsware pro Hektar übrig. Das Jahr 2018 mit seiner ausgeprägten Trockenheit geht bei uns mit 1.000 kg Verkaufsware pro Hektar als Rekordjahr in die Geschichte des Linsenanbaus ein. Wenn es gelingt, einen guten Bestand mit Hilfe der Frühjahrsfeuchte zu etablieren, sind Linsen eine geeignete Anbaualternative für Betriebe mit kargen steinigen Böden in Lagen mit häufiger Sommertrockenheit.

Anbau, Pflege und Aufbereitung

Grundsätzlich unterscheiden sich die Sorten in ihrem Anbauverhalten eher unwesentlich. Allerdings gilt: Je kleiner die Linsen, desto besser der Geschmack und desto schwieriger die Reinigung. Die Linsen bauen wir mit der Stützfrucht Hafer an, dazu mischen wir 60 kg Hafer und 50 kg Linsen pro Hektar und säen sie zusammen aus. Der Hafer dient als Futter, vor allem für das Jungvieh, und das Reinigen der Linsen gelingt mit Hafer am einfachsten. Über die Stärke der Deckfrucht kann auch der Unkrautbesatz etwas reguliert werden, der bei Linsen immer ziemlich hoch ist. Besonders die robuste und stachelige Kratzdistel kommt auf Linsenfeldern gerne vor. Nach Untersuchungen der Uni Hohenheim gibt es auf Linsenfeldern bis zu 60 Beikrautarten – eine Fülle an Biodiversität!

Beim Striegeln sollte man sehr vorsichtig sein, da die zierlichen Pflanzen dem Striegel eher als das Beikraut zum Opfer fallen. Hacken funktioniert wohl, solange die Pflanzen noch klein sind und nicht an den Arbeitsgeräten hängenbleiben. Bei größeren Reihenabständen besteht jedoch die Gefahr, dass die Randpflanzen umfallen und dann schwer bis gar nicht mehr zu ernten sind. Für unseren Betrieb ist weder der Striegel noch die Hacke eine Option, da deren Einsatz auf den steinigen Böden mit größten Problemen verbunden ist. Um die Unkrautsituation nach dem Linsenanbau zu regulieren, bauen wir Grünroggen an. Dieser unterdrückt die Beikräuter und bindet­ den bereitgestellten Stickstoff. Nach dessen Ernte im Mai säen wir Buchweizen als Zweitfrucht und erreichen damit gleichzeitig eine grüne Brücke mit ständiger Boden­bedeckung und vielfältige starke Wurzel­rückstände zur Ernährung des Bodenlebens. Neben der Zwischenfruchtaussaat und dem Pflugverzicht bringt uns dies eine messbare Verbesserung des Humus­gehaltes unserer Böden: von 2011 bis 2017 konnte er um 0,5 % gesteigert werden.

Das Reinigen der Linsen ist nicht ohne verschiedene Geräte wie Trieur, Gewichtsausleser und heutzutage auch dem Farbausleser möglich. Dies gilt es beim Anbau zu bedenken, denn der beste Ertrag nützt nichts, wenn er nicht in Marktware verwandelt werden kann! Wir haben als bislang einziger Demeter-Betrieb um Ulm eine Getreidelagerung für unsere Direktvermarktung angeschafft und mittlerweile auch eine Reinigungsanlage installiert. Damit sind wir in der Lage, sowohl die Linsen als auch Buchweizen, Leinsamen, Kichererbsen bis hin zu Quinoa auch für Kunden zu reinigen. Unsere Linsen finden sowohl ab Hof, in Naturkostläden und über einen regionalen Großhändler einen sehr guten Absatz. Die Linse verdient unserer Meinung nach auch im regionalen Demeter-Anbau mehr Beachtung.

Kalmenhof

  • Landwirtschaftliche Nutzfläche 95 ha (65 ha Ackerland, 30 ha Grünland), 7 ha Wald

  • Fruchtfolgeglieder: Rotkleegras, Luzernegras, Weizen, Dinkel, Linsen, Einkorn, Buchweizen, 0,5 ha a

  • Lage: 700 m ü. NN, Ø 770 mm Niederschlag, Weißjura-Verwitterungsgestein mit geringer Lößlehmauflage

  • 55 Milchkühe plus weiblicher Nachzucht

  • Direktvermarktung der angebauten Kulturen (als Körner und Mehl)

  • Speisefertige Getreideaufbereitung und Schälung verschiedenster Körner

  • Kalmenhof GbR, Kalmenhof 1, 89160 Scharenstetten