Schwerpunkt

Betrieb sucht neue Leitung

Das Kontaktforum Hofübergabe

Interview mit Anna-Maria Bissinger, Bio-Landwirtin mit Schwerpunkt Milchvieh und Mitglied im Öko-Junglandwirte-Netzwerk (ÖJN), Fragen: Adrian T. Meyer

 

Aus welchem Grund wurde das Kontaktforum Hofübergabe ins Leben gerufen und was waren deine Beweggründe, dich dort zu engagieren?

Das haben vor vielen Jahren schon die ersten vom ÖJN ins Leben gerufen und da wollten sie ein Format schaffen mit einer geringen Hemmschwelle für das Thema außerfamiliäre Hofübergabe. Das war dann immer in Fulda, wurde aber aufgrund von Personalmangel ausgesetzt. Wir haben das dann quasi wieder „aus dem Keller rausgeräumt“ und wieder aktiviert; das erste Kontaktforum im neuen Team, wo ich auch dabei war, war 2022 in Eberswalde. Ich finde wichtig, dass die Höfe einfach weitergehen müssen; wir brauchen mehr junge Menschen und mehr neue Ideen in der Landwirtschaft.

 

Arbeitet ihr mit externen Moderatoren zusammen? Wie sieht so ein Erstkontakt, eine Beratung aus?

Also es ist ja nicht in dem Sinne eine Beratung. Es ist ein Wochenende – von Freitag auf Sonntag – und da laden wir verschiedene Moderatoren ein. Unsere Hauptmoderatorinnen sind Marianne Nobelmann und Birgit Motteler, die ziehen den roten Faden durch unser Programm. Am ersten Tag geht es um Standortermittlung, am zweiten Tag widmen wir uns der Frage „Wo will ich hin?“ und am dritten Tag geht es um die nächsten Pläne der Teilnehmenden. Zusätzlich gibt es am zweiten und dritten Tag verschiedene Workshops zu Steuern, alternativen Hofübergabemodellen (z. B. Stiftungen und Vereine), Gesprächsverhalten und noch einiges mehr. Hier haben wir immer Variablen drin und laden auch externe Fach­berater:innen ein.

 

Finden die Kontakte nur auf den Treffen des Kontaktforums statt, oder begleitet ihr den Übergabeprozess noch darüber hinaus?

Die Treffen finden nur auf den Foren statt. Beim letzten Kontaktforum hatten wir dann noch ein Nachtreffen im Online-Format, wo jeder ein bisschen erzählt hat. Ob wir einen Folgetermin haben, entscheiden wir immer am Ende des Forums mit der gesamten Gruppe. Für das nächste Kontaktforum ist kein Nachtreffen geplant.

 

Ist das Forum gut besucht, bzw. wird es viel „genutzt“?

Ja, bisher waren wir immer gut besucht mit ca. 30 bis 35 Teilnehmenden. Davon sind dann etwa die Hälfte hofabgebend, die andere Hälfte hofsuchend. Da sortieren wir auch ein bisschen, dass wir ein Gleichgewicht zwischen Jungen und Älteren haben.

 

Das Motto eurer Kontaktforen lautet „Lebenswerke übergeben – Lebenswerke neu beginnen“; was sind denn die größten Herausforderungen für die Landwirte, die eben ihr Lebenswerk an nahezu Fremde übergeben wollen?

Das sind ganz verschiedene. Wir machen immer einen Workshop, wo es um Perspektivwechsel geht; also, wo die Hofsuchenden sich in die Hofabgebenden hineinversetzen und umgekehrt. Da geht es dann darum, was die größten Herausforderungen und Ängste der jeweils anderen sind. Von den Jungen wird meistens gedacht, dass es um die Weitergabe und das Erhalten von Werten geht. Aber es ist eigentlich immer von den Älteren her so, dass es ihnen wichtig ist, dass die persönliche Ebene stimmt, und der Rest ergibt sich dann. Umgekehrt ist es tatsächlich exakt das Gleiche. Also, wenn die persönliche Ebene nicht passt, dann sind gleich Hopfen und Malz verloren.

 

Braucht es manchmal mehrere „Anläufe“ für Landwirte, die ihren Betrieb abgeben wollen, bis sie die passenden Empfänger gefunden haben?

Ja, aber von beiden Seiten, also von Jung und Alt. Ganz genau kann ich das nicht sagen, da wir das nicht evaluieren. Im Kontaktforum ist eine bunte Mischung von Anfängern, die sich noch nicht wirklich Gedanken gemacht haben, und Leuten, die schon konkretere Pläne haben und schon seit ein paar Jahren suchen. Eine Familie ist seit fast sieben Jahren dabei und die suchen immer noch.

 

Was sind denn einige der erfolgreichsten Beispiele aus deiner Zeit beim Kontakt­forum?

Auf jeden Fall immer die positiven Rückmeldungen, dass das Kontaktforum – also das Konzept, so wie es ist – gut funktioniert und gut ankommt. Es wird auch sehr geschätzt, dass sowohl Hofübergebende als auch Hofsuchende da sind und man gut in Austausch kommt. Wir sind ja kein Speeddating, wo man mit der Erwartung hingehen sollte, am Ende des Wochenendes auf jeden Fall einen neuen „Partner“ gefunden zu haben. Uns geht es vor allem um die Prozessbegleitung. Die Moderatoren sind da immer eine große Hilfe, dass wir uns wieder auf unsere Ziele rückbesinnen: Wo bin ich, wo will ich hin, was muss ich noch leisten, damit ich mein Ziel erreiche?

 

Und was sind deiner Meinung nach die größten Hemmnisse oder Gründe, weshalb ein „Kontakt“ scheitert?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich leite für mich ab, dass es teilweise aus persönlichen Gründen einfach nicht passt; das wird von Jung und Alt als das Wichtigste gesehen. Allgemein ist zu sagen: je früher sich die Leute „auf den Weg machen“ – also sich schon fünf bis zehn Jahre, bevor der Hof übergeben werden soll, damit auseinandersetzen – dann klappt es meistens besser.

 

Was bräuchte es, damit ihr noch mehr Geber und Empfänger zueinander führen könntet, um diese Lebenswerke fortzuführen oder neu zu beginnen?

Erst einmal mehr Budget. Das Kontaktforum scheitert meistens an Spendengeldern; wir machen das alles ehrenamtlich. Wir zahlen Unterkunft und Verpflegung selbst aus den Beiträgen der Teilnehmer:innen. Aber wir wollen natürlich die Hemmschwelle, daran teilzunehmen, so gering wie möglich halten, deshalb wollen wir den Teilnahmebeitrag nicht so hoch ansetzen. Deswegen sind wir auf Spendengelder angewiesen und aktuell sind die Firmen nicht so in spendabler Stimmung. Außerdem brauchen wir immer engagierte Menschen, wie vom ÖJN, die sich um so etwas kümmern. Ganz besonders schwierig ist es auch oft, die älteren Leute überhaupt zu erreichen, dass sie überhaupt davon wissen. Meistens teilen wir das Ganze über Social Media und da erreicht man die Älteren oft schwierig; wir müssten eigentlich noch Anzeigen schalten in den ganz regionalen Zeitungen und das schaffen wir allein von Kosten und Aufwand her gar nicht. Allein das Bayrische Wochenblatt hat ja für jeden Landkreis und Regierungsbezirk eine extra Ausgabe. Die Leute gehen auch lieber in ein Kontaktforum ein paar Städte weiter; wenn man im eigenen Ort zu so einem Forum geht, dann könnte man ja die Nachbarn treffen.

 

Fragen: Adrian t. Meyer

Öko-Junglandwirte-Netzwerk und Kontaktforum Hofübergabe

Das Öko-Junglandwirte-Netzwerk (ÖJN) wurde 2006 von einer kleinen Gruppe von Studierenden der Fachschule für Agrarwirtschaft Kleve ins Leben gerufen. Inzwischen hat es bundesweit über 2500 Teilnehmer:innen. Das gemeinsame Anliegen: positive Veränderungen anstoßen, aktiv die Zukunft der Landwirtschaft mitgestalten und gemeinsam über Themen des Ökolandbaus kritisch diskutieren. Der Austausch untereinander und die gegenseitige Beratung stehen auch im Fokus. Neben der einmal im Jahr stattfindenden Öko-Junglandwirt:innen-Tagung wird seit 2016 jährlich ein Zukunftspreis an Junglandwirte verliehen, die besonders innovative Konzepte im Bereich Ökolandbau umsetzen. Ebenfalls 2016 gründete das Netzwerk das Kontaktforum Hofübergabe. Das Forum richtet sich an Leitende landwirtschaftlicher Erzeugerbetriebe, die ihren Hof abgeben wollen und an junge Leute, die auf der Suche nach einem Betrieb sind, den sie übernehmen können.